Im Einkauf liegt der Gewinn
Auf diesen bekannten kaufmännischen Grundsatz besinnen sich derzeit angesichts verstärkten Wettbewerbs, technischen Wandels und fortschreitender Globalisierung viele Unternehmen zurück. Dem wachsenden Kosten- und Konkurrenzdruck muss mit ganzheitlichen, funktionsbereichsübergreifenden Verbesserungsbestrebungen begegnet werden, um langfristig den Unternehmenserfolg zu sichern. Nachdem in den meisten Funktionsbereichen der Unternehmen die Optimierungspotentiale bereits weitgehend ausgeschöpft wurden, erfährt der Bereich der Beschaffung nach langem „Dornröschenschlaf“ nun zunehmend mehr Beachtung.
Zu Recht: Denn strategische Bedeutung und Optimierungs-potentiale der Beschaffung sind zweifellos groß, besteht doch ein erheblicher direkter Einfluss auf den Gewinn und die Qualität der angebotenen Produkte. Insbesondere durch die Hebelwirkung der Beschaffungskostensenkung wird der Unternehmenserfolg nachhaltig beeinflusst.
Diese Entwicklungen führen seit einiger Zeit zu einer ganzen Anzahl von Trends und Strategien in der Beschaffung, die den sich ändernden Bedingungen Rechnung tragen sollen.
Die Lieferantenreduzierung als eine dieser Strategien soll in der vorliegenden Arbeit näher beleuchtet und der Fragen nachgegangen werden, welche Chancen und Risiken speziell diese Strategie birgt und wann und für welche Beschaffungsobjekte sie sinnvoll sein kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Bezüge
2.1. Verhaltenswissenschaftliche Theorien
2.2. Beschaffungsobjekte
2.3. Sourcing Konzepte
3. Lieferantenreduzierung
3.1. Begriff und Arten der Lieferantenreduzierung
3.2. Chancen und Risiken
3.3. Entscheidungshilfen und Handlungsempfehlungen
3.3.1. Empfehlungen und Modelle in der Literatur
3.3.2. Ein beschaffungsobjektorientierter Ansatz
3.4. Lieferantenbewertung als Umsetzungsvoraussetzung
4. Schlussbemerkungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Chancen und Risiken einer Lieferantenreduzierung sowie die Klärung der Frage, unter welchen Bedingungen und für welche Beschaffungsobjekte diese Strategie sinnvoll ist. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, dem Entscheider ein Modell an die Hand zu geben, um die optimale Lieferantenanzahl kontextspezifisch zu bestimmen.
- Analyse verhaltenswissenschaftlicher Theorien zur Lieferanten-Kunden-Beziehung.
- Diskussion verschiedener Sourcing-Konzepte und ihrer Vor- und Nachteile.
- Differenzierung zwischen aktiver und passiver Lieferantenreduzierung.
- Entwicklung eines beschaffungsobjektorientierten Entscheidungsmodells.
- Bedeutung der Lieferantenbewertung für die Umsetzung der Strategie.
Auszug aus dem Buch
3.1. Begriff und Arten der Lieferantenreduzierung
Unter Lieferantenreduzierung versteht man die Dezimierung der Zuliefererzahl je Beschaffungsobjekt. Naturgemäß kann dieser Vorgang von außen herbeigeführt werden oder strategisch erfolgen.
Ersteres soll mit passiver Lieferantenreduzierung bezeichnet werden. Die Reduktion erfolgt hier, weil einer (oder mehrere) der Zulieferer ausfällt (z.B. Insolvenz) oder die Lieferbeziehung aufkündigt. Gründe für letzteres können darin liegen, dass der Lieferant als Koalitionsteilnehmer keine Nettovorteile mehr wahrnimmt oder ihm eine andere Koalition attraktiver erscheint (vgl. Abschnitt 2.1.), bspw. wenn ein Beschaffungskonkurrent höhere Preise bietet. Wie bereits oben beschrieben, müssen dem Lieferanten genügend Anreize geboten werden, möchte man dies verhindern. Lieferantenpflege (z.B. Verbesserung der Beziehungsatmosphäre, wechselseitiges Beschwerdemanagement) ist hier ein maßgebliches Konzept und „soll der Kundenpflege auf der Vertriebsseite ebenbürtig sein“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die strategische Bedeutung der Beschaffung im Kontext des zunehmenden Kosten- und Konkurrenzdrucks und stellt die Lieferantenreduzierung als relevante Strategie vor.
2. Theoretische Bezüge: Dieses Kapitel legt durch die Erläuterung von Koalitionstheorien, Ressourcenabhängigkeitsansätzen und Sourcing-Konzepten die wissenschaftliche Basis für das Verständnis von Lieferantenbeziehungen.
3. Lieferantenreduzierung: Das Hauptkapitel definiert die Lieferantenreduzierung, wägt deren Chancen und Risiken ab und entwickelt ein Modell zur Entscheidungsunterstützung basierend auf verschiedenen Beschaffungsobjekten.
4. Schlussbemerkungen: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung, dass keine pauschale Empfehlung möglich ist und betont die Notwendigkeit eines dynamischen Prozesses bei der Strategiewahl.
Schlüsselwörter
Beschaffungsstrategie, Lieferantenreduzierung, Single Sourcing, Multiple Sourcing, Beschaffungsobjekt, Transaktionskosten, Koalitionstheorie, Lieferantenbewertung, Strategisches Produkt, Engpassprodukt, Schlüsselprodukt, Normalprodukt, Supply Chain Management.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Strategie der Lieferantenreduzierung, um deren Chancen und Risiken für Unternehmen systematisch aufzuzeigen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Beschaffungsobjekt-Klassifizierung, verschiedene Sourcing-Strategien wie Single oder Multiple Sourcing sowie die notwendigen Kriterien für die Lieferantenbewertung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist die Beantwortung der Frage, wann eine Lieferantenreduzierung sinnvoll ist und für welche spezifischen Beschaffungsobjekte sie unter Berücksichtigung von Risiken und Chancen empfohlen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird ein theoretischer Bezugsrahmen geschaffen, der durch ein selbst entwickeltes, beschaffungsobjektorientiertes Entscheidungsmodell ergänzt wird, um die Theorie in die Praxis zu überführen.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Abgrenzung von Sourcing-Konzepten, der Analyse der Chancen und Risiken sowie der Erarbeitung einer qualitativen und quantitativen Bewertungsmatrix für die Lieferantenauswahl.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sourcing-Strategie, Transaktionskosten, Lieferanten-Kunden-Koalition und Entscheidungsunterstützung geprägt.
Wie unterscheidet der Autor zwischen aktiver und passiver Lieferantenreduzierung?
Die aktive Reduzierung ist eine bewusste, strategische Entscheidung des Unternehmens, während die passive Reduzierung durch externe Faktoren wie Lieferantenausfälle oder Kündigungen seitens der Lieferanten ungewollt eintritt.
Warum ist das entwickelte Entscheidungsmodell für den Leser relevant?
Es bietet einen konkreten, praxistauglichen Ansatz, um basierend auf fünf Kategorien wie Preis, Qualität, Komplexität, Zusammenarbeit und Lieferrisiko eine strukturierte Entscheidung für oder gegen die Reduzierung der Lieferantenanzahl zu treffen.
- Arbeit zitieren
- Jörg-Stefan Schöttler (Autor:in), 2002, Chancen und Risiken der Lieferantenreduzierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6431