„Gärtner statt Heuschrecke“ vermerkt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln in einem Bericht über die volkswirtschaftliche Funktion von Private Equity (PE) vom 27.04.06. Veränderte Anforderungen, herbeigerufen durch die harten Wettbewerbsbedingungen der zunehmenden Globalisierung, zwingen Unternehmen zum Handeln. Doch oft fehlt es an Zeit, Geld und fachmännischem Know-how um die erforderlichen Neuerungen durchzusetzen. Genau an diesem Punkt treten die PE-Gesellschaften auf den Plan. Ihre Aufgabe ist es, Unternehmen jeglicher Art durch Eigenkapitalfinanzierung und Managementerfahrung zu unterstützen.
Doch weshalb der Heuschrecken-Vergleich mit PE-Gesellschaften des ehemaligen SPD-Parteivorsitzenden Franz Müntefering? War es reine Kapitalismuskritik im Sinne einer populistischen Parteiagenda? Oder geht diese Aussage wirklich auf ein Ausbeuten der Unternehmen auf Kosten deutscher Arbeitsplätze zurück?
Allein die Zahlen lassen zumindest auf eine steigende Bedeutung von PE in Deutschland schließen. Gemäß dem BVK ist im ersten Quartal 2006 ein Anstieg der eingesammelten Gelder (Fundraising) auf 553,1 Millionen € (Vgl. Vorjahr Q1 2005: 234,9 Mio. €) und ein Anstieg der Investitionen auf 510,8 Mio € (Q1 2005: 407,2 Mio €) in 251 Unternehmen (Q1 2005: 227) zu verzeichnen . Mittelstandsfinanzierung ist der zu beobachtende Trend der hier berücksichtigten deutschen PE-Gesellschaften.
Das Problem aller Untersuchungen über PE ist jedoch, dass die Angaben der PE-Gesellschaften auf freiwilliger Basis beruhen, so dass kein vollständiges Bild über den Umfang und die Auswirkungen der gesamten Transaktionen besteht.
Dennoch soll im Folgenden versucht werden, einen Überblick über PE zu vermitteln, deren Motivation darzustellen, sowie die Auswirkungen auf volkswirtschaftliche Größen zu evaluieren.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. WAS IST PRIVATE EQUITY?
2.1. ALLGEMEINES
2.2. VERSCHIEDENE AUSPRÄGUNGEN DER PARTNERUNTERNEHMEN IM HINBLICK AUF DEREN ENTWICKLUNGSGRAD UND KAPITALBEREITSTELLUNG
2.3. EXITMÖGLICHKEITEN
2.4. INHÄRENTE PROBLEMATIK DER PE-GESELLSCHAFTEN
3. GRÜNDE FÜR DIE GESTIEGENE BEDEUTUNG VON PE
3.1. NACHFOLGEPROBLEME
3.2. UNTERNEHMEN IN SCHWIERIGKEITEN
3.3. VERKAUF VON UNTERNEHMENSBETEILIGUNGEN IM ZUGE DER MERGERS & ACQUISITIONS (M&A)
3.4. ALTERNATIVE ASSETS FÜR ALTERSFINANZIERUNG
3.5. VERÄNDERTE GESETZLICHE RAHMENBEDINGUNGEN
3.6. SCHWIERIGERE KREDITVERGABEMÖGLICHKEITEN IM RAHMEN VON BASEL II
4. VOLKSWIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN
4.1. GRENZEN DER UNTERSUCHUNG
4.2. ARBEITSPLÄTZE
4.3. EINKOMMEN
4.3.1. Arbeitseinkommen
4.3.2. Altersvorsorge
4.4. WACHSTUM
5. FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die volkswirtschaftlichen Auswirkungen von Private Equity (PE) in Deutschland, um der populistischen Debatte (z. B. "Heuschrecken"-Vergleich) eine fundierte Analyse entgegenzusetzen und die tatsächliche Rolle von PE-Gesellschaften zu beleuchten.
- Motivation und Funktionen von Private Equity-Gesellschaften
- Gründe für den Bedeutungszuwachs von PE in Deutschland
- Auswirkungen von PE-Investitionen auf Beschäftigung und Arbeitsplätze
- Einfluss von PE auf Unternehmenseinkommen und Wachstum
- Kritische Auseinandersetzung mit Datenverfügbarkeit und Markttransparenz
Auszug aus dem Buch
3.1. Nachfolgeprobleme
Vor allem im Buy-Out Bereich sind Nachfolgeprobleme ein Grund für den Einstieg von PE-Gesellschaften. Betroffen sind meist mittelständische Familienunternehmen, deren Erben nicht an der Weiterführung des Geschäftsbetriebes interessiert sind. Gerade wenn das Interesse an der Aufrechterhaltung des Betriebes besteht, werden passende Käufer gesucht. Hier treten die Beteiligungsgesellschaften auf den Plan: mit den nötigen finanziellen Mitteln und dem erforderlichen Wissen über Unternehmensstrukturen stellen sie einen idealen Abnehmer dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Private-Equity-Debatte, Vorstellung des "Heuschrecken"-Vergleichs und Darlegung der steigenden Bedeutung von PE im deutschen Markt.
2. WAS IST PRIVATE EQUITY?: Definition von Private Equity als Beteiligungsform außerhalb der Börse, Erläuterung der verschiedenen Finanzierungsphasen sowie der Exit-Optionen und inhärenter Risiken.
3. GRÜNDE FÜR DIE GESTIEGENE BEDEUTUNG VON PE: Analyse der Treiber für den PE-Boom, darunter Nachfolgeprobleme im Mittelstand, Basel II-Regulierungen und steuerliche Rahmenbedingungen.
4. VOLKSWIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN: Empirische Untersuchung der Auswirkungen von PE-Investitionen auf Arbeitsplätze, Unternehmenseinkommen und Wachstum unter Berücksichtigung von Datenbeschränkungen.
5. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Rolle von PE als notwendige Finanzierungsquelle, insbesondere bei fehlenden Alternativen im Mittelstand, bei gleichzeitiger Notwendigkeit kritischer Auswahl durch Investoren und Unternehmen.
Schlüsselwörter
Private Equity, Eigenkapital, Venture Capital, Buy-Out, Mittelstandsfinanzierung, Basel II, Heuschrecken-Debatte, Arbeitsmarkt, Unternehmenswachstum, Investition, Exitstrategien, Partnerunternehmen, Fundraising, Beschäftigungseffekte, Kapitalmarkt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle und die volkswirtschaftlichen Auswirkungen von Private Equity-Gesellschaften in Deutschland, insbesondere vor dem Hintergrund öffentlicher Kritik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung umfasst die Definition von PE, die Motive für deren verstärktes Auftreten (z. B. Nachfolgeprobleme, Finanzierungsengpässe) sowie Auswirkungen auf Beschäftigung und wirtschaftliches Wachstum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu evaluieren, ob Private Equity für die deutsche Wirtschaft eher destruktiv wirkt oder als notwendige Finanzierungsalternative fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Studienanalyse, die verschiedene empirische Untersuchungen (z. B. BVK, PWC, F.A.Z.-Institut) gegenüberstellt und kritisch hinterfragt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Funktionsweise von PE, die Motive für den Markteintritt (Gründe) und eine detaillierte Analyse der Auswirkungen auf Arbeitsplätze, Einkommen und Wachstum.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Private Equity, Buy-Out, Venture Capital, Mittelstandsfinanzierung, Basel II sowie die Beschäftigungs- und Umsatzentwicklung von Portfoliounternehmen.
Warum wird der "Heuschrecken"-Vergleich in der Arbeit thematisiert?
Der Vergleich wird aufgegriffen, um die populistische Kapitalismuskritik in einen sachlichen, wissenschaftlichen Kontext zu setzen und den realen volkswirtschaftlichen Nutzen oder Schaden zu prüfen.
Welchen Einfluss hat Basel II auf den Private Equity-Markt?
Basel II erschwert traditionelle Kreditvergaben für mittelständische Unternehmen, was die Bedeutung von Private Equity als alternative Eigenkapitalquelle massiv erhöht hat.
Wie bewertet die Autorin die Datenlage zu Private Equity?
Die Autorin weist auf eine mangelnde Transparenz und empirische Defizite hin, da die Daten meist auf freiwilligen Angaben der Interessengruppen basieren, was die Vergleichbarkeit erschwert.
Welche Rolle spielt das Management in Buy-Out-Szenarien?
In Management Buy-Outs (MBO) wird das bestehende Management zum Anteilseigner, was oft eine Win-Win-Situation erzeugt, da das Management das Unternehmen genau kennt und motivierter agiert.
- Quote paper
- Nathalie Dolatschko (Author), 2006, Volkswirtschaftliche Auswirkungen von Private Equity , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64638