Chancen- /Risikoprofile von Bonus-Zertifikaten: 'Teilkasko' für die Börse


Hausarbeit, 2006

31 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Strukturierte Produkte als Oberbegriff von Bonus-Zertifikaten
2.1 Definition und Basiselemente von strukturierten Produkten
2.2 Marktentwicklung und Einordnung von Bonus-Zertifikaten

3. Ausstattungsmerkmale eines Bonus-Zertifikates
3.1 Basiswert und Bezugsmenge
3.2 Basiskurs, Kursschwelle und Festbetrag
3.3 Zusatzbetrag (Partizipation) und Laufzeit

4. Auszahlungsszenarien und Komponenten eines Bonus-Zertifikats
4.1 Auszahlungsszenarien
4.2 Komponenten eines Bonus-Zertifikates
4.2.1 Rechtlichen und wirtschaftlichen Komponenten
4.2.2 Auszahlungsprofil der Down-and-out-Put Option
4.2.3 Gesamtauszahlungsprofil des Down-and-out-Puts und Long Calls

5. Chancen und Risiken
5.1 Chancenvergleich einer Investition in die Aktie und in das Bonus Zertifikat
5.2 Chancen- Risikovergleich als Begründung einer Investitionsentscheidung

6.Zusammenfassung
Literaturverzeichnis
Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

In den letzten Jahren hat sich eine Anlageart auf dem Finanzmarkt besonders stark entwickelt. Diese Anlageart heißt „strukturierte Produkte“. Die Banken haben in dem Bereich viele neue Finanzprodukte geschaffen, die für jede erwartete Marktentwicklung eine profitable Anlagestrategie bieten. Das Bonus-Zertifikat zählt dazu.

Bonus-Zertifikate sind relativ neue strukturierte Produkte, die seit 2003 auf dem Markt sind und werden von mehreren Emittenten zurzeit aktiv den institutionellen und privaten Anleger angeboten.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Struktur, den Eigenschaften und Chancen-/ Risikoprofilen von Bonus-Zertifikaten.

Das Ziel der Arbeit besteht darin, Bonus-Zertifikate als Finanzinnovation zu analysieren, deren Besonderheiten zu zeigen und zu untersuchen, zu welchen Anlagekonzepten die passen. Dabei werden Bonus-Zertifikate mit anderen strukturierten Produkten und Zertifikaten verglichen, um die eigenständige Position des Bonus-Zertifikates und Ähnlichkeiten mit anderen vergleichbaren oder verwandten Produkten zu zeigen.

Da die strukturierten Produkte aus mehreren Komponenten bestehen, werden eine Zerlegung von Bonus-Zertifikaten in die Basiselemente und eine Analyse deren Eigenschaften die wichtigste Untersuchungsmethoden sein. Zuerst wird die Funktionsweise von einzelnen Komponenten separat untersucht und danach die Funktionsweise des ganzen Produktes gezeigt. Eine andere Methode ist die Vergleichsmethode. Dabei werden die Bonus-Zertifikate kritisch mit anderen Investmentprodukten auf der Basis Auszahlungs-/Renditen-/Risikoprofile verglichen.

In dieser Arbeit werden spezielle finanzwirtschaftliche Literatur, einschlägige Internetseiten und aktuelle Emittentenprospekte verwendet.

Im Kapitel 2 werden rechtliche und wirtschaftliche Definitionen und die Basiselemente von strukturierten Produkten behandelt. Dabei werden die Entstehungsgründe und die Einordnung von Bonus-Zertifikaten gezeigt. Im 3. Kapitel geht es um die Ausstattungsmerkmale von Bonus-Zertifikaten. Im Kapitel 4 werden die Auszahlungsprofile und die Funktionsweise eines ausgewählten Bonus-Zertifikates und dessen Komponente gezeigt und analysiert.

Im Kapitel 5 werden die Chancen und Risiken von Bonus-Zertifikaten behandelt.

2. Strukturierte Produkte als Oberbegriff von Bonus-Zertifikaten

2.1 Definition und Basiselemente von strukturierten Produkten

Der Begriff „strukturiertes Produkt“ wird in der finanzwissenschaftlichen Literatur als eine Kombination von mehreren am Markt existierten Finanzprodukten definiert, der mindestens aus einem Basiselement des Kassa- und einem des Termingeschäftes besteht.[1]

Überwiegend werden strukturierte Produkte als Zertifikate oder Aktien-/ Indexanleihen emittiert. Aus der Emittentensicht gehören auch Partizipationszertifikate zu strukturierten Produkten, weil Absicherungsgeschäfte in dem Basiswert am Terminmarkt getätigt werden. So werden Partizipationszertifikate bei einer Emittentin (HSBC Trinkaus & Burkhardt KGaA) im Kapitel „Strukturierte Produkte“[2] beschrieben. Diese Meinung vertreten auch andere Autoren[3],4.

Strukturierte Produkte haben einen unterschiedlichen rechtlichen und wirtschaftlichen Status.

In Verkaufsprospekten werden Zertifikate, Aktien- und Indexanleihen oft als Schuldverschreibung mit basiswertbezogenem Rückzahlungswahlrecht der Emittentin genannt. Dies ist der rechtliche Status der Finanzprodukte.5

Ein Verkaufsprospekt von Sal. Oppenheim zeigt den wirtschaftlichen Status des Produktes. „Der Anleihegläubiger ist wirtschaftlich betrachtet sowohl Darlehensgeber der Emittentin als auch Verkäufer von Put-Optionen auf den Basiswert.

Als Ausgleich gewährt die Emittentin dem Erwerber der Teilschuldverschreibungen eine Verzinsung, die bei einer Emission deutlich über dem Marktniveau für vergleichbare Laufzeiten und Emittenten liegt“6.

Bei Emittenten bilden strukturierten Produkte eine rechtliche Einheit, d.h. einzelne Basiselemente können nicht ohne die anderen Basiselemente voneinander gehandelt werden. Zum Beispiel fallen Optionsanleihen nicht unter den Begriff der strukturierten Produkte, da Optionsanleihen in eine (ggf. minderverzinsliche) Anleihe und einen Optionsschein zerlegt und separat gehandelt werden können. Wenn strukturierte Produkte rechtlich aus einem Basiselement des Kassa- und einem des Termingeschäftes bestanden hätten, müssten die dann handelsrechtlich separat bilanziert werden.

Emittenten wollen, dass alle strukturierten Produkte rechtlich als Schuldverschreibungen mit basiswertbezogenem Rückzahlungswahlrecht der Emittenten und wirtschaftlich als Kombination von Basiselementen des Kassa- und Terminmarktes verstanden werden.

Welche Basiselemente als Bausteine für strukturierte Finanzprodukte gibt es, zeigt Abb. 2.1

Abb. 2.1: Basiselemente strukturierter Finanzprodukte7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wenn mindestens zwei Finanzinstrumente des Kassa- und Termingeschäftes miteinander kombiniert werden, spricht man von strukturierten Produkten.

Um diese Produkte sachgerecht miteinander zu kombinieren, haben Emittenten spezielle Abteilungen aufgebaut, die sich mit dem Konstruieren von neuen strukturierten Finanzprodukten beschäftigen. Der Prozess wurde „Financial Engineering“ genannt.

Die Frage, warum und wozu man strukturierte Produkte braucht, wird in folgendem Paragraphen beantwortet.

2.2 Marktentwicklung und Einordnung von Bonus-Zertifikaten

In den letzten Jahren wuchs der Kassamarkt für strukturierte Produkte explosionsartig. Es wurde eine große Vielfalt von neuen Finanzprodukten entwickelt. So wurden Finanzinnovationen geschaffen, die es für Anleger möglich machen, in jeder erwarteten Marktbewegung überdurchschnittliche Renditen zu erzielen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, welche Investorenwünsche durch Bonus-Zertifikate erfüllt werden können. Es gibt mehrere strukturierte Produkte auf dem Markt, die unterschiedliche Anlegerbedürfnisse befriedigen können:

- Klassische Aktienanleihen
- Protect-Aktienanleihen
- Break-Aktienanleihen
- Doppel-Aktienanleihen
- Indexanleihen
- Partizipationszertifikate
- Klassische Discount-Zertifikate
- Doppel-Discount-Zertifikate
- Barriere-Discount-Zertifikate
- Rolling-Discountzertifikate
- easy EXPRESS Zertifikate
- Garantiezertifikate
- Outperformance-Zertifikate
- Sprint-Zertifikate
- Bonus-Zertifikate.

Die Auflistung8 oben zeigt, dass die meisten der strukturierten Produkte in Form von Aktien-, Indexanleihen oder Zertifikaten emittiert wurden. Bonus-Zertifikate zählen dabei zu den neusten Produkten auf dem Finanzmarkt und gehören zu den Zertifikaten.

Der Begriff „Zertifikate“ umfasst eine Vielfalt von Investmentprodukten, der mehrere Ausprägungen hat. „Heute umfasst der Markt bereits über 30.000 Zertifikate, die um die Gunst der Anleger werben“.9

Ein Zertifikat ist ein „derivatives Finanzprodukt, das dem Inhaber die Partizipation an der Kursentwicklung des dem Zertifikat zugrunde liegenden Wertpapiers oder Finanzinstruments verbrieft. Dieses Underlying kann z. B. eine Einzelaktie, ein Index, ein Aktienkorb oder eine bestimmte Menge eines Rohstoffs sein. Zertifikate sind, rechtlich gesehen, Inhaberschuldverschreibungen, die von Banken und anderen Emittenten begeben werden und die zum Teil mit begrenzter, zum Teil mit unbegrenzter Laufzeit ausgestattet sind. Sie werfen keine laufenden Erträge wie Zinsen oder Dividenden ab und ihr Wert am Fälligkeitstag hängt von der Kursentwicklung des Basiswertes ab“.10

Man sieht, dass ein Zertifikat ein komplexes Produkt ist, da es folgende Merkmale hat11:

- wird von Banken und anderen Finanzinstituten emittiert,
- ist rechtlich eine Inhaberschuldverschreibung,
- hat keine laufende Erträge,
- besitzt einen Wert, der am Fälligkeitstag von der Kursentwicklung des Basiswertes (eine Einzelaktie, ein Index, ein Aktienkorb, Rohstoff, Währung usw.) abhängig ist,
- hat eine begrenzte oder unbegrenzte Laufzeit,
- ist über die Börse handelbar,
- hat jede Zeit einen von den Emittenten veröffentlichen aktuellen Wert,
- ermöglicht dem Inhaber begrenzte oder unbegrenzte Partizipation an der Kursentwicklung des Basiswertes.

Einige oben genannte Merkmale könnten als Klassifizierungskriterien von Zertifikaten angesehen werden: Basiswerte, Laufzeit, Höhe der Partizipation an der Kursentwicklung des Basiswertes.

Jetzt stellt sich die Frage, warum man in die Bonus-Zertifikate investieren soll, wenn es so viele andere Finanzinstrumente gibt? Eine Antwort darauf gibt der Vergleich von verschiedenen Anlagemöglichkeiten.

Abb.2.2: Anlagemöglichkeiten von verschiedenen Finanzinstrumenten12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Man sieht, dass Bonus-Zertifikate einzigartige Eigenschaften haben, die andere Anlagearten, inklusive Zertifikate, nicht vorweisen können. Also, bieten Bonuszertifikate eine langfristige Anlagemöglichkeit in der Risiko- Renditestufe „mittel“ mit 100%-er Partizipation an der Basiswertentwicklung, einem Risikopuffer und einem Bonusbetrag.

Man spricht über das Chancen-Risiko-Profil „mittel“ einer Investition, wenn die „Rendite im Durchschnitt zwischen 5-10% p.a. bei mittlerem Risiko“13 liegt. Das heißt, dass möglicher Verlust von mind. 10% des eingesetzten Kapitals einkalkuliert werden muss.

Jetzt kann man Bonus-Zertifikat als eine Anlageart eindeutig einordnen.

Abb. 2.3: Einordnung von Bonus-Zertifikaten

als eine Anlageart14

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein Bonus-Zertifikat ist ein strukturiertes Finanzprodukt, das aus mehreren Komponenten des Kassa- und Terminmarktes besteht, dessen Zahlungseigenschaften von der Kursentwicklung des Basiselementes (Index, Aktienkorb, einzelne Aktie, Währung, Rohstoff, usw.) abhängig sind. Es funktioniert wie ein Partizipationszertifikat mit einem Risikopuffer und einem Bonus.

[...]


[1] Vgl. Wilkens, S., Stoimenov, P.-A., Strukturierte Finanzprodukte am deutschen Kapitalmarkt, Finanz Betrieb Heft 7-8, Juli 2005, S. 512

[2] Vgl. Szczesny, A., Optionsscheine, Zertifikate und Strukturierte Produkte, 5. Aufl., Düsseldorf 2005, S. 89 ff

[3] Vgl. Beike, R., Schlütz, J., Finanznachrichten lesen – verstehen – nutzen , 4. Aufl., Stuttgart 2005, S. 437

4Vgl. Schlotthauer, K.-H., Arbeitsunterlagen Kapitalanlagen I WS 2005/06, Frankfurt 2005, S. 5

5 Vgl. Sal. Oppenheim Classic-AktienanleienVerkaufsprospekt 07. Oktober 2005, Frankfurt am Main 2005, S.2,www.oppenheim-derivate.de

Goldman, Sachs. Bonus Zertifikate bezogen auf Indizes. Endgültige Angebotsbedingungen vom12.Dezember 2005 zum Basisprospekt gemäß § 6 Wertpapierprospektgesetz vom 30. September 2005,S.3

HSBC Basisprospekt vom 30. September 2005 für Index-Express Pro Anleihen,www.hsbc-tip.de

6 Sal. Oppenheim Classic-AktienanleienVerkaufsprospekt 07. Oktober 2005, Frankfurt am Main 2005, S.8,www.oppenheim-derivate.de

7 Erstellt vom Autor. Quelle: In Anlehnung an: M. Wilkens, H. Scholz u. J. Völker: Duplikation und Bewertung strukturierter Finanzprodukte – Callable Stepup Bonds, Die Bank, 39. Jg. (1999), Heft 4, S. 263; M. Wilkens: Individualisierte Bankprodukte – ein Ansatzpunkt zur Stärkung der Marktstellung von Filialbanken gegenüber Direktbanken, in: Finanzielle Märkte und Banken – Innovative Entwicklungen am Beginn des 21. Jahrhunderts, Hrsg. J. Holst u. M. Wilken

8 Vgl. Szczesny, A., Optionsscheine, Zertifikate und Strukturierte Produkte, 5. Aufl., Düsseldorf 2005, S.6

9 Schmidt, S., Handbuch der Zertifikate, 2. Aufl., Berlin 2005, S. 27

10 Szczesny, A., Optionsscheine, Zertifikate und Strukturierte Produkte, 5. Aufl., Düsseldorf 2005, S.194

11 Vgl.Schmidt, S., Handbuch der Zertifikate, 2. Aufl., Berlin 2005, S. 14

12 die Tabelle wurde vom Autor erstellt.

13 Wiehle, U., Diegelman, M., Deter, Henruk., Finanzprodukte für Privatanleger, 1. Aufl.,Wiesbaden 2005, S 5

14 Das Organigramm wurde vom Autor erstellt. Vgl. Schlotthauer, K.-H., Arbeitsunterlagen Kapitalanlagen I WS 2005/06, Frankfurt 2005, S. 4-5. Vgl. Tabbert, J., Arbeitsunterlagen Kapitalanlagen II WS 2005/06, Systematisierung von Zertifikaten, Handschrift vom 16.12.2005, Frankfurt 2005,

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Chancen- /Risikoprofile von Bonus-Zertifikaten: 'Teilkasko' für die Börse
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Veranstaltung
Finanzdienstleistungen
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
31
Katalognummer
V64658
ISBN (eBook)
9783638574136
ISBN (Buch)
9783638844062
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Struktur, den Eigenschaften und Chancen-/ Risikoprofilen von Bonus-Zertifikaten.
Schlagworte
Chancen-, Bonus-Zertifikaten, Teilkasko, Börse, Finanzdienstleistungen
Arbeit zitieren
Yury Evteev (Autor), 2006, Chancen- /Risikoprofile von Bonus-Zertifikaten: 'Teilkasko' für die Börse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64658

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