Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Germanistik - Linguistik

Die Fachtextsorte Arbeitszeugnis

Titel: Die Fachtextsorte Arbeitszeugnis

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2005 , 29 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Christina Kühn (Autor:in)

Germanistik - Linguistik
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Das Arbeitszeugnis ist seither ein wichtiges Element der Bewerbungsunterlagen eines Arbeitnehmers. Laut einem Urteil vom Bundesarbeitsgericht vom 08. Februar 1972 gilt es “...vor allem als Unterlage für eine Bewerbung um einen neuen Arbeitsplatz und stellt deshalb einen wichtigen Faktor im Arbeitsleben dar. [...] Für den Arbeitnehmer ist das Zeugnis gleichsam die Visitenkarte für weitere Bewerbungen.“.
Angesichts der momentan kritischen Arbeitsmarktsituation ist die Bedeutung des Arbeitszeugnisses nicht hoch genug anzurechnen. Die enorme Wichtigkeit wird durch die steigende Anzahl von Gerichtsverfahren zu diesem Thema widergespiegelt. Im Jahr 2003 kam es vor dem Arbeitsgericht zu über 30.000 Verfahren, die sich auf Erstellung bzw. Änderung des Arbeitszeugnisses bezogen.
Die Bedeutung des Arbeitszeugnisses wird von Arbeitgeber zu Arbeitgeber unterschiedlich hoch eingestuft, dennoch nimmt das Zeugnis eine Sonderstellung innerhalb der Bewerbungsunterlagen ein, da es das einzige Dokument ist, welches nicht selbst vom Bewerber stammt. Bei der Besetzung von Stellen in einfacheren Berufen ist das Arbeitszeugnis kaum entscheidend, bei Arbeitsplätzen mit ansteigendem Rang gewinnt es jedoch mehr und mehr an Bedeutung. Erst im Bereich der Spitzenpositionen ist das Arbeitszeugnis wieder weniger ausschlaggebend für die Besetzung einer Stelle.
In der vorliegenden Arbeit soll es hauptsächlich um die Untersuchung von Aufbau und Sprache von Arbeitszeugnissen gehen. Zuerst erfolgt eine Darstellung wichtiger Grundlagen der Zeugnispraxis, unter anderem, wer Anspruch auf ein Arbeitszeugnis erheben kann und welche Zeugnisarten unterschieden werden. Dadurch soll ein Eindruck davon gemacht werden, auf wie viele Dinge der Zeugnisaussteller in der Praxis achten muss und wie viele Gesetze und Paragraphen tatsächlich herangezogen werden, um ein rein sprachliches Phänomen zu beschreiben, zu erklären und zu legitimieren. Anschließend soll das Zeugnis als Ganzes sowie in seinen einzelnen Bestandteilen abgehandelt werden. Aufbau und Inhalt des Zeugnisses und seiner Elemente werden beschrieben, wobei der Schwerpunkt auf den sprachlichen Merkmalen und Interpretationsmöglichkeiten bestimmter Formulierungen liegt. Damit soll auf die Problematik in der Produktion und Rezeption von Arbeitszeugnissen hingewiesen werden, denn zur richtigen Formulierung und Auslegung ist ein spezielles Fachwissen erforderlich, welches praktisch noch längst nicht überall vorhanden ist, wo es von Nöten wäre.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zeugnisberechtigte und wichtige Rechtsgrundlagen

3. Grundlegende Unterscheidung verschiedener Zeugnisarten

4. Allgemeine Vorraussetzungen und Merkmale

5. Inhalt, Aufbau und Form des Arbeitszeugnisses

5.1 Die Einleitung

5.2 Die Tätigkeitsbeschreibung

5.3 Die Leistungsbeurteilung

5.4 Das Führungsverhalten

5.5 Die Schlussformulierung

6. Der so genannte Geheimcode

7. Neue Zeugnisform

8. Probleme in der Arbeitszeugnispraxis

9. Zusammenfassung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den Aufbau und die sprachlichen Besonderheiten von Arbeitszeugnissen. Das zentrale Ziel ist es, die Komplexität der Zeugnissprache zu durchdringen, die Rolle gesetzlicher Vorgaben zu beleuchten und den Einfluss von Formulierungen auf die Rezeption und Interpretation durch Arbeitgeber zu analysieren.

  • Rechtliche Rahmenbedingungen und Ansprüche auf Arbeitszeugnisse.
  • Struktur und obligatorische Bestandteile eines Arbeitszeugnisses.
  • Die subtile „Geheimcodesprache“ und ihre Auswirkungen auf die Leistungsbewertung.
  • Indirekte Wertungen durch Wahl der Lexik und den Einsatz von Passiv- oder Aktivformulierungen.
  • Herausforderungen in der aktuellen Praxis zwischen Zeugnisaussteller und Bewerber.

Auszug aus dem Buch

5.3 Die Leistungsbeurteilung

Die Leistungsbeurteilung stellt einen der interessantesten, aber auch am kritischsten zu betrachtenden Teile des Arbeitszeugnisses dar. Laut Gesetz (§ 109 Gewerbeordnung) muss das Zeugnis „…klar und verständlich…“ formuliert sein, doch vor allem durch die Anwendung des beredten Schweigens und die durchweg positiven Formulierungen ist genau diese Klarheit bei der Bewertung der Leistung oft nur schwer gegeben. Dieser Bestandteil des Zeugnisses sollte daher gründlich, aber auch mit einer gewissen Skepsis gelesen werden (Huber, S.204).

Im Idealfall besteht die Leistungsbeurteilung aus einem Teil, der Aussagen über bestimmte Einzelkriterien macht und einer zusammenfassenden Beurteilung, der so genannten Zufriedenheitsaussage. Die Leistungsbeurteilung ist umso besser, je mehr auf berufsspezifische Einzelkriterien eingegangen wird, da das bedeutet, dass der Arbeitnehmer in diesen Punkten positiv aufgefallen ist.

Die Berufsspezifik bestimmter Beurteilungskriterien ist zu beachten, da es in unterschiedlichen Berufen auf unterschiedliche Fähigkeiten und Kompetenzen ankommt. Bei kaufmännischen Angestellten im Kassenwesen oder Mitarbeitern von Geldinstituten ist es wichtig, auf die Ehrlichkeit einzugehen, bei leitenden Angestellten sollten Aussagen über das entgegengebrachte Vertrauen der unterstellten Mitarbeiter erfolgen und bei einem Werbefachmann ist Kreativität eine entscheidende Eigenschaft (Schleßmann 1993, S.91). Fehlen Angaben zu wichtigen, berufstypischen Merkmalen, kann dies vom Zeugnisleser durchaus als Leerstelle verstanden werden. Für selbstverständliche Eigenschaften gilt dies natürlich nicht. Einem führenden Angestellten Pünktlichkeit und Ehrlichkeit zu bestätigen, ist meist negativ zu deuten, da diese Eigenschaften auf höheren Qualifikationsebenen als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Eine Kassiererin hingegen hat ein Recht darauf, dass ihre Ehrlichkeit im Zeugnis explizit hervorgehoben wird.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung unterstreicht die Bedeutung des Arbeitszeugnisses als "Visitenkarte" des Arbeitnehmers und definiert das Ziel der Arbeit, die sprachlichen Mechanismen dieses Dokuments zu untersuchen.

2. Zeugnisberechtigte und wichtige Rechtsgrundlagen: Dieses Kapitel erläutert die gesetzlichen Ansprüche auf ein schriftliches Arbeitszeugnis gemäß BGB und Gewerbeordnung sowie die Verjährungsfristen.

3. Grundlegende Unterscheidung verschiedener Zeugnisarten: Hier wird zwischen dem einfachen Zeugnis (rein deskriptiv) und dem qualifizierten Zeugnis (wertend, mit Leistungs- und Führungsbeurteilung) differenziert.

4. Allgemeine Vorraussetzungen und Merkmale: Es werden die Gebote der Wahrheit und des Wohlwollens erörtert sowie die Notwendigkeit einer individuellen und sachlichen Beurteilung hervorgehoben.

5. Inhalt, Aufbau und Form des Arbeitszeugnisses: Eine detaillierte Aufschlüsselung der notwendigen Zeugnisbestandteile, von der Einleitung bis zur Schlussformel, und deren sprachliche Gestaltung.

6. Der so genannte Geheimcode: Das Kapitel klärt über die irreführenden Formulierungen der Zeugnissprache auf, die bei unkundigen Lesern zu falschen Interpretationen führen können.

7. Neue Zeugnisform: Vorstellung der standardisierten Beurteilungsbögen, die durch einheitliche Kriterien eine objektivere und effizientere Zeugniserstellung ermöglichen sollen.

8. Probleme in der Arbeitszeugnispraxis: Analyse der Schwierigkeiten bei der Interpretation und Produktion von Zeugnissen, die häufig Ursache für arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen sind.

9. Zusammenfassung: Ein resümierender Blick auf die Bedeutung des Zeugnisses und die Notwendigkeit, dieses stets im Gesamtzusammenhang kritisch zu prüfen.

Schlüsselwörter

Arbeitszeugnis, Zeugnissprache, Leistungsbeurteilung, Führungsbeurteilung, Geheimcode, Gebot des Wohlwollens, Wahrheitsgebot, Bewerbungsunterlagen, Arbeitsrecht, Beurteilungsbogen, Fachsprache, Personalführung, Zeugnisausstellung, Arbeitszeugnispraxis

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Fachtextsorte "Arbeitszeugnis", wobei der Fokus auf dem rechtlichen Rahmen, dem standardisierten Aufbau und der speziellen Sprache liegt, die zur Beurteilung von Arbeitnehmern verwendet wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen umfassen die gesetzlichen Anforderungen (Wahrheit vs. Wohlwollen), die Strukturierung des Zeugnisses, die Entschlüsselung von "Geheimcodes" und die Problematik von Interpretationsfehlern.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sprachliche Nuancen und spezifische Formulierungen die berufliche Zukunft eines Arbeitnehmers maßgeblich beeinflussen und warum ein fundiertes Fachwissen für Zeugnisaussteller und -empfänger unerlässlich ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse, gestützt durch arbeitsrechtliche Grundlagen sowie fachspezifische Literatur zur Zeugnisformulierung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Zeugnisaufbaus (Einleitung, Tätigkeit, Leistung, Führung, Schluss), die Analyse der "Geheimcodes" und eine Erörterung neuerer, standardisierter Formen der Zeugniserstellung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen zählen neben "Arbeitszeugnis" und "Zeugnissprache" vor allem rechtliche Begriffe wie das "Wahrheitsgebot" und das "Gebot des Wohlwollens" sowie methodische Ansätze wie der "Beurteilungsbogen".

Warum wird im Zeugnis das "beredte Schweigen" angewandt?

Das "beredte Schweigen" dient als Ausweichtaktik, um bei negativen Aspekten durch das bewusste Weglassen positiver Formulierungen eine Abwertung vorzunehmen, ohne direkt gegen das Wohlwollensgebot zu verstoßen.

Was unterscheidet das einfache vom qualifizierten Arbeitszeugnis?

Das einfache Zeugnis enthält lediglich objektive Angaben zu Dauer und Art der Tätigkeit, während das qualifizierte Zeugnis zusätzlich eine wertende Leistungs- und Führungsbeurteilung beinhaltet.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Fachtextsorte Arbeitszeugnis
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Fachtextsorten
Note
1,0
Autor
Christina Kühn (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
29
Katalognummer
V63954
ISBN (eBook)
9783638568814
ISBN (Buch)
9783656815907
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fachtextsorte Arbeitszeugnis Fachtextsorten
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christina Kühn (Autor:in), 2005, Die Fachtextsorte Arbeitszeugnis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63954
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  29  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum