Die folgende Arbeit wird versuchen, anhand der überlieferten Quellen Voraussetzungen, Umstände und Ablauf der Gründung der korinthischen Kolonie Syrakus auf Sizilien zu skizzieren. Syrakus gehört mit einem Gründungsdatum von 733 v.Chr. zu den frühesten Gründungen im Westen, dementsprechend schwierig gestaltet sich die Quellenlage. Aus der Gründungsphase sind keine schriftlichen Zeugnisse auf uns gekommen, das Quellenmaterial beschränkt sich auf nicht selten bruchstückhafte oder widersprüchliche Erkenntnisse aus dem Bereich der Archäologie und auf nicht zeitgenössische schriftliche Quellen.
Thukidides´ Geschichte des Peloponnesischen Krieges ist eine der Hauptquellen zur sizilischen Kolonisation, obwohl er sich in Bezug auf die Frühgeschichte und die der Gründungen auf wenige Angaben beschränkt. Seine relative Chronologie der griechischen Kolonien ist in weiten Bereichen archäologisch fundiert und wird allgemein in der Forschung akzeptiert. Leider finden sich weder Angaben seiner Quellen noch Ergänzungen und Belege, mit denen Thukidides seine Argumentation stützt. Pearson nimmt an, Thukidides beziehe sich in seiner Chronologie auf die verlorengegangenen Texte des Antiochos von Syrakus, der vermutlich mit einer Generationenrechnung die Gründungsdaten erschlossen habe.
Wie das Material des Antiochos von Syrakus sind auch die Texte von Hippys von Rhegion verloren, so daß sich an vielen Stellen nur Angaben bei Autoren finden, die noch weiter von der Geschehenszeit entfernt lebten. Zu diesen Autoren zählen Plutarch, Diodorus, Polybius oder Strabon, die an ältere Texte oft nur über Timaeus gelangten.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2.Hauptteil
2.1. Sizilien vor der griechischen Kolonisation
2.1.1. Die Vorgeschichte Siziliens
2.1.2.Vorkoloniale Kontakte mit dem Westen
2.2. Koloniegründung
2.2.1. Die ersten sizilischen Kolonien: Syrakus und Naxos
2.2.2. Ansprüche an den Siedlungsplatz
2.2.3. Die „Brückenkopfsiedlung“ Syrakus
2.2.4. Archias. Die Person des Gründers
2.3. Motive und Gründe der Kolonisationsbewegung
2.3.1. Diskussion der allgemeinen Begründungsansätze
2.3.2. Bewertung
2.3.3. Motive für die Gründung der Kolonie Syrakus
2.4. Die Rolle Delphis
2.4.1. Diskussion der Existenz des Orakels vor den ersten Gründungen
2.4.2. Das Orakel für Syrakus
2.4.3. Einfluß Delphis auf die frühe Kolonisation
3.Schlußteil
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Voraussetzungen, Umstände und den konkreten Ablauf der Gründung der korinthischen Kolonie Syrakus auf Sizilien im Jahr 733 v. Chr., wobei sie die oft bruchstückhafte Quellenlage kritisch analysiert und Forschungsdebatten über Motive und Siedlungsprozesse einordnet.
- Quellenkritische Untersuchung der frühen sizilischen Kolonisationsgeschichte
- Analyse der geographischen und strategischen Standortwahl von Syrakus
- Diskussion der sozio-ökonomischen Motive für die griechische Kolonisationsbewegung
- Untersuchung der Rolle des Orakels von Delphi bei der Koloniegründung
- Bewertung des Verhältnisses zwischen Mutterstadt Korinth und der Kolonie
Auszug aus dem Buch
2.2.3. Die „Brückenkopfsiedlung“ Syrakus
Die Insel von Syrakus, die Ortygia, ist ein nach Süden vorspringender Kalkblock von 40 ha Größe. Sie ist ursprünglich ohne Verbindung zur Schwemmlandebene des Anapos, die sich nach Westen in einer Breite von 2 km anschließt. Insel und Ebene bilden den gut geschützten Großen Hafen. Nördlich schließt sich eine Festlandsschräge von 273 ha Größe an.
Die geringe Größe und die festungsähnliche Gestalt der Insel führten mit der geringen Entfernung zum Festland zu einem einzigartigen Siedlungstypus, den Dunbabin (52) „double city“ nennt. Wie Drögemüller, der den Begriff „Brücken-kopfsiedlung“ einführt, geht Dunbabin von einer zeitgleichen Besiedlung von Insel und gegenüberliegendem Festland aus.
Sowohl Dunbabin als auch Drögemüller widersprechen damit der Überlieferung in Thukidides, der von einer späteren Besiedlung der Schwemmlandebene ausgeht. Drögemüller argumentiert, Thukidides sei von einer früheren „Rundumbesiedlung aller sizilischen Kaps und Inseln“ durch die Phöniker ausgegangen, und damit von einer Adaption des phönikischen Siedlungstyps des küstennahen Handelsstützpunktes ohne sofortiges Übergreifen auf das Hinterland.
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Einleitung umreißt die Zielsetzung, die Gründungsdaten von Syrakus und die Herausforderungen der schwierigen Quellenlage durch archäologische und literarische Befunde.
2.Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die Vorgeschichte Siziliens, die Bedingungen der Koloniegründung, die zugrundeliegenden Motive und die Bedeutung delphischer Orakelsprüche für den Prozess.
3.Schlußteil: Der Schlußteil fasst die Ergebnisse zusammen, betont die teils widersprüchlichen wissenschaftlichen Forschungsmeinungen und unterstreicht die Dynamik der Forschung durch fortlaufende Ausgrabungen.
Schlüsselwörter
Syrakus, Kolonisation, Sizilien, Korinth, Archias, Thukidides, griechische Antike, Siedlungsgeschichte, Ortygia, Delphi, Orakel, Handelskolonie, Archäologie, Stadtgründung, Westgriechenland
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit den Hintergründen, den Umständen und dem Ablauf der Gründung der griechischen Kolonie Syrakus auf Sizilien durch Siedler aus Korinth im Jahr 733 v. Chr.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Zentrale Themen sind die geographische Standortwahl, die Motive der Kolonisationsbewegung, die archäologische und historische Quellenlage sowie die religiöse Legitimation durch das Orakel von Delphi.
Was ist das Hauptziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, anhand der überlieferten Quellen ein fundiertes Bild über die Voraussetzungen und den Gründungsprozess von Syrakus zu zeichnen und die verschiedenen, teils widersprüchlichen Forschermeinungen dazu zu diskutieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit stützt sich auf eine quellenkritische Analyse antiker Autoren wie Thukidides, Plutarch und Strabon, ergänzt durch den Abgleich mit archäologischen Befunden und modernen Forschungsdebatten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des vorgriechischen Siziliens, die spezifische Analyse der Koloniegründung und deren Standortvorteile, die ökonomischen und politischen Beweggründe der Kolonisten sowie die Rolle delphischer Orakel.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Syrakus, Kolonisation, Westgriechenland, Siedlungsgeschichte, Korinth und Quellenkritik geprägt.
Warum wird Syrakus als "Brückenkopfsiedlung" bezeichnet?
Der Begriff bezieht sich auf die spezielle topographische Lage, bei der die Insel Ortygia als gesicherter Ausgangspunkt diente, um von dort aus sowohl den Hafen zu kontrollieren als auch das angrenzende Festland zu erschließen.
Welche Bedeutung hatte die Person Archias für die Gründung?
Archias gilt als Oikist (Gründer) der Kolonie. Während Thukidides ihn lediglich als korinthischen Herakliden einführt, überliefern spätere Autoren wie Plutarch anekdotische Hintergründe zu seiner Motivation, die den Gründungsmythos stärker betonen.
- Quote paper
- Bastian Pütter (Author), 1997, Syrakus - Die Gründung einer griechischen Kolonie auf Sizilien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64662