Die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland war eine Zeit voller Theorien und Ideologien. Hitler versuchte stets, seine menschenverachtenden und antisemitischen Vorstellungen durch Autoritäten wissenschaftlich belegen und untermauern zu lassen. Eine dieser Autoritäten war der Staats- und Völkerrechtler Carl Schmitt, der am 11.07.1888 in Plettenberg geboren wurde und am 07.04.1985 ebenfalls in Plettenberg verstarb. Schmitt trat 1933 der NSDAP bei und wurde zum führenden Rechtstheoretiker des NS-Regimes. Er rechtfertigte die Röhm -Morde und trat für die Säuberung des deutschen Rechts vom „jüdischen Geist“ ein. Schmitt versuchte als einer der ersten, den zur Macht gekommenen Nationalsozialismus mit neuen Definitionen theoretisch zu unterfüttern und ihm zu einem Staatsbegriff zu verhelfen 1 . Das NS- System begriff er dabei auch als Instrument zur Durchsetzung seiner Vorstellungen, als er bemerkte, dass es dazu nicht taugte, wandte er sich ab. Schmitt war in dieser Zeit nie unkritisch betrachtet worden, seine oftmals überdeutlich herausgestellte Nähe zum Nationalsozialismus rief Misstrauen hervor. Carl Schmitt hinterließ ein geradezu labyrinthisches Werk von zahlreichen Artikeln, Aufsätzen, Broschüren und Monographien 2 , welche er bewusst im Geist der jeweiligen Zeit einsetzte. Schmitt war dabei weniger Philosoph, er war Theoretiker auf den Gebieten der Staats- und Verfassungstheorie, der Rechtstheorie und der politischen Theorie. Im Folgenden soll Carl Schmitts Werk und sein Handeln betrachtet werden. Die Betrachtung soll von theoretischen Grundlagen ausgehend Schmitts Verhältnis zur Weimarer Republik klären und seine Stellung zum Nationalsozialismus definieren. Es soll der Frage nachgegangen werden, ob sich Schmitt in freiwilliger freudiger Erwartung dem NS-System unterworfen hat oder ob er aus Opportunismus gehandelt hat. Erfahren Schmitts Ideen mit der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933 einen Wandel, werden sie eventuell missbraucht oder werden sie gar missverstanden? War Carl Schmitt nationalsozialistischer, nationaler, europäischer oder globaler Denker? [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen der Staats- und Verfassungslehre Carl Schmitts
2.1 Schmitts politische Theologie
2.2 Zum „Begriff des Politischen“ – die theoretische Unterscheidung in Freund und Feind
3. Carl Schmitt in der Weimarer Republik, Kritik am Parlamentarismus und am Fehlen eines Mythos
4. Carl Schmitt im Nationalsozialismus
4.1 Abkehr vom Normenkatalog der Weimarer Verfassung
4.2 Die Rechtfertigung des Nationalsozialismus
4.3. Carl Schmitt, der „Kronjurist“ des Dritten Reiches
5. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Werk und politische Wirken von Carl Schmitt, mit einem besonderen Fokus auf sein Verhältnis zum Nationalsozialismus und der Weimarer Republik. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, zu klären, ob Schmitts Hinwendung zum NS-Regime aus einer freiwilligen Überzeugung oder aus Opportunismus resultierte und wie seine rechts- und staatstheoretischen Ansätze durch diese historische Epoche beeinflusst oder missbraucht wurden.
- Analyse der staatstheoretischen Grundlagen und der "politischen Theologie" Schmitts.
- Kritische Auseinandersetzung mit seinem Begriff des Politischen und der Freund-Feind-Unterscheidung.
- Untersuchung der Rolle Schmitts während der Weimarer Republik und seiner Haltung zum Parlamentarismus.
- Darstellung seiner ideologischen Adaption und Rechtfertigung des Nationalsozialismus nach 1933.
- Diskussion über das Spannungsfeld zwischen Kontinuität und Wandel in Schmitts Denken.
Auszug aus dem Buch
4.2 Die Rechtfertigung des Nationalsozialismus
Schmitt rang in der Zeit von 1933 bis 1936 um Anerkennung und Anschluss, er verfasste in dieser Zeit ca. 40 Aufsätze mit überwiegend nationalsozialistischen Inhalten. Der Aufsatz „Der Führer schützt das Recht“, welcher 1934 veröffentlicht wurde, sollte die Ermordung des SA-Chefs Ernst Röhms und anderer SA-Führer rechtfertigen. Als Rechtswissenschaftler von Rang legitimierte er eine Tat, die rechtlicht nicht legitimierbar war. Das die Ordnung durch Mord auf Befehl des Regierungschefs wiederhergestellt worden war, stieß in Teilen der Bevölkerung auf Wohlwollen. Man übersah dabei jedoch, dass Mord in keinem Fall etwas Rechtmäßiges sein kann. Der staatlich veranlasste Mord wurde von keiner Seite öffentlich missbilligt, ganz im Gegenteil. Als Grund für Schmitts rege Schreibtätigkeit ist wohl zu betrachten, dass er vor der Machtergreifung stets gegen die NSDAP arbeitete und er nun irgendwie besondere Treue nachweisen wollte. Schmitt wurde im Mai 1933 Parteimitglied der NSDAP. Er sah im neuen System viele seiner Kritikpunkte am alten Weimarer System ausgebessert. Das Proletariat, welches Schmitt als ungebildet und kulturlos betrachtete, schien mittels der braunen Bataillone in den Staat integriert werden zu können, die Öffentlichkeit wurde diszipliniert und national ausgerichtet, dadurch rückte sie zusammen und wirkte zusammen.
Staat und Kirche näherten sich wieder an, was sich in zahlreichen Kircheneintritten und gut besuchten Gottesdiensten zeigte; in alledem glaubte Schmitt die Schaffung von Voraussetzungen zu sehen, die es ermöglichen, Deutschland seine Großmachtstellung wiederzubeschaffen. Schmitt sah auch im Regierungsprogramm der NSDAP viele Möglichkeiten, er war jedoch auch nicht unkritisch. So glaubte er, dass die Regierung unterstützt werden müsse, damit Dummheiten und Unvernunft verhindert würden. Den Verlust der pluralistischen Freiheit, die Konzentrationslager für aktive Gegner des Nationalsozialismus und den rassischen Antisemitismus empfand Schmitt dabei als unvermeidbaren Preis für den Durchbruch einer neuen Zeit, er sah hier eine wenn auch nicht schöne Begleiterscheinung, die hingenommen werden musste.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Person Carl Schmitts ein und formuliert die Leitfrage der Arbeit hinsichtlich seines Verhältnisses zum NS-Regime.
2. Grundlagen der Staats- und Verfassungslehre Carl Schmitts: Das Kapitel erläutert Schmitts politische Theologie und seine fundamentale Unterscheidung von Freund und Feind als Basis seines Staatsverständnisses.
3. Carl Schmitt in der Weimarer Republik, Kritik am Parlamentarismus und am Fehlen eines Mythos: Hier wird Schmitts ablehnende Haltung gegenüber dem parlamentarischen System der Weimarer Republik und sein Verlangen nach einem nationalen Mythos untersucht.
4. Carl Schmitt im Nationalsozialismus: Dieses Kapitel analysiert Schmitts Hinwendung zum NS-System, seine rechtliche Rechtfertigung der NS-Herrschaft und seine Rolle als sogenannter Kronjurist.
5. Schlussbetrachtungen: Das abschließende Kapitel resümiert die Forschungskontroversen über Schmitts Denken und bewertet seine Verstrickungen in den Nationalsozialismus.
Schlüsselwörter
Carl Schmitt, Nationalsozialismus, Weimarer Republik, Politische Theologie, Dezisionismus, Freund-Feind-Unterscheidung, Staatslehre, Rechtstheorie, Antisemitismus, Parlamentarismuskritik, NS-Regime, Rechtswissenschaft, Drittes Reich, Souveränität, Totalitarismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Wirken des Staats- und Völkerrechtlers Carl Schmitt, insbesondere mit der kontroversen Phase seines Beitritts zur NSDAP und seiner ideologischen Unterstützung des NS-Regimes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Verfassungs- und Staatstheorie, die Kritik am liberalen Parlamentarismus, das Verhältnis von Theologie und Politik sowie die Rolle von Rechtswissenschaftlern in totalitären Systemen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob Schmitts Einlassung auf den Nationalsozialismus einer tiefen ideologischen Überzeugung entsprang oder ob es sich primär um opportunistisches Handeln zur Sicherung seiner beruflichen Position handelte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer deskriptiven Auseinandersetzung mit dem umfangreichen publizistischen Werk Schmitts sowie auf der Einordnung seiner Texte in den historischen Kontext der Jahre 1933 bis 1945.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der theoretischen Grundlagen (politische Theologie), seine Ablehnung der Weimarer Verfassung sowie eine detaillierte Betrachtung seiner Aktivitäten als Rechtstheoretiker im NS-Staat.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Kernbegriff "Carl Schmitt" sind dies Begriffe wie Politische Theologie, Dezisionismus, Freund-Feind-Unterscheidung, Parlamentarismuskritik und Antisemitismus.
Wie rechtfertigte Schmitt die Ermordung des SA-Chefs Ernst Röhm?
Schmitt verfasste den Aufsatz „Der Führer schützt das Recht“, in dem er den staatlich veranlassten Mord als notwendige Maßnahme zur Wiederherstellung der Ordnung und Legitimierung der Führergewalt darstellte.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor über Schmitts Rolle als "Kronjurist"?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Schmitts Theorien zwar zur wissenschaftlichen Fassade des Regimes beitrugen, seine tiefergehenden mythologischen Vorstellungen von den Machthabern jedoch oft nicht verstanden oder später sogar gegen ihn gewendet wurden.
- Arbeit zitieren
- Matthias Kolodziej (Autor:in), 2005, Carl Schmitt und der Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64095