Okavango-Delta - eine ökologische Oase?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

30 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Geographische Einführung

3. Klima
3.1 Die großklimatische Lage Botswanas
3.2 Das regionale Klima in Botswana

4. Geologie
4.1 Tektonik und Oberflächenstruktur
4.2 Geologische Aktivitäten und landschaftliche Veränderungen

5. Hydrographisches System
5.1 Fakten zu Okavango und Okavango-Delta
5.2 Das zeitliche Zusammenspiel von Niederschlag und Flut
5.2.1 Das Zusammenspiel von Niederschlag, Einfluss und Ausfluss
5.3 Die räumliche Verteilung der Flut innerhalb des Okavango-Deltas

6. Die ökologischen Einheiten des Okavango-Deltas und deren typische Vegetation
6.1 Vegetation der „Perennially flooded swamp”
6.2 Vegetation der „seasonally flooded swamps“
6.3 Vegetation der „drylands“

7. Tierwelt

8. Ökologische Probleme
8.1 Tsetsefliege
8.2 Wasserentnahme
8.3 Wilderei
8.4 Tourismus

9. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Okavango-Delta, welches sich im Nordwesten der Republik Botswana (Distrikt Ngamiland) im südlichen Afrika befindet, wird in der Sekundärliteratur von zahllosen Bezeichnungen überhäuft, „Afrikas letztes Paradies“, „der Juwel der Kalahari“ oder „Afrikas letztes Eden“, um nur wenige zu nennen. Es gilt als eines der größten und zweifellos unberührtesten Ökosysteme der Welt, ein Feuchtgebiet inmitten der Wüste. Es ist das größte Binnendelta der Erde und nur eines von insgesamt zwei Binnendeltas südlich der Sahara (das andere ist das Binnendelta des Niger).

Beginnend mit einer geographischen Einführung werde ich in meinen weiteren Ausführungen der Frage nach gehen, welche klimatischen, geologischen und hydrologischen Besonderheiten ausschlaggebend sind, die diese ökologische Oase entstehen lassen und auch die Bezeichnung rechtfertigen. Anschließend werde ich explizit auf das hydrographische System eingehen, weil zum einen das Wasser für die Ökologie des Okavango-Delta der entscheidende Faktor ist und zum anderen die Verteilung des Wassers als Resultat der unterschiedlichen Einflussfaktoren, wie Sedimentation, Niederschlagsverteilung und Wasserführung zu sehen ist.

Da letztlich das Verstehen der hydrographischen Prozesse den Schlüssel für das allgemeine Verständnis der ökologischen Zusammenhänge innerhalb des Okavango-Deltas darstellt, werde ich anknüpfend an die Erläuterungen zum hydrographischen System, abschließend auf die Ökologie des Okavango-Deltas als weiterführende Synthese der vorausgegangenen Kapitel eingehen.

2. Geographische Einführung

Das Okavango-Delta befindet sich im Nordwesten der Republik Botswana im Distrikt Ngamiland im südlichen Afrika (Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kartenausschnitt Botswana (Quelle: eigene Darstellung)

Botswana liegt mit einer Landesfläche von 581730 km² etwa zwischen 20° und 29° östlicher Länge und 18° bis 27° südlicher Breite zwischen den Flüssen Sambesi im Norden und Molopo im Süden bzw. Limpopo im Südosten. Der Molopo und der Limpopo beschreiben die geographische Grenze zu Südafrika. Im Westen und Norden grenzt Botswana an Namibia, im Osten an Simbabwe (Abb. 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Botswana und Nachbarstaaten (Quelle: veränderte Abbildung nach Joyce, 1997, S. 6)

Botswana nimmt, hinsichtlich des regionalen geomorphologischen Rahmens, das Zentrum des südafrikanischen kontinentalen Plateaus ein. Dieses Plateau erstreckt sich von Angola und Sambia im Norden über Namibia und Botswana bis in die südafrikanische Kapprovinz und liegt „durchschnittlich 1000 m über dem Meeresspiegel“ (Klimm et al.,1994,S. 168). Innerhalb dieses Gebietes befindet sich das sandgefüllte Kalaharibecken, das ca. 80% der Landesfläche Botswanas einnimmt.

Der Okavango, der als Kubango im Hochland von Angola entspringt, durchfließt ein Becken in südöstlicher Richtung und bildet auf einer Teilstrecke von ca. 300 km die natürliche Grenze zwischen Angola und Namibia. Der Quito, der ebenfalls im Hochland von Angola entspringt, mündet etwa 150 km vor der Landesgrenze Botswanas in den Okavango. Ab Shakawe fließt der Okavango auf einer Strecke von ca. 140 km innerhalb einer etwa 10 km breiten Taleinfassung und bildet dort aufgrund des geringen Gefälles Mäander, Totarme und Altwasser. In weiten Teilen dieses Abschnitts, der in Anspielung auf das optische Erscheinungsbild des Okavangos in Verbindung mit dem Okavango Delta als „Panhandle“ (McCarthy et al., 2000, S. 29) oder „Pfannenstiel“ (Joyce, 1997, S. 38) bezeichnet wird, behält er aufgrund der Taleinfassung seinen Flusscharakter zunächst noch bei. Erst mit der Auflösung dieser Taleinfassung kommt es zu einer Auffächerung des Okavango in das Okavango-Delta in Mitten der Kalahari. Dieser Abschnitt wird in der englischsprachigen Literatur als „alluvial fan“ (Talukdar, 2003, S. 4) bezeichnet.

Das Okavango-Delta (vgl. Abb. 2) erstreckt sich zwischen 22° und 24° östlicher Länge und zwischen 18° und 20° südlicher Breite auf einer Gesamtfläche von ca. 25000 km², allein das reizvolle Sumpfland erstreckt sich bei Hochwasser auf über 15000 km² (Vgl. Remde, 1995, S. 120; Joyce, 1997, S. 38). Trotz der Ausweisung als international bedeutsames Feuchtgebiet im Zuge der Ramsar-Konvention, ist es nicht als homogenes Sumpfgebiet zu verstehen, sondern als hierarchisch gegliedertes System von Wasserläufen mit permanent und temporär überfluteten Bereichen. Die Hauptarme des Deltas bilden der Thaoge im Westen, der Nqoga im Osten und der Jao-Boro im Zentralbereich. Durch zahlreiche Querverbindungen zwischen diesen Hauptarmen und deren Seitenarmen sowie großflächigen Überflutungen ergibt sich ein kleinräumiges Standortmosaik aus Flussläufen, Sümpfen, Schwemmebenen (floodplains) und Trockeninseln.

Dieses Mosaik unterliegt einer starken zeitlichen Dynamik, d.h. es kommt zu ständigen Veränderungen innerhalb des Gewässersystems (Umverlagerungen des Flusslaufs, Sedimentationsprozesse, Austrocknen einzelner Flussabschnitte), die vorwiegend durch Änderungen der zuströmenden Wassermenge initiiert werden. So steigt im Jahresverlauf die Wasserführung des Okavango im Norden bei Shakawe im April auf das Vier- bis Fünffache des Novemberwertes. In den darauffolgenden Monaten dringt die Flutwelle mit einer Geschwindigkeit von etwa 4 km pro Tag in die Flussläufe ein und überflutet auch die letztjährig teils trockengefallenen, temporären Feuchtgebiete in den Randbereichen des Okavango-Deltas. Bei starken Hochwässern dringt das Wasser bis in benachbarte Becken, wie beispielsweise den Lake Ngami oder die Makgadikgadi Pans vor. Erst im Juli und August also nach etwa 4 bis 5 Monaten erreicht die Hochwasserspitze von Shakawe den etwa 250 km entfernten Thamalakane bei Maun. Setzt man die Hauptüberflutungszeit von April bis August in Korrelation mit der Regenzeit im Okavango-Delta von Oktober bis April, so ergibt sich eine scheinbar paradoxe

Situation, „das Hochwasser trifft genau dann ein, wenn hier im Süden die ‚winterliche’ Trockenzeit herrscht – und es ist hier paradoxerweise fast trocken, wenn hier die sommerliche Regenzeit angesagt ist“ (Iwanowski, 2002, S. 285). Dieses Phänomen ist auf das über 1000 km entfernte Einzugsgebiet des Okavango im Hochland von Angola zurückzuführen, wodurch die dortigen Niederschläge erst nach rund 3 bis 4 Monaten Mohembo im Norden Botswanas erreichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Geographischer Überblick über das Okavango-Delta (Quelle: veränderte Abbildung nach Ellery & Ellery, 1997)

3. Klima

3.1 Die großklimatische Lage Botswanas

Botswanas Lage im Zentrum des südlichen Afrika, zu beiden Seiten des südlichen Wendekreises, bedingt ein subtropisches, trockenes Kontinentalklima. „ Ganz Botswana befindet sich im Einflussbereich tropischer Sommerregen, von denen rund 90 % in den heißen Monaten zwischen Ende Oktober und Anfang Mai fallen“ (Klimm et al., 1994, S. 169). Nach Schultz (1995) gehört Botswana damit zu den tropischen und subtropischen Trockengebieten (wie z.B. auch Nordafrika und Zentralaustralien), deren Verbreitung sich durch ihre Lage innerhalb eines subtropischen-randtropischen Hochdruckzellengürtels erklärt. Stark vereinfacht sind diese Hochdruckgebiete auf eine tropische Meridionalzirkulation, der sogenannten Hadleyzelle, zurückzuführen. Charakteristisch für diesen Hochdruckzellengürtel ist ein ständiges und kräftiges Absinken von Luftmassen. Demzufolge sind die Luftmassen warm und trocken. Die Konsequenz der dadurch ausbleibenden Wolkenbildung und dem Fehlen von Niederschlägen ist die Wüstenbildung in diesen Breiten, siehe Kalahari (ca. 20° südlicher Breite) oder das Pendant auf der Nordhalbkugel, die Sahara (ca. 20° nördlicher Breite).

Das beschriebene Szenario trifft für Botswana nicht das ganze Jahr zu, vielmehr beschreibt es lediglich das in den Wintermonaten der Südhalbkugel (etwa von Mai bis September) vorherrschende Wettergeschehen, da es in den Sommermonaten meist zu lokalen Störungen kommt, die wolkenbruchartige Niederschläge hervorrufen. Grunde für diese Störungen sind meist Hitzetiefs, „die sich aufgrund der hohen Sommertemperaturen über dem Festland bilden und feuchtwarme, instabile Luftmassen aus Zentralafrika und vom Indischen Ozean heranziehen“ (Klimm et al., 1994, S. 169).

Zusammenfassend ist zu sagen, dass man das Jahr in Botswana in eine Sommerregenzeit von Oktober bis April und eine Wintertrockenzeit von Mai bis September einteilen kann. Dennoch sind die Niederschlagsmengen sehr variabel, so dass es auch in der Regenzeit zu ausgedehnten Trockenphasen kommen kann. Deutliche Schwankungen der Jahresniederschlagsmengen sind ebenfalls häufig zu beobachten, was McCarthy et al. (2000) am Messpunkt Shakawe feststellten (1969/70: 300mm Jahresniederschlag; 1974/75:1100mm Jahresniederschlag).

3.2 Das regionale Klima in Botswana

Neben der beschriebenen generellen Tendenz der Niederschlagsmengen zur zeitlichen Variabilität, lässt sich innerhalb Botswanas auch eine ausgeprägte räumliche Variabilität der Niederschläge feststellen. Auslöser hierfür sind die vom Indischen Ozean auf den Kontinent wehenden Südostpassate, die bereits im Bereich der Randstufe (dem Übergang von der Küstenregion zum etwa 1000 m hoch gelegenen südafrikanischen Plateau) aufgrund dort ausgeprägter Steigungsregen (mit über 1000 mm Jahresniederschlag) einen hohen Anteil an Feuchtigkeit verloren haben. Mit dem weiteren Vordringen nach Westen, d.h. ins Landesinnere, ist eine sukzessive Abnahme der Niederschlagsmengen zu beobachten. Unter Berücksichtigung der zusätzlich aus Zentralafrika vordringenden feuchten Luftmassen (s.o.) ergibt sich für Botswana eine deutliche Abnahme der Niederschläge nach Südwesten hin (Abb. 4). Erreicht der äußerste Nordosten des Landes noch über 650 mm Jahresniederschlag, so können im Südwesten nur noch knapp 250 mm gemessen werden. Vergleichende Werte zu den Verdunstungsraten verdeutlichen die Aridität des Gebiets des Okavango-Deltas: „The aridity of the region is illustrated by the fact that [...] annual evaporation of 2172 mm is four times the yearly rainfall“ (McCarthy et al., 2000,S. 26).

[...]

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Okavango-Delta - eine ökologische Oase?
Hochschule
Universität Mannheim  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Regionale Geographie
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
30
Katalognummer
V64258
ISBN (eBook)
9783638571272
Dateigröße
1296 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Okavango-Delta, Oase, Regionale, Geographie
Arbeit zitieren
Marcus Deuchler (Autor), 2005, Okavango-Delta - eine ökologische Oase?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64258

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