Versuch einer empirischen Erhebung zum Thema: Rechtsextremismuswahrnehmung - Schere zwischen wahrgenommenem und existierendem Rechtsextremismus in der Region?


Seminararbeit, 2002

24 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Problemfindung, Hypothesen, Erhebungsart und Operationalisierung
2.1. Problemfindung & Hypothesen
2.2. Erhebungsart
2.3. Variablen & Konstanten, Operationalisierung der Hypothesen

3. Befragung & Schwierigkeiten mit Methode & Fragebogen

4. Pretests und Schlußfolgerungen

5. FAZIT

ANHANG
Erster Fragebogenentwurf
Zweiter Fragebogenentwurf
Erfassungsbogen Pretest

1. Einleitung

Eigentlich wollte ich was ganz anderes untersuchen: Rechtsextremistische Musik und solche die als rechtsextremistisch indiziert und somit verboten ist - ebenso wie die Musik, die zwar rechtsextremistisch ist, aber der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften - sagen wir mal - durch die Lappen gegangen ist. Zugunsten einer anderen Fragestellung, die mir im Zuge der Hausarbeit Rechtsextremismus nachgerade ins Gesicht gesprungen ist, habe ich von diesem Projekt aber Abstand genommen. Darüber hinaus taten sich Probleme schon mit der Findung des eigentlich zu untersuchenden Problemfeldes sowie mit der Operationalisierung der Hypothesen auf; und auf eine Mithilfe der Bundesprüfstelle war auch nicht wirklich zu bauen. Deshalb also der Themenschwenk zur Rechtsextremismus-Wahrnehmung.

Bei den Recherchen zum Thema "Rechtsextremismus in der Region" ist mir aufgefallen, daß bei der "normalen" Bevölkerung wie auch bei Menschen, die sich eigentlich damit auseinandersetzen müßten, eine Schere zwischen dem wahrgenommenen und dem vorhandenen Rechtsextremismuspotential zeigt. Wahrgenommen werden scheinbar nur (und auch nur zum Teil) die plakativen polizei- und somit presserelevanten Straftaten / Aktionen von Rechten und Pseudo-Rechten vor Ort; nicht aber der Alltagsrassismus oder die Arbeit rechtsextremer Parteien, sowie sie über ein gebietsmäßig begrenztes Umfeld (Stadt, Landkreis etc.) hinausgehen. Wahrgenommen werden hingegen scheinbar die augenfällig beruhigenden Versuche, etwas gegen den Rechtsextremismus vor Ort zu unternehmen. Das Ergebnis sind Formulierungen wie "Wir haben hier eigentlich keinen Rechtsextremismus, aber wir tun was dagegen!"

Zu untersuchen wäre, ob das ein verallgemeinerbares Phänomen ist oder nicht. Zu unternehmen wäre auch der Versuch herauszufinden, was die Ursachen dafür sind.

2. Problemfindung, Hypothesen, Erhebungsart und Operationalisierung

2.1. Problemfindung und Hypothesen

Rechtsextremismus und rechtsextreme Straftaten finden in Brandenburg an vielen Orten statt. Eine der Voraussetzungen für die rechtsextremen Gruppierungen ist, daß sie von der Öffentlichkeit im schlimmsten Fall unterstützt, im besten Fall einfach ignoriert und schlicht nicht wahrgenommen werden oder ihre Existenz negiert wird.

In der Arbeit soll der Vermutung nachgegangen werden, daß rechtsextreme Organisationen, Straftaten mit rechtsextremem und fremdenfeindlichen Hintergrund von einem großen Teil der Bevölkerung entweder einfach nicht wahrgenommen oder aber wahrgenommen und heruntergespielt werden.

Hypothesen / Indizien dafür könnten sein:

- je mehr der einzelne Mensch beruflich oder durch die Arbeit in Parteien/Organisationen/Verbänden mit dem Thema Rechtsextremismus zu tun hat, desto mehr nimmt er auch den Rechtsextremismus in seiner Umgebung wahr.
- je bewußter und regelmäßiger der Medienkonsum, desto gezielter werden medienwirksame durch Rechtsextremisten verübte Straftaten und Aktionen wahrgenommen.
- jüngere Menschen und Menschen mit höherem Bildungsstand neigen eher dazu, Rechtsextremismus um sich herum wahrzunehmen als ältere Menschen oder Personen mit einem geringeren Bildungsstand
- von der politischen Grundüberzeugung her eher links stehende Menschen nehmen Rechtsextremismus in der Region eher wahr als konservativ eingestellte.

2.2. Erhebungsart

Am ehesten eignet sich hier eine Befragung mit stark strukturiertem Standardfragebogen. Die Befragung soll telefonisch durchgeführt werden. Das hat - wie andere Befragungen mit Standardfragebogen natürlich auch - den Vorteil, vergleichbare Aussagen zu gleichen Fragen zu erhalten. Dazu kommt eine sehr ähnliche Befragungssituation bei Telefoninterviews; beispielsweise keine Beeinflussung der befragten Personen durch Mimik, Gestik des Interviewers o.ä.. Telefoninterviews sind gerade auf ein begrenztes Gebiet bezogen wenig kostenintensiv (keine Ferngespräche!) und ergeben im Vergleich mit der direkten Befragung keine besonders hohe Quote von Verweigerern. Auch der soziale Bevölkerungsquerschnitt ist gewährleistet bei einer 90-95 prozentigen Erreichbarkeit per Telefon selbst im ländlichen Raum. Ein Nachteil ist, daß Verweigerer das Gespräch leichter abbrechen können.

Grundgesamtheit ist die Bevölkerung des Landkreises Prignitz im wahlfähigen Alter (rd. 78.700). Um eine repräsentative Untersuchung durchzuführen, sollen mindestens 1.000 Menschen befragt werden. Als Grundlage für die Stichprobenziehung dient das Telefonbuch "Das Örtliche" für die Prignitz.

à Durch einen Vorwahlbereich im ländlichen Raum werden in der Regel mehrere Gemeinden abgedeckt. Aus der Rufnummer ist dabei nicht zu erkennen, ob der Anschluß innerhalb einer Stadt oder einer benachbarten Gemeinde liegt. Die Auswahl der Rufnummern erfolgte daher nach dem Vorbild der Meinungsforschungsinstitute, die in Brandenburg im Auftrage der Landesregierung und der Parteien Umfragen durchführen: Aus dem Telefonbuch ausgewählte Rufnummern werden an den letzten beiden Stellen durch das addieren der Zahl 1 jeweils zu den letzten beiden Stellen verändert. Dadurch wird erreicht, daß auch Rufnummern, die nicht ins Telefonbuch eingetragen sind, die Chance haben, angerufen zu werden[1].

[...]


[1] Quelle: Interview mit Rita Müller-Hilmer zur Datengewinnung des Institutes Infratest-dimap in Brandenburg im Februar 2000

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Versuch einer empirischen Erhebung zum Thema: Rechtsextremismuswahrnehmung - Schere zwischen wahrgenommenem und existierendem Rechtsextremismus in der Region?
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Journalisten-Weiterbildung)
Veranstaltung
Seminar: Prinzip und Prozeß empirischer Forschung
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
24
Katalognummer
V6379
ISBN (eBook)
9783638139625
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, Methodenlehre, Empirik
Arbeit zitieren
Daniel Körber (Autor), 2002, Versuch einer empirischen Erhebung zum Thema: Rechtsextremismuswahrnehmung - Schere zwischen wahrgenommenem und existierendem Rechtsextremismus in der Region?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6379

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