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Ideologie und Zivilreligion in Singapur nach der Unabhängigkeit

Titel: Ideologie und Zivilreligion in Singapur nach der Unabhängigkeit

Hausarbeit , 2006 , 22 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Cedric Andre (Autor:in)

Politik - Region: Südasien
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Das politische System Singapurs dürfte weltweit einzigartig sein. Es stellt eine eigenartige Verbindung von Stabilität formaler demokratischer Prinzipien – insbesondere regelmäßiger Wahlen –, wie sie wohl in wenigen ehemaligen Kolonien vorzufinden ist, einerseits und einer relativ autoritären Machtausübung durch die Regierung andererseits dar. Oft wird auf Singapur der Ausdruck des „sanften Autoritarismus“ angewandt, denn trotz der sehr weitreichenden Eingriffe des Staates in das Leben der Menschen erreicht die Regierung seit fast einem halben Jahrhundert bei den – regulär und nach demokratischen Prinzipien ablaufenden – Wahlen eine absolute Mehrheit, die auf eine grundsätzliche Zustimmung der Bevölkerung zur Staatsführung hinzuweisen scheint.
Ziel dieser Arbeit ist es aufzuzeigen, wie dieser Grundkonsens zwischen Regierung und Regierten zustande kam und wie er sich im Laufe der Jahre weiterentwickelte. Nach einem kurzen Abriss über die Geschichte Singapurs von der Kolonialzeit bis zur Unabhängigkeit im Jahre 1965 soll insbesondere soll gezeigt werden, wie die Regierung ihre Herrschaftsideologie propagierte und wie sie auf den Legitimationsverlust dieser Ideologie in den achtziger und neunziger Jahren mit dem Versuch der Schaffung einer einheitlichen Zivilreligion und mit Änderungen am politischen System reagierte. Ein kurzer Ausblick schließt die Arbeit ab.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung: Die Besonderheit des politischen Systems Singapurs

2. Der Weg zur Unabhängigkeit

2.1. Die Entwicklung bis zur Autonomie 1959

2.2. Die People's Action Party

2.3. Die Vereinigung mit Malaya

2.4. Der Ausschluss aus der Föderation Malaysia

3. Die Herrschaftsideologie der PAP-Regierung

3.1. Die ideology of survival

3.2. Die fabianistische Prägung der ideology of survival und ihre Folgen

4. Der Prozess des nation building

5. Die Suche nach einem neuen ideologischen Grundkonsens

5.1. Der Legitimationsverlust des alten Grundkonsenses

5.2. Ein neuer Konsens durch „alte Werte“ oder „geteilte Werte“?

6. Die Veränderungen des politischen Systems in den neunziger Jahren

7. Singapurs Zukunft: Eine nicht-liberale kommunitaristische Demokratie?

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die ideologische Fundierung des politischen Systems in Singapur nach der Unabhängigkeit. Dabei wird analysiert, wie die Regierungspartei PAP durch die Etablierung eines ideologischen Grundkonsenses – von der ursprünglichen „ideology of survival“ bis hin zu „Shared Values“ – ihre Macht sichern konnte und wie sie auf Legitimationskrisen reagierte.

  • Historischer Kontext der Unabhängigkeit Singapurs
  • Die Herrschaftsideologie der PAP und ihre fabianistische Prägung
  • Prozesse des nation building in einem multi-ethnischen Staat
  • Strategien zur Aufrechterhaltung des ideologischen Grundkonsenses
  • Politische Systemveränderungen in den neunziger Jahren

Auszug aus dem Buch

3.2. Die fabianistische Prägung der ideology of survival und ihre Folgen

Die ideology of survival hatte eine fabianistische Prägung, die dadurch zu erklären ist, dass die wichtigsten Personen der PAP-Führung während ihres Studiums in Großbritannien mit dem Fabianismus in Kontakt gekommen waren (Vennewald: 96). Der Fabianismus war eine zu dieser Zeit unter britischen Intellektuellen beliebte Vorstellung des Sozialismus, die wesentlich durch utilitaristische und positivistische Ideen beeinflusst war. Dieser fabianistische Einfluss hatte bedeutende Konsequenzen für die Ausprägung der ideology of survival. Die PAP-Führungsriege war nämlich der Meinung, dass es objektive Notwendigkeiten bzw. eine objektive Rationalität gebe. Um das Überleben Singapurs zu sichern, müsse diese objektive Rationalität in die Praxis umgesetzt werden. Das Prinzip, dass die Politik der Logik der objektiven Notwendigkeiten unterstellt wird, wird als Pragmatismus bezeichnet.

Die PAP ist der Ansicht, nur Experten seien in der Lage, objektive Notwendigkeiten zu erkennen und sich Ideologien und egoistischen Interessen zu widersetzen; und mit Experten meinen die PAP-Führungsmitglieder vor allem sich selbst und die von ihnen eingesetzten Spezialisten im Verwaltungsapparat (Vennewald: 92). Daraus ergibt sich eine kritische Haltung gegenüber dem Wahlvolk und der Opposition, weil man diese für nicht ausreichend rational hält. Konsequenterweise werden demokratische Prinzipien infrage gestellt und beschränken sich weitgehend auf das Prinzip one man, one vote - und selbst dieses Prinzip ist nicht unumstritten (Zakaria: 119), weil der unterschiedliche Bildungsgrad der Wahlberechtigten ihnen unterschiedlich rationale Wahlentscheidungen ermögliche. Auch das Parlament spielt bei Entscheidungsprozessen kaum eine Rolle (Vennewald: 61), sondern nickt lediglich Entscheidungen ab, die an anderer Stelle – von der Regierung und Verwaltungsspezialisten – getroffen werden. Ein tatsächlich demokratisches politisches System ist lediglich als langfristiges Ziel vorgesehen, also als Utopie, welche die undemokratischen Entscheidungsstrukturen der Gegenwart legitimieren soll.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Die Besonderheit des politischen Systems Singapurs: Diese Einführung erläutert das singapurische Modell als Verbindung von formaler Demokratie und autoritärer Machtausübung und skizziert das Forschungsziel der Arbeit.

2. Der Weg zur Unabhängigkeit: Dieses Kapitel behandelt die koloniale Geschichte, den Aufstieg der PAP und die kurzlebige Föderation mit Malaysia bis hin zur Staatsgründung 1965.

3. Die Herrschaftsideologie der PAP-Regierung: Hier wird die Entstehung der „ideology of survival“ sowie deren technokratische und fabianistische Ausprägung analysiert.

4. Der Prozess des nation building: Dieses Kapitel beschreibt das Konzept der multi-ethnischen Nation und die Herausforderungen bei der Identitätsbildung in einem Einwandererstaat.

5. Die Suche nach einem neuen ideologischen Grundkonsens: Der Fokus liegt auf dem Legitimationsverlust durch wirtschaftlichen Erfolg und den gescheiterten Versuchen der Wertevermittlung, die in den „Shared Values“ mündeten.

6. Die Veränderungen des politischen Systems in den neunziger Jahren: Dieses Kapitel analysiert politische Reformen wie die Einführung von Feedback-Mechanismen und neue Parlamentskategorien.

7. Singapurs Zukunft: Eine nicht-liberale kommunitaristische Demokratie?: Das Fazit bewertet das System als eine spezifisch singapurische Ausprägung jenseits westlicher liberaler Demokratien.

Schlüsselwörter

Singapur, People's Action Party, Ideologie, ideology of survival, Pragmatismus, nation building, Shared Values, politisches System, Demokratie, Kommunitarismus, Legitimationsverlust, Fabianismus, Autoritarismus, ethnische Identität, Technokratie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das einzigartige politische System Singapurs, das Stabilität durch eine Kombination aus formaldemokratischen Prinzipien und einer relativ autoritären Regierungsführung erreicht.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den Schwerpunkten zählen die Entstehung der PAP-Herrschaft, die staatliche Ideologiebildung, das nation building in einem multi-ethnischen Umfeld und die politischen Reformen der neunziger Jahre.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie ein Konsens zwischen der Regierung und den Regierten geschaffen wurde, wie sich die Herrschaftsideologie im Zeitverlauf wandelte und wie auf Legitimationsprobleme reagiert wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung bestehender Literatur zur singapurischen Geschichte und Regierungsform basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung seit der Unabhängigkeit, die detaillierte Beschreibung der Herrschaftsideologien sowie die Untersuchung der politischen Systemänderungen in den neunziger Jahren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die zentralen Begriffe sind Singapur, PAP, ideology of survival, nation building, Pragmatismus und Kommunitarismus.

Warum spielt der Fabianismus eine so wichtige Rolle für das Verständnis der PAP?

Der Fabianismus prägte die Denkweise der Gründungselite während ihres Studiums in Großbritannien und führte zu einem tiefen Glauben an objektive Rationalität, der als „Pragmatismus“ die singapurische Politik bestimmt.

Wie unterscheidet sich das „moral education“-Programm von den „Shared Values“?

Während das „moral education“-Programm versuchte, den Zusammenhalt über spezifische Religionen und den Konfuzianismus zu fördern, reduzieren die „Shared Values“ diese auf säkulare, kommunitaristische Kernaussagen.

Welche Bedeutung haben die neuen Parlamentskategorien der neunziger Jahre?

Die Einführung von Non-constituency MPs und Nominated MPs zielt darauf ab, das asymmetrische Machtverhältnis zwischen der Regierung und der Zivilgesellschaft bzw. Opposition auszugleichen.

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Details

Titel
Ideologie und Zivilreligion in Singapur nach der Unabhängigkeit
Hochschule
Universität Erfurt  (Staatswissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Politik und Religion in Ostasien
Note
1,0
Autor
Cedric Andre (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
22
Katalognummer
V64330
ISBN (eBook)
9783638571777
ISBN (Buch)
9783638683364
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ideologie Zivilreligion Singapur Unabhängigkeit Politik Religion Ostasien
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Cedric Andre (Autor:in), 2006, Ideologie und Zivilreligion in Singapur nach der Unabhängigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64330
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Leseprobe aus  22  Seiten
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