Der Körper ist heutzutage Gegenstand vieler Diskussionen und öffentlicher Kontroverse. So werden häufig Fragen, ob wir mit unserem Körper richtig umgehen versucht zu beantworten, aber es werden auch Themen wie der Prozess der Körperverdrängung behandelt, wie zum Beispiel eine Verdrängung durch Maschineneinsatz im Alltag. Ein weiteres Problem stellt der Verlust der Körpersprache dar, etwa durch elektronische Kommunikation, geht so die Sprache bzw. die Körpersprache verloren, wird sich dadurch „nichts mehr gemerkt“, geht der Memorierungseffekt verloren? Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Problem der Körperlichen Fremdheit, der moderne Mensch kann ohne körperliche Anwesenheit kommunizieren, es muss keine Interaktion mehr stattfinden, keine gemeinsame physische Anwesenheit. Der Körper tritt immer mehr in den Hintergrund, er muss nicht mehr zum Handeln eingesetzt werden, er wird nicht mehr gefordert durch Modernisierung. Welche Funktion erfüllt hierbei der Sport, dient er als funktionale Äquivalenz beispielsweise zur Schmerzempfindung durch Training als Beweis dass man noch „lebt“?
Diese Hausarbeit wird im Folgenden systematische Befunde kontrastieren und vergleichen und aus dem Sport das Beispiel des Bodybuildings im Zusammenhang mit körperlicher Fremdheit detailliert untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Körperlicher Fremdheit in der Gesellschaft
3 Körperkult
4 Aspekte und verschiedene Gesichter des Bodybuildings
4.1 Bodybuilding als Arbeit
4.2 Bodybuilding im Sport
4.3 Bodybuilding als Kunst
4.4 Bodybuilding und Anthropologische Sichtweisen
4.5 Strukturen im Bodybuilding
5 Der Körper als Gesellschaftszentrum
6 Diskussion und Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der „körperlichen Fremdheit“ in der modernen Gesellschaft und analysiert, inwiefern der Sport – insbesondere das Bodybuilding – als funktionale Äquivalenz zur Kompensation von Körperverdrängung und Technisierung dient.
- Körperverdrängung in der Moderne
- Die Rolle des Sports als Ausgleichsinstanz
- Individualisierung und Körperkult in Fitness-Studios
- Facetten des Bodybuildings: Arbeit, Sport und Kunst
- Soziologische Betrachtung des Körpers als Gesellschaftszentrum
Auszug aus dem Buch
4.1 Bodybuilding als Arbeit
Nach Schütz und Luckmann (mod. nach Honer 1985), arbeitet der Mensch immer nur dann, wenn er handelt, mit der Absicht eine bestimmte Veränderung in der Umwelt zu erreichen. In diesem Sinne ist Bodybuilding eine Arbeit, mit der eine vorentworfene Veränderung des naturgegebenen und sozial deformierten Körpers, ein muskulöser Körper geformt werden soll. Dieses Vorgehen erfordert bestimmte Techniken, mit denen der Bodybuilder gleichsam einen neuen Körper erschafft auf der Grundlage des gegebenen. Der Körper stellt damit Werkzeug, Rohstoff und Endprodukt dar. Der Mensch hat 128 bildbare Muskelpartien, die Ideologie dieser „Arbeit“, ist demnach: Man kann aus allem etwas machen“. Den Muskeln sind jedoch Grenzen gesetzt, deswegen ist der Bodybuilder gezwungen äußerst instrumentell zu arbeiten, Walters (1979, 294f. in Honer 1985 S.157) beschreibt diese Fakten so:“ The body-builder´s goal is appearance not action“. Demnach besteht das Ziel im Aussehen und wirken statt in der Funktion und im Handeln. Trainieren bedeutet eine Vergewaltigung, Folterung und Überwältigung des eigenen Leibes, dass Wüten gegen das schwache Fleisch. Die Ergebnisse die durch die Studiomaschinenhallen entstehen sind Gesundheit und Kraft unter anderem, aber vor allem Schönheit (Honer, 1985, S. 156 f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert den Verlust der Körpersprache durch Modernisierung und fragt nach der Rolle des Sports als Beweis für körperliche Präsenz.
2 Körperlicher Fremdheit in der Gesellschaft: Dieses Kapitel beleuchtet den Zivilisationsprozess als Geschichte zunehmender Körperdistanzierung und die damit einhergehende Entkoppelung von Körper und Arbeit.
3 Körperkult: Es wird analysiert, wie moderne Fitness-Studios als Orte der Individualisierung fungieren, in denen soziale Unverbindlichkeit dominiert.
4 Aspekte und verschiedene Gesichter des Bodybuildings: Das Kapitel differenziert Bodybuilding als Arbeit, sportliche Herausforderung, Kunstform und anthropologisches Phänomen.
5 Der Körper als Gesellschaftszentrum: Hier wird die Entwicklung des Bodybuildings vom Randsport zum Statussymbol im Kontext der Leistungsgesellschaft beschrieben.
6 Diskussion und Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel reflektiert den Widerspruch zwischen der technisierten Zerlegung des Körpers im Training und der Notwendigkeit, den Körper als biologische Einheit zu begreifen.
Schlüsselwörter
Körperverdrängung, Körperliche Fremdheit, Sportwissenschaft, Bodybuilding, Fitness-Studios, Individualisierung, Körperkult, Leistungsgesellschaft, Körperlichkeit, Sozialsysteme, Modernisierung, Anthropologie, Körperkunst, Identitätsarbeit, Körperdistanzierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Fragestellung, wie der moderne Mensch in einer zunehmend technisierten und körperentfremdeten Gesellschaft seinen Körper wahrnimmt und durch den Sport, insbesondere Bodybuilding, neu konstruiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind der Prozess der Körperverdrängung, die Rolle von Fitness-Studios als soziale Räume, die Individualisierung der Gesellschaft sowie die Transformation des Körpers zum Statussymbol.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, das Bodybuilding als Antwort auf moderne Anforderungen und als „funktionale Äquivalenz“ zur Schmerzempfindung oder Körperabwesenheit zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen systematischen, vergleichenden Ansatz und stützt sich dabei auf soziologische Theorien, insbesondere systemtheoretische Reflexionen der Sportwissenschaft von Autoren wie Bette und Honer.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der gesellschaftlichen Körperentfremdung, die Entstehung des Fitness-Booms sowie die detaillierte Betrachtung des Bodybuildings in seinen verschiedenen Ausprägungen als Arbeit, Sport und Kunst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Körperverdrängung, Individualisierung, Körperkult, Leistungsgesellschaft, Technisierung und Körperlichkeit.
Wie unterscheidet sich die Sicht auf den Körper früher zu heute laut der Arbeit?
Früher war ein muskulöser Körper oft ein Nebenprodukt harter Arbeit; heute gilt er als Symbol für Freizeit, Luxus und die bewusste Kontrolle über den eigenen Körper in einer Leistungsgesellschaft.
Warum wird Bodybuilding im Text als „Ersatzreligion“ bezeichnet?
Der durchtrainierte Körper bietet dem Individuum in einer Gesellschaft, in der traditionelle soziale Bindungen wie Familie oder Religion schwinden, einen neuen Halt und dient als identitätsstiftendes Zentrum.
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- Peter Franken (Author), 2005, Körperliche Fremdheit und Körperkult, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64147