Lesbisch - Gleichgeschlechtliche Liebeserfahrungen von Mädchen in Jugendbüchern deutschsprachiger Autoren der Gegenwart


Examensarbeit, 2005

104 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Lesbianismus und Gesellschaft in der abendländischen Kulturgeschichte
A. Die Antike – Gleichgeschlechtliche Liebe als Bestandteil der Erziehung
B. Das Mittelalter – Der christliche Sodomiegedanke
C. Der Beginn der Neuzeit – Von der romantischen Freundin zur
minderwertigen Kranken
D. Der Nationalsozialismus – Lesben als „Asoziale“
E. Die Nachkriegsjahre – Stillstand
F. Die 70er Jahre – „Feminismus ist die Theorie, Lesbianismus
die Praxis“
G. Die Gegenwart – Das Gebot der Heimlichkeit

II. Untersuchung der Jugendbücher
A. Zur Auswahl der Jugendbücher
B. Inhaltliche Analyse der Jugendbücher
1. Die Protagonistinnen und ihr soziales Umfeld
a) Das Alter
b) Der Wohnort
c) Die schulische Bildung
d) Das familiäre Umfeld
e) Der Freundeskreis
f) Die Religiosität
2. Entwicklungslinien der Frauenliebe
a) Die Frauenliebe als vorübergehende Phase
b) Die lesbische Identitätsentwicklung
(1) Die Pre-Coming-out-Phase
(2) Die eigentliche Coming-out-Phase
(3) Die explorative Phase
(4) Das Eingehen erster fester Beziehungen
(5) Die Integrationsphase
(6) Störfaktoren während der Identitätsentwicklung
3. Ansichten und Reaktionen aus dem sozialen Umfeld
a) Einstellungen zum Lesbianismus
b) Vorurteile gegenüber Lesbianismus
c) Reaktionen auf das Coming-out
4. Die lesbischen Liebesbeziehungen
a) Die Geliebten und die Art der Beziehung
b) Positive Aspekte lesbischer Beziehungen
c) Problemfelder in lesbischen Beziehungen
5. Heterosexuelle Figuren und Partnerschaften
a) Das Verhältnis der Lesben zu heterosexuellen Frauen
b) Das Verhältnis der Lesben zum männlichen Geschlecht
6. Informationen über Homosexualität
C. Stilistische Analyse der Jugendbücher
1. Erzähltechniken
a) Die Erzähl- und Wahrnehmungsperspektive
b) Die Zeitebenen und Handlungsstränge
2. Die sprachliche Darstellung der Sexualität
a) Weibliche Geschlechtsmerkmale und Sexualpraktiken
b) Homo-, Hetero- und Bisexualität
3. Das Layout
a) Die Umschlaggestaltung
b) Die Textgliederung und –bebilderung
c) Das Schriftbild und die Einarbeitung von Textsorten
Schlussbemerkungen

III. Literaturverzeichnis
A. Primärliteratur
B. Sekundärliteratur
C. Rechtsquellen

Einleitung

1992 stellte Berger in einem Artikel der JuLit fest, dass Homosexualität in der erzählenden Kinder- und Jugendliteratur „noch immer ein Tabu“ sei.[1] Mittlerweile sind über 10 Jahre vergangen und es gilt diese These im Hinblick auf die Thematisierung von lesbischen Indentitätsentwicklungen in Jugendbüchern zu überprüfen. Aufzuzeigen ist, wie deutschsprachige Autoren gleichgeschlechtliche Liebeserfahrungen von Mädchen darstellen.

Ausgangspunkt der vorliegenden Arbeit soll eine kurze historische Aufarbeitung der gesellschaftlichen Einstellung gegenüber Lesbianismus sein. Anschließend erfolgt die Untersuchung der Jugendbücher, wobei in einem ersten Schritt zunächst darzulegen ist, nach welchen Kriterien die Publikationen ausgewählt wurden. Ihre inhaltliche und stilistische Analyse bildet den Schwerpunkt der Arbeit. Sie orientiert sich im Wesentlichen an den Fragestellungen, inwieweit und mit welchen Mitteln die Lebensrealitäten lesbischer Jugendlicher nicht nur in den einzelnen Erzählungen, sondern auch innerhalb der gesamten Bandbreite der Publikationen wiedergegeben werden. Hierzu werden ausgewählte inhaltliche Darstellungsbereiche und stilistische Techniken in den Jugendbüchern näher untersucht.

I. Lesbianismus und Gesellschaft in der abendländischen Kulturgeschichte

Historische Quellen über die lesbische Liebe sind selten. Die Gründe hierfür liegen in der patriarchalen Gesellschaft. Diese im abendländischen Kulturkreis vorherrschende Gesellschaftsform behielt das Denken und somit auch die Geschichtsschreibung lange Zeit ausschließlich den Männern vor. Deren Berichterstattung wiederum widmete sich primär der Darstellung des eigenen Geschlechts.[2] In der literarischen Produktion wurden Frauen ausnahmslos über ihre Beziehung zu Männern definiert,[3] was auch den tatsächlichen Gegebenheiten entsprach. Jahrhundertelang war es Frauen nahezu unmöglich, ohne Männer wirtschaftlich und moralisch zu überleben. Zum Schutz der männlichen Vormachtstellung innerhalb der Gesellschaft wurden Liebesbeziehungen zwischen Frauen von männlichen Geschichtsschreibern entweder ignoriert oder als harmlose Tändeleien deklariert, die der allein glückseligmachenden Mann-Frau-Beziehung in keiner Weise ebenbürtig sein konnten.[4] Aber auch die Frauen hatten ihre Rollenzuweisung weitestgehend verinnerlicht. Dementsprechend sind die wenigen von ihnen verfassten Zeugnisse ebenfalls zu einem Großteil von der Überzeugung geprägt, der lesbischen Liebe gebühre allenfalls ein untergeordneter Stellenwert gegenüber der heterosexuellen Beziehung zu einem Mann.

A. Die Antike – Gleichgeschlechtliche Liebe als Bestandteil der Erziehung

Will man die gleichgeschlechtliche Liebe in den Gesellschaftsstrukturen des antiken Griechenlands und des vorchristlichen römischen Reiches näher betrachten, so muss man sich von einer personenbezogenen Differenzierung zwischen Homo- und Heterosexuellen lösen. Diese heutzutage allgemein anerkannte Kategorisierung war damals nicht existent.[5] Vielmehr gehörten homosexuelle Liebeserfahrungen in einer ritualisierten Form zum Bestandteil einer guten Erziehung.[6] In diesem Zusammenhang ist die Knabenliebe zwischen einem jüngeren und einem älteren Mann reichlich dokumentiert worden. Ihr weibliches Pendant hingegen kann sich im Wesentlichen nur auf die Quellen der griechischen Lyrikerin Sappho stützen.

Sappho lebte als Leiterin eines Mädchenbundes im 6. Jh. v. Chr. auf der griechischen Insel Lesbos.[7] In ihrer Poesie beschrieb sie zahlreiche Liebesbeziehung zu ihren Schülerinnen, die sich nicht allein auf einer geistigen Ebene abspielten, sondern ebenso die körperliche Befriedigung sexueller Lust beinhalteten.[8] Diese Verbindungen bestanden jedoch nur für die Dauer der Zugehörigkeit zum Mädchenkreis. In diesem Umfeld dienten sie zur Vorbereitung auf das Erwachsenenleben. Als Bestandteil der sexuellen Initiation der Mädchen endeten sie mit dem Ausscheiden aus der pädagogischen Lebensgemeinschaft und der Vermählung mit einem von der Familie auserwählten Mann. Wenn Sappho auch einen vielfach beschriebenen Abschiedsschmerz bei den Trennungen empfand, so bezweifelte sie nie, dass die eigentliche Bestimmung der Frau in der Verbindung mit einem Mann liegt. Sie selbst war mit einem reichen Mann verheiratet.[9] Die antike lesbische Liebe verkörperte demnach kein eigenständiges Lebensmodell für Frauen. Sie war vielmehr fest in die patriarchale Gesellschaft integriert.

B. Das Mittelalter – Der christliche Sodomiegedanke

Versteht man im modernen Sprachgebrauch unter dem Begriff der Sodomie ausschließlich den Sexualakt mit Tieren,[10] so umfasste er bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts alle von der christlichen Kirche definierten gotteslästerlichen sexuellen Abweichungen vom ehelichen vaginalen Geschlechtsverkehr.[11] Die Sündhaftigkeit solcher Praktiken erklärt sich aus dem von asketischen Strömungen geprägten Glauben, dass der Geschlechtsakt nicht allein aufgrund eines eigennützigen Lusterlebnisses vollzogen werden durfte. Er sollte primär der Fortpflanzung dienen.[12] Somit zählte auch die Homosexualität zum Kreis dieser unzüchtigen Vergehen.

Das Christentum vertrat der damaligen Zeit entsprechend eine patriarchale Weltanschauung, die nicht zuletzt auf die wortgetreue Auslegung der Bibel gestützt worden ist.[13] Da die Schrift ausdrücklich nur die gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Männern geißelt, war allein letztere Gegenstand der mittelalterlichen Sexualmoral. Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament wird nur der männliche Christ ermahnt: „Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft; das wäre ein Greuel.“[14] Verstöße gegen dieses Verbot konnten im frühen Mittelalter jedoch nur mit Kirchenbußen geahndet werden.[15] Die strafrechtliche Verfolgung der Homosexualität begann erst mit der Ausweitung der päpstlichen Inquisition, die in der Sodomie einen Wesenszug der Häresie sah.[16] Im Zuge der mit der Inquisition einhergehenden Hexenverfolgung erhielt nunmehr auch die weibliche Homosexualität eine für die Inquisitoren dienliche Bedeutung, stellte sie doch einen weiteren belastenden Anklagepunkt bei Hexenprozessen dar. Warum lesbische Sexualakte ihrer gesellschaftlichen Irrelevanz enthoben und in den Reigen der teuflischen Taten aufgenommen wurden, expliziert Peters im Hinblick auf die patriarchale Gesellschaftsordnung:

Hier ergötzen sich „Hexen“ nicht nur beim Anal- und Oralverkehr mit dem „Teufel“ in persona, sondern vergnügen sich auch miteinander. „Hexen“ maßen sich an, selber sexuell initiativ zu sein und okkupieren somit ein vorgeblich männliches Vorrecht …[17]

Zur Sicherung der männlichen Vormachtsstellung erhielt somit nicht nur die männliche sondern auch die weibliche Homosexualität durch die Übernahme theologischer Anschauungen erstmalig Einzug in die weltliche Gesetzgebung. Die Peinliche Haltsgerichtsordnung Karls V. von 1532 verhängte in Art. 116 die Todesstrafe durch Verbrennen, wenn „mann mit mann“ und „weib mit weib“ es „unkeusch treiben“.[18] Und in Preußen wurde bis 1747 die Frauenliebe mit dem Tod bestraft.[19] Mit dieser Gesetzgebung wurde neben der moralischen auch die strafrechtliche Repression von Homosexuellen eröffnet.

C. Der Beginn der Neuzeit – Von der romantischen Freundin zur minderwertigen Kranken

Mit Beginn der Aufklärung im 16. Jh. erlebte auch die gleichgeschlechtliche Liebe durch die Wiedergeburt des antiken Geistes ihre Renaissance. Gleichgeschlechtliche Beziehungen zwischen Frauen wurden als „Romantische Freundschaften“ definiert und in dieser Form von der Gesellschaft zunehmend anerkannt.[20] In der Toleranz dieser Verbindungen zeigt sich das damalige Frauenbild. Als tugendhaftes Wesen besaß die Frau keinerlei Sexualtrieb.[21] Dementsprechend vollzog sich 1851 auch eine Änderung der Rechtslage. Der § 143 des preußischen Strafgesetzbuchs, welcher die spätere Grundlage des § 175 des StGB von 1871 bildete, bezog sich nunmehr ausdrücklich auf „Personen männlichen Geschlechts“, die „widernatürliche Unzucht miteinander verüben“.[22] Ob sich aber die romantischen Frauenfreundschaften im realen Leben ihrer begrifflichen Intention entsprechend stets nur auf einer immerhin stark emotionalen, aber asexuellen Ebene abspielten, bleibt bis heute fraglich.[23]

Leider hat die Renaissance selber diesbezüglich nur wenige Zeugnisse von Frauen hinterlassen. Immer noch schrieben Frauen selten zum Zweck der Veröffentlichung. Dies änderte sich im 18. Jh., als Frauen in England vergleichsweise häufig nicht nur private Briefe und Tagebücher, sondern auch zur Publikation bestimmte Gedichte und Romane verfassten.[24] Diese Dokumente beinhalten zwar keine eindeutigen Beschreibungen von sexuellen Handlungen,[25] dennoch kann ihnen ein gewisser erotischer Gehalt nicht gänzlich abgesprochen werden. Zweifellos tritt in den Texten eine leidenschaftliche Sehnsucht der Frauen nach Nähe zutage.[26] In Bezug auf die Briefromane Bettina von Arnims stellt Steidele dar, dass der „sexuelle Lebensbund zwischen zwei Frauen […] eine Utopie [bleibt], eine verlockende allerdings und eine wünschenswerte“.[27]

Eine klare Abgrenzung zwischen einer rein geistigen Freundschaft einerseits und einer das Sexuelle mit einbeziehenden Verbindung andererseits erweist sich auch insofern als schwierig, als gewisse Körperkontakte zwischen Frauen von jeher nicht nur geduldet, sondern vielmehr als Wesenszug ihrer Weiblichkeit betrachtet wurden.[28] Zärtliche Berührungen, wie z. B. ein Wangenkuss oder eine Umarmung, konnten als Ausdruck weiblicher Emotionalität öffentlich praktiziert werden, während ein gleich geartetes Verhalten unter Männern als weibisch, und in diesem Zusammenhang auch als homosexuell, diskreditiert wurde.

Solange sich diese Frauen auch in ihrem sonstigen Verhalten ihrer weiblichen Rolle entsprechend verhielten, konnten sie somit bedenkenlos von der Männerwelt toleriert werden.[29] Anders verhielt es sich mit denjenigen Frauen, die dem Transvestismus zugeordnet wurden. Ihnen ging es weniger um die Erotik mit dem gleichen Geschlecht. Ihr primäres Ziel war es, in den Genuss männlicher Freiheiten und Vorrechte kommen. Da die damaligen Rollenzuweisungen sehr starr waren, bot sich ihnen keine andere Alternative, als in die Rolle eines Mannes zu schlüpfen.[30] Aber indem sie sich männlich kleideten und männliche Gebärden imitierten, um die männliche Privilegien der Gesellschaft für sich zu beanspruchen, stellten sie eine Gefahr für die patriarchale Gesellschaftsordnung dar,[31] die gebannt werden musste. Die unterschiedliche Beurteilung von romantischer Freundschaft und Transvestismus machte sich folglich auch in der Rechtsprechung bemerkbar. Wurden zwei Frauen wegen „unzüchtigen Verhaltens auf einem Bett“ lediglich zum „öffentlichen Bekenntnis […] ihres unkeuschen Verhaltens“ verurteilt,[32] so hatte eine Transvestitin vor Gericht die Todesstrafe zu erwarten.[33]

Erst mit der feministischen Bewegung Mitte des 19. Jahrhunderts konnten Frauen mehr Selbstbestimmung erlangen,[34] ohne sich als Mann ausgeben zu müssen. Ein wichtiger Schritt war die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Frauen. Vor allem in der bürgerlichen Mittelschicht wurde es ihnen ermöglicht, einen Beruf zu erlernen und auszuüben.[35] Diese Frauen sahen sich nicht mehr aus finanziellen Gründen zur Ehe gezwungen.[36] Damit eröffneten sich für lesbische Frauen völlig neue Perspektiven. Losgelöst von heterosexuellen Zwangsbeziehungen konnten sie gleichgeschlechtliche Verbindungen eingehen,[37] allerdings nur wenn sie es vermochten, sich über die moralischen Vorstellungen ihrer Zeit hinwegzusetzen.

Die beginnende Emanzipation der Frau schürte die Angst der Männer vor einem drohenden Machtverlust.[38] Lesben stellten diesbezüglich eine besondere Gefahr dar, weil sie nicht nur in materieller, sondern auch in emotionaler und sexueller Hinsicht von Männern gänzlich unabhängig schienen. Das Eindringen des Penis in eine Vagina bedeutete für einen Mann nicht allein sexuelle Befriedigung. In erster Linie ging es ihm darum, seine Besitzansprüche gegenüber Frauen geltend zu machen.[39] Um sich wenigstens die Machtposition innerhalb der Sexualität zu sichern, kam es den reaktionären Kräften sehr gelegen, dass männliche Sexualforscher die gleichgeschlechtliche Liebe erstmalig als krankhafte Erscheinung bezeichneten.[40] Sie wurde zu einer medizinischen Kategorie, die erforscht und klassifiziert werden musste. Damit konnte die Abnormalität dieser Liebe auf dem Boden der unfehlbaren Wissenschaften belegt werden. Als einheitliche Krankheitsbezeichnung kristallisierte sich der Begriff „Homosexualität“[41] heraus.[42]

Bezüglich der Ursachenforschung der weiblichen Homosexualität betrachtete der deutsche Psychiater Carl von Westphal die Frauenliebe als Ergebnis einer ererbten Entartung und Neurose.[43] Frauenliebende Frauen mussten an Verwirrung leiden, da sie konträr zu ihrem körperlichen Erscheinungsbild männliche Gefühle hegten.[44] Damit berücksichtigte er in seiner Krankheitsbestimmung die gesamte Selbstwahrnehmung der Frauen als „Frau“ oder als „Mann“. Im weiteren Verlauf der Pathologisierung verschob sich der Schwerpunkt der Untersuchungen auf den Genitalbereich.[45] In diesem Zusammenhang wurde die weibliche Homosexualität weiterhin aus der männlichen und damit peniszentrierten Sichtweise interpretiert. So verband Freud die weibliche Homosexualität mit seiner Theorie über den Penisneid. Er definierte das kleine Mädchen als gleichsam maskulines Wesen, dessen sexuelle Erregung über die Klitoris erfolgt. Dabei setzte er die weibliche Klitoris mit dem männlichen Penis gleich. Freud zufolge entdeckt das Mädchen aber die eigene sowie die mütterliche Unvollkommenheit, sobald es das tatsächliche Fehlen des Penis wahrnimmt. Zum Ausgleich dieses Mangels wende es sich im Normalfall von seinem ersten Lustobjekt, der Mutter, ab und tendiere zum Vater. Als Frau könne das Mädchen sich schließlich vervollständigen, indem es über seinen Kinderwunsch den Penis eines Mannes an seine Vagina binde. Freud ging davon aus, dass sich homosexuelle Frauen im Gegensatz zu dieser prototypischen Entwicklung ihre Unvollkommenheit nicht eingestehen. In ihrer Phantasie bestehen sie Freud zufolge darauf, dass sie selbst maskulin sind. Sie weigerten sich anzuerkennen, dass sie kein dem Penis entsprechendes Geschlechtsorgan besitzen.[46] Deswegen identifizieren sie sich nach Auffassung von Freud stark mit dem Vater, ohne die Mutter als Lustobjekt aufzugeben.[47]

Zwar wurde nun dank der Psychologie anerkannt, dass auch Frauen und nicht nur Männer sexuelle Lust empfinden dürfen,[48] die damit einhergehende Stigmatisierung weiblicher Homosexueller war jedoch verheerend für die gleichgeschlechtliche Frauenliebe und damit auch für die Frauenbewegung. Welche Frau wollte schon als abnormale Kranke gesehen werden, zumal, wenn sie ihre politischen Ziele gegen die reaktionären Kräfte durchsetzen und zu diesem Zweck mit einer entsprechenden Glaubwürdigkeit auftreten wollte?[49]

D. Der Nationalsozialismus – Lesben als „Asoziale“

Die Diskreditierung Homosexueller gipfelte unter den Nationalsozialisten in ihrer Einstufung als „Rassenentartung“.[50] Für viele verkörperten sie sogar den „Prototyp der Asozialen“,[51] zu denen u.a. auch Arbeitsscheue, Bettler, Wiederholungsstraftäter, Alkoholiker und Prostituierte gehörten.[52]

Das nationalsozialistische Frauenbild war der kriegerischen Eroberungspolitik entsprechend auf bevölkerungsexpansive Ziele ausgerichtet.[53] Der Lesbianismus gehörte folglich nicht zu den Wesenszügen einer arischen Frau, die zur Ehe und Mutterschaft bestimmt war.[54] Allerdings bezog § 175 StGB trotz seiner Verschärfung[55] von 1935 die Frauen immer noch nicht mit ein. Die ausschlaggebenden Argumente für die Nichtkriminalisierung homosexueller Frauen wurden wie folgt zusammengefasst:

Bei Männern wird Zeugungskraft vergeudet, sie scheiden zumeist aus der Fortpflanzung aus, bei Frauen ist das nicht oder zumindest nicht im gleichen Maß der Fall. Das Laster ist unter Männern stärker verbreitet als unter Frauen (abgesehen von Dirnenkreisen), entzieht sich auch bei Frauen vielmehr der Beobachtung, ist unauffälliger, die Gefahr der Verderbnis durch Beispiel also geringer. Die innigeren Formen freundschaftlichen Verkehrs zwischen Frauen würden die hier zumeist bestehenden Schwierigkeiten der Feststellung des Tatbestandes und die Gefahr unbegründeter Anzeigen und Untersuchungen außerordentlich erhöhen. Endlich ist [...] ein wichtiger Grund für die Strafbarkeit des gleichgeschlechtlichen Verkehrs die Verfälschung des öffentlichen Lebens, die eintritt, wenn man der Seuche nicht nachdrücklichst entgegentritt. […] Was früher Verfälschung öffentlichen Lebens genannt wurde, kommt aber bei Frauen, bei der verhältnismäßig sehr bescheidenen Rolle der Frau im öffentlichen Leben, kaum in Betracht.[56]

So blieben Lesben zwar aufgrund ihrer einflusslosen gesellschaftlichen Rolle weiterhin von einer direkten Strafverfolgung verschont.[57] Dennoch gelangten auch lesbische Frauen in Konzentrationslager, die offiziell anderer Vergehen beschuldigt wurden.[58] In den Lagern unterstanden diese Frauen dem internen Strafsystem der SS, welches strikte Bestrafungen für Insassen vorsah, die sich selbst lesbisch verhielten oder ein solch beobachtetes Verhalten nicht meldeten.[59] Zudem litten auch die nicht inhaftierten Lesben unter der „Zerstörung der homosexuellen Subkultur“ und der damit verbundenen „Vereinzelung“.[60]

E. Die Nachkriegsjahre – Stillstand

Am 8. Mai 1945 feierten auch die Lesben und Schwulen ihre Befreiung von der nationalsozialistischen Willkürherrschaft. Die gesellschaftspolitische Chance auf einen integrativen Neubeginn für Homosexuelle scheiterte jedoch bereits an der Nachkriegsgesetzgebung. Trotz zahlreicher Klagen hielten beide deutschen Staaten an § 175 StGB in seiner verschärften Form fest.[61] Reformbestrebungen in den 50er und 60er Jahren blieben erfolglos. Dabei erinnerten die juristischen Begründungen durchaus an nationalsozialistisches Gedankengut. So wurde auf den Schutz der „natürlichen Lebensordnung“ und der „sittlichen Grundanschauung des Volkes“ ebenso verwiesen,[62] wie auf die gesellschaftliche Unbedeutsamkeit der lesbischen Liebe:

Die gleichgeschlechtliche Unzucht zwischen Frauen ist eine Erscheinung mit andersartigen und namentlich weniger einschneidenden Folgen für das Zusammenleben in der menschlichen Gesellschaft.[63]

Nicht nur in den Gesetzestexten, sondern auch in den Köpfen der Menschen bestanden die Vorurteile gegen männliche und weibliche Homosexuelle unreflektiert weiter.[64] Trotz der zahlreichen Frauen, die durch Tod oder Gefangenschaft der Männer zur Selbstständigkeit gezwungenen waren, blieb das Frauenbild der Nachkriegsgesellschaft ein reaktionäres. Die Familie stellte weiterhin die „einzige dem Wesen der Frau entsprechende Lebensform“ dar.[65] Dementsprechend wurde die lesbische Liebe von der Gesellschaft nach Kräften ignoriert.[66] Von den lesbischen Subkulturen, die infolge der systematischen Vernichtung durch die Nationalsozialisten stark dezimiert waren,[67] drang in diesem repressiven Klima kaum etwas nach außen.

F. Die 70er Jahre – „Feminismus ist die Theorie, Lesbianismus die Praxis“

Erst gegen Ende der 60er Jahre wurde im Zuge der allgemeinen Enttabuisierung von Sexualität durch die Studentenbewegung das Schweigen um die lesbische Liebe gebrochen.[68] In der daraus hervorgehenden Zweiten Frauenbewegung[69] kämpften hetero- und homosexuelle Frauen anfangs noch Seite an Seite für die Emanzipation. Das hieraus gewonnene neue Selbstbewusstsein von Lesben wurde in Parolen, wie „Feminismus ist die Theorie, Lesbianismus die Praxis“ und „Alle Frauen sind lesbisch – manche wissen es nur noch nicht“[70] ausgedrückt. Zur Abwehr dieser feministischen Front schürten die von Männern dominierten politischen Kräfte und Medien die Vorurteile gegen Lesben. Zunutze machen konnten sie sich dabei, dass sich die Konzentration der medizinischen Lesbenforschung auf die weibliche Libido bereits im öffentlichen Meinungsbild über die Frauenliebe niedergeschlagen hatte. Das Image der triebgesteuerten Lesbe mussten die reaktionären Kräfte nur noch ausweiden. Durch einseitige auf das Sexualleben beschränkte lesbische Darstellungen gelang es ihnen, die Seriosität lesbischer Aktivistinnen anzuzweifeln und so die gesamte feministische Bewegung in Verruf zu bringen.[71] Die „klitoralen Fingerübungen einer tribadischen Minderheit“[72] sollten nicht als Kennzeichen einer ernstzunehmenden Frauenbewegung gelten können. Angesichts der erfolgreichen Diffamierungskampagnen spaltete sich die Bewegung.[73] Während die Schwulenbewegung mit den Strafrechtsreformen von 1969 und 1973, in denen zumindest „homosexuelle Handlungen zwischen erwachsenen Männern entkriminalisiert“ wurden,[74] erste Erfolge erzielte, versuchten sich die Lesben dagegen zu wehren, in der öffentlichen Wahrnehmung auf ihr Sexualleben reduziert zu werden. Diese Bemühungen konnten bis heute nicht abgeschlossen werden.

G. Die Gegenwart – Das Gebot der Heimlichkeit

In der heutigen Gesellschaft begegnen die Menschen dem sympathischen Schwulen und der netten Lesbe von nebenan in nahezu allen Vorabendserien, die in der deutschen Fernsehlandschaft inzwischen zuhauf vor einem Millionenpublikum ausgestrahlt werden.[75] Auch bekennen sich mittlerweile viele Prominente, die sich tagtäglich im Kameralicht der Massenmedien bewegen, zu ihrer Vorliebe für das gleiche Geschlecht.[76] Diese mediale Offenheit und Selbstverständlichkeit gegenüber der gleichgeschlechtlichen Liebe scheint allerdings noch nicht bis in die unmittelbare Alltagswelt der bundesdeutschen Bevölkerung vorgedrungen zu sein.

Zwar ist die Pathologisierung der Homosexualität innerhalb der Psychologie gegenwärtig zum Erliegen gekommen,[77] der § 175 StGB wurde ersatzlos gestrichen und auch die rechtliche Stellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften hat sich mit der gesetzlichen Regelung zur „Eingetragenen Lebenspartnerschaft“ erheblich verbessert.[78] Dennoch nimmt die Hälfte der deutschen Bundesbürger Homosexuelle sozial nicht wahr.[79] Harke umschreibt dieses Paradoxon mit dem Satz: „Es gibt Lesben und Schwule und es gibt sie nicht.“[80] Das Wissen um die homosexuelle Liebe dürfte mittlerweile zwar auch in den entlegensten Winkeln der Republik angekommen sein, der Wunsch nach einer ausreichenden Distanz zu den Vertretern dieser „Spezies“ scheint allerdings weiterhin fortzubestehen. Diese Haltung verdeutlichen Aussagen wie „Solange sie nicht in meinem Lebensumfeld auftreten, solange ich nicht behelligt werde, bin ich tolerant.“[81]

Dabei wird die weibliche im Gegensatz zur männlichen Homosexualität von der Männerwelt vielfach allein aus voyeuristischen Motiven toleriert. Auf diese „Errungenschaft“ können allerdings weder die Frauen noch die Männer stolz sein. Deklassiert sie doch die „Krone der Schöpfung“ auch weiterhin zum Lustobjekt der Männer. Lesbische Handlungen werden solange nicht nur toleriert, sondern in pornographischen Waren sogar erwünscht, wie sie der Lustbefriedigung des Mannes dienen.[82] Zudem reproduzieren solche Materialen oft männliche Phantasievorstellungen, die mit den wahren lesbischen Sexualpraktiken nicht identisch sind. Dazu zählt in erster Linie die irrtümliche Annahme, dass eine weibliche Lustbefriedigung nicht ohne einen Penis oder zumindest einen Penisersatz erreicht werden kann. Dieses uralte Wunschdenken der Männerwelt stützt seit jeher die Theorie einer naturgegebenen männlichen Vormachtstellung.[83]

Die Botschaft der Vorabendserien, dass im Zuge der zunehmenden Individualisierung in der Gesellschaft homosexuelle Lebensformen mittlerweile ebenso frei wählbar seien wie heterosexuelle, scheint somit nur bedingt die gelebte Realität widerzuspiegeln. „Dem allenthalben wiederholten […] Credo, inzwischen sei Homosexualität doch ganz normal, steht die Forderung nach Heimlichkeit gegenüber […]“,[84] wovon auch die Jugendlichen wissen. Dennoch kann konstatiert werden, dass die Errungenschaften der Vergangenheit ihren Beitrag zu einer Senkung des Coming-out-Alters von jungen Lesben geleistet haben.[85] Dass es tendenziell immer noch höher liegt als bei Schwulen, verdeutlicht allerdings ihr spezielles Bedürfnis nach einer psychischen Unterstützung während der lesbischen Identitätsentwicklung, wie sie u.a. durch einschlägige Jugendbücher gewährleistet werden kann.

II. Untersuchung der Jugendbücher

A. Zur Auswahl der Jugendbücher

Gegenstand der Untersuchung ist ausschließlich die erzählende Jugendliteratur, keine Ratgeberlektüre.[86] Darüber hinaus werden nur solche Bücher berücksichtigt, die sich mit der gleichgeschlechtlichen Liebe zwischen weiblichen Jugendlichen (nicht älter als 18 Jahre) oder zwischen einer Jugendlichen und einer Erwachsenen auseinandersetzen. Die homosexuellen Erfahrungen bilden in den untersuchten Werken ein bzw. das Hauptthema und werden nicht nur am Rand erwähnt. Die zugrunde gelegte Kategorie der Jugendbücher umfasst neben dem eigens für Jugendliche publizierten Schrifttum[87] ebenfalls Werke, die auch auf eine erwachsene Leserschaft zugeschnitten sind.[88] Die ausgewählten Schriften deutschsprachiger Autorinnen spiegeln die diesbezügliche Produktion der letzten 50 Jahre wieder. Im Einzelnen fanden folgende Bücher Eingang in die Untersuchung:

1. Ingeborg Bayer: Dünensommer (1974)
2. Hannelore Krollpfeiffer: Die Zeit mit Marie (1986)
3. Susanne Fülscher: Vielleicht wird es ein schöner Sommer (1991)
4. Regina Faerber: Der weite Horizont (1992)
5. Doris Meißner-Johannknecht: Amor kam in Leinenschuhen (1993)
6. Claudia Hussong: Coming out (1994)
7. Marliese Arold: Einfach nur Liebe (1996)
8. Meredith Sommer: Mal langsam, Baby! (1997)
9. Ahima Beerlage: Sterne im Bauch (1998)
10. Regina Nössler: Wahrheit oder Pflicht (1998)
11. Kristina Dunker: Der Himmel ist achteckig (1999)
12. Mirjam Müntefering: Flug ins Apricot (1999)
13. Patricia Schröder: Liebe ist, was du draus machst (2000)
14. Susanne Lütje: Die Suche nach der zehnten Frau (2000)
15. Karen-Susan Fessel: Steingesicht (2001)
16. Mirjam Müntefering: Apricot im Herzen (2001)
17. Mirjam Pressler: Für Isabel war es Liebe (2002)
18. Adriane Stern: Pias Labyrinth (2003)
19. Tamara Bach: Marsmädchen (2003)
20. Mirjam Müntefering: Verknallt in Camilla (2004)

Die Jahresangaben der jeweiligen Erstveröffentlichung zeigen deutlich, dass die lesbische Liebe von Jugendlichen erst seit den 90er Jahren zunehmend von deutschsprachigen Autorinnen als ein eigenständiges Thema in Jugendbüchern behandelt wird. Diese Publikationsentwicklung entspricht der auf dem internationalen Büchermarkt.[89] Im Gegensatz dazu tritt die Jugendliteratur über homosexuelle Jungen bereits seit den 70er Jahren verstärkt in den Vordergrund.[90] Diese ungleiche Entwicklung kann nur als ein weiteres Symptom der gesellschaftlichen Nichtbeachtung von Frauenliebe zu bewerten sein.

B. Inhaltliche Analyse der Jugendbücher

1. Die Protagonistinnen und ihr soziales Umfeld

Alle untersuchten Jugendbücher stellen die Frauenliebe primär aus der Perspektive einer weiblichen Jugendlichen dar, die die gleichgeschlechtliche Liebe für sich entdeckt.[91] Über ihre Sicht formt die Leserin[92] ihr Verhältnis zu dem im Text Dargestellten. Aufgrund dieser wichtigen Funktion wird zunächst auf die Charakterisierung dieser Hauptfiguren und ihres sozialen Umfeldes eingegangen.

a) Das Alter

Von grundlegendem Interesse ist hierbei zunächst, welche Altersstufen der Protagonistinnen in den einzelnen Erzählungen näher beleuchtet werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Thematisierte Altersstufen der Protagonistinnen[93]

Auffällig ist, dass sich die meisten Werke auf ein bis zwei Altersstufen der Protagonistin beziehen. Lediglich Stern, Beerlage und Nössler gehen auf längerfristige Lebensphasen ein. Das Hauptaugenmerk aller Autorinnen richtet sich allerdings auf die Entwicklungsphase zwischen dem 14. und 19. Lebensjahr. Drei Bücher greifen auch auf vorangegangene Erlebnisse zurück und zwei beziehen die weitere Entwicklung im Erwachsenenalter mit ein.

b) Der Wohnort

Die Wohnorte der Protagonistinnen liegen ausnahmslos in städtischen Gebieten. Obwohl hierbei alle Stadtgrößen vertreten sind,[94] vermittelt die Begrenztheit auf urbane Lebenswelten der Leserin fälschlicherweise, dass den Jugendlichen in dörflichen Gegenden keine homosexuellen Erlebnisse widerfahren.[95] Dabei dürften die durchaus auch in ländlichen Gebieten existierenden lesbischen Mädchen gerade in Bezug auf die dortige Lebenskultur in der Gegenüberstellung mit der städtischen Lebensweise von Interesse sein.

c) Die schulische Bildung

Hinsichtlich der schulischen Bildung fällt auf, dass nahezu alle Protagonistinnen ein Gymnasium bzw. eine Gesamtschule besuchen.[96] Gleichgeschlechtliche Erfahrungen von Haupt- und Realschülerinnen oder Auszubildenden finden keine Beachtung. Im Gegensatz dazu stellt die Studie von Kolbe aus dem Jahr 1988 fest, dass 34% der befragten Lesben eine Haupt- oder Realschule besuchen.[97] Seit dieser Zeit mag sich die Schulwahl vieler Jugendlicher zugunsten eines Gymnasiums oder einer Gesamtschule verändert haben. Gleichwohl kann Schupp 1997 innerhalb der Studie „Sie liebt sie. Er liebt ihn“ feststellen, dass immer noch 18% der 15-27jährigen weiblichen Teilnehmer entweder eine Haupt-, Real- oder Polytechnische Oberschule besuchen. Lediglich 2% können keinen schulischen Abschluss vorweisen.[98]

d) Das familiäre Umfeld

Gegenüber der extrem einseitigen Sicht des Bildungsweges lesbischer Mädchen wird das familiäre Umfeld, in dem die Protagonistinnen leben, recht unterschiedlich gestaltet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Familiäres Umfeld der Protagonistinnen

In zwei Büchern ist die Mutter aufgrund von Scheidung allein erziehend[99] und in zwei weiteren fallen die Eltern als Erziehungsberechtigte sogar vollständig aus. Bei Fessel verlässt der drogensüchtige Vater die Familie und die ebenfalls abhängige Mutter stirbt an Aids. Deshalb übernimmt eine allein stehende Tante die Erziehung.[100] Bei Stern wird dem wegen Kindesmissbrauchs inhaftierten Vater und seiner ihn gewähren lassenden Ehefrau das Sorgerecht entzogen, so dass die Protagonistin ohne elterlichen Bezug in einem Internat aufwächst.[101] Die klassische Rollenverteilung, wonach die Mutter den Haushalt führt, während der Vater berufstätig ist, findet sich in 6 Büchern.[102] In 8 Familien arbeiten beide Elternteile[103], und in einer geht zunächst nur die Mutter ihrem Beruf nach, während der Vater lange Zeit die Hausarbeit übernimmt. Im weiteren Verlauf der Geschichte kehrt er allerdings wieder in seinen Beruf zurück.[104] Die beruflichen Tätigkeiten reichen vom Arbeiter, der Sekretärin usw. bis zur Ärztin bzw. zum Arzt. Somit sind fast alle gängigen Elternkonstellationen und Einkommensschichten der bundesdeutschen Bevölkerung vertreten.[105] Die in den Büchern dargestellte Innigkeit der Beziehungen zwischen den Eltern und ihren Töchtern spiegelt ebenfalls eine große Bandbreite wider. Zwischen den rein oberflächlichen Eltern-Kind-Beziehungen[106] und den aufrichtig liebenden Elternteilen[107] wird der Leserin eine Vielzahl verschiedenartigster Beziehungsstrukturen geboten.

[...]


[1] Manfred Berger: Homosexualität in der erzählenden Kinder- und Jugendliteratur. In: JuLit. Fachzeitschrift zur Kinder- und Jugendliteratur. Hrsg. v. Arbeitskreis für Jugendliteratur München. 1/92. S. 38.

[2] Vgl. Frauenlexikon. Traditionen, Fakten, Perspektiven. Hrsg. v. Anneliese Lissner, Rita Süssmuth und Karin Walter. Basel/Wien 1989. Sp. 633. Zur Problematik der indirekten männlichen Dokumentation bezüglich der weiblichen Homosexualität vgl. ebenso Volker Sommer: Wider die Natur? Homosexualität und Evolution. München 1990. S. 15.

[3] Vgl. Susanna von Paczensky: Verschwiegene Liebe lesbischer Frauen in unserer Gesellschaft. Hamburg 1984. S. 20.

[4] Vgl. Barbara Gissrau: Die Sehnsucht der Frau nach der Frau. Das Lesbische in der weiblichen Psyche. Zürich 1993. S. 18f.

[5] Vgl. Sommer: Wider die Natur? München 1990. S. 28.

[6] Vgl. ebd. S. 29.

[7] Lesbos, neugriechische Lesvos. Brockhaus. Die Enzyklopädie. 24 Bde. 13. Bd. Leipzig/Mannheim 1998. S. 316. Die Wortfamilie Lesb- (Lesbianismus, Lesbisch, Lesbe usw.) stammt von dem Namen dieser Insel. Jody Skinner: Bezeichnungen für das Homosexuelle im Deutschen. 2 Bde. Bd. 2. Wörterbuch. Essen 1999. S. 203.

[8] Vgl. Sommer: Wider die Natur? München 1990. S. 31.

[9] Vgl. Metzler Lexikon. Gender Studies. Geschlechterforschung. Ansätze – Personen – Grundbegriffe. Hrsg. von Renate Kroll. Stuttgart/Weimar 2002. S. 348f. Und Brockhaus. 13. Bd. Leipzig/Mannheim 1998. S. 315.

[10] Schülerduden. Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. Hrsg. und bearb. von Günther Drosdowski. Unter Mitw. von Dieter Berger und Friedrich Wurms. Mannheim 1997. S. 455.

[11] Vgl. Sabine Ayshe Peters: Sexualisierung: Entwicklungslinien der öffentlichen Darstellung lesbischer Liebe. In: Sprache – Erotik – Sexualität. Hrsg. von Rudolf Hoberg. Berlin 2001. S 193. Zur Herkunft des Sodomie-Begriffs vgl. Sommer: Wider die Natur? München 1990. S. 43. Die Zerstörung der Stadt Sodom durch Gottes Hand wurde in den beherrschenden Bibelauslegungen mit den dort praktizierten sexuellen Ausschweifungen begründet. So steht im Neuen Testament geschrieben: „Auch Sodom und Gomorra und ihre Nachbarstädte sind ein Beispiel: In ähnlicher Weise wie jene trieben sie Unzucht und wollten mit Wesen anderer Art verkehren; daher werden sie mit ewigem Feuer bestraft.“ Die Bibel. Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift. Altes und Neues Testament. Aschaffenburg 1980. Jud 7.

[12] Vgl. Brockhaus. 10. Bd. Leipzig/Mannheim 1997. S. 233. Ebenso Peters: Sexualisierung. In: Sprache – Erotik – Sexualität. Berlin 2001. S. 193.

[13] „Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter, wie es sich im Herrn geziemt.“ Die Bibel. Aschaffenburg 1980. Kol 3, 18.

[14] Ebd. Lev 18, 22. Im Neuen Testament schreibt Paulus in seinem Brief an die Römer: „Ebenso gaben die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau auf und entbrannten in Begierde zueinander; Männer trieben mit Männern Unzucht und erhielten den ihnen gebührenden Lohn für ihre Verirrung.“ Ebd. Röm 1, 27.

[15] Brockhaus. 10. Bd. Leipzig/Mannheim 1997. S. 233.

[16] Ebd.

[17] Peters: Sexualisierung. In: Sprache – Erotik – Sexualität. Berlin 2001. S. 194.

[18] Zitiert nach Ilse Kokula: „Wir leiden nicht mehr, sondern sind gelitten!“ Köln 1987. S. 235.

[19] Brockhaus. 13. Bd. Leipzig/Mannheim 1998. S. 315.

[20] Gissrau konstatiert, dass es vom 17. bis zum 19. Jahrhundert sogar „Mode [war], dass Frauen sich leidenschaftlich ineinander verliebten.“ Gissrau: Die Sehnsucht der Frau nach der Frau. Zürich 1993. S. 20.

[21] Vgl. Faderman: Köstlicher als die Liebe der Männer. Zürich 1990. S. 164. Sabine Braun und Christine Proske: Frauenliebe. Freundschaft, Lust und Zärtlichkeit. München 1990. S. 28f.

[22] Ulrike Hänsch: Von der Strafe zum Schweigen: Aspekte lesbischer Geschichte. In: beiträge zur feministischen theorie und praxis. 12. Jahrgang (1989). Heft 25/26. Lesben. Nirgendwo und überall. Hrsg. von Sozialwissenschaftliche Forschung & Praxis für Frauen e.V. S. 12. Gissrau: Die Sehnsucht der Frau nach der Frau. Zürich 1993. S. 27.

[23] Vgl. Peters: Sexualisierung. In: Sprache – Erotik – Sexualität. Berlin 2001. S. 194f.

[24] Vgl. Lillian Faderman: Köstlicher als die Liebe der Männer. Romantische Freundschaften und Liebe zwischen Frauen von der Renaissance bis heute. Zürich 1990. S. 70.

[25] Peters: Sexualisierung. In: Sprache – Erotik – Sexualität. Berlin 2001. S. 195.

[26] So schreibt die Romanschriftstellerin Mlle de Scudéry an ihre Geliebte, sie habe nicht „einen Moment stillen Vergnügens, seit ich so weit weg bin von dir“ und „Wo Calista nicht ist, dort ist meine Hölle.“ Zitiert nach Faderman: Köstlicher als die Liebe der Männer. Zürich 1990. S. 70.

[27] Angela Steidele: „ich kanns auch gar nicht ändern, daß meine Sinne nur blos auf Dich gerichtet sind“. Frauenliebe in Bettine von Arnims Briefromanen. In: Forum Homosexualität und Literatur. Bd. 33. Siegen 1998. S. 72.

[28] Faderman stellt in diesem Zusammenhang fest, dass „in einer geschlechtergetrennten Gesellschaft, wo von Frauen ja geradezu erwartet wurde, dass sie sich nahe standen, […] die Zuneigung gelegentlich die Grenze zwischen dem Sittlichen und dem Sexuellen überschreiten [mochte]“. Fadermann: Köstlicher als die Liebe der Männer. Zürich 1990. S. 52.

[29] Vgl. Gissrau: Die Sehnsucht der Frau nach der Frau. Zürich 1993. S. 18f.

[30] Vgl. Faderman: Köstlicher als die Liebe der Männer. Zürich 1990. S. 64.

[31] Vgl. ebd. S. 54.

[32] Records of the Colony of New Plymouth. Hrsg. von Nathaniel Shurtleff. Boston 1855-1861. Hier zitiert nach Faderman: Köstlicher als die Liebe der Männer. Zürich 1990. S. 52.

[33] Faderman führt mehrere Fälle an, in denen Transvestitinnen verbrannt, gehängt oder ertränkt wurden. Vgl. ebd. S. 53f.

[34] Vgl. ebd. S. 191. Ebenso Gissrau: Die Sehnsucht der Frau nach der Frau. Zürich 1993. S. 24.

[35] So war z. B. Maria Montessori 1896 die erste Ärztin Italiens. Vgl. Harald Ludwig: Maria Montessori – Leben, Werk, Grundgedanken. In: Erziehen mit Maria Montessori. Ein reformpädagogisches Konzept in der Praxis. Hrsg. von dems. Freiburg 2003. S. 11f. Faderman führt zahlreiche Berufe an, die in zunehmendem Maße von Frauen ausgeübt wurden, z. B. Lehrerin, Pflegerin, Küsterin und Sekretärin. Vgl. Faderman: Köstlicher als die Liebe der Männer. Zürich 1990. S 198f.

[36] Vgl. ebd. S 192.

[37] Faderman stellt heraus, dass diese monogamen Beziehungen zwischen zwei Frauen, die so genannte Boston-Ehen, im Gegensatz zu den heterosexuellen Ehen dieser Zeit vom Prinzip der Ebenbürtigkeit zwischen den beiden Partnerinnen geprägt war. Ebd. S. 244.

[38] Vgl. Gissrau: Die Sehnsucht der Frau nach der Frau. Zürich 1993. S. 24f.

[39] Vgl. ebd. S. 23.

[40] Vgl. ebd. S. 25.

[41] Das Wort „Homosexualität“ ist teil griechischer, teils lateinischer Abstammung. Griech. homós = gleich und lat. sexus = Geschlecht. Skinner: Bezeichnungen für das Homosexuelle im Deutschen. Bd. 2. Essen 1999.

[42] Vgl. Gissrau: Die Sehnsucht der Frau nach der Frau. Zürich 1993. S. 25.

[43] Vgl. Faderman: Köstlicher als die Liebe der Männer. Zürich 1990. S. 259.

[44] Vgl. Peters: Sexualisierung. In: Sprache – Erotik – Sexualität. Berlin 2001. S. 197.

[45] Ebd.

[46] Gissrau: Die Sehnsucht der Frau nach der Frau. Zürich. 1993. S. 68.

[47] Vgl. Ursula Linnhoff: Weibliche Homosexualität zwischen Anpassung und Emanzipation. Köln 1976. S. 16f. Barbara Gissrau: Sigmund Freud über die weibliche Homosexualität. In: Homosexualität. Handbuch der Theorie- und Forschungsgeschichte. Hrsg. von Rüdiger Lautermann. Frankfurt a. M./New York 1993. S. 169f.

[48] Vgl. Gissrau: Die Sehnsucht der Frau nach der Frau. Zürich 1993. S. 30.

[49] Peters: Sexualisierung. In: Sprache – Erotik – Sexualität. Berlin 2001. S. 198.

[50] Claudia Schoppmann: Nationalsozialistische Sexualpolitik und weibliche Homosexualität. Pfaffenweiler 1997. S. 104.

[51] Vgl. ebd. S. 212.

[52] Vgl. ebd. S. 215f.

[53] Vgl. ebd. S. 18.

[54] Ebd. S. 17.

[55] Nun „konnte jeglicher sexuell interpretierbare Kontakt zwischen erwachsenen Männern unter Strafe gestellt werden, […] sogar entsprechend gedeutete Blicke“. Joachim Müller: Betrifft: Haftgruppen „Homosexuelle“ – Rehabilitierung (k)ein Problem? – Schlaglichter zu einigen markanten Stationen in offiziellen und öffentlichen Bereichen. In: Homosexuelle in Konzentrationslagern. Vorträge zur wissenschaftlichen Tagung am 12./13. September 1997 in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora in Nordhausen. Bearb. von Olaf Mußmann. Berlin/Bonn 2000. S. 13.

[56] Franz Gürtner: Das kommende deutsche Strafrecht. Bericht über die Arbeit der amtlichen Strafrechtskommission. 2 Bde. 2.Bd. Berlin 1934/35. S. 126.

[57] Schoppmann: Nationalsozialistische Sexualpolitik und weibliche Homosexualität. Paffenweiler 1997. S. 94.

[58] Claudia Schoppmann: Zur Situation lesbischer Frauen in den Konzentrationslagern. In: Homosexuelle in Konzentrationslagern. Bearb. von Olaf Mußmann. Berlin/Bonn 2000. S. 139. Ebenso Ilse Kokula: Zur Situation lesbischer Frauen während der NS-Zeit. In: beiträge. 12. Jahrgang (1989). Heft 25/26. S. 29.

[59] Ebd. S. 143.

[60] Ebd. S. 139.

[61] Schoppmann: Nationalsozialistische Sexualpolitik und weibliche Homosexualität. Pfaffenweiler 1997. S. 263f.

[62] Rudi Finkler u. Hans-Georg Stümke: Rosa Winkel, rosa Listen. Homosexuelle und ‚Gesundes Volksempfinden’ von Auschwitz bis heute. Hamburg 1981. S. 442.

[63] Ebd. S. 448. Mit dieser Begründung erklärten deutsche Gerichte auch, „dass § 175 nicht gegen den Gleichheitsgrundsatz (Art. 3 Abs. 2 der Grundgesetzes) verstoße“. Schoppmann: Nationalsozialistische Sexualpolitik und weibliche Homosexualität. Pfaffenweiler 1997. S. 265.

[64] Peters: Sexualisierung. In: Sprache – Erotik – Sexualität. Berlin 2001. S. 200.

[65] Madeleine Marti: Hinterlegte Botschaften. Die Darstellung lesbischer Frauen in der deutschsprachigen Literatur seit 1945. Stuttgart 1991. S. 43.

[66] Vgl. ebd. S. 45 und 82.

[67] Vgl. Schoppmann: Nationalsozialistische Sexualpolitik und weibliche Homosexualität. Pfaffenweiler 1997. S. 267.

[68] Vgl. ebd. Ebenso Peters: Sexualisierung. In: Sprache – Erotik – Sexualität. Berlin 2001. S. 201. Marti: Hinterlegte Botschaften. Stuttgart 1991. S. 134.

[69] Nachfolgebewegung der ersten feministischen Bewegung im 19. Jahrhundert. Siehe S. 7f dieser Arbeit. Vgl. Peters: Sexualisierung. In: Sprache – Erotik – Sexualität. Berlin 2001. S. 201.

[70] Herrad Schenk: Die Befreiung des weiblichen Begehrens. Köln 1991. S. 126.

[71] Vgl. ebd. S. 201f.

[72] Peter führt mehrere solche Zitate aus unterschiedlichen Ausgaben verschiedener Zeitungen und Zeitschriften, u.a. „Spiegel“ und „Stern“, an, ohne ihre Herkunft einzeln näher zu bestimmen. Ebd. S. 202ff.

[73] Vgl. ebd. S. 202.

[74] Sexuelle Handlungen zwischen einem erwachsenen Mann und einem unter 18jähtigen blieben weiterhin unter dem Aspekt der Verführung zur Homosexualität strafbar. Vgl. Schoppmann: Nationalsozialistische Sexualpolitik und weibliche Homosexualität. Pfaffenweiler 1997. S. 266f.

[75] Z.B. die Figuren Carsten Flöter, Tanja Schildknecht und Susanne Evers („Lindenstraße“), Gero von Sterneck und Markus Fröhlich („Verbotene Liebe“), Carla Gräfin von Lahnstein, Nina Ryan und Erika Sander („Verbotene Liebe“), Andrea Süskind und Billi Vogt („Marienhof“), Saskia Rother und Harumi Shimizu („Gute Zeiten, schlechte Zeiten“).

[76] Maren Kroymann (Schauspielerin und Kabarettistin), Klaus Wowereit (Politiker), Hella von Sinnen (TV-Entertainerin), Dirk Bach (Schauspieler und Komiker), Skin (Sängerin der Gruppe „Skunk Anansie“), Alfred Biolek (Talkmaster) u. Ulrike Folkerts (Schauspielerin).

[77] Vgl. Barbara Gissrau: Lesbische Liebe ist keine Krankheit. In: Frauen und Sexualität. Hrsg. von Ursula Nuber. Weinheim/Basel 1991. S. 185f.

[78] Seit August 2001 gibt es in Deutschland auch für homosexuelle Paare die Möglichkeit, eine „Eingetragene Lebenspartnerschaft“ einzugehen. Mit seiner Novellierung im Oktober 2004 wurden einige Modifikationen vollzogen, die auf eine zunehmende Gleichstellung mit der Ehe ausgerichtet sind. Im Einzelnen wurden folgende Änderungen aufgenommen: 1. Zukünftig werden Lebenspartner - wie Ehegatten - im Güterstand der Zugewinngemeinschaft leben, wenn sie nichts anderes vereinbaren; 2. Im Unterhaltsrecht nach der Trennung erfolgt weitgehende Gleichbehandlung; 3. Zudem wird ein Verlöbnis eingeführt. Lebenspartner werden sich in Zukunft wie Ehegatten mit Rechtswirkung verloben können; 4. Ferner regelt das Gesetz, dass Homosexuelle das leibliche Kind ihres Lebenspartners adoptieren können; 5. Mit dem Gesetz werden die Regelungen der Hinterbliebenenversorgung in der gesetzlichen Rentenversicherung auch auf Lebenspartner ausgedehnt. Gesetz über die Eingetragene Lebenspartnerschaft. http://bundesrecht.juris. de/bundesrecht/lpartg/index.html (05.05.2005).

[79] Dies gaben in einer Befragung von 1991 48% der befragten Westdeutschen und 44% der Ostdeutschen an. Sabine Hark: Neue Chancen – alte Zwänge? Zwischen Heteronormativität und posttraditionaler Vergesellschaftung. Zur sozialen und psychischen Situation lesbischer Mädchen und schwuler Jungen in Nordrhein-Westfalen. Expertise zum 7. Kinder- und Jugendbericht der Landesregierung Nordrhein-Westfalen. Düsseldorf 2000. S. 5.

[80] Ebd., S. 7.

[81] Ebd. S. 5.

[82] Vgl. Hänsch: Von der Strafe zum Schweigen. In: beiträge. 12. Jahrgang (1989). Heft 25/26. S. 14f. Paczensky: Verschwiegene Liebe. München 1981. S. 30f.

[83] Zum Zusammenhang heterosexueller Verkehr und männlicher Machtanspruch siehe S. 8 dieser Arbeit.

[84] Hark: Neue Chancen – alte Zwänge? Düsseldorf 2000. S. 16.

[85] Ebd., S. 7.

[86] Z.B. Lesebücher, die vorwiegend informative Berichte beinhalten, wie Joachim Braun und Beate Martin: Gemischte Gefühle. Ein Lesebuch zur sexuellen Orientierung. Reinbek 2000. Coming out Lesebuch. Hrsg. v. Iris Konopik u.a. Hamburg 1999.

[87] Dieser Adressatenbezug wird von den Verlagen durch explizite Angaben auf dem Einband, im Vorwort, durch eine entsprechende Reihenzugehörigkeit o.ä. deutlich gemacht.

[88] Hierzu gehören: Ingeborg Bayer: Dünensommer. Baden-Baden 1977, Regina Nössler: Wahrheit oder Pflicht. Tübingen 1998 und Meredith Sommer: Mal langsam, Baby! Bergisch Gladbach 1997. Letzterer Roman erschien im Bastei Verlag in der Reihe „Frauen“, der primär auf eine erwachsene Leserschaft ausgerichtet ist.

[89] Vgl. Sabine Puhlfürst: Das Thema „Lesbischsein“ in der Kinder- und Jugendliteratur. In: Forum Homosexualität und Literatur. Bd. 35. Siegen 1999. S. 100.

[90] Für die 70er führt Dethloff immerhin bereits 5 entsprechende Buchtitel an. Cyrus Dethloff: Jungenpaare – Mädchenpaare. Der humanwissenschaftliche Diskurs um die „Homosexualität und sein Einfluss auf ihre Darstellung im erzählenden Kinder- und Jugendbuch. Paderborn 1995.

[91] Auf die Wahl der Erzählperspektive wird im zweiten Teil der Analyse noch näher eingegangen. Siehe S. 75ff dieser Arbeit.

[92] Aufgrund der spezifisch weiblichen Thematik kann davon ausgegangen werden, dass die untersuchte Literatur vorwiegend von weiblichen Personen rezipiert wird.

[93] Die einzelnen Jugendbücher werden in den Diagrammen, im Text der Arbeit und in den Fußnoten durch die Autorennamen repräsentiert. Die angegebenen Seitenzahlen beziehen sich dabei auf die im Literaturverzeichnis aufgeführte Ausgabe. Da „Apricot im Herzen“ (Münterfering 2) die Fortsetzung von „Flug ins Apricot“ (Münterfering 1) ist, werden beide Bücher hier und auch im weiteren Verlauf der Arbeit zusammengefasst. Müntefering 3 steht für das letzte Werk der Autorin „Verknallt in Camilla“.

[94] Von Großstädten wie Berlin, Hamburg, München usw. bis Herten im Ruhrgebiet.

[95] Es ist zwar eine Tatsache, dass erwachsene Homosexuelle das Leben in Großstädten bevorzugen. Hieraus darf allerdings nicht gefolgert werden, dass homosexuelle Erfahrung in der Adoleszenz auch nur dort gemacht werden können. Laut Kolbes Untersuchung über die „Lesbische Identität in der Adoleszenz“ kamen 27% der befragten Lesben aus einer ländlichen Gegend. Karin Kolbe: Lesbische Identität in der Adoleszenz. Braunschweig 1989. S. 65.

[96] Arold legt sich als einzige Autorin nicht auf eine spezifische Schulform fest.

[97] Kolbe: Lesbische Identitäten in der Adoleszenz. Braunschweig 1989. S. 64.

[98] Schupp gibt weiterhin zu bedenken, dass „in dieser Untersuchung die formal höher Gebildeten überdurchschnittlich stark vertreten sind. Dies lässt sich aus der gewählten Untersuchungsmethode erklären, sowie aus der Tatsache, dass der Fragebogen u.a. über die Lesben- und Schwulenreferate der Universitäten verteilt wurde. Nahe liegend ist auch die Vermutung, dass die Lesben- und Schwulenprojekte, über die der Fragebogen ebenfalls verteilt wurde, bisher kaum Personen aus niedrigen Bildungsschichten erreichen.“ Karin Schupp: Auswertung der Fragebögen. In: Sie liebt sie. Er liebt ihn. Eine Studie zur psychosozialen Lage junger Lesben, Schwuler und Bisexueller in Berlin. Hrsg. von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport in Berlin. http://www.senbjs.berlin.de/familie/gleichgeschlechtliche_lebensweisen/veroeffentlichungen/sie_liebt_sie/auswertung_1.asp (25.02.2004).

[99] Krollpfeiffer, S. 23f. Fülscher, S. 21f.

[100] Fessel, S. 6ff.

[101] Stern, 22f.

[102] Faerber, S. 15 u. 106. Arold, S. 92ff u. 117. Beerlage, S. 106. Nössler, S. 89. Dunker, S. 5. Pressler, S.78.

[103] Bayer, S. 17. Meißner-Johannknecht, S. 5. Hussong, Kap. 2 u. 3. Sommer, S. 29. Müntefering 2, S. 54. Bach, S. 22f. Lütje, S. 20. Müntefering 3, S. 107.

[104] Schröder, S. 159ff u. 170.

[105] Stiefmütter, bzw. -väter oder Adoptiveltern finden in den Büchern keine explizite Erwähnung.

[106] Den Eltern bei Sommer (S. 66f) und Meißner-Johannknecht (S. 20ff u. 111f) und der Mutter bei Hussong (Kap. 4) kommt es nur auf die Außenwirkung ihrer Töchter an, während bei Bayer beide Elternteile aufgrund ihres Berufes als Psychotherapeut nach außen vorgeben, ihre Tochter voll und ganz zu kennen und zu verstehen. Allerdings haben sie nicht einmal mitbekommen, dass ihr Kind von einem Dritten sexuell missbraucht wurde (S. 18 u. 70f).

[107] Z.B. bei Müntefering 2 (S. 178ff und 194f), Müntefering 3 (S. 94ff), Schröder (S. 206), Bach (S. 146) und dem Vater bei Hussong (Kapitel 3).

Ende der Leseprobe aus 104 Seiten

Details

Titel
Lesbisch - Gleichgeschlechtliche Liebeserfahrungen von Mädchen in Jugendbüchern deutschsprachiger Autoren der Gegenwart
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Veranstaltung
1. Staatsexamen
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
104
Katalognummer
V64008
ISBN (eBook)
9783638569224
ISBN (Buch)
9783638710428
Dateigröße
935 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit umfasst neben einer kurzen historischen Einführung eine inhaltliche und stilistische Untersuchen von insgesamt 20 Jugendbüchern zur lesbischen Liebe (Publikationen von 1974-2004).
Schlagworte
Lesbisch, Gleichgeschlechtliche, Liebeserfahrungen, Mädchen, Jugendbüchern, Autoren, Gegenwart, Staatsexamen
Arbeit zitieren
Stephanie Baumann (Autor), 2005, Lesbisch - Gleichgeschlechtliche Liebeserfahrungen von Mädchen in Jugendbüchern deutschsprachiger Autoren der Gegenwart, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64008

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