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Der Körper in Else Lasker-Schülers "Die Nächte der Tino von Bagdad"

Title: Der Körper in Else Lasker-Schülers "Die Nächte der Tino von Bagdad"

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 38 Pages , Grade: 1

Autor:in: Karin Pfundstein (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Meine Arbeit hat die Erzählung Die Nächte der Tino von Bagdad von Else Lasker-Schüler zum Gegenstand, deren Erstausgabe 1907 erschien. Im Folgenden möchte ich aufzeigen, inwiefern der Topos „Körper“ die Erzählung sowohl auf formaler als auch auf inhaltlicher Ebene konstituiert. Körperliche Merkmale werden auffällig häufig eingesetzt – ich gehe der Frage nach, inwiefern dies zum einen den Text grundlegend prägt, zum anderen wie es zur Charakterisierung der Figuren, insbesondere der Dichterin Tino, und zur versuchten Selbstetablierung der Protagonistin beiträgt.
Als Grundlage für meine Argumentation benutze ich die Debatte über die Zeichenhaftigkeit von Körpern und Körperlichkeit von Zeichensystemen. Körper und Körperpartien werden von Else Lasker-Schüler semiotisch benutzt: Sie verweisen als Pars pro toto auf Personen und, noch wichtiger, auf deren Eigenschaften oder innere Verfasstheit. Die Körperteile werden hierbei wie ein Zeichensystem benutzt. Ein weiterer Aspekt im Kontext des Körper-Zeichen-Diskurses ist die Verwendung des Körpers als Schreibunterlage. Tätowierungen als Inschriften auf Lebewesen tauchen an mehreren Stellen des Romans auf, aber auch andere Zeichensetzungen, unter anderem an personifizierten Gegenständen, sind zu finden.
Darüber hinaus gibt es auch Ansätze, dass die Erzählung selbst körperhaft wird – Körperteile „gliedern“ hier die Kapitel der Erzählung und machen sie zu „Textkörpern“; Texte werden durch die sprachliche Beschwörung von Körperhaftigkeit zum Leben erweckt, sie tanzen.
Meine These, die ich in meiner Interpretation nachzuweisen versuche, lautet, dass die Protagonistin Tino durch Körperlichkeit und deren freies Ausleben ihre Existenz zu behaupten versucht. Ihr Ringen um ihren Körper und damit um ihre physische Existenz ist der Grundpuls der Erzählungen – wie und warum dieses scheitert, werde ich darlegen. Unberührt und unabhängig davon zeigt sich Tinos Dichtertum als metaphysische Existenzform, die auch ohne das Medium Körper weiterlebt und dem Roman am Ende gleichsam entschwebt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Zur Thematik

1. 1. Körper und Schrift – Eine Hinführung

2. Text als Körper: Tanzende und atmende Schrift in Else Lasker-Schülers „Die Nächte der Tino von Bagdad“

2. 1. Tanzende Körper und deren Beschwörung durch Schrift

2. 2. Geschmückte Körper und Textschmuck

2. 3. Gliedernde Körperglieder

3. Beschriftete Körper

3. 1. Stirnzeichen

3. 2. Hieroglyphen in Haut

3. 3. Tiere als Zeichenträger

4. Verschriftlichter Körper: Leib, Identität und der Spiegel als Metapher des Subjekts

4. 1. Lacan und der zerstückelte Körper in den Nächten

4. 2. Der Körper und die Gesellschaft

4. 3. Spiegelierende Körper und körperliche Auflösung

5. Zusammenfassung und Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwiefern der Topos „Körper“ die Erzählung „Die Nächte der Tino von Bagdad“ von Else Lasker-Schüler auf formaler und inhaltlicher Ebene konstituiert und wie die Protagonistin Tino versucht, ihre Identität durch Körperlichkeit zu behaupten.

  • Die Zeichenhaftigkeit von Körpern und deren semiotische Bedeutung
  • Die Erzählung als „Textkörper“ durch die Beschwörung von Körperlichkeit
  • Tätowierungen und Inschriften als Ausdruck göttlicher Zeichen
  • Identitätsproblematik und Spiegelung in Anlehnung an Lacan
  • Der Körper als Austragungsort gesellschaftlicher Konflikte

Auszug aus dem Buch

2. 1. Tanzende Körper und deren Beschwörung durch Schrift

Schon im ersten Kapitel der Nächte, „Ich tanze in der Moschee“, ist die Beschwörung von Körperlichkeit durch die Schrift exemplarisch vollzogen. Initiiert durch eine Auferstehung der Ich-Erzählerin, „[...] ich steige aus der Erde und atme.“14, beginnt ein Tanz, dessen Körperlichkeit und Rhythmik in Sprache umgesetzt erscheint:

Feierlich steht mein Auge und prophetisch hebt sich mein Arm, und über die Stirne zieht der Tanz eine schmale Flamme und sie erblasst und rötet sich wieder von der Unterlippe bis zum Kinn. Und die vielen bunten Perlen klingen um meinen Hals.... oh, machmêde macheiï..... hier steht noch der Schein meines Fußes, meine Schultern zucken leise – machmêde macheiï, meine Lippen schmerzen nicht mehr...rauschesüß tröpfelt mein Blut, und immer träumender hebt sich mein Finger – geheimnisvoll, wie der Stengel der Allahblume..... Machmêde, macheiï, fächelt mein Antlitz hin und her – streckt sich viperschnell, und in den Steinring meines Ohres verfängt sich mein Tanz. Machmêde macheiï, machmêde machmêde............ (S. 61)15

Einzelne Körperteile werden hier aufgezählt, geradezu kinematographisch werden sie in die Totale genommen – das innere Auge des Lesers fügt die Körperteile dann zusammen und so entsteht der tanzende Körper. Aber das Körperbild, das noch vor der oben zitierten Passage benannt wird, scheint nicht recht zu den Einzelaufnahmen der Körperglieder zu passen: „Eine sternenjährige Mumie bin ich [...]“ (S. 61). Während der Tanz das Bild einer grazilen, vitalen, mit Schleiern leicht bekleideten Tänzerin evoziert, steht der Begriff „Mumie“ für einen toten Körper, der eingewickelt mit Bandagen nicht die Vorstellung eines zum Tanzen fähigen Menschen erfüllt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Zur Thematik: Einführung in die Fragestellung zur Körperlichkeit als konstitutives Element der Erzählung und Vorstellung der theoretischen Grundlagen.

2. Text als Körper: Tanzende und atmende Schrift in Else Lasker-Schülers „Die Nächte der Tino von Bagdad“: Untersuchung, wie die Erzählung selbst körperhaft wird und durch die Beschwörung von Tanz und Schmuck eine eigene Dynamik entwickelt.

3. Beschriftete Körper: Analyse der Körper als Schreibunterlage, insbesondere durch Tätowierungen und Inschriften, die als göttliche Zeichen gedeutet werden.

4. Verschriftlichter Körper: Leib, Identität und der Spiegel als Metapher des Subjekts: Auseinandersetzung mit Identitätskrisen und der Spiegelmetaphorik im Kontext gesellschaftlicher Fremdbestimmung und der Lacanschen Theorie.

5. Zusammenfassung und Schlussbemerkung: Resümee der Ergebnisse über die zwei Ebenen der Körperlichkeit als motivische Gestaltung und als gesellschaftliche Konfliktlinie.

Schlüsselwörter

Else Lasker-Schüler, Die Nächte der Tino von Bagdad, Körperlichkeit, Schrift, Identität, Tanz, Metapher, Lacan, Spiegelstadium, Zeichenhaftigkeit, Exotismus, Literaturwissenschaft, Dichtertum, Körpermetaphern, Mythen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht die Bedeutung des Topos „Körper“ in Else Lasker-Schülers Erzählzyklus „Die Nächte der Tino von Bagdad“.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Felder sind die Verbindung von Körper und Schrift, die Körperlichkeit als strukturierendes Element des Textes, die Bedeutung von Tätowierungen und die Identitätskonstitution der Protagonistin.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Tino durch Körperlichkeit versucht, ihre Existenz und poetische Identität innerhalb einer patriarchalen Gesellschaft zu behaupten.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Es erfolgt eine textanalytische Untersuchung unter Einbeziehung kulturwissenschaftlicher Debatten über Zeichensysteme sowie psychoanalytischer Ansätze nach Jacques Lacan.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Erzählung als tanzender Textkörper, die Untersuchung beschrifteter Leiber als Zeichenträger und die Interpretation von Spiegelszenen im Kontext des Identitätsverlusts.

Welche Schlüsselbegriffe sind für die Arbeit charakteristisch?

Charakteristische Begriffe sind „Textkörper“, „Pars pro toto“, „Spiegelstadium“, „Gottesnähe“, „patriarchale Ordnung“ und „Schriftzeichen“.

Welche besondere Rolle spielt die „Mumie“ im ersten Kapitel?

Die Mumie fungiert als Symbol für den reinkarnierten Körper und fügt sich in die exotische Motivik ein, kontrastiert jedoch gleichzeitig mit dem Bild einer vitalen, tanzenden Tänzerin.

Wie werden die Spiegelszenen mit Abdul interpretiert?

Sie werden als Narziss-Mythos gedeutet, in dem die Liebe zum eigenen Spiegelbild und der Wunsch, sich im Anderen zu finden, scheitern, was die Negierung der physischen Existenz Tinos markiert.

Warum wird der Körper Tinos am Ende der Erzählung „vaporisiert“?

Als Reaktion auf die gesellschaftliche Unterdrückung und die Unmöglichkeit, ihre Identität zu bewahren, verweigert sich ihr Körper der physischen Präsenz und strebt in eine göttliche Sphäre.

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Details

Title
Der Körper in Else Lasker-Schülers "Die Nächte der Tino von Bagdad"
College
University of Tubingen  (Deutsches Seminar)
Course
Else Lasker-Schüler
Grade
1
Author
Karin Pfundstein (Author)
Publication Year
2006
Pages
38
Catalog Number
V64029
ISBN (eBook)
9783638569378
ISBN (Book)
9783638694490
Language
German
Tags
Körper Else Lasker-Schülers Nächte Tino Bagdad Else Lasker-Schüler
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Karin Pfundstein (Author), 2006, Der Körper in Else Lasker-Schülers "Die Nächte der Tino von Bagdad", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64029
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