Im Sommersemester 2005 hatten wir die Gelegenheit, uns im Rahmen eines Referats, das wir im Seminar „Afro-American Blues“ gehalten haben, mit dem Thema des Classic Blues auseinander zu setzen. Diese Hausarbeit stellt nun die Fortführung der Auseinandersetzung mit dem Thema dar. Bereits während der Vorbereitung des Referats hatte sich unser konkretes Interesse an bestimmten Fragen entwickelt, deren Beantwortung wir hier nachzugehen versuchen, im Bestreben danach, sie zu einem Gesamtbild zusammenzufügen. Die Geschichte des Blues reicht vom Ende der Sklaverei in den Vereinigten Staaten bis in die Gegenwart. Da scheint es nicht ungewöhnlich, wenn sich in einer derartigen Zeitspanne verschiedene Stile dieser Musikrichtung entwickelten bzw. noch entwickeln und Trends variieren. Beschäftigt man sich jedoch näher mit der Geschichte des Blues, hebt sich eine Phase durch besonderen Glamour und durch ihre außerordentlich erfolgreichen Karrieren von anderen ab. Für die Dauer einer Dekade standen ausschließlich afroamerikanische Frauen im Rampenlicht der Unterhaltungsindustrie. Namen wie Ma Rainey und Bessie Smith sind uns heute noch geläufig und wecken Assoziationen mit einem Frauenbild, das kontrovers zu einer vom weißen Mann dominierten Gesellschaft, mit Unabhängigkeit und Selbstbewusstsein verbunden wird. Worin möglicherweise der Ursprung dieses selbstbewussten afroamerikanischen Frauenbildes liegt und welche Chancen und Illusionen für die gesellschaftliche Position der afroamerikanischen Frau in der Periode des Classic Blues lagen, dessen Sängerinnen von 1920 bis Anfang der 30er Jahre Karriere machten, soll in dieser Hausarbeit näher untersucht werden. Hierzu wollen wir uns über eine Auseinandersetzung mit der Rolle der afroamerikanischen Frau vor, in und nach der Sklaverei, sowie einer Betrachtung der musikalischen Tradition der Afroamerikaner, zu der Zeit des Classic Blues vorarbeiten. Zur Auseinandersetzung mit dieser Ära haben wir wiederum den Bereich des Marktes, der Vorläufer, des Werdegangs und der Arbeitsbedingungen, der Betrachtung dreier Lebensgeschichten von Künstlerinnen, sowie in kurzer Form den Texten, der Selbstdarstellung und der gesellschaftlichen Reaktion des Classic Blues, herangezogen. Unser Versuch gilt also dem Aufzeigen eines Gesamtbildes, dass, anhand der vorliegenden Punkte, einen Endruck der Chancen und Illusionen gibt, denen sich afroamerikanische Frauen, hier insbesondere im Classic Blues, gegenübergestellt sahen.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Grundvoraussetzungen für die Stellung der afroamerikanischen Frau im 20. Jahrhundert
2.1) Die soziale Rolle der Frau in Westafrika vor der Sklaverei
2.2) Die Rolle der Sklavin
2.3) Die soziale Rolle der Afroamerikanerin nach der Sklaverei
3.) Die musikalische Tradition der Afroamerikaner. Westafrikanischen Bräuche, Work Songs, Negro Spirituals Field Hollers und Country Blues
4.) Classic Blues – Frauenkarrieren
4.1 Der Markt
4.2) Vorläufer des Classic Womens Blues. Vaudeville-, Minstrelsy- und Variety Shows
4.3) Werdegang
4.4) Arbeitsbedingungen
4.5) Biographien ausgewählter Künstlerinnen
4.5.1) Ma Rainey, „Mother of the Blues“
4.5.2) Bessie Smith, „The Empress“
4.5.3) Alberta Hunter
5.) Texte, Selbstdarstellung und Rezeption der Classic Blues Sängerinnen
6.) Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Ursprung des selbstbewussten Frauenbildes afroamerikanischer Sängerinnen in der Ära des Classic Blues (1920–1930) und analysiert, inwiefern dieses durch historische, soziale und ökonomische Faktoren geprägt war.
- Soziale Rolle der afroamerikanischen Frau vor, während und nach der Sklaverei
- Musikalische Traditionen als Grundlage für den Classic Blues
- Einfluss der Plattenindustrie auf den "Classic Womens Blues"-Boom
- Karrieren, Arbeitsbedingungen und Biographien prägender Künstlerinnen
- Gesellschaftliche Rezeption und emanzipatorische Bedeutung der Songtexte
Auszug aus dem Buch
4.1 Der Markt
Im Folgenden werden die wichtigsten Facetten des Plattenmarktes erklärt und zusammengefasst, besonders aber in Beziehung zu unserem Thema gesetzt. Hierbei berufen wir uns, bis auf in gekennzeichneten Ausnahmen, auf die Kapitel 15, 16 und 17 aus „Yonder come the Blues“ von Russel u.a.
Der Beginn der Ära des aufgezeichneten Blues, hier also speziell des Classic Womens Blues, lässt sich sehr genau festlegen. Im Juli 1920 nahm Mamie Smith, auf Empfehlung Perry Bradfords, des Mannes der die beiden Stücke komponiert hatte und selber schwarz war, „That thing called love“ und „You can´t keep a good man down“ im Studio von OKeh-Records auf. Der Produzent Fred Hager hatte eigentlich geplant die Stücke von einer Weißen singen zu lassen, ließ sich - im Rückblick erfreulicherweise- aber von Bradford umstimmen. Perry Bradford war ein aufstrebender Komponist sowie Besitzer eines Plattenladens, ein professioneller Unternehmer in Sachen Showbusiness und Musik, der gerne eine schwarze Künstlerin unterstützte, wenn auch sicher nicht ganz uneigennützig, immerhin hatte er die Songs komponiert und konnte sich einer Steigerung des eigenen Marktwertes sicher sein. Mamie Smith war vorher hauptsächlich in „Vaudeville-Shows“ aufgetreten, hatte unter anderem Jazz und Pop Nummern in ihrem Repertoire und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass die beiden Stücke im Nachhinein betrachtet eher als Pop-Stücke, denn als „waschechte“ Blues Nummern gelten.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Die Einleitung stellt die Motivation der Autoren dar, das selbstbewusste Frauenbild des Classic Blues im Kontext der afroamerikanischen Geschichte zu erforschen.
2.) Grundvoraussetzungen für die Stellung der afroamerikanischen Frau im 20. Jahrhundert: Dieses Kapitel analysiert die sozialen Rollenbilder der Frau in Westafrika, während der Sklaverei und in der Zeit danach als historisches Fundament für die Identitätsbildung.
3.) Die musikalische Tradition der Afroamerikaner. Westafrikanischen Bräuche, Work Songs, Negro Spirituals Field Hollers und Country Blues: Hier werden die musikalischen Vorläufer des Blues und ihre Funktion im Alltag der Afroamerikaner beleuchtet.
4.) Classic Blues – Frauenkarrieren: Dieser Abschnitt untersucht den kommerziellen Boom des Classic Womens Blues durch die Plattenindustrie sowie die Karrieren und Lebensbedingungen der Künstlerinnen.
5.) Texte, Selbstdarstellung und Rezeption der Classic Blues Sängerinnen: Dieses Kapitel analysiert die inhaltliche Freiheit der Songtexte und die gesellschaftliche Wahrnehmung der Künstlerinnen.
6.) Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das selbstbewusste Auftreten der Sängerinnen trotz der ökonomischen Ausbeutung in der Plattenindustrie eine nachhaltige Vorbildfunktion für kommende Generationen innehatte.
Schlüsselwörter
Classic Blues, Afroamerikanische Frau, Sklaverei, Musikgeschichte, Plattenindustrie, Emanzipation, Ma Rainey, Bessie Smith, Alberta Hunter, Frauenrollen, Rassentrennung, Vaudeville, Race-Records, Identität, Sozialisation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die historische und gesellschaftliche Entwicklung des selbstbewussten Frauenbildes afroamerikanischer Sängerinnen im Classic Blues zwischen 1920 und 1930.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der afroamerikanischen Frau, die Evolution musikalischer Traditionen, die Vermarktung durch die Plattenindustrie sowie die emanzipatorische Kraft der Songtexte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Ursprung des selbstbewussten Frauenbildes im Classic Blues zu ergründen und aufzuzeigen, ob dieses kulturell bedingt oder eine Reaktion auf soziale Zwänge war.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Die Autoren nutzen eine historische und soziologische Analyse, basierend auf Literaturquellen zu Musikgeschichte, Frauenforschung und afroamerikanischer Geschichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung historischer Voraussetzungen (Sklaverei), die musikalischen Vorläufer, die Marktmechanismen der Plattenindustrie und detaillierte Biographien ausgewählter Künstlerinnen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Classic Blues, Emanzipation, Race-Records, weibliche Selbstbestimmung und die sozio-ökonomische Stellung der afroamerikanischen Frau.
Warum spielt die Sklaverei eine so wichtige Rolle für das Verständnis des Blues?
Die Sklaverei definierte das Rollenbild der Frau neu; die Erfahrung, in Abwesenheit traditioneller patriarchalische Strukturen selbst für den Familienunterhalt sorgen zu müssen, förderte ein eigenständiges Selbstbewusstsein.
Wie bewerten die Autoren die Rolle der Plattenindustrie?
Die Industrie bot den Frauen zwar eine große Karrierechance und Popularität, nutzte sie jedoch gleichzeitig ökonomisch durch Knebelverträge und Ausbeutung aus.
- Quote paper
- Florian Zibell (Author), Christina Zoller (Author), 2005, Frauen im Blues. Chancen und Illusionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63981