Eine Europäisierung der Außenpolitik wird oftmals mit Skepsis und großen Vorbehalten betrachtet. Viele europäische Bürger/ innen befürchten, dass die nationalen Interessen im europäischen Verbund untergehen könnten. Daneben reift jedoch die Erkenntnis, dass eine stärkere Zusammenarbeit in außen- und sicherheitspolitischen Fragen auch umfangreichen Nutzen bringen kann. Diese Feststellung erfolgt aus der Beobachtung einer sich pausenlos rasanter wandelnden Welt, in der jeder der europäischen Staaten einzeln betrachtet klein und unbedeutend erscheint. Europa als einheitliches Ganzes dagegen ist in jeder Hinsicht auf dem geopolitischen Parkett nicht zu übergehen. Die Welt von übermorgen wird von anderen Machtkonstellationen geprägt sein als die Welt, wie wir sie heute kennen.
Durch eine europäische Außenpolitik wird die Europäische Union in die Lage versetzt, auf Ereignisse außerhalb ihres Gebiets nicht nur reaktiv zu antworten, sondern Geschehnisse weltweit aktiv und zielbewusst mitzugestalten. Dadurch können auch Krisen entschärft und Konfrontationen abgewendet werden, bevor ein offener Gewaltausbruch erfolgt. Gemeinsam verfügt Europa über wesentlich mehr und vielschichtigere Mittel, um auf den Wegen friedlicher Diplomatie verantwortlich gestaltend und konstruktiv am Aufbau einer gerechten, stabilen und sich dynamisch entwickelnden Welt mitzuwirken. Nur so kann Europa in Form der Europäischen Union seiner Mitverantwortung für weltweiten Frieden und Sicherheit gerecht werden. Die europäischen Staaten haben gemeinsame Wurzeln und basieren heute nach zwei schrecklichen Weltkriegen im Herzen Europas auf gleichen Werten und Vorstellungen. Deshalb ist der Grundstein für eine erfolgreiche gemeinsame Zukunft und damit auch die Basis einer gemeinsamen Außenpolitik gelegt.
Diese Arbeit soll zunächst einen Überblick über die bereits vollzogenen Entwicklungen in der Vergangenheit und den gegenwärtigen Stand gemeinsamer europäischer außen- und sicherheitspolitischer Anstrengungen geben. Darüber hinaus soll die Notwendigkeit der Schaffung und Realisierung einer effektiven Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union verdeutlicht werden. Im Zuge dessen werden Chancen und Hindernisse sowie zukünftige Perspektiven aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historische Entwicklung der GASP
2.1. Entstehung gemeinsamer außen- und sicherheitspolitischer Kooperationen
2.1.1. Erste Bemühungen
2.1.2. Entwicklung der Europäischen Politischen Zusammenarbeit
2.1.3. Die Einheitliche Europäische Akte
2.2. Entwicklung einer Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik
2.2.1. Der Vertrag von Maastricht
2.2.2. Der Vertrag von Amsterdam und jüngste Entwicklungen
3. Funktionsweise und Struktur der GASP
3.1. Strategische Zielvorstellungen
3.1.1. Formale Ziele im EU-Vertrag
3.1.2. Europäische Sicherheitsstrategie
3.2. Grundstrukturen und interne Organisation
3.2.1. Organe
3.2.2. Handlungsrahmen
3.3. Mittel und Instrumente
3.3.1. Hoher Vertreter der GASP
3.3.2. Instrumentarien
4. Hürden für die zukünftige Entwicklung der GASP
4.1. Die Rolle Deutschlands in der europäischen Außen- und Sicherheitspolitik
4.2. Hindernisse und Schwierigkeiten
4.2.1. Nationale Egoismen und gegenseitiges Misstrauen
4.2.2. Beeinflussung der transatlantischen Beziehungen
5. Resümee und Ausblick: Die EU als außenpolitischer Global-Player?
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht den historischen Entwicklungsprozess sowie die aktuelle Struktur und Funktionsweise der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) der Europäischen Union. Das primäre Ziel besteht darin, die Notwendigkeit einer effektiven außenpolitischen Handlungsfähigkeit der EU zu verdeutlichen und dabei die bestehenden Chancen, Hindernisse sowie zukünftige Perspektiven kritisch zu analysieren.
- Historische Evolution der außenpolitischen Kooperation in Europa.
- Struktureller Aufbau und institutionelle Instrumente der GASP.
- Die Rolle Deutschlands als gestaltender Akteur im europäischen Integrationsprozess.
- Herausforderungen durch nationale Egoismen und transatlantische Spannungen.
- Reflexion über den Status der EU als "Global-Player" in der Weltpolitik.
Auszug aus dem Buch
4.2.1. Nationale Egoismen und gegenseitiges Misstrauen
Trotz Weiterentwicklungen der GASP im Amsterdamer Vertrag, die die außenpolitische Identität und Handlungsfähigkeit Europas verbesserten, bleibt die Zusammenarbeit eine zwischenstaatliche und keine gemeinschaftliche Politik. Die Realisierung der gegenseitigen Hilfen, Absprachen und Zusammenarbeit hängt maßgeblich vom Willen der jeweiligen Mitgliedsstaaten ab. Deshalb sind diese offiziell auch zu Loyalität und gegenseitiger Solidarität verpflichtet. Dem stehen jedoch oftmals „nationale Egoismen und nationales Prestigedenken“ gegenüber. Die GASP leidet unter diversen Interessenkonflikten der Mitgliedsstaaten und kann deshalb ihr eigentliches Potential nicht auf der internationalen Bühne entfalten. Die Angst vor zu weit führenden Souveränitätsverlusten lässt selbst als europafreundlich bekannte Staaten zu Blockieren einer integrativen GASP werden.
Dies kann etwa am Beispiel Frankreichs verdeutlicht werden. Es wird zwar oftmals betont, „Frankreich [hätte] sich über die Zeit von einem relucent follower (bei der EEA) zu einem promoter (seit Amsterdam) der GASP gewandelt“, dennoch muss die Art und Weise der Mitgestaltung genau betrachtet werden. So unterstützte Frankreich in Amsterdam die Schaffung neuer Instrumentarien für die GASP, trug aber gleichzeitig entscheidend dazu bei, dass diese schwach, übergehbar und unbeweglich blieben. Die „einzelstaatliche Souveränität“ sollte unter allen Umständen gewahrt werden. Dies wurde trotz späterer Mahnungen des Hohen Vertreters für die GASP, Javier Solana, durch die Beibehaltung der Einstimmigkeit als Entscheidungsregel bis heute erreicht. Die Gemeinsamen Strategien beispielsweise blieben daher überspitzt gesagt „weihnachtliche Wunschzettel“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Sehnsucht nach Frieden in Europa und beschreibt die Notwendigkeit einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik angesichts globaler Herausforderungen.
2. Historische Entwicklung der GASP: Dieses Kapitel zeichnet den mühsamen Weg von ersten Kooperationsversuchen nach dem Zweiten Weltkrieg über die EPZ bis hin zur vertraglichen Verankerung der GASP in den Verträgen von Maastricht und Amsterdam nach.
3. Funktionsweise und Struktur der GASP: Hier werden die strategischen Ziele, die interne Organisationsstruktur mit ihren Organen sowie die verschiedenen Mittel und Instrumente der GASP detailliert erläutert.
4. Hürden für die zukünftige Entwicklung der GASP: Das Kapitel analysiert die Rolle Deutschlands als treibende Kraft sowie die bestehenden Hindernisse wie nationale Egoismen, gegenseitiges Misstrauen und das komplexe transatlantische Beziehungsgeflecht.
5. Resümee und Ausblick: Die EU als außenpolitischer Global-Player?: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Zukunftschancen der EU, sich als wirkungsvoller außenpolitischer Akteur auf der Weltbühne zu etablieren.
Schlüsselwörter
GASP, Europäische Union, Außenpolitik, Sicherheitspolitik, Integration, Intergouvernementalität, Gemeinsame Strategie, Europäische Sicherheitsstrategie, Deutschland, Frankreich, USA, Multilateralismus, Souveränität, Krisenmanagement, Global-Player.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung, Struktur und den Herausforderungen der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) der Europäischen Union.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung, den organisatorischen Strukturen, dem Einfluss nationaler Interessen und dem Verhältnis der EU zu den USA.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Notwendigkeit einer geschlossenen europäischen Außenpolitik aufzuzeigen und die Barrieren für eine vertiefte Integration zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine politikwissenschaftliche Analyse durch, die auf der Auswertung von Vertragstexten, Berichten und fachspezifischer Literatur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung, die Erläuterung der GASP-Instrumentarien sowie eine kritische Analyse der Hürden für eine effektive Zusammenarbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind GASP, Integration, Intergouvernementalität, Souveränität, transatlantische Beziehungen und Global-Player.
Warum ist die GASP laut dem Autor "schwierig"?
Die GASP gilt als schwierig, weil sie oft durch zwischenstaatliche Interessenkonflikte und das Beharren der Nationalstaaten auf ihrer Souveränität blockiert wird.
Welche Rolle spielt Deutschland in der GASP?
Deutschland agiert als ein Hauptbefürworter und Gestalter einer stärkeren europäischen Integration, versucht dabei jedoch, seine außenpolitischen Ziele oft in enger Abstimmung mit Frankreich zu verfolgen.
Wie bewertet der Autor die transatlantischen Beziehungen?
Der Autor sieht die Beziehungen als unverzichtbar an, mahnt jedoch ein neues Gleichgewicht auf Augenhöhe an, bei dem Europa gegenüber den USA eigenständiger und kritischer auftritt.
- Quote paper
- Michael Weitzell (Author), 2006, Die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64571