Der Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk (Vater der Türken), wollte die Türkei in eine völlig unabhängige, demokratische, moderne Gesellschaft im westlichen Sinne umbauen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat er radikale Reformen durchgeführt, jedoch nicht als Generalstabschef sondern als ziviler Staatspräsident der neuen türkischen Republik. Atatürk errichtete zivile Institutionen und führte die Trennung von Armee und Staat durch. Somit war das türkische Militär unter der Kontrolle der politischen Führung. Nach dem Tod von Atatürk im Jahre 1938 übernahm sein Weggefährte Ismet Inönü seinen Posten und öffnete der Türkei den Weg in die Mehrparteiendemokratie. In den darauffolgenden Jahrzehnten durchlebte die Türkei mehrere Krisen, wobei das Militär eine entscheidende Rolle spielte. Besonders nach 1960 unterlag die Armee einem kontinuierlichen strukturellen Wandel.
In der vorliegenden Arbeit soll versucht werden, den Wandel der Armee und dessen Bedeutung in der Gesellschaft seit Gründung der Republik darzustellen. Außerdem wird auf die Interventionen der Streitkräfte in die Politik, ihre soziale Stellung und die aktuellen Konflikte zwischen dem Militär und den an der Regierung beteiligten Islamisten eingegangen.
Inhaltsübersicht
Einleitung
1. Das Militär in der Türkei
1.1 Historische Betrachtung
1.2. Die Rolle der Streitkräfte nach der Verfassung
2. Türkei --- eine Militärdemokratie ?
2.1. Prinzipien des Militärs
2.2 Interventionen der Streitkräfte
3. Das Militär und seine Rolle in Wirtschaft und Politik
3.1 Wirtschaftsunternehmen Militär
3.2 Eingriffe der Militärs in die Politik
4. Schlußbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Wandel der Rolle des türkischen Militärs in der Gesellschaft und dessen Einfluss auf die politische Stabilität seit Gründung der Republik. Im Fokus steht dabei die Analyse der militärischen Interventionen, der verfassungsrechtlichen Stellung der Streitkräfte sowie der aktuellen Spannungsfelder zwischen dem Militär und der Regierung.
- Historische Entwicklung des Militärs in der Türkei
- Verfassungsrechtliche Grundlagen und Befugnisse der Streitkräfte
- Militärische Interventionen in die Parteienpolitik
- Der wirtschaftliche Einflussbereich des Militärs
- Das Spannungsverhältnis zwischen Militär und Islamisten
Auszug aus dem Buch
3.2 Eingriffe der Militärs in die Politik
Wie schon in den vorangegangenen Kapiteln erwähnt wurde, haben die Streitkräfte seit 1961 ein Mittel, um legal in die Innen- und Außenpolitik der Regierung eingreifen zu können, nämlich den in der Verfassung verankerten Nationalen Sicherheitsrat. In diesem dominieren die Generäle und können ihren Willen gegenüber der Regierung durchsetzen. Die Beschlüsse des Nationalen Sicherheitsrates, welcher einmal im Monat zusammenkommt, haben laut Verfassung „nur“ eine beratende Funktion, aber in Wirklichkeit sind diese Beschlüsse als „Hausaufgaben“ für die Regierung anzusehen, welche nach Art. 118 der Verfassung vorrangig bearbeitet werden müssen.
Seit der Rückkehr zur Demokratie im Jahre 1983 gab es bis zuletzt keine Spannungen zwischen den Regierungen und dem Nationalen Sicherheitsrat. Wie schon die Bezeichnung dieser Institution besagt, wurden vor allem sicherheitspolitische Aspekte besprochen.
Aus den Wahlen Ende 1995 kam die islamistische Wohlfahrtspartei unter Führung von Necmettin Erbakan mit 21% der Stimmen als stärkste Partei heraus, während die beiden konservativen Parteien, die Mutterlandspartei und die Partei des wahren Weges, sich mit jeweils 19% den zweiten und dritten Platz teilten. Die Demokratische Linke kam auf ca. 15% der Stimmen und die Sozialdemokraten schafften mit 10,8% der Stimmen knapp den Einzug ins Parlament. Um die Teilnahme der Islamisten an der Regierung zu verhindern, bildeten die beiden konservativen Parteien, auf Druck des Militärs, eine Minderheitsregierung. Jedoch schon nach drei Monaten scheiterte diese an der Rivalität der beiden Parteivorsitzenden Mesut Yilmaz und Tansu Ciller.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik des Wandels der türkischen Armee sowie deren Bedeutung in der Gesellschaft seit Gründung der Republik.
1. Das Militär in der Türkei: Historische Einordnung der Machtstellung des Militärs und Darstellung der rechtlichen Rolle der Streitkräfte gemäß der Verfassung.
2. Türkei --- eine Militärdemokratie ?: Untersuchung der Prinzipien des Militärs und detaillierte Analyse der historischen Staatsstreiche und Interventionen.
3. Das Militär und seine Rolle in Wirtschaft und Politik: Beleuchtung des militärisch-industriellen Komplexes (OYAK) und der aktuellen politischen Eingriffe in Regierungsprozesse.
4. Schlußbetrachtung: Fazit über den Funktionswandel des Militärs und seine Selbstwahrnehmung als Garant der laizistischen Ordnung.
Schlüsselwörter
Türkei, Militär, Streitkräfte, Kemalismus, Laizismus, Nationaler Sicherheitsrat, Intervention, Staatsstreich, OYAK, Verfassung, Demokratie, Militärdemokratie, Islamismus, Politische Stabilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle des Militärs im türkischen Staatssystem und dessen Wandel von einer staatstragenden Institution zu einem aktiven politischen Akteur.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernpunkten gehören die historische Entwicklung des Militärs, dessen verfassungsrechtliche Verankerung, die wirtschaftliche Beteiligung durch die OYAK sowie die Auswirkungen militärischer Interventionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Einfluss des Militärs auf die Zivilregierung darzustellen und aufzuzeigen, wie das Militär versucht, die kemalistischen Prinzipien und die säkulare Ordnung zu bewahren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die auf Literaturrecherche und der Auswertung zeitgeschichtlicher Ereignisse und Dokumente basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Militärs als politische Hüterinstanz, die Interventionen von 1960, 1971 und 1980 sowie den ökonomischen Status und die politische Einflussnahme durch den Nationalen Sicherheitsrat.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kemalismus, Militärdemokratie, Intervention und Laizismus geprägt.
Warum spielt das Militär eine so große Rolle in der türkischen Wirtschaft?
Durch die Gründung des Fonds OYAK hat das Militär ein weit verzweigtes Wirtschaftsunternehmen aufgebaut, das Offizieren hohe soziale Privilegien sichert und den Einfluss der Armee auf den zivilen Sektor festigt.
Wie unterscheidet sich die Situation der heutigen Regierung von den früheren Jahrzehnten?
Die Arbeit beschreibt den wachsenden Druck des Militärs auf islamistisch geprägte Koalitionen, was eine Zuspitzung des Spannungsverhältnisses zwischen demokratisch gewählten Vertretern und den Generälen offenbart.
- Citation du texte
- MA Kamuran Kayhan (Auteur), 1997, Die Rolle des Militärs in der Türkei, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63971