„Star Wars“ ist die wohl erfolgreichste Film-Reihe, die es je gab. Allein die Summen, die die verschiedenen Episoden eingespielt haben, machen den exorbitanten Erfolg deutlich. So spielte die „Star Wars“-Trilogie insgesamt knapp 2 Mrd. Dollar an den Kinokassen ein, hinzu kommen noch die Licensing-Einnahmen. Unabhängig davon ist „Star Wars“ seit knapp drei Jahrzehnten „Kult“.
Was macht die Faszination und den Erfolg von „Star Wars“ aus? Wie lässt es sich erklären, dass eine Science Fiction Filmreihe, die vordergründig nichts mit dem alltäglichen Leben und der Lebenswirklichkeit von Menschen zu tun hat, zu einem solchen Faszinosum wird, dass Millionen Menschen ihr und den Helden des Films fast jüngerhaft huldigen?
„Star Wars“ befriedigt zum einen das Bedürfnis der Menschen ihrer alltäglichen Lebenswirklichkeit für die Länge des Films zu entfliehen und trifft andererseits offensichtlich den existentiellen, unterbewussten Nerv seiner Anhänger.
Die in dieser Arbeit vertretene These zielt auf diese essentielle Bedeutung und Wirkung der Filme: „Star Wars“ spricht gezielt die Archetypen, archaische Grundstrukturen der Psyche an und dies nicht nur mit den Charakteren und Handlungselementen der Filme, sondern auch mit seiner narrativen Struktur. Die Geschichte von Luke Skywalker zeichnet im Wesentlichen den Prozess der Individuation eines Menschen nach, und dies gleichsam mit allen existentiellen Auseinandersetzungen mit sich selbst und der Umwelt, die im Leben eines Individuums stattfinden. Der Held erscheint zunächst als unwissender junger Mann, der sich aufgrund einer Begegnung mit seinem Mentor auf den Weg macht, sich dem Prozess seiner Selbstwerdung zu stellen. Innerhalb dieses Prozesses begegnet er zahlreichen Gefahren und Versuchungen, doch er erfährt Unterstützung und Glück. Zentral ist die Konfrontation mit dem „Bösen“, das sich als sein Vater und somit als Teil seiner selbst herausstellt und dem er sich in offener Auseinandersetzung stellt. Dieses Motiv bildet den Kern des Gelingens seines Individuationsprozesses. In der narrativen Struktur der Filme erscheinen Ängste, Versuchungen, Glück und Erfolg in einem Prozess der Entwicklung des Selbst. Dies hat eine so grundlegende, archetypische Qualität, dass beim Zuschauer tiefste und intensivste Gefühle, Sehnsüchte, Ängste etc. angesprochen werden. In dieser archetypischen Narration findet sich maßgeblich die Ursache der faszinierenden Wirkung und damit auch des Erfolgs von „Star Wars“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1. Der Mythos
2.2. Archetypen
2.2.1. Kinderarchetypus
2.2.2. Der Heros
2.2.3. Die Anima
2.2.4. Der Mentor
2.2.5. Der Schatten
2.2.6. Die Quest
2.3. Das Selbst
3. Inhaltsangaben
3.1. Star Wars -A New Hope (Episode IV)
4. Filmanalyse
4.1. Mythische, magische und religiöse Elemente und Charaktere - die narrative mythologische Struktur von „Star Wars“
4.2. Archetypen
5. Schlußbetrachtung
6. Literaturangaben/Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Gründe für den anhaltenden Erfolg und die Faszination der „Star Wars“-Filmreihe, indem sie deren narrative Struktur und Charakterkonstellationen auf archetypische Grundlagen nach C.G. Jung und mythologische Muster nach Joseph Campbell zurückführt.
- Analyse der mythologischen Narrationsstrukturen in „Star Wars“
- Anwendung der analytischen Psychologie (Archetypen) auf Filmfiguren
- Untersuchung des Prozesses der Individuation anhand von Luke Skywalker
- Vergleich filmischer Elemente mit klassischen Mythen und Märchen
- Kritische Betrachtung der Wirkung archetypischer Inszenierung auf die Zuschauerrezeption
Auszug aus dem Buch
2.2. Archetypen
Das Modell der Archetypen gehört zu den Grundpfeilern der analytischen Psychologie nach C.G. Jung. Was sind Archetypen? Vereinfacht gesagt: die im Unbewußten angesiedelten Urbilder menschlicher Vorstellungsmuster oder „die Ewigen des Traums“. Vor allem elementare Erfahrungen wie Geburt, Ehe, Mutterschaft, Trennung und der Tod haben in der Seele der Menschen eine existentielle Verankerung. Solche Grunddeterminanten der menschlichen Psyche bestimmen die menschliche Rezeption und psychische Verfassung in verschiedensten gesellschaftlichen, kulturellen und sozialisatorischen Bedingungen in starkem Maße und haben zu allen Zeiten und in den unterschiedlichsten Kulturen ähnliche Bilder respektive eine ähnliche Symbolik hervorgebracht und können als kollektive Menschheitserfahrungen gelten. C.G. Jungs Modell versucht, diese Archetypen im Leben eines jeden Menschen wahrzunehmen und für die seelische Entwicklung nutzbar zu machen.
"Der Begriff des Archetypus wird aus der vielfach wiederholten Beobachtung, dass zum Beispiel die Mythen und Märchen der Weltliteratur bestimmte, immer und überall wieder behandelte Motive enthalten, abgeleitet. Diesen selben Motiven begegnen wir in Phantasien, Träumen, Delirien und Wahnideen heutiger Individuen. Diese typischen Bilder und Zusammenhänge werden als archetypische Vorstellungen bezeichnet."
Alle Menschen zu allen Zeiten haben sich schon immer mit ähnlichen existentiellen Fragen befasst, die man gleichsam als Grundgesamtheit elementarer menschlicher Auseinandersetzungen verstehen kann: Dem Verhältnis zu den Naturmächten, dem Umgang mit Trieben und anderen Grundbedürfnissen, dem Problem von Gut und Böse, der Beziehung zwischen den Geschlechtern, den Problemen verschiedener Lebensalter, dem Umgang mit Unglück und Tod, der Beziehungen zum Transpersonalen und schließlich der Frage nach dem Sinn des Lebens. Solche Fragen korrelieren in starkem Maße mit Archetypen als existentiellen Grundstrukturen der psychischen Verfassung des Menschen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage nach den Ursachen der Faszination für „Star Wars“ und formuliert die These, dass die Filme durch die gezielte Nutzung archetypischer Strukturen wirken.
2. Definitionen: Das Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Arbeit, insbesondere den Monomythos nach Campbell sowie C.G. Jungs Modell der Archetypen und das Konzept des Selbst.
3. Inhaltsangaben: Hier wird der Handlungsverlauf von Episode IV kurz zusammengefasst, um die Grundlage für die anschließende Analyse der Charaktere und Strukturen zu schaffen.
4. Filmanalyse: In diesem Hauptteil wird die Anwendung der „Fahrt des Heros“ auf „Star Wars“ detailliert untersucht und die Funktion spezifischer Archetypen wie dem Mentor, dem Schatten und der Anima analysiert.
5. Schlußbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert kritisch, dass die archetypische Inszenierung zwar die hohe Wirkung erklärt, den Zuschauer aber auch von kritischer Reflexion entbindet.
6. Literaturangaben/Quellenverzeichnis: Verzeichnis der verwendeten Sekundärliteratur, Quellen und Internetseiten.
Schlüsselwörter
Star Wars, Mythologie, Archetypen, C.G. Jung, Joseph Campbell, Individuation, Held, Mentor, Schatten, Anima, Narrationsstruktur, Psychologie, Science Fiction, Selbst, Unterbewusstsein
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Gründe für den enormen Erfolg der „Star Wars“-Filmreihe aus filmtheoretischer und psychologischer Sicht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Anwendung von Joseph Campbells „Monomythos“-Konzept und C.G. Jungs Archetypenlehre auf das filmische Narrativ.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Es wird der Frage nachgegangen, welche psychologischen Mechanismen und mythologischen Strukturen die tiefgreifende Identifikation der Zuschauer mit der Welt von „Star Wars“ ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit verwendet eine Filmanalyse, die das Material systematisch auf mythische Elemente und archetypische Charakter-Urbilder hin untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie die Reise des Helden (Luke Skywalker) exakt den Stadien der Initiation entspricht und wie bekannte Archetypen wie der Mentor oder der Schatten die Handlung formen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Die Untersuchung wird maßgeblich durch die Begriffe Archetypen, Individuation, Heldenreise, Unterbewusstsein und mythologische Narrationsstruktur geprägt.
Wie unterscheidet sich der Archetypus des Mentors in „Star Wars“ von anderen Märchen?
Während Mentoren in klassischen Märchen oft nur Ratgeber sind, ist der Mentor in „Star Wars“ (Obi-Wan Kenobi) zudem ein spiritueller Lehrer, der dem Helden ein magisches Artefakt (das Laserschwert) übergibt und ihn in die „Macht“ einführt.
Welche Rolle spielt Darth Vader in der psychologischen Analyse des Helden?
Darth Vader wird nicht nur als externer Gegenspieler, sondern als Verkörperung des Schattens interpretiert, dessen Konfrontation für den Individuationsprozess des Helden und die Integration des „Bösen“ als Teil des eigenen Selbst notwendig ist.
Warum wird die kritische Reflexion des Zuschauers bei „Star Wars“ laut Autor eingeschränkt?
Die Arbeit argumentiert, dass durch die bewusste Inszenierung archaischer, existentieller Emotionen die Ebene der rationalen, kritischen Distanz bei der Rezeption gezielt umgangen wird.
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- Mark Weiland (Author), 2004, Die erfolgreiche Wirkung mythologischer Narrationsstrukturen und Archetypen in Mainstreamfilmen am Beispiel von "Star Wars - A New Hope", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64300