„Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sieht sich die Menschheit einer historisch einmaligen Bedrohung gegenüber: Die zivilisatorische Selbstgefährdung als Folge der drohenden Klimakatastrophe kann nur durch entschiedene Schritte in den nächsten ein bis zwei Generationen, also innerhalb der nächsten 20 bis 40 Jahre, abgewendet werden. Die Nutzung der Atmosphäre als Müllkippe für die vom Menschen verursachten Treibhausgase hat eine unumkehrbare Erwärmung der Erde in Gang gesetzt. Wenn der Ausstoß von klimaschädlichen Gasen, vor allem durch die Verbrennung fossiler Energien, weiter zunimmt, droht ein flächendeckender Zusammenbruch der ökologischen und gesellschaftlichen Systeme. Die Zukunft der Menschheit hängt somit von der Fähigkeit der Völkergemeinschaft ab, wirksame Maßnahmen zur Abwehr der schlimmsten Klimagefahren sowie zur Anpassung an die heute schon nicht mehr aufzuhaltenden Erwärmung zu ergreifen“(Fues 2003: 195). Das Zitat von Thomas Fues zeigt deutlich, wie dringend und zeitnah das Problem der globalen Klimaveränderung von der internationalen Staatengemeinschaft gelöst werden muss. Die Erkenntnis, dass Nationalstaaten allein den bestehenden globalen Umweltproblemen nicht mehr Herr werden können, zieht als logische Konsequenz die Frage nach sich, wie sich diese Probleme im internationalen System lösen lassen. Einen Lösungsansatz bieten internationale Regime. Ob diese Art von internationaler Zusammenarbeit jedoch eine Lösung von globalen Umweltproblemen darstellt, soll in dieser Arbeit untersucht werden.
Um mich der Beantwortung der Frage theoretisch zu nähern, werde ich zunächst allgemein die Regimetheorie als Erklärungsansatz für Kooperation im internationalen System vorstellen. Im Folgenden werde ich dann auf die Entwicklung und Funktion von internationalen Umweltregimes eingehen. Um zu prüfen, ob und inwieweit internationale Regime eine Lösung für globale Umweltprobleme darstellen, werde ich das sogenannte internationale Klimaregime vorstellen. Da die Verhandlungen über eine internationale Klimapolitik bis zum heutigen Tage noch nicht abgeschlossen sind, wird mein besonderer Augenmerk auf den Verhandlungen zu einer Klimarahmenkonvention im Rahmen des International Committee for a Framework Convention on Climate Change (INC), der United Nations Conference on Environment and Development (UNCED) 1992 in Rio de Janeiro sowie auf dem sogenannten Kyoto-Protokoll von 1997 liegen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 THEORETISCHER RAHMEN
2.1 Die Regimetheorie
2.2 Entwicklung und Funktion von internationalen Umweltregimes
3 DIE ENTWICKLUNG DER INTERNATIONALEN KLIMAPOLITIK
3.1 Verhandlungen über eine globale Klimarahmenkonvention (KRK)
3.2 Ergebnisse der Rahmenkonvention von Rio de Janeiro
3.3 Das Kyoto-Protokoll
4 FAZIT / BEWERTUNG
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, ob internationale Regime ein geeignetes Mittel zur Lösung globaler Umweltprobleme darstellen. Im Zentrum steht die Analyse des Klimaschutzregimes, ausgehend von der theoretischen Fundierung durch die Regimetheorie bis hin zu den praktischen Verhandlungsergebnissen der Klimarahmenkonvention und des Kyoto-Protokolls.
- Regimetheorie als Erklärungsansatz für internationale Kooperation
- Entwicklung und Dynamik internationaler Umweltregimes
- Verhandlungsprozesse um die globale Klimarahmenkonvention
- Struktur und Mechanismen des Kyoto-Protokolls
- Interessenkonflikte und die Rolle der Vereinigten Staaten
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Regimetheorie
Die Regimetheorie entstand Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre in den USA in kritischer Auseinandersetzung mit der in den Internationalen Beziehungen damals vorherrschenden Theorie des Neorealismus. Da die Regimetheorie den Institutionen im internationalen System eine besondere Bedeutung zumisst, wird sie dem Neoinstitutionalismus zugeordnet. Das Hauptaugenmerk liegt hier eher auf Fragen internationaler Zusammenarbeit denn auf Konflikten und Problemen zwischen Staaten. Ähnlich wie der Neorealismus geht die Regimetheorie davon aus, dass Staaten die wichtigsten Akteure in einer anarchisch strukturieren Welt sind und interessengeleitet und rational handeln (vgl. Zangl 2003: 117).
Jedoch unterscheidet sich die Regimetheorie vom Neorealismus in entscheidenden Punkten. Entgegen der Theorie hegemonialer Stabilität, in der Kooperation nur möglich ist, wenn ein Hegemon bereit ist, diese Kooperation gegenüber anderen Akteuren durchzusetzen, lässt der Ansatz der Regimetheorie die Folgerung zu, dass Kooperation auch ohne hegemoniale Strukturen im internationalen System möglich ist, nämlich dann, wenn „Kooperation angesichts zunehmend komplexer Interdependenzbeziehungen über Staatsgrenzen hinweg im gemeinsamen Interesse aller beteiligten liegt“ (Zangl 2003: 117, vgl. Keohane 1983, 142).
Außerdem postuliert die Regimetheorie, dass internationale Institutionen durchaus Bedeutung haben, da sie in der Lage sind, Staaten bei der gemeinsamen Lösung von Kooperationsproblemen zu unterstützen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung stellt die Dringlichkeit der globalen Klimakrise dar und formuliert die Forschungsfrage, ob internationale Regime zur Bewältigung dieses Problems beitragen können.
2 THEORETISCHER RAHMEN: Dieses Kapitel führt die Regimetheorie als Erklärungsansatz für Kooperation ein und erläutert die Mechanismen sowie die funktionale Dynamik internationaler Umweltregimes.
3 DIE ENTWICKLUNG DER INTERNATIONALEN KLIMAPOLITIK: Es werden die Verhandlungen zur Klimarahmenkonvention von Rio de Janeiro sowie die Entstehung und Ausgestaltung des Kyoto-Protokolls detailliert analysiert.
4 FAZIT / BEWERTUNG: Das Fazit bewertet das Klimaregime hinsichtlich seiner Entstehung, Wirksamkeit und Stabilität, wobei insbesondere die Rolle der USA als Bremser hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Internationale Regime, Regimetheorie, Klimapolitik, Klimarahmenkonvention, Kyoto-Protokoll, Treibhausgase, Internationale Zusammenarbeit, Umweltschutz, Klimawandel, UNFCCC, Emissionshandel, Implementationskontrolle, Politische Interessen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Wirksamkeit internationaler Umweltregime zur Lösung globaler Umweltprobleme am Beispiel des internationalen Klimaschutzregimes.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen durch die Regimetheorie, die Genese der Klimarahmenkonvention sowie die spezifischen Mechanismen und Ziele des Kyoto-Protokolls.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, ob internationale Regime im gegenwärtigen anarchischen System tatsächlich in der Lage sind, globale Umweltprobleme effektiv zu lösen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine politikwissenschaftliche Analyse auf Basis der Regimetheorie durchgeführt, um die Dynamiken und Ergebnisse der internationalen Klimaverhandlungen zu bewerten.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Entstehung des Klimaregimes, die Konfliktlinien zwischen den Staaten während der Rio-Konferenzen und die operativen Instrumente des Kyoto-Protokolls.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Klimaschutzregime, Regimetheorie, globale Umweltpolitik, Interessenkonflikte und internationale Kooperation geprägt.
Warum wird im Dokument so stark auf die Rolle der USA eingegangen?
Die USA nehmen als einer der größten Emittenten von Treibhausgasen eine Schlüsselrolle ein, deren politische Haltung maßgeblich über Erfolg oder Misserfolg multilateraler Klimaabkommen entscheidet.
Welche Rolle spielen die flexiblen Mechanismen des Kyoto-Protokolls?
Sie sollen Industriestaaten ermöglichen, ihre Verpflichtungen zur Reduktion von Treibhausgasen kosteneffizient zu erfüllen, bergen jedoch auch das Risiko, dass Ziele durch Umgehung aufgeweicht werden.
Was ist das zentrale Fazit der Autorin bezüglich des Klimaregimes?
Das Klimaregime wird zwar als formeller Erfolg gewertet, doch die schwierige Umsetzung und der Widerstand großer Emittenten zeigen die Grenzen der Lösung globaler Probleme durch derartige Verträge auf.
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- Mamke Kühl (Author), 2005, Können internationale Umweltregime globale Umweltprobleme lösen? Eine Analyse am Beispiel des Klimaschutzregimes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64669