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Lion Feuchtwagers Roman "Jud Süß" und die Rezeption im Film des Dritten Reiches

Title: Lion Feuchtwagers Roman "Jud Süß" und die Rezeption im Film des Dritten Reiches

Examination Thesis , 2006 , 82 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Julia Herbring (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Die Besonderheit des Romans ist nicht ein spezieller Sprachstil oder ein bestimmte Gattung, sondern vielmehr das Schicksal des Joseph Süß Oppenheimer - genannt Jud Süß -, der einen widersprüchlichen Weg durch die Gesellschaft geht, der mit dem Unheil endet, das viele Juden teilen: Süß muss als Sündenbock für die Gesellschaft herhalten. Da es keinerlei Beweise gibt, die seine Schuld verdeutlichen, kann man davon ausgehen, dass sein Tod kein juristischer ist, sondern, dass es sich bei seiner Erhängung um Mord handelt, der aus politischen Gründen und wohlüberlegt von den Landständen durchgeführt wird. Diese Besonderheiten wollen alle bei den Überlegungen zum Leben und Schicksal des Joseph Süß Oppenheimer einfließen. In dieser Arbeit werden die verschiedenen Umsetzungen der Thematik um den Juden verdeutlicht. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Analyse der literarischen Bearbeitung von Lion Feuchtwanger, die zum Welterfolg avancierte. Des Weiteren beschäftigt sich die Arbeit mit den persönlichen Erfahrungen, die der Autor in seinem Werk einfließen lässt: sein jüdisches Selbstverständnis, seine Erlebnisse im Dritten Reich, der immer größer und schlimmer werdende Antisemitismus, der das Leben des Autors ebenso wie das Leben seines Protagonisten -nur eben zeitversetzt - in groben Maßen beeinflusst. Im Verlauf wird auf die Filme, die sich mit dem Jud Süß-Stoff beschäftigen, verwiesen. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts versuchen sich zwei Regisseure - Veit Harlan 1939 und Lothar Mendes 1934 - mit kongruenten Intentionen und Umsetzungen an der Verfilmung des Lebens des Joseph Süß Oppenheimers. Zu Beginn werden Vorüberlegungen getroffen, um zu verdeutlichen wie sich das Leben der Juden zu Lebzeiten des Joseph Süß Oppenheimers bis zum Erscheinen des Buches Jud Süß verändert hat. Welche prägnanten Erfahrungen mussten Juden mit dem Antisemitismus machen und die Überlegung wird angestellt, ob sie überhaupt eine Chance hatten, gleichberechtigt mit den Christen zu leben. Im Anschluss wird das Leben des Juden Joseph Ben Isacchar Süßkind Oppenheim beleuchtet, um eine Basis zu schaffen, wenn im Zusammenhang mit der Textanalyse des Romans von Lion Feuchtwanger und der Verfilmungen Harlans und Mendes die Frage aufkommt, wer Jud Süß wirklich war. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung in die Thematik des Textes

2. Untersuchungen zum Judentum

2.1. Juden in Deutschland zu Lebzeiten des Joseph Süßkind Oppenheim und bis zu Beginn des Dritten Reichs

2.2. Die Situation der Juden im Dritten Reich

3. Lion Feuchtwanger

3.1 Lion Feuchtwangers jüdisches Selbstverständnis

3.2 Lion Feuchtwangers Erfahrung mit dem Antisemitismus

4. Die historische Figur des Jud Süß: Joseph Ben Isacchar Süßkind Oppenheim

4.1 Das Leben des Joseph Süß Oppenheimer

4.2 Joseph Süß Oppenheimers Umgang mit seiner Religion

5. Analyse des Romans Jud Süß unter besonderer Berücksichtigung der Projektion von Feuchtwangers Erfahrungen mit dem Antisemitismus

5.1 Die Novelle von Wilhelm Hauff als Grundlage für Lion Feuchtwangers Roman

5.2 Der Begriff der Neuen Sachlichkeit

5.3 Der Roman

5.3.1 Die Entstehungsgeschichte

5.3.2 Die sprachliche Struktur des Textes

5.3.2.1 Der Ort des Geschehens

5.3.2.2 Die Zeit in der Jud Süß spielt

5.3.2.3 Die Erzählperspektive

5.3.2.4 Rhetorische Mittel und sprachliche Besonderheiten

5.3.2.5 Die Handlungsstränge

5.3.3 Die Personenkonstellationen

5.3.1 Joseph Süß Oppenheimer alias Jud Süß

5.3.2 Der Herzog Karl Alexander

5.3.3 Die Tochter Naemi

5.3.4 Rabbi Gabriel

5.3.5 Isaak Landauer

5.3.6 Magdalen Sybillen

5.3.7 Das Verhältnis zwischen Jud Süß und dem Herzog

5.3.4 Kommentare zum Roman

6. Die Rezeption im Film des Dritten Reiches

6.1 Die britische Verfilmung „Jew Suess“ von Lothar Mendes

6.2 Die deutsche Verfilmung „Jud Süß“ von Veit Harlan

6.3 Ein Vergleich der Filme von Mendes und Harlan

6.4 Lion Feuchtwangers Reaktion auf die Verfilmung Jud Süß

6.5 Der Film und der Roman – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

6.6 Der Prozess um den Regisseur Veit Harlan, Hamburg 1949

7. Projektionen des Autors auf seinen Titelhelden Jud Süß

8. Schlussfolgerung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Aufarbeitung der historischen Figur Joseph Süß Oppenheimer in Lion Feuchtwangers Roman „Jud Süß“ sowie deren filmische Rezeption im Dritten Reich. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie der Autor persönliche Erfahrungen mit dem zeitgenössischen Antisemitismus in sein Werk einfließen ließ und in welchem Spannungsverhältnis die literarische Vorlage zur späteren nationalsozialistischen Propagandaverfilmung steht.

  • Historische und soziologische Untersuchung der Situation der Juden im 18. Jahrhundert und der Weimarer Republik.
  • Analyse von Lion Feuchtwangers jüdischem Selbstverständnis und dessen Einfluss auf seine literarische Arbeit.
  • Strukturelle und inhaltliche Romananalyse unter Berücksichtigung der „Neuen Sachlichkeit“.
  • Kritischer Vergleich der Verfilmungen von Lothar Mendes und Veit Harlan.
  • Untersuchung der nationalsozialistischen Instrumentalisierung des Jud-Süß-Stoffes.

Auszug aus dem Buch

5.3.2.4 Rhetorische Mittel und sprachliche Besonderheiten

Häufig wird über den Schreibstil des Autors diskutiert. Auch in Jud Süß verwendet Feuchtwanger viele Verben und Adjektive, so dass es beinahe schon zu einer Überreizung kommt. Besonders häufig setzt der Autor drei Adjektive in eine Gruppe zusammen: „zerrissen, überwachsen, bodenloser Sumpf“. Man kann sagen, dass die Sprache Feuchtwangers verschwenderisch in der Wortwahl ist. Entsprechend kritisiert Klaus Harpprecht die Sprache Feuchtwangers: „Es streift die Grenze zum Unerträglichen“. Die Häufung erzeugt Unruhe und Hektik, der Leser fühlt sich gedrängt. Zu dem gewöhnungsbedürftigen Sprach-Repertoire des Autors gehören auch Neologismen wie „flennerisch“.

Auch der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki bestätigt diesen Eindruck: „Seine Schreibweise hat etwas Penetrantes: Sie ist bisweilen eindringlich und zugleich aufdringlich.“ Neben der Sprache gerät auch die Häufung von Bildern in Jud Süß in die Diskussion. Ein Textausschnitt verdeutlicht die Kritikpunkte:

„Er hörte, hörte, wie das Land aufatmete, er sah die fetten Bürgerkanaillen seines Parlaments, wie sie triumphierend grunzten, breitmäulig, sich die Schenkel schlagend, er sah die nüchternen, steifleinernen, korrekten Verwandten der Herzogin und ihren magern, sauern, höhnischesn Jubel.“

Die Passage ist langwierig, wenn man sie liest. Der Leser stockt bei den ausschweifenden Beschreibungen. Lion Feuchtwangers Schreibstil ist sehr eigen. Er beschreibt breit und detailliert und versucht so eine Stimmung zu erzeugen, die aber bisweilen auf den Leser eher anstrengend und überzogen wirkt. Er benutzt seine Sprache um die Umstände, die er beschreibt zu visualisieren. Es ist diskussionswürdig, inwiefern er dadurch dem Leser eine Arbeit abnimmt, die zur Reflexion des Textes entscheidend beitragen würde.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung in die Thematik des Textes: Die Einleitung erläutert die zentrale Problemstellung um die historische Figur des Joseph Süß Oppenheimer und setzt den Fokus auf die literarische Analyse Feuchtwangers im Kontext des aufkommenden Antisemitismus.

2. Untersuchungen zum Judentum: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss über die Lebensbedingungen der Juden in Deutschland vom 18. Jahrhundert bis zur Weimarer Republik.

3. Lion Feuchtwanger: Hier wird das jüdische Selbstverständnis des Autors und seine persönliche Konfrontation mit dem Antisemitismus im 20. Jahrhundert thematisiert.

4. Die historische Figur des Jud Süß: Joseph Ben Isacchar Süßkind Oppenheim: Eine kritische Auseinandersetzung mit den historisch belegten Fakten sowie den Mythen um Joseph Süß Oppenheimer.

5. Analyse des Romans Jud Süß unter besonderer Berücksichtigung der Projektion von Feuchtwangers Erfahrungen mit dem Antisemitismus: Ein umfassendes Kapitel, das die literarische Vorlage, den Stil der Neuen Sachlichkeit sowie die Struktur und Figurenkonstellation des Romans detailliert beleuchtet.

6. Die Rezeption im Film des Dritten Reiches: Dieses Kapitel analysiert die zwei konträren Verfilmungen des Stoffes und untersucht deren jeweilige Intentionen und den Missbrauch des Themas zu Propagandazwecken.

7. Projektionen des Autors auf seinen Titelhelden Jud Süß: Eine Zusammenführung der Parallelen zwischen der Lebensgeschichte Feuchtwangers und der Entwicklung seines Protagonisten.

8. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Bedeutung des Romans für das jüdische Selbstverständnis sowie die Problematik seiner Rezeption.

Schlüsselwörter

Lion Feuchtwanger, Jud Süß, Joseph Süß Oppenheimer, Antisemitismus, Neue Sachlichkeit, Nationalsozialismus, Propagandafilm, Veit Harlan, Lothar Mendes, Judentum, Literaturanalyse, Historischer Roman, Deutsche Geschichte, Assimilation, Rezeption

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Magisterarbeit untersucht den Roman „Jud Süß“ von Lion Feuchtwanger im Kontext des historischen Antisemitismus und analysiert, wie der Autor seine persönliche Identität und politische Erfahrungen in das literarische Werk einbrachte.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Studie?

Im Mittelpunkt stehen die historische Figur Joseph Süß Oppenheimer, die literarische Transformation durch Feuchtwanger sowie die gegensätzliche filmische Rezeption durch Lothar Mendes und Veit Harlan während der NS-Zeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der differenzierten literarischen Vorlage und ihrer späteren nationalsozialistischen Instrumentalisierung als Propagandainstrument aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine komparative Methode, bei der sowohl der Roman textanalytisch (unter Berücksichtigung der Neuen Sachlichkeit) als auch die Verfilmungen in einem historischen und ideologischen Kontext gegenübergestellt werden.

Was umfasst der inhaltliche Hauptteil?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einbettung des Judentums, eine tiefgehende Analyse des Romans und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der filmischen Rezeption sowie den rechtlichen Prozessen gegen den Regisseur Veit Harlan nach 1945.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt am besten charakterisieren?

Zu den zentralen Begriffen zählen: Feuchtwanger, Jud Süß, Antisemitismus, Nationalsozialismus, Propagandafilm, Assimilation und historische Identität.

Inwiefern beeinflussten Feuchtwangers persönliche Erfahrungen den Roman?

Feuchtwangers eigene Identität als deutsch-jüdischer Schriftsteller im Exil und seine Erfahrungen mit der Verfolgung prägten maßgeblich die Darstellung seines Protagonisten als Außenseiter, der zwischen verschiedenen kulturellen Welten steht.

Wie unterscheidet sich die britische Verfilmung von der deutschen NS-Propaganda?

Während die Mendes-Verfilmung als Warnung vor Antisemitismus konzipiert war, diente Harlans Film als direktes Propagandamittel des NS-Regimes, das antisemitische Klischees bewusst verstärkte, um Hass gegen die jüdische Bevölkerung zu schüren.

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Details

Title
Lion Feuchtwagers Roman "Jud Süß" und die Rezeption im Film des Dritten Reiches
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"
Grade
1,3
Author
Julia Herbring (Author)
Publication Year
2006
Pages
82
Catalog Number
V63908
ISBN (eBook)
9783638568425
ISBN (Book)
9783656780892
Language
German
Tags
Lion Feuchtwagers Roman Rezeption Film Dritten Reiches
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Herbring (Author), 2006, Lion Feuchtwagers Roman "Jud Süß" und die Rezeption im Film des Dritten Reiches, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63908
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