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Zur Verwendung von Funktionsverbgefügen in medizinischen Aufklärungsbögen für PatientInnen

Title: Zur Verwendung von Funktionsverbgefügen in medizinischen Aufklärungsbögen für PatientInnen

Term Paper (Advanced seminar) , 1995 , 35 Pages , Grade: gut (2+)

Autor:in: Dr. Klaus Geyer (Author)

German Studies - Linguistics
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Diese Arbeit knüpft an ein Seminar über Phraseologie/Idiomatik der deutschen Gegenwartssprache an. Besonders interessant finde ich dabei eine Art von Ausdrücken, die sicherlich an der Peripherie des gesamten Bereichs Phraseologie/Idiomatik anzusiedeln ist: die Funktionsverbgefüge (FVG); und zwar nicht so sehr deren grammatische Form, sondern v.a. die Funktionen, die sie in einem Text erfüllen.
Die FVG sind eine Art von Ausdrücken, die zum einen überwiegend in der geschriebenen Sprache, zum anderen überwiegend in den Fachsprachen und in der Sprache der Verwaltung vorkommen. Die Idee, Aufklärungsbögen, wie man sie als PatientIn vor Untersuchungen bzw. Behandlungen zum Lesen und Unterschreiben bekommt, auf den speziellen Aspekt der FVG hin zu analysieren, liegt darin begründet, daß ich aus meiner früheren beruflichen Praxis als Krankenpfleger im Krankenhaus diese Bögen, und insbesondere auch den gesamten Aufklärungsprozeß als ziemlich zweifelhaft und unbefriedigend in Erinnerung habe: eine genauere Untersuchung liegt dann nahe, weil es sich bei den Aufklärungsbögen um geschriebene Sprache handelt, die ganz sicher fachsprachliche Züge aufweist; aber es handelt sich nicht um geschriebene Sprache zur fachsprachlichen Kommunikation, sondern zur Kommunikation zwischen Fachleuten und Laien. Diese ist m.E. nicht nur besonders interessant, sondern auch im Fall der Aufklärung vor einem Eingriff überaus wichtig - zumindest für den Patienten/die Patientin.
Die Frage, ob PatientInnen gut, d.h. v.a. umfassend und ihren Voraussetzungen entsprechend aufgeklärt werden, wird diese Arbeit selbstverständlich nicht beantworten können. Ich hoffe aber, daß ich einige Erkenntnisse über die Tauglichkeit eines der "Werkzeuge" zur Aufklärung, eben die Aufklärungsbögen, gewinnen kann.
Die Textgrundlage meiner Arbeit besteht aus 46 Aufklärungsbögen, vorwiegend aus dem Bereich der Therapie und Diagnostik innerhalb der Inneren Medizin, d.h. aus dem Bereich, in dem ich selbst als Krankenpfleger mehrere Jahre gearbeitet habe. Die Bögen stammen teils aus dem Klinikum der Stadt Nürnberg, teils aus der Universitätsklinik Kiel und werden in den beiden Kliniken aktuell zur Aufklärung verwendet. Eine Übersicht über die Aufklärungsbögen findet sich im Anhang.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Zu dieser Arbeit

2 Vorüberlegung 1: Zur Aufklärung

2.1 Grundsätzliches

2.2 Die Bedeutung der Aufklärungsbögen im Aufklärungsprozeß

3 Vorüberlegung 2: Funktionsverbgefüge

4 Die Funktionsverbgefüge in den Aufklärungsbögen

4.1 Überblick über die Funktionen der FVG allgemein

4.2 Zwei wichtige Eigenschaften der FVG

4.2.1 Die Zweiteiligkeit des Verbs

4.2.2 Die Tendenz zur Nominalisierung

4.3 Allgemeinsprachliche, fachsprachliche und textsortenspezifisch besonders interessan te Funktionen

4.3.1 Allgemeinsprachliche Funktionen

4.3.1.1 Schließen lexikalischer Lücken

4.3.1.2 Ausdrücken allgemeiner Bedeutungen

4.3.1.3 Stilistische Variation

4.3.2 Fachsprachliche Funktionen

4.3.2.1 Veränderung der Mitteilungsperspektive

4.3.1.2 Ausdrücken allgemeiner Bedeutungen

4.3.2.3 Vereinheitlichung von Rektion

4.3.3 Textsortenspezifisch besonders interessante Funktionen

4.2.3.1 Passivausdruck

4.3.3.2 Fachtermini

5 Kritik an Deagentivierung und Nominalstil in den Aufklärungsbögen

5.1 Deagentivierung

5.2 Nominalstil

6 Resümee und offene Fragen

7 Literatur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Verwendung und Funktion von Funktionsverbgefügen (FVG) in medizinischen Aufklärungsbögen. Ziel ist es zu analysieren, wie diese sprachlichen Konstruktionen zur Fachsprachlichkeit der Dokumente beitragen und inwieweit sie die Kommunikation zwischen medizinischem Fachpersonal und PatientInnen beeinflussen, anstatt eine laienverständliche Aufklärung zu unterstützen.

  • Analyse der sprachlichen Struktur und Funktion von Funktionsverbgefügen
  • Untersuchung von Deagentivierung und Nominalstil in medizinischen Texten
  • Bewertung der Verständlichkeit von Aufklärungsbögen für PatientInnen
  • Vergleich zwischen ärztlicher Fachsprache und den Informationsbedürfnissen von Laien

Auszug aus dem Buch

Die Bedeutung der Aufklärungsbögen im Aufklärungsprozeß

Die o.g. praktische Verbindung der Punkte "Aufklärung" und "Einverständniserklärung" ergibt sich daraus, daß unsere Texte, die ich bisher dem Klinikjargon folgend "Aufklärungsbögen" genannt habe (und auf die ich trotz allem auch weiterhin diese wenig exakte, aber allgemein gebräuchliche Bezeichnung anwenden werde), sowohl zur Aufklärung beitragen als auch am Ende ein Formular zur Einverständniserklärung beinhalten.

Die unpräzise Bezeichnung "Aufklärungsbogen" wird z.T. auch von den VerfasserInnen der Bögen verwendet, z.B. für diejenigen der gastroenterologischen Abteilung des Klinikums Nürnberg. Treffender benennt der perimed Verlag die meisten seiner Bögen: "Merkblatt zum Aufklärungsgespräch mit dem Arzt/der Ärztin über ... (den vorgesehenen Eingriff; meine Ergänzung)". Denn in der Tat darf ein wie auch immer gearteter Aufklärungsbogen das Aufklärungsgespräch zwischen Arzt/Ärztin und PatientIn nicht ersetzen: "Auch die Übergabe von schriftlichem Aufklärungsmaterial, in denen die möglichen Nebenwirkungen und Risiken einer bestimmten Behandlungsmethode aufgeführt sind, reichen keinesfalls als Aufklärung des Patienten aus." Der Aufklärungsbogen soll für das Aufklärungsgespräch also eine erste Orientierung für den Patienten/die Patientin sein, wichtige Anhaltspunkte bieten und Hilfen bereitstellen, z.B. in Form von bildlichen Darstellungen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Zu dieser Arbeit: Einführung in die Thematik der Funktionsverbgefüge im Kontext medizinischer Aufklärungsbögen und Erläuterung der Motivation sowie des Textkorpus.

2 Vorüberlegung 1: Zur Aufklärung: Darlegung der rechtlichen und ethischen Anforderungen an eine Patientenaufklärung sowie die Rolle des Aufklärungsbogens als Dokumentationshilfe.

3 Vorüberlegung 2: Funktionsverbgefüge: Definition und morphologische Abgrenzung der Funktionsverbgefüge als zentraler Untersuchungsgegenstand der Arbeit.

4 Die Funktionsverbgefüge in den Aufklärungsbögen: Detaillierte Analyse der syntaktischen und semantischen Funktionen von Funktionsverbgefügen in der untersuchten Textsorte.

5 Kritik an Deagentivierung und Nominalstil in den Aufklärungsbögen: Kritische Auseinandersetzung mit der fachsprachlichen Tendenz zur Entpersönlichung und Komprimierung, die das Verständnis für Laien erschwert.

6 Resümee und offene Fragen: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und kritischer Ausblick auf die Qualität der aktuellen Aufklärungsbögen.

7 Literatur: Verzeichnis der herangezogenen linguistischen und medizinischen Fachliteratur.

Schlüsselwörter

Funktionsverbgefüge, FVG, Aufklärungsbögen, Medizinische Fachsprache, Patientenaufklärung, Deagentivierung, Nominalstil, Laienkommunikation, Informed Consent, Sprachökonomie, Textsortenanalyse, Patienteninformation, Medizinische Kommunikation, Klinikjargon, Syntax.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die sprachliche Gestaltung von medizinischen Aufklärungsbögen unter besonderer Berücksichtigung der Funktionsverbgefüge (FVG) und deren Rolle im Aufklärungsprozess.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die fachsprachliche Ausdrucksweise in der Medizin, die Verwendung von Deagentivierung und Nominalstil sowie die Diskrepanz zwischen der ärztlichen Dokumentationspflicht und der Notwendigkeit einer verständlichen Patientenaufklärung.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es, die sprachlichen Funktionen von FVG in der Textsorte "Aufklärungsbogen" aufzuzeigen und kritisch zu bewerten, inwiefern diese die Verständlichkeit für den Patienten fördern oder behindern.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?

Der Autor nutzt eine linguistische Analyse des Textkorpus von 46 Aufklärungsbögen, wobei er syntaktische und semantische Funktionen (Leistungen) der FVG untersucht und theoretische Ansätze aus der Grammatik und Phraseologie anwendet.

Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert verschiedene Funktionen der FVG wie die Zweiteiligkeit des Verbs, die Tendenz zur Nominalisierung, den Passivausdruck und die Einbindung von Fachtermini sowie deren Auswirkungen auf die Textgestaltung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?

Die Untersuchung wird durch Begriffe wie Funktionsverbgefüge, Medizinische Fachsprache, Deagentivierung, Nominalstil und Patientenaufklärung charakterisiert.

Wie bewertet der Autor den Einsatz von Funktionsverbgefügen in den Bögen?

Der Autor bewertet den Einsatz kritisch, da Funktionsverbgefüge eher zur fachsprachlichen Verdichtung beitragen, als eine für den Laien verständliche Aufklärung zu gewährleisten, was die Rolle der Bögen zu reinen Hilfsmitteln für Mediziner degradiert.

Welche Rolle spielt die Deagentivierung in den untersuchten Dokumenten?

Deagentivierung ist ein wichtiges Mittel, um handelnde Personen (z.B. den Arzt) aus den Sätzen zu entfernen, was oft den Fokus von einer persönlichen Interaktion hin zu einem eher sachlichen "Fall" verschiebt und die Entpersönlichung des Aufklärungsprozesses verstärkt.

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Details

Title
Zur Verwendung von Funktionsverbgefügen in medizinischen Aufklärungsbögen für PatientInnen
College
Christian-Albrechts-University of Kiel  (Germanistisches Seminar)
Course
Hauptseminar: Phraseologie/Idiomatik der deutschen Gegenwartssprache
Grade
gut (2+)
Author
Dr. Klaus Geyer (Author)
Publication Year
1995
Pages
35
Catalog Number
V6477
ISBN (eBook)
9783638140386
Language
German
Tags
Phraseologie Idiomatik Arzt-Patienten-Gespräch Kommunikation im Krankenhaus Medizinische Kommunikation Funktionsvergefüge Nominalstil
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. Klaus Geyer (Author), 1995, Zur Verwendung von Funktionsverbgefügen in medizinischen Aufklärungsbögen für PatientInnen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6477
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