„Die 1366 Mitglieder der traditionsreichen New Yorker Börse (NYSE) haben am Dienstag, den 07. Dezember 2005 nach Börsenschluss mit überwältigender Mehrheit die Übernahme des großen elektronischen Börsenbetreibers Archipelago Holdings Inc. genehmigt. Mehr als 95 Prozent der an der Abstimmung beteiligten NYSE-Mitglieder stimmten für die Transaktion, teilte die weltgrößte Börse mit. Die NYSE wandelt sich von einer ausschließlich von ihren Mitgliedern kontrollierten Organisation in eine Aktiengesellschaft um.“(Online-Artikel von Handelsblatt.com)
Mit der Umwandlung der NYSE von einer durch 1366 Mitglieder kontrollierten Börse hin zur Aktiengesellschaft neigt sich nach 213 Jahren eine lange Tradition dem Ende zu. Die NYSE stellt eine der letzten einflussreichsten Börsen dar, die diese Umwandlung der Unternehmensorganisation vollzogen hat. Neben dem Entwicklungstrend der Umwandlung der Unternehmensorganisation ist ein weiterer Trend zu beobachten, der primär unter den Profit orientierten Börsen vorzufinden ist, nämlich die Neigung zur Diversifikation der Geschäftstätigkeiten einer Börse. Es existieren in der Finanzforschung einige Arbeiten, die zwar diese Investitionsentscheidungen aus einer sozialen Wohlfahrtsperspektive analysieren, jedoch den Einfluss dieser Investitionsentscheidung auf die Börse selbst nicht weiter untersuchen. Genau hier soll der III. Teil dieser Arbeit anknüpfen. Während es Literatur über die jeweiligen Bereiche, Corporate Governance und Investitionsentscheidungen, gibt, existiert nur wenig Literatur, die diese beiden Bereiche gemeinsam betrachtet. Daher werden im Rahmen dieser Arbeit insgesamt fünf Modelle vorgestellt, von denen sich jeweils zwei mit der Corporate Governance und mit der strategischen Investitionsentscheidung beschäftigen. Das fünfte Modell widmet sich beiden Bereichen gleichermaßen.
Ziel dieser Arbeit ist es, einerseits einen Überblick über den aktuellen Forschungstand dieser Thematik zu geben und andererseits die beiden Modellwelten, Corporate Governance und strategische Investitionsentscheidungen, durch die Verknüpfung zweier Modelle zusammenzuführen.
Die Arbeit ist folgender Maßen aufgebaut. In Teil I werden die Modelle von Hart & Moore (1998) und Rey & Tirole (1999) eingeführt, die sich mit der Thematik der Corporate Governance (Unternehmensorganisationsformen) auseinander setzen. Der zweite Teil widmet sich der optimalen strategischen Investitionsentscheidung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
I Corporate Goverance
2 Erstes Modell: ”Cooperatives vs. Outside Ownership” – Hart & Moore 1998
2.1 Intuitiver Erklärungsansatz
2.1.1 Definitionen und Annahmen
2.1.1.1 Gerüst
2.1.1.2 Gruppen
2.1.1.3 Median-Wähler-Theorem (MWT)
2.1.1.4 Preise und Kosten
2.1.1.5 Homogenität – Heterogenität bzgl. der Zahlungsbereitschaften
2.1.1.6 Effizienz
2.1.1.7 Benchmark – First-Best-Lösung
2.1.2 Analyse der Organisationsformen nach dem Effizienzkriterium
2.1.2.1 Fall 1A: Organisationsform Outside Ownership – ‚stand alone’ Betrachtung
2.1.2.2 Fall 1B-1: Organisationsform CO – ‚stand alone’ Betrachtung
2.1.2.3 Fall 1B-2: Organisationsform CO unter Einbeziehung von Qualität – ‚stand alone’ Betrachtung
2.1.2.4 Fall 2A: Organisationsform Outside Ownership – vollständige Konkurrenz
2.1.2.5 Fall 2B: Organisationsform CO – vollständige Konkurrenz
2.1.2.6 Proposition 1:
2.1.2.7 Fall 3A: Organisationsform CO – ‚common ranking’
2.1.2.8 Fall 3B: Organisationsform Outside Ownership – ‚common ranking’
2.1.2.9 Proposition 2:
2.1.3 Erläuterung der Analogie
2.2 A Simple Model: Pricing
2.2.1 Annahmen
2.2.1.1 Insider vs. Outsider
2.2.1.2 Zeitpunkte
2.2.1.3 Payoffs
2.2.1.4 Homogenität - Heterogenität
2.2.1.5 Vollständige Konkurrenz
2.2.1.6 Durchschnittskosten
2.2.1.7 Benchmark – First-Best-Lösung
2.2.2 Analyse der Organisationsformen nach dem Effizienzkriterium
2.2.2.1 Fall IA: Organisationsform Outside Ownership – ‚stand alone’ Betrachtung
2.2.2.2 Fall IB: Organisationsform CO – ‚stand alone’ Betrachtung
2.2.2.3 Gleichgewichtspreis der CO
2.2.2.4 Vergleich der beiden Ergebnisse
2.2.3 Zwischenfazit
Proposition 3
2.3 Full Model: Investment und Pricing
2.4 Zusammenfassung
3 Zweites Modell: “Divergence of Objectives and the Governance of Joint Ventures” – Rey & Tirole 1999
3.1 Einleitung und Problemstellung
3.2 Das Modell
3.2.1 Definitionen und Annahmen
3.2.1.1 Gerüst
3.2.1.2 Unternehmensorganisationsformen
3.2.1.3 Zeitpunkte, Entscheidungen und Payoffs
3.2.1.4 Abänderung der vom Agenten vorgeschlagenen Aktion
3.2.1.5 Informations- und Payoff-Struktur
3.2.1.6 Definition: Interimistische Effizienz / Ineffizient
3.2.2 Benchmark
3.2.2.1 Interimistisch effiziente Abänderung
3.2.2.2 Interimistisch ineffiziente Abänderung
3.2.2.3 Komplemente und Substitute
3.2.3 Proposition 1
3.2.3.1 Substitutive Beziehung zwischen den Überwachungstätigkeiten
3.2.3.2 Komplementäre Beziehung zwischen den Überwachungstätigkeiten
3.2.4 Analyse der Unternehmensorganisationen
3.2.4.1 Strukturelle Separation
3.2.4.2 Vertikale Integration
3.2.4.3 Joint Venture
3.2.4.4 Interimistisch effiziente Abänderung
3.2.4.5 Interimistisch ineffiziente Abänderung
3.2.4.6 Proposition 2
3.3 Zusammenfassung
II Strategische Investitionsentscheidungen
4 Drittes Modell: „A theory of strategic venture investing” – Hellmann 2000
4.1 Einleitung und Problemstellung
4.2 Modell
4.2.1 Definitionen und Annahmen
4.2.1.1 Strategischer Investor
4.2.1.2 Venture-Kapitalgeber
4.2.1.3 Komplement und Substitut
4.2.1.4 Mögliche Zustände
4.2.1.5 Zusätzliche Annahmen
4.2.1.6 Modellgerüst
4.2.1.7 Notation
4.2.2 Nutzenwerte des Entrepreneurs und der beiden Investoren
4.2.2.1 Venture Kapitalgeber
4.2.2.2 Strategischer Investor
4.2.2.3 Komplement und Substitut
4.2.2.4 Ex ante-Nutzenwerte
4.2.3 Analyse der optimalen Wahl von Investoren
4.2.3.1 Venture Kapitalgeber
4.2.3.2 Strategischer Investor
4.2.3.3 Optimaler Grad der Unterstützung
4.2.3.4 Proposition 1
4.2.3.5 Proposition 2
4.2.3.6 Zwischenfazit
4.2.4 Entscheidungskriterium für Wahl von Investoren
4.2.4.1 Proposition 3
4.2.4.2 Zwischenfazit
4.3 Zusammenfassung
5 Viertes Modell: „Evolution of Organizational Scale and Scope: Does It Ever Pay to Get Bigger and Less Focused?“ – Boot, Milbourn und Thakor 2002
5.1 Einleitung und Problemstellung
5.2 Modell
5.2.1 Definitionen (Gerüst) und Annahmen
5.2.1.1 Gerüst
5.2.1.2 Zeitpunkte
5.2.1.3 Fähigkeiten der Unternehmung
5.2.1.4 Produktionskosten
5.2.1.5 Marktnachfrage
5.2.1.6 Weitere Annahmen
5.2.1.7 Übersicht der Spielzüge
5.2.1.8 Markteintritt des Unternehmens
5.2.1.9 Früher Eintritt
5.2.2 Gleichgewichtsanalyse der neuen Aktivität
5.2.2.1 Analyse der zweiten Periode
5.2.2.2 Proposition
5.2.3 Ergebnisse der Modellerweiterungen
5.3 Zusammenfassung
III Corporate Governance und strategische Investitionsentscheidungen
6 Fünftes Modell: Zusammenführung der Modellwelten von H&M und Hellmann
6.1 Einleitung und Problemstellung
6.2 Modell
6.2.1 Definitionen und Annahmen
6.2.1.1 Spieler
6.2.1.2 Gerüst
6.2.1.3 Effizienz
6.2.1.4 Benchmark First-Best-Lösung
6.2.1.5 Marktnachfrage
6.2.1.6 Sonstige Annahmen
6.2.2 Analyse der Organisationsformen
6.2.2.1 Fall 1A-1 Genossenschaftlich organisierte Börse – schwaches Substitut
6.2.2.2 Fall 1A-2 Genossenschaftlich organisierte Börse – starkes Substitut
6.2.2.3 Fall 1B Genossenschaftlich organisierte Börse – Mehrheit der großen Trader
6.2.2.4 Fall 1C Outside Owned organisierte Börse
6.2.2.5 Fall 2A Genossenschaftlich organisierte Börse – vollkommene Konkurrenz
6.2.2.6 Fall 2B Outside Owned organisierte Börse – vollkommene Konkurrenz
6.2.2.7 Modellerweiterungen – Zeit
6.3 Zusammenfassung
7 Zusammenfassung, Ausblick und Würdigung
Zielsetzung und Themen
Die Diplomarbeit untersucht die Zusammenhänge zwischen Corporate Governance, Börsenstrukturen und strategischen Investitionsentscheidungen anhand von fünf ökonomischen Modellen. Ziel ist es, einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu geben und durch die Verknüpfung spezifischer Modellansätze (Hart & Moore, Hellmann, u.a.) zu analysieren, wie sich unterschiedliche Eigentümerstrukturen auf die Effizienz von Investitionen und die Wettbewerbsfähigkeit von Börsen auswirken.
- Analyse der Effizienz von genossenschaftlichen Strukturen im Vergleich zu Investoren-Eigentum.
- Einfluss von Interessensdivergenzen und Gruppenstrukturen auf Investitionsentscheidungen.
- Untersuchung von strategischen Risikokapitalinvestitionen und dem Grad der Unterstützung durch Investoren.
- Auswirkungen von Markteintrittszeitpunkten und Unsicherheit auf die Expansion von Unternehmen.
- Zusammenführung von Modellwelten zur Erklärung aktueller Strukturveränderungen bei Börsenbetreibern (z.B. NYSE).
Auszug aus dem Buch
2.1.1.1 Gerüst
Es existiere ein ‚großes Stück Land’, das von I Bauern bebaut werden kann. Die Größe des Landes und die Anzahl der Leute, die es bebauen können, seien begrenzt. Neben den Insider-Bauern (IB) (Bauern, die bereits einen Teil des ‚großen Stück Landes’ besitzen) existieren auch Outsider-Bauern (OB) (Bauern von außerhalb), die nur dann das Land bebauen können, wenn ein Insider auf sein Recht, sein Stück Land zu bebauen, verzichtet, und dieses Recht an einen OB weiterverkauft. Es kann nur ein Produkt erzeugt werden, nämlich Kartoffeln. Jeder Bauer kann maximal eine Kartoffel produzieren und konsumieren. Die Vermögensgegenstände bestehen aus dem Stück Land selbst und den für die Bebauung und für die Ernte benötigten Geräten (z.B. Traktoren, Saatmaschinen, etc.).
In diesem Beispiel soll die Parallele zu einem Unternehmen oder einer Börse gezogen werden, in dem angenommen wird, dass das Unternehmen aus gegebenen Assets (Stück Land und Maschinen) besteht. Dieses Unternehmen kann entweder den Nutzern selbst gehören, einem Outside Owner (OO), der selbst kein Bauer ist. Die Bauern sind Produzenten und Konsumenten zugleich.
Des Weiteren sei angenommen, dass der Gesamtgewinn gleich Null ist, wenn sich alle I Individuen zu einer landwirtschaftlichen Genossenschaft (GS) zusammenschließen. Diese Genossenschaft stellt dann ein Not-For-Profit (NFP) organisiertes Unternehmen dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Wandel von traditionsreichen genossenschaftlich organisierten Börsen hin zu gewinnorientierten Aktiengesellschaften anhand des Beispiels der NYSE und führt in die Thematik der wissenschaftlichen Analyse ein.
2 Erstes Modell: ”Cooperatives vs. Outside Ownership” – Hart & Moore 1998: Dieses Kapitel vergleicht genossenschaftliche Organisationen mit investoreigenen Unternehmen hinsichtlich ihres Effizienzkriteriums und der Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft.
3 Zweites Modell: “Divergence of Objectives and the Governance of Joint Ventures” – Rey & Tirole 1999: Das Modell analysiert die optimale Unternehmensorganisation zur Bereitstellung eines Inputs, wobei der Fokus auf effizienten Überwachungsstrukturen durch Nutzer liegt.
4 Drittes Modell: „A theory of strategic venture investing” – Hellmann 2000: Hier wird untersucht, wie ein Entrepreneur zwischen verschiedenen Investorentypen wählt und welchen Einfluss die strategische Motivation der Investoren auf den Erfolg des neuen Unternehmens hat.
5 Viertes Modell: „Evolution of Organizational Scale and Scope: Does It Ever Pay to Get Bigger and Less Focused?“ – Boot, Milbourn und Thakor 2002: Dieses Modell behandelt die strategische Entscheidung eines Unternehmens zur Expansion in neue Märkte unter Berücksichtigung von Unsicherheiten und Zeitkomponenten.
6 Fünftes Modell: Zusammenführung der Modellwelten von H&M und Hellmann: Das Kapitel führt die vorangegangenen Theorien zusammen, um ein intuitives Erklärungsmodell für den Strukturwandel von Börsen zu entwickeln.
7 Zusammenfassung, Ausblick und Würdigung: Das Abschlusskapitel resümiert die theoretischen Erkenntnisse der fünf Modelle und setzt diese in Bezug zu den empirisch beobachtbaren Trends in der internationalen Börsenlandschaft.
Schlüsselwörter
Corporate Governance, Investitionsentscheidungen, Genossenschaft, Outside Ownership, Effizienz, Börsen, Joint Venture, Risikokapitalgeber, Strategischer Investor, Unternehmensstruktur, Marktexpansion, Median-Wähler-Theorem, Externalitäten, Shareholder-Value, Monitoring.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert ökonomische Modelle zu Unternehmensorganisationsformen und deren Einfluss auf strategische Investitionsentscheidungen, mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Umstrukturierung von Börsen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind Corporate Governance, die Abwägung zwischen genossenschaftlichen Strukturen und investoreigenem Kapital, sowie die Mechanismen strategischer Investitionen in technologische Innovationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den aktuellen Forschungsstand zu diesen Themen darzustellen und eine theoretische Brücke zwischen den Modellen von Hart & Moore sowie Hellmann zu schlagen, um den globalen Wandel von Börsen zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die methodische Analyse bestehender spieltheoretischer und mikroökonomischer Modelle, die durch eine modelltheoretische Betrachtung und Verknüpfung der Ansätze erweitert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in fünf Modellbetrachtungen, die von einfachen Preismodellen bis hin zu komplexen Ansätzen für Unternehmensfusionen und die strategische Wahl von Investoren reichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Corporate Governance, Börsenstrukturen, Outside Ownership, Cooperatives, Investitions-Effizienz und der Einfluss von Externalitäten.
Warum ist die Wahl des Investors für einen Unternehmensgründer entscheidend?
Laut dem Modell von Hellmann ist die Wahl des Investors deshalb entscheidend, da Investoren unterschiedliche strategische Ziele verfolgen, die den Wert der eigenen Assets des Investors beeinflussen und somit den Grad der Unterstützung für das Unternehmen bestimmen.
Wie beeinflussen genossenschaftliche Strukturen die Entscheidungsfindung bei Börsen?
Genossenschaftliche Strukturen unterliegen oft dem Median-Wähler-Theorem, was dazu führen kann, dass wichtige, aber für die Mehrheit unvorteilhafte Innovationen blockiert werden, um traditionelle Interessen der Mitglieder zu schützen.
- Quote paper
- Joseph Cho (Author), 2006, Corporate Government und Investitionsentscheidungen bei Börsen - Eine modelltheoretische Betrachtung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64252