Schließen sich Schreibförderung und Schreiblust in der Grundschule aus oder gibt es Verfahren, die beiden Ansprüchen entgegenkommen? Diese Frage soll mit der vorliegenden Arbeit beantwortet werden.
Eine wichtige Grundlage für die vorliegende Arbeit bildet die empirische Vergleichsstudie von CLAUDIA WINTER (1998)1, die der Frage nachging, wie sich verschiedene didaktische Konzepte auf die Schreibkompetenzen von Grundschulkindern auswirken.
Inhaltsverzeichnis
1. THEORETISCHE GRUNDLAGEN
1.1 Tendenzen der Schreibdidaktik seit den 70er Jahren: Ein kurzer Abriss
1.2 Der Einfluss der amerikanischen Schreibforschung auf die Schreibdidaktik in Deutschland
1.2.1 Forderungen von SchreibdidaktikerInnen an die Schulpraxis
1.2.2 Die neuere Schreibforschung und ihre Verwirklichung in der Schule
1.3 Bedeutung des Schreibens
1.3.1 Schreiben zur Identitätsgewinnung
1.3.2 Schreiben zum Zwecke der Erkenntnis
1.3.3 Unterschiede zwischen mündlicher und schriftlicher Sprache
1.3.4 Bedeutung des Schreibens für die Entwicklung des Kindes
1.4 Schreibblockaden und Schreibunlust
1.4.1 Emotionelle und kulturelle Schreibblockaden
1.4.2 Schreibunlust: Einflussfaktoren der Schule
1.5 Was sind motivierende Schreibanlässe?
1.6 Schreibkompetenz
1.6.1 Stufenmodelle der Entwicklung von Schreibkompetenz
1.6.2 Konsequenzen aus dem Stufenmodell von BÖTTCHER/BECKER-MROTZEK (2003) für die Grundschulpraxis
1.7 Zusammenfassung
2. DIE ENTWICKLUNG VON RECHTSCHREIBKOMPETENZ IM ZUSAMMENSPIEL MIT DER FREIEN TEXTPRODUKTION
2.1 Forderungen an den Rechtschreibunterricht
2.2 Rechtschreibentwicklung am Beispiel der „Vier Säulen des Rechtschreibunterrichts“ von BRINKMANN (2000)
2.3 Erläuterung der „Vier Säulen des Rechtschreibunterrichts“
3. FREIES UND KREATIVES SCHREIBEN
3.1 Freies Schreiben
3.1.1 Überblick
3.1.2 Prinzipien des freien Schreibens
3.1.3 Bedeutung des freien Schreibens
3.1.4 Kritik und Zusammenfassung
3.2 Kreatives Schreiben
3.2.1 Geschichte des kreativen Schreibens
3.2.2 Überblick
3.2.3 Methoden des kreativen Schreibens und ihre Funktion
3.2.4 Methodengruppen des kreativen Schreibens
3.2.5 Einzelne Phasen des Schreibprozesses einüben: Die Textplanung
3.2.6 Koordination kreativer Schreibphasen und systematischer Lernphasen
3.2.7 Kritik und Zusammenfassung
3.3 Überarbeiten von Texten
3.3.1 Vorbemerkungen zum Überarbeiten von Texten
3.3.2 Kooperative Verfahren zur Textüberarbeitung
3.3.2.1 Schreibkonferenzen: Bedeutung für den Unterricht
3.3.2.2 Ablauf einer Schreibkonferenz
3.3.2.3 Weitere Verfahren der Textrevision
3.3.3 Zusammenfassung der beschriebenen Textüberarbeitungsverfahren
3.4 Zum Schreibprozess gehört Veröffentlichung
3.4.1 Die Druckerei: Nicht nur ein Mittel zum Zweck!
3.4.2 Möglichkeiten der Veröffentlichung
4. DER COMPUTER ALS WERKZEUG BEIM FREIEN UND KREATIVEN SCHREIBEN
4.1 Schreiben am Computer und Schreiben mit der Hand: Unterschiede
4.2 Vorteile der Textproduktion am Computer
4.3 Mögliche Nachteile des Computereinsatzes
4.4 Überarbeiten von Texten am Computer
4.5 Veröffentlichen von Texten mithilfe des Computereinsatzes
4.5.1 Das Veröffentlichen von Texten im Internet am Beispiel einiger Internetportale für Kinder
4.5.1.1 www.blinde-kuh.de
4.5.1.2 www.kinderlexikon.de
4.5.1.3 www.kidsville.de
4.6 Kritik am Veröffentlichen von Texten im Internet
5. RESÜMEE UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, wie die vermeintlichen Widersprüche zwischen Schreiblust und dem Aufbau von Schreibkompetenz in der Grundschule durch geeignete didaktische Verfahren in Einklang gebracht werden können. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, inwiefern prozessorientierte Schreibansätze und der Einsatz des Computers dabei unterstützen können, die Schreibfreude zu erhalten und gleichzeitig die Textkompetenz der Kinder zu fördern.
- Prozessorientierte Schreibdidaktik und Phasenmodelle der Textproduktion
- Integration von freiem und kreativem Schreiben in den Deutschunterricht
- Die Rolle der Rechtschreibförderung im Kontext der freien Textproduktion
- Einsatzmöglichkeiten und didaktische Analyse des Computers als Schreibwerkzeug
- Bedeutung der Veröffentlichung von Kindertexten für die Schreibmotivation
Auszug aus dem Buch
1.2.1 Forderungen von SchreibdidaktikerInnen an die Schulpraxis
Schreiben wird als eine komplexe Handlung begriffen, deren Teilprozesse – konzeptionelle, innersprachliche, motorische und redigierende – rekursiv verlaufen, d. h. ineinander greifend und beliebig wiederholbar. Es ist kein linearer Prozess, wie der häufig in der Schreibdidaktik und Lehrplänen genannte Dreischritt planen – aufschreiben – überarbeiten suggeriert (BÖTTCHER 1999:17).
Die Abkehr vom Schreiben als linearen Prozess hin zu einem prozessualen Textverständnis ermöglicht es, den Schreibprozess in Teilprozesse zu zerlegen. BAURMANN (1990) unterteilt den Schreibprozess in vier nicht linear verlaufende Phasen, die in einem wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnis zueinander stehen. Als erste Phase nennt er konzeptionelle Prozesse, bei welchen Fragen der Zielsetzung, der gedanklichen Konzeption und das Entwickeln eines Schreibplans im Vordergrund stehen. Innersprachliche Prozesse umfassen die Satz- und Textbildung sowie die Orientierung an Konventionen geschriebener Sprache. Beim Verfassen von Texten und ihrer Planung sowie bei der Textüberarbeitung spielen auch motorische Prozesse eine Rolle.
Redigierende Tätigkeiten wie Korrekturen, Nachträge und gegebenenfalls Neufassungen schließen sich der Textproduktion an. Darüber hinaus wirken sich die Motivation, Emotionslage sowie das Wissen und die Fähigkeiten des Schreibenden auf den Schreibprozess aus (vgl. ebd. 11). Aufgabe der Schule ist daher BÖTTCHER (1999) zufolge nicht das Einüben verschiedener Aufsatzformen, sondern die Entfaltung des Schreibpotentials (vgl. ebd. 17). Ähnlich äußern sich BAUMMANN/LUDWIG (1996), deren Ansicht nach schulisches Schreiben an der Schreibentwicklung, den individuellen Entwicklungsständen und Interessenslagen der Schreibenden orientiert sein soll. Zudem sei es notwendig, dass sich SchülerInnen möglichst umfassende Schreibfähigkeiten aneignen können. Das Üben einiger weniger Aufsatzformen würde diesem Anspruch nicht gerecht werden (vgl. ebd., zitiert in WINTER 1998:14). SCHNEUWLY (1996) fordert einen Unterricht, in welchem Schreiben sowohl individuell als auch kooperativ stattfindet und Texte auch in der Gruppe vorgestellt und überarbeitet werden können (vgl. ebd. 36).
Zusammenfassung der Kapitel
1. THEORETISCHE GRUNDLAGEN: Dieses Kapitel erläutert Tendenzen der Schreibdidaktik, die Bedeutung des Schreibens für die kindliche Entwicklung sowie Ursachen für Schreibunlust, bevor verschiedene Entwicklungsmodelle der Schreibkompetenz vorgestellt werden.
2. DIE ENTWICKLUNG VON RECHTSCHREIBKOMPETENZ IM ZUSAMMENSPIEL MIT DER FREIEN TEXTPRODUKTION: Dieser Exkurs verdeutlicht, wie Rechtschreibunterricht integrativ in den Deutschunterricht eingebettet werden kann, wobei das Modell der „Vier Säulen des Rechtschreibunterrichts“ nach BRINKMANN als strukturgebende Hilfe dient.
3. FREIES UND KREATIVES SCHREIBEN: Hier werden unterschiedliche Schreibverfahren vorgestellt, die durch die Betonung von Prozessorientierung und Schülerorientierung die Schreiblust sowie die Kompetenzentwicklung fördern sollen, inklusive Methoden zur Textplanung und -überarbeitung.
4. DER COMPUTER ALS WERKZEUG BEIM FREIEN UND KREATIVEN SCHREIBEN: Das Kapitel analysiert den Computer als ergänzendes Medium im Unterricht, diskutiert Vor- und Nachteile der maschinellen Textproduktion und beleuchtet Möglichkeiten der computergestützten Textüberarbeitung sowie -veröffentlichung im Internet.
5. RESÜMEE UND AUSBLICK: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, die unterstreicht, dass eine Kombination aus kreativen, prozessorientierten Verfahren und systematischen Lernangeboten den optimalen Weg für die Schreibförderung in der Grundschule darstellt.
Schlüsselwörter
Schreibdidaktik, Schreiblust, Schreibkompetenz, Grundschule, Prozessorientierung, Kreatives Schreiben, Freies Schreiben, Rechtschreibunterricht, Computereinsatz, Textüberarbeitung, Schreibkonferenz, Schreibprozess, Identitätsgewinnung, Medienkompetenz, Veröffentlichung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Schreiblust und Schreibkompetenz in der Grundschule gefördert und durch prozessorientierte sowie computergestützte Verfahren in Einklang gebracht werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die moderne Schreibdidaktik, die Rolle von Rechtschreibung im Schreibprozess, kreative Schreibmethoden sowie die didaktische Einordnung des Computers als Werkzeug.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Grundschulkinder sowohl ihre individuelle Schreibfreude entfalten als auch gleichzeitig grundlegende Schreib- und Textkompetenzen entwickeln können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer fundierten Literaturanalyse didaktischer Konzepte und greift zur Stützung der Argumentation auf empirische Vergleichsstudien, wie die von Claudia Winter, zurück.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen, die Verzahnung von Rechtschreibung und freier Textproduktion, detaillierte Verfahren des freien und kreativen Schreibens sowie die Analyse des Computereinsatzes.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Schreibdidaktik, Prozessorientierung, Schreiblust, Schreibkompetenz, freies Schreiben, kreatives Schreiben, Rechtschreiblernen und Computereinsatz in der Grundschule.
Welche Rolle spielt die Freinet-Druckerei in dieser Arbeit?
Die Freinet-Druckerei dient als Beispiel für ein kooperatives, handlungsorientiertes Verfahren, das die Veröffentlichung von Texten in den Fokus rückt und somit die Schreibmotivation durch die Aufwertung des Geschriebenen steigert.
Warum wird der Computereinsatz kritisch betrachtet?
Der Computer wird nicht als Allheilmittel gesehen; problematisiert werden unter anderem die Ablenkung durch technische Aspekte, die Gefahr der Feinmotorik-Vernachlässigung und die Notwendigkeit, dass Kinder erst grundlegende Kompetenzen erwerben müssen, bevor sie den Computer als Schreibwerkzeug effektiv nutzen können.
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- Iris Steier (Author), 2005, Schreiblust und Schreibförderung in der Grundschule - mit und ohne Computereinsatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64422