In der vorliegenden Arbeit soll der Euphemismus als sprachliches Gebilde erklärt werden. Dabei wird sein Aufkommen in der Sprache, anhand von Beispielen aus der deutschen und englischen Sprache untersucht. Weiterer Gegenstand dieser Untersuchung sind die Sprecherintentionen, die dem Gebrauch von Euphemismen in der Umgangsprache und im Bereich der Politik zugrunde liegen.
Die Arbeit ist in drei größere Kapitel unterteilt. Das Erste Kapitel beschäftigt sich mit dem Ursprung des Tabubegriffs. Des Weiteren wird der enge Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Tabus und der Entstehung von Euphemismen aufgezeigt.
Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit dem Euphemismusbegriff. Da über viele Aspekte Uneinigkeit besteht, steht eine praktikable Definition, die alle wichtigsten Merkmale des Euphemismus beinhaltet noch aus. Aus diesem Grund werden verschiedene Euphemismusdefinitionen aus wissenschaftlichen Arbeiten und verschiedenen Lexika untersucht und anhand dieser werden die wichtigsten Merkmale des Euphemismus zusammengetragen. Im weiteren Verlauf des zweiten Kapitels werden die sprachlichen Funktionen des Euphemismus untersucht, die verschleiernde und die verhüllende. Dabei wird klar, dass der Euphemismus nicht nur als Konsequenz bestehender gesellschaftlicher Tabus und Normen angesehen werden muss, und dass auch andere Motive beim Gebrauch ausschlaggebend sein können. Des Weiteren wird in diesem Kapitel die euphemistische Wirkung eines sprachlichen Ausdrucks auf die Ebenen der langue und der parole untersucht. Diese Untersuchung zeigt, dass obwohl alle Euphemismen auf der Ebene der parole zu betrachten und zu beurteilen sind, es doch auch solche gibt, die bereits auf der Ebene der langue eine euphemistische Wirkung haben können. Schließlich werden Bildungsweisen aufgezeigt, die sich im besonderen Maß für Euphemismen eignen. Das dritte Kapitel beschäftigt sich unter anderem mit den Begriffen Politik und Sprache der Politik. Im weiteren Verlauf wird gezeigt wie geschickt Politiker die Sprache zur Beeinflussung des Denkens, Verhaltens und Handelns von Menschen benutzen. In diesem Zusammenhang werden die Begriffe Sprachpolitik, Sprachlenkung, Sprachregelung und Sprachmanipulation näher erklärt, wobei der enge Zusammenhang zwischen Sprachmanipulation und Euphemismen deutlich wird. Im Anschluss daran erfolgt eine inhaltliche Gruppierung der politischen Euphemismen und ein kleiner Exkurs zum Euphemismusgebrauch im III. Reich.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Der Tabubegriff
1.1. Etymologische Rückverfolgung und Definitionsversuch
1.2. Motivationen zur Entstehung
2. Der Euphemismus
2.1. Etymologische Rückverfolgung
2.3. Kommunikative Funktionen der Euphemismen
2.3.1.Verhüllende Euphemismen
2.3.2.Verschleiernde Euphemismen
2.4. Euphemismen in langue und parole
2.5. Bildungsweisen der Euphemismen
2.5.1.Metapher
2.5.2.Litotes und Hyperbel
2.5.3.Verallgemeinernde, vage und mehrdeutige Ausdrücke, Leerformeln
2.5.4.Fremdwörter
2.5.5.Auslassungen und Nulleuphemismen
2.5.6.Abkürzungen
3. Euphemismen und Politik
3.1. Die Politik und ihre Sprache
3.2. Manipulation durch Sprache
3.3. Inhaltliche Gruppierung der politischen Euphemismen
3.3.1.Innenpolitik
3.3.2.Außenpolitik
3.3.3.Wirtschaftspolitik
3.3.4.Militär und Krieg
3.3.5.Energie und Umwelt
3.3.6.Exkurs zum Euphemismengebrauch im III. Reich
4. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Euphemismus als sprachliches Gebilde und analysiert dessen Ursprung, Definition und kommunikative Funktionen, mit einem besonderen Schwerpunkt auf den intentionalen Gebrauch in der politischen Sprache zur Manipulation oder Verschleierung.
- Sprachwissenschaftliche Einordnung von Tabu und Euphemismus
- Unterscheidung zwischen verhüllenden und verschleiernden Sprachfunktionen
- Analyse von Bildungsweisen euphemistischer Ausdrücke
- Untersuchung der politischen Sprachlenkung und Manipulation
- Fallbeispiele aus verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Domänen
Auszug aus dem Buch
2.3.1.Verhüllende Euphemismen
Die Ursachen für den Gebrauch verhüllender Euphemismen liegen in den „verbindlichen Vorschriften des Miteinanderlebens“, den sozialen Normen (auch gesellschaftliche Normen) und die daraus entstehenden Tabus (vgl. Luchtenberg 1985:168). Soziale Normen sind von den meisten Mitgliedern einer Gesellschaft akzeptierte Verhaltensregeln, die gesellschaftlich und kulturell bedingt sind. Diese Verhaltensregeln werden als Konventionen beachtet und sind nur gesellschaftlich, nicht gesetzlich verbindlich. Nichtbefolgen führt nicht zu gesetzlichen Sanktionen, sondern kann im Extremfall nur zum gesellschaftlichen Ausschluss führen (vgl. ebd.).
Die Konventionen, die hier von Interesse sind, können sich entweder auf bestimmte Sachverhalte oder Vorgänge beziehen, deren meiden gesellschaftlich verlangt wird, oder auf bestimmte sprachliche Ausdrücke. Durch die Verwendung eines Ersatzausdrucks wird dem Sprecher ermöglicht den gesellschaftlich gemiedenen Ausdruck zu umgehen und das Gespräch aufrecht zu erhalten. Das heißt, dass die verhüllenden Euphemismen dazu gebraucht werden, den gesellschaftlichen Konventionen zu genügen (vgl. ebd.:168ff). Luchtenberg (ebd.:170) macht darauf aufmerksam, dass man nur dann von konventionellen Euphemismen sprechen kann, wenn für eine Sprechsituation und ihre Teilnehmer diese Konvention gilt.
Die verhüllenden Euphemismen können aus Sicht des Sprechers auch eine bewusste Rücksichtsnahme auf den Hörer darstellen. Dabei sind Höfflichkeit und Schonung von Gefühlen die treibenden Motivationen. Die gesellschaftlichen Normen und die individuellen Tabus des Hörers müssen aber auch hier vom Sprecher beachten werden (vgl. ebd.:171f).
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Einführung in die Thematik der Euphemismen als sprachliche Gebilde und deren Funktion in Gesellschaft und Politik.
1. Der Tabubegriff: Untersuchung der etymologischen Herkunft und der verschiedenen Motivationen zur Entstehung von Tabus.
2. Der Euphemismus: Eingehende Definition und Kategorisierung der sprachlichen Funktionen sowie der Bildungsweisen von Euphemismen.
3. Euphemismen und Politik: Analyse der Rolle von Euphemismen als Mittel der politischen Manipulation, Sprachlenkung und Interessenvertretung.
4. Schlussbemerkung: Kritische Reflexion über die Rechtfertigung des Euphemismusgebrauchs in politischen Kontexten.
Schlüsselwörter
Euphemismus, Tabu, Sprachmanipulation, politische Sprache, Sprachlenkung, verhüllende Euphemismen, verschleiernde Euphemismen, Rhetorik, Metapher, Litotes, Korrektheit, gesellschaftliche Normen, Sprachwandel, Propaganda, Ideologie.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema der Arbeit?
Die Arbeit behandelt den Euphemismus als sprachliches Phänomen und dessen Einsatz sowohl im Alltag als auch im politisch-gesellschaftlichen Kontext.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind der Zusammenhang zwischen Tabu und Sprache, die definitorische Abgrenzung des Euphemismus sowie seine instrumentelle Verwendung in der politischen Kommunikation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Euphemismus als sprachliches Gebilde zu erklären und zu zeigen, wie er gezielt zur Verschleierung oder Manipulation eingesetzt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es erfolgt eine systematische Analyse von Euphemismusdefinitionen aus Fachliteratur und deren Anwendung auf aktuelle sowie historische Beispiele des politischen Sprachgebrauchs.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Euphemismusbegriffs und eine detaillierte inhaltliche Gruppierung politischer Euphemismen in Bereichen wie Innen-, Außen-, Wirtschafts- und Militärpolitik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sprachmanipulation, politische Sprache, Sprachlenkung, Tabuisierung und die Unterscheidung zwischen verhüllenden und verschleiernden Funktionen charakterisiert.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen verhüllender und verschleiernder Funktion?
Verhüllende Euphemismen dienen primär der sozialen Höflichkeit und dem Einhalten von Tabus, während verschleiernde Euphemismen dazu genutzt werden, Sachverhalte manipulativ zu verbergen oder Interessen des Sprechers zu fördern.
Welche Rolle spielt der Exkurs zum III. Reich?
Der Exkurs verdeutlicht die extreme Form der Sprachmanipulation, bei der Euphemismen nicht nur der Schonung dienten, sondern der kollektiven Selbsttäuschung und Verschleierung von Völkermord.
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- Petia Trojca (Author), 2006, Euphemismen und Politik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64489