Vlad Tepes und Bram Stokers Dracula. Vom Fürsten der Walachei zum König der Vampire.


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
21 Seiten, Note: 2,5

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Der historische Dracula: Das Leben des Vlad Tepes
1.1 „Vlad“, „Dracula“ und „Tepes“
1.2 Von der Kindheit bis zur ersten Regierung
1.3 Draculas zweite und wichtigste Regierungszeit
1.4 Dritte Thronübernahme und Tod des Vlad Tepes
1.5 Fazit

2. Die Genese des Draculamotivs
2.1 Dracula-Erzählungen
2.2 Blutdurst-Metaphorik
2.3 Vampirglaube
2.4 Fazit

3. Der Dracula des Bram Stoker
3.1 Der Autor und die Entstehung des Romans
3.2 Dracula, der Vampir
Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Spätestens durch die zahllosen Filmversionen kennt ihn (fast) jeder: Dracula, den König der Vampire, der seit Erscheinen des Romans von Bram Stoker eine besondere Erfolgsgeschichte für sich verbuchen kann. Ob der Roman tatsächlich nach der Bibel in den angelsächsischen Ländern das meistgelesene Buch ist, mag sehr fraglich sein.[1] Unzweifelhaft ist aber, dass Bram Stoker den erfolgreichsten Vampirroman weltweit geschrieben und damit seinen Helden zum Synonym des Vampirs schlechthin gemacht hat.[2] Denn ohne die Existenz eines Grafen Dracula kann man sicher davon ausgehen, dass das Vampirbild Mittel- und Westeuropas ganz anders geprägt gewesen wäre.[3]

Weniger bekannt ist die Tatsache, dass für die Figur des Grafen Dracula eine historische Person Pate gestanden hat: Vlad Tepes, Fürst der Walachei, der für seine Grausamkeiten bekannt und schon kurz nach seinem Tod zur Legende wurde. Im 19. Jahrhundert für den rumänischen Nationalismus als idealer und gerechter Herrscher ideologisiert und politisch instrumentalisiert und später von dem rumänischen Diktator Ceausescu verehrt, wird Vlad Tepes bis heute im postkommunistischen Rumänien größtenteils positiv charakterisiert.[4]

Entsprechend wird sich der erste Teil meiner Arbeit mit der historischen Person Dracula beschäftigen. Dabei soll auf wichtige Ereignisse und Stationen seines Lebens, hauptsächlich auf historisch Belegbarem beruhend, eingegangen werden, um sich ein authentisches Bild vom „wahren“ Dracula machen zu können.[5]

Im zweiten Schwerpunkt meiner Arbeit wird dann der Frage nachgegangen, wieso gerade diese historische Person zum Vampir werden konnte. Denn interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Vlad Tepes in allen uns bekannten Quellen und Überlieferungen nicht ein einziges Mal mit dem Vampirglauben in Verbindung gebracht wird.[6] Entsprechend sollen die Einflüsse näher erläutert werden, die in Verknüpfung den „Anfang von Dracula“[7] realisierten bzw. in erheblichen Maße ihren Teil zur Genese des klassischen Draculamotivs beitrugen.

Der letzte Teil meiner Arbeit soll den Bogen vom historischen zum literarisierten Dracula des Bram Stoker spannen. Unter welchen Umständen entstand der Roman und was wurde aus Vlad Tepes gemacht? Diese und andere Fragen sollen abschließend diskutiert werden.

1. Der historische Dracula: Das Leben des Vlad Tepes

Eine umfassende Geschichte Draculas und seiner Zeit ist im gegebenen Rahmen dieser Arbeit nicht leistbar, entsprechend werde ich mich auf wichtige Aspekte und Ereignisse beschränken müssen. Es bietet sich an chronologisch vorzugehen und dabei das Leben des Vlad Tepes nach dessen drei Regierungszeiten zu unterteilen. Zuvor soll aber noch auf die (Bei-)Namen Draculas näher eingegangen werden, weil diese auch eine Bedeutung für die Genese des Draculamotivs gehabt haben (können).[8]

1.1 „Vlad“, „Dracula“ und „Tepes“

Genau wie sein Vater hat Dracula den Taufnamen “Vlad” erhalten. Die Namen „Dracul“ (Draculas Vater) und „Dracula“ sind spätere Beinamen, bei den Bezeichnungen „Dracol“, „Draculea“, „Draculia“ etc. handelt es sich lediglich um Übersetzungen in verschiedene Sprachen. Die Bezeichnungen „Dracul“ bzw. „Dracula“ (als Verkleinerungsform von „Dracul“), rühren vom sogenannten Drachen-Orden, der sich dem Kampf gegen türkische Ungläubige verschrieben hatte. 1431 wurde Vlad Dracul von Kaiser Sigismund mit der Mitgliedschaft in diesem Orden geehrt. Somit wird „Dracul“ mit „Drache“ übersetzt, kann aber, auch im heutigen Rumänisch, ebenso „Teufel“ bedeuten. „Tepes“ bedeutet übersetzt „der Pfähler“.[9] Zu diesem rumänischen Beinamen ist Dracula aufgrund seiner grausamen Härte gegenüber seinen Feinden gekommen, die Todesstrafe durch das Pfählen wurde dabei sehr oft in Anwendung gebracht.[10] Meurer erzählt von einem ganz bestimmten Ereignis, welches Dracula den Beinamen „Tepes“ eingebracht haben soll.

Sein [Draculas] besonderes Augenmerk galt den Bujaren, den landbesitzenden Adligen, die an der Ermordung seines Vaters und seines Bruders zumindest mit beteiligt waren. Diesen war ein starker Herrscher auf dem Fürstentum äußerst unliebsam, weil er ihre privaten Geschäfte störte. Doch Vlad Draculae wollte den Kampf gegen die Türken aufnehmen. Da dies nur mit einem gut organisierten Gemeinwesen gelingen konnte, hatte er wohl kaum eine andere Wahl, als gegen die Bujaren und deren private Interessen vorzugehen. Er tat dies auf seine Weise. Er lud über 500 Bujaren zu einem Bankett ein und als alle friedlich und nichtsahnend beim Mahle versammelt waren, wurden sie verhaftet und binnen weniger Stunden gepfählt. Rund um die Burg standen an die 500 Pfähle – auf jedem von ihnen war ein Bujare aufgespießt.[11]

1.2 Von der Kindheit bis zur ersten Regierung

Geboren wurde Dracula 1431, sehr wahrscheinlich in einem kleinen Gasthof im siebenbürgischen Schäßburg.[12] Nach der Thronbesteigung seines Vaters zum Fürsten der Walachei[13] 1436 mussten Dracula und sein jüngerer Bruder Radu als Unterpfand für das Wohlverhalten ihres Vaters ihre Jugend am Hofe des Sultans in Adrianopel verbringen.[14] Laut Kroner hatten Vlad und Radu die Jahre 1442-43, sowie die Jahre 1446 bis 1448 als Geiseln in der Türkei verbracht. Dort lebten sie in Emed, Nymphaion oder Adrianopel und machten sich in dieser Zeit mit der türkischen Sprache, den türkischen Lebensgewohnheiten und Sitten vertraut.[15] Im Gegensatz zu seinem Bruder war Vlad frühzeitig durch Intelligenz, aber ebenso durch einen Hang zur Grausamkeit, Auflehnung und Verschlossenheit aufgefallen. Nach Ermordung ihres Vaters, sowie ihres Bruders (Mircea) und nach dem Thronraub Vladislav II.[16] geriet ihr Leben in ernste Gefahr. Da die Hohe Pforte[17] die Führungsqualitäten Draculas hoch einschätzte, wurde dieser im Oktober 1448 zum ersten Mal Fürst der Walachei.[18] Als Vladislav II. an einem Feldzug gegen die Türken teilgenommen hatte, verhalfen dessen Gegner Dracula den walachischen Thron zu besteigen. Dieser konnte sich aber lediglich einen Monat als Fürst halten, bis er schließlich von dem zurückkehrenden Vladislav wieder vertrieben wurde.[19] Zur ersten Regierungszeit Draculas liegen leider keine Quellen vor, man vermutet aber, dass dieser den Tod seines Vaters und Bruders rächen wollte. Ihm fehlte allerdings eine entsprechende Machtbasis, so dass Vladislav die Regierungsgewalt problemlos zurückerobern konnte.[20]

1.3 Draculas zweite und wichtigste Regierungszeit

Die folgenden Jahre verbrachte Vlad Dracula sowohl bei dem mit ihm verwandten Stefan dem Großen[21] in der Moldau, als auch in Siebenbürgen. Im Exil erlebte er 1453 die Besetzung Konstantinopels durch die Türken unter Mohammed II., die die gesamte Christenheit in einen Schockzustand versetzte. Gelehrte riefen zum Kampf gegen die Türken und die „islamische Gefahr“ auf, dabei rückte Ungarn als „Bollwerk der Christenheit“ in den Mittelpunkt. 1456 stand das türkische Heer mit Mohammed (Mehmed) II. vor Belgrad, welches durch das ungarische Heer unter Führung des Gouverneurs Hunyadi aber in die Flucht geschlagen werden konnte.[22] Dieser starb noch im selben Jahr an der Pest, sein Sohn, Matthias Corvinus, bestieg später den ungarischen Thron.[23]

1456 schaffte es Vlad Dracula erneut, die Macht in der Walachei zu ergreifen. Unterstützt dabei wurde er von dem ungarischen König Ladislaus V., aber auch von dem Mann, der seinen Vater und Bruder hat umbringen lassen, Johann Hunyadi. Für Kroner ist dieses unverständliche und doch recht makabere Bündnis ein Indiz für die rauen Sitten jener Zeit.[24]

Es kam zustande, weil sich die Beziehungen zwischen Ungarn und dem walachischen Fürsten Vladislav II. verschlechtert hatten. Hunyadi wollte Vladislav beseitigen. Dafür stellte er Vlad Dracula noch vor der Schlacht von Belgrad (s.o.) ein siebenbürgisches Heer zur Verfügung, mit welchem dieser in die Walachei einmarschierte und Vladislav schließlich hinrichten ließ. Somit bestieg Vlad Tepes nach 1848 nun zum zweiten Mal als Vlad III. den walachischen Thron.[25] Auch wenn dieser dem ungarischen König Ladislaus V. Treue und Gehorsam schwor, unternahm er zunächst keine Anstalten, gegen die Osmanen vorzugehen. Vielmehr erkannte er deren Oberhoheit an, zahlte ihnen jährlich 2000 Dukaten und gewährte dem osmanischen Heer das Recht auf freien Durchzug nach Siebenbürgen. Ferner gab er u.a. das Zugeständnis, dass künftig vor einer Fürstenwahl die Erlaubnis des Sultans einzuholen sei.[26] Doch gleichzeitig baute er auch ein schlagkräftiges Heer auf und sicherte sich durch extreme Härte[27] die notwendige Souveränität gegenüber der Kirche und den Bojaren.[28]

Des Weiteren legte Vlad Dracula sein Augenmerk auf die wirtschaftliche Entwicklung seines Fürstentums, welches zu dieser Zeit vor allem durch die Siebenbürger Sachsen[29] beherrscht wurde. Deren Handel wurde beschnitten und ihre Steuerfreiheit aufgehoben. 1457 fiel Vlad mit einer Streitmacht in die Gegend um Hermannstadt ein, als die Siebenbürger Sachsen ihre neu auferlegten Beschränkungen unterlaufen wollten. Dracula ließ Männer, Frauen und Kinder verbrennen, plünderte deren Häuser und brannte sie nieder. Zwei Jahre später war Kronstadt das Ziel, mehrere tausend Menschen wurden durch das Pfählen ermordet. Somit wurde Vlad Tepes für die Siebenbürger Kaufleute zum Staatsfeind Nummer Eins, woraufhin blutrünstige Propagandaerzählungen über Dracula[30] entstanden. Durch diese verfolgte man das Ziel, die Taten des Vlad Tepes anzuprangern. Folgende Geschichte ist dabei berühmt geworden.[31]

Item es war ihm [Dracula] geschickt ein ehrwürdiger Mann, der kam zu ihm bei den Leuten, die er alle hat spießen lassen. Da ging er unter ihn herum und schaute, und die waren all so viel als ein großer Wald. Und er sprach zu ihm, warum er unter dem Gestank umging. Der Dracol sprach, ob es ihn anstank. So sprach er ihn. Da ließ er ihn auch zu Hand spießen und richt ihn auf in die Höhe, daß es ihn nicht anstank.[32]

[...]


[1] Vgl. Kroner, Michael: Dracula. Wahrheit, Mythos und Vampirgeschäft. Heilbronn: Johannis Reeg 2005. S. 78.

[2] Vgl. Märtin, Ralf-Peter: Dracula. Das Leben des Fürsten Vlad Tepes. 1. Aufl. d. Neuausg.. Berlin: Klaus Wagenbach 2004. S. 178.

[3] Vgl. Kreuter, Peter Mario: Der Vampirglaube in Südosteuropa. Studien zur Genese, Bedeutung und Funktion. Rumänien und der Balkanraum. Berlin: Weidler 2001 (= Berliner Schriften zur romanischen Kultur- und Literaturgeschichte 9). S. 74.

[4] Vgl. Kroner, M.: Dracula. S. 52-56.

[5] Wie die Hausarbeit u.a. zeigen wird, wurde vieles aus Draculas Leben aufgebauscht, anekdotisch aufbereitet oder einfach nur erfunden.

[6] Vgl. Kreuter, P.: Der Vampirglaube. S. 73f.

[7] Harmening, Dieter: Der Anfang von Dracula. Zur Geschichte von Geschichten. Würzburg: Königshausen und Neumann 1983 (= Quellen und Forschungen zur europäischen Ethnologie 1).

[8] Dazu mehr unter Punkt 2.

[9] Vgl. McNally, Raymond T.; Radu Florescu: Auf Draculas Spuren. Die Geschichte des Fürsten und der Vampire. Deutsche Ausgabe. Berlin: Ullstein 1996. S. 18f.

[10] Vgl. Kreuter, P.: Der Vampirglaube. S. 76f.

[11] Meurer, Hans: Vampire. Die Engel der Finsternis. Der dunkle Mythos von Blut, Lust und Tod. Freiburg: Eulen 2001. S. 39f.

[12] Vgl. Kreuter, P.: Der Vampirglaube. S. 74. Der Autor ergänzt, dass Schäßburg als Geburtsort nicht mehr unumstritten ist. So kommt wohl auch Nürnberg als möglicher Geburtsort in Frage.

[13] Einen Überblick zur Geschichte der Walachei und dessen Beziehung zum osmanischen Reich liefert Kroner, M.: Dracula. S. 9-12.

[14] Vgl. Kreuter, P.: Der Vampirglaube. S. 74f.

[15] Vgl. Kroner, M.: Dracula. S. 14.

[16] Aus dem rivalisierenden Hause der „Danesti“. Vladislav wurde von dem siebenbürgischen Wojewoden Johann Hunyadi, der sowohl Vlad Dracul als auch dessen Sohn Mircea umbringen ließ, auf den Thron gesetzt. Vgl. dazu Märtin, R.: Vlad Tepes. S. 71-74.

[17] Bezeichnung für die Regierung des Osmanischen Reiches.

[18] Vgl. Kreuter, P.: Der Vampirglaube. S. 75.

[19] Vgl. Kroner, M.: Dracula. S. 15f.

[20] Vgl. Märtin, R.: Vlad Tepes. S. 78f.

[21] Draculas Mutter entstammte dieser moldauischen Fürstenfamilie.

[22] Nach dieser Niederlage zeigten sich die Osmanen über 20 Jahre nicht mehr.

[23] Vgl. Kroner, M.: Dracula. S. 16.

[24] Ebd., S. 17.

[25] Ebd.

[26] Vgl. Märtin, R.: Vlad Tepes. S. 97.

[27] Siehe auch 1.1.

[28] Vgl. Kreuter, P.: Der Vampirglaube. S. 75.

[29] Dies waren katholische Deutschstämmige aus Siebenbürgen, die bis dahin Steuerfreiheit genossen hatten. Besonders starken wirtschaftlichen Einfluss hatten sie in den Städten Kronstadt und Hermannstadt.

[30] Ausführlicher zu Dracula-Erzählungen siehe 2.1.

[31] Vgl. Meurer, H.: Vampire. S. 40.

[32] Die histori von dem posen Dracol (Unbekannter Verfasser; Handschrift aus der Sankt Gallener Stiftsbibliothek). Hier in modernisierter Schreibweise sowie mit eingefügter Interpunktion und Nummerierung. Abgedruckt in McNally, Raymond T.; Radu Florescu: Auf Draculas Spuren. Die Geschichte des Fürsten und der Vampire. Deutsche Ausgabe. Berlin: Ullstein 1996. S. 184-190, hier S. 187. Ausführlicher über die „Histori von dem posen Dracol“ (möglicher Verfasser, möglicher Erscheinungsort, Hintergründe etc.) siehe Harmening, D.: Der Anfang. S. 18-31.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Vlad Tepes und Bram Stokers Dracula. Vom Fürsten der Walachei zum König der Vampire.
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
2,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V64318
ISBN (eBook)
9783638571685
ISBN (Buch)
9783638793247
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Gleichermaßen für Germanisten/Germanistikstudenten, als auch Historiker/ Geschichtsstudenten interessant.
Schlagworte
Fürsten, Walachei, König, Vampire, Vlad, Tepes, Bram, Stokers, Dracula, Blutsauger, Horror, Horrorfilm
Arbeit zitieren
Gunnar Norda (Autor), 2006, Vlad Tepes und Bram Stokers Dracula. Vom Fürsten der Walachei zum König der Vampire., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64318

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