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Gabe und Gegengabe im europäischen Mittelalter - Klassische und moderne Austauschtheorie unter historisch-literarischem Aspekt

Title: Gabe und Gegengabe im europäischen Mittelalter - Klassische und moderne Austauschtheorie unter historisch-literarischem Aspekt

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 21 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Katrin Eichhorn (Author)

Sociology - Individual, Groups, Society
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Der Wechselwirkung von Gabe und Gegengabe in zwischenmenschlichen Beziehungen ist als Untersuchungsfeld in der Soziologie aus verschiedenen Blickwinkeln Aufmerksamkeit zuteil geworden. Inwieweit sie auch in der höfischen Gesellschaft des europäischen Hochmittelalters nachgewiesen werden kann, wird im Folgenden erörtert.
Die vorliegende Seminararbeit ist die Erweiterung und Spezifizierung der Thematik, die ich mit meinem Essay für das Hauptseminar „Zum Verständnis persönlicher Beziehungen“ vorgestellt habe. In diesem Essay wird mit Hilfe der Verknüpfung dreier wissenschaftlicher Gebiete, namentlich der Soziologie, der
Geschichtswissenschaft und der Literaturwissenschaft das Sujet der interpersonalen Agitation auf eine Ebene außerhalb gegenwärtiger soziologischer Beobachtungsräume gebracht und untersucht, ob und inwieweit
austauschtheoretische Konzepte mit der Germanistik und der Mediävistik in Verbindung zu bringen sind. Die klassische Ethnologie und Anthropologie sowie die moderne Austauschtheorie werden - mit besonderem Fokus auf das Verhältnis der Fürsten zu ihren höfischen Literaten - am Beispiel der fürstlichen Hofgesellschaft angewandt.
Diese Arbeit vertieft die Blickpunkte des vorangegangen Essays, indem die Teilaspekte spezifischer beleuchtet werden. Zunächst findet ein ausführlicher Blick auf die klassische Ethnologie und Anthropologie statt, wobei insbesondere Marcel Mauss’ WerkDie Gabein den Mittelpunkt rückt. Auch deren Rezeption durch anderen Soziologen, Ethnologen bzw. Psychoanalytiker wird gesondert berücksichtigt.
Im darauf Folgenden wird die moderne Austauschtheorie unter besonderer Beachtung des Soziologen Peter M. Blau vorgestellt. Seine Theorie des Sozialen Austauschs ist neben Marcel Mauss’Gabedie Hauptgrundlage meiner Betrachtung der mittelalterlichen höfischen Gesellschaft vor dem Hintergrund der Soziologie.
Innerhalb des Forschungsfeldes der Mediävistik untersuche ich die Anwendbarkeit beider soziologischer Schwerpunkte auf das Gebiet des europäischen Hochmittelalters. Gibt es dort das wechselseitige System von Gabe und Gegengabe?
Neben soziologischer wird besonders mediävistische und literaturwissenschaftliche Fachliteratur herangezogen, um den Hin- bzw. Nachweisen des Phänomens zu folgen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Gegenstand der Arbeit

II. Geben und Nehmen

1. Ethnologie und Anthropologie:

1.1. Marcel Mauss’ „Die Gabe“

1.2 Rezeption

2. Moderne Austauschtheorie

3. Mediävistik: Dichter und Mäzen im europäischen Hochmittelalter

III. Fazit

IV. Bibliographie

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Wechselwirkung von Gabe und Gegengabe innerhalb der höfischen Gesellschaft des europäischen Hochmittelalters. Dabei wird erforscht, inwieweit soziologische und austauschtheoretische Konzepte, insbesondere von Marcel Mauss und Peter M. Blau, auf das historische Verhältnis zwischen Fürsten als Mäzenen und den von ihnen geförderten Dichtern angewandt werden können.

  • Grundlagen der klassischen Ethnologie und Anthropologie (Marcel Mauss)
  • Moderne soziologische Austauschtheorien (Peter M. Blau)
  • Das System von Geben und Nehmen im mittelalterlichen Kontext
  • Die Abhängigkeitsverhältnisse und Machtstrukturen zwischen Fürsten und Dichtern
  • Die Rolle der literarischen Förderung als "Gabe" und die Erwartung von "Gedächtnus" als Gegengabe

Auszug aus dem Buch

3. Mediävistik: Dichter und Mäzen im europäischen Hochmittelalter

Dass auch für die Geschichtswissenschaft die gabentheoretischen Analysen mittlerweile selbstverständlich geworden sind, bestätigen auch Frank Adloff und Steffen Mau. Hierbei verweisen sie auf die Mediävistik, in der bereits seit einigen Jahren die Gabe als Forschungsobjekt fungiert und hinsichtlich ihrer Rolle in der mittelalterlichen sozialen Ordnung untersucht wird. In diesem Kontext sei die Gabe u. a. Zeichen des Standes und Rangs des Gebenden.

In der höfischen Gesellschaft wurde ein Dichter von einem Fürsten an den Hof gerufen, damit er dort literarisch tätig sei. Hierbei war der Fürst also Auftraggeber und Gönner des Autors. Im Folgenden wird der Frage nachgegangen, weshalb ein Fürst gönnerhaft handelte und inwiefern sein Handeln mit einer lohnenden Gegenleistung verknüpft war. Laut Marcel Mauss sei in vielen Kulturen ein Geschenk bzw. eine Gabe niemals frei. Zwar scheinen sie freiwillig zu sein, müssten jedoch erwidert werden. In Bezug auf die höfische Gesellschaft des europäischen Mittelalters lässt sich dieses theoretische Konstrukt gut anhand der Epos-Dichtung erörtern.

Die Abhängigkeit eines Epikers von seinen Gönnern und Auftraggebern war aufgrund langer Arbeitszeiten und hohen Materialaufwandes sehr groß und er konnte nur so lange dichten, wie sein Mäzen ihm die Möglichkeit dazu bot. Tod oder Entzug der Huld des Gönners konnten demnach katastrophale Folgen für den Lebensunterhalt und das zu bearbeitende Werk des Epikers nach sich ziehen.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Gegenstand der Arbeit: Einführung in die Thematik der Wechselwirkung von Gabe und Gegengabe und deren Übertragung von der Soziologie auf die höfische Gesellschaft des europäischen Hochmittelalters.

II. Geben und Nehmen: Theoretische Fundierung durch klassische ethnologische Ansätze von Marcel Mauss sowie die moderne Austauschtheorie von Peter M. Blau, angewandt auf die spezifische Beziehung zwischen mittelalterlichen Fürsten und ihren Dichtern.

III. Fazit: Zusammenfassende Feststellung, dass das Verhältnis zwischen Fürst und Dichter eine komplexe Verknüpfung von wirtschaftlichem und sozialem Austausch darstellt, bei der materielle Förderung gegen geistig-moralische Gegenleistungen wie Ruhm und Gedächtnis getauscht wurde.

IV. Bibliographie: Auflistung der verwendeten soziologischen, mediävistischen und literaturwissenschaftlichen Fachliteratur.

Schlüsselwörter

Gabe, Gegengabe, Austauschtheorie, Soziologie, Mediävistik, Hochmittelalter, Mäzenatentum, Fürst, Dichter, Soziale Interaktion, Reziprozität, Macht, Höfische Gesellschaft, Gedächtnus, Patronat.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das soziale Phänomen des Gebens und Nehmens im Kontext historischer, insbesondere mittelalterlicher, Beziehungsstrukturen zwischen Fürsten und Dichtern unter Zuhilfenahme soziologischer Theorien.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder umfassen die Ethnologie, die moderne soziologische Austauschtheorie sowie die mediävistische Literaturwissenschaft.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu klären, ob und wie austauschtheoretische Konzepte die soziale Dynamik des mittelalterlichen Mäzenatentums erklären können und ob hierbei ein "sozialer Austausch" stattfand.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine interdisziplinäre Seminararbeit, die soziologische Modelle (Mauss, Blau) auf literar-historische Kontexte und Fallbeispiele anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die Theorien von Marcel Mauss und Peter M. Blau vorgestellt und anschließend kritisch auf die Dichter-Fürst-Beziehung im Hochmittelalter, insbesondere am Beispiel von Hermann von Thüringen, angewandt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gabe, Gegengabe, Reziprozität, Macht, Mäzenatentum und soziale Interaktion geprägt.

Welche Bedeutung hat der Begriff "Gedächtnus" in der Arbeit?

"Gedächtnus" beschreibt die moralische Gegengabe der Dichter an ihre Fürsten: Durch die literarische Verewigung des Gönners in den Werken erlangte dieser symbolischen, unvergänglichen Ruhm.

Inwiefern beeinflusste die Machtposition des Fürsten den Austausch?

Die Machtasymmetrie führte dazu, dass der Fürst als Wohltäter auftrat, während der Dichter in eine finanzielle Abhängigkeit geriet, was den Austausch zu einer Form von "Lohn" für soziale Dienste machte.

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Details

Title
Gabe und Gegengabe im europäischen Mittelalter - Klassische und moderne Austauschtheorie unter historisch-literarischem Aspekt
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Sozialwissenschaften)
Course
HS Zum Verständnis persönlicher Beziehungen
Grade
1,3
Author
Katrin Eichhorn (Author)
Publication Year
2006
Pages
21
Catalog Number
V63833
ISBN (eBook)
9783638567824
ISBN (Book)
9783656778820
Language
German
Tags
Gabe Gegengabe Mittelalter Klassische Austauschtheorie Aspekt Verständnis Beziehungen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katrin Eichhorn (Author), 2006, Gabe und Gegengabe im europäischen Mittelalter - Klassische und moderne Austauschtheorie unter historisch-literarischem Aspekt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63833
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