Winston Churchill: "Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen - abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind."
Die Demokratie ist die beste Staatsform, die wir kennen; dennoch ist sie nicht die Idealform. Die „Herrschaft des Volkes“ als die Demokratie gerne beschrieben wird, gibt es weder heute noch gab es sie zu Zeiten als die klassischen Demokratietheorien verfasst wurden. Während die ältere Staatsformenlehre von einer direkten Demokratie ausgeht, wie sie in der griechischen Polis zu finden war, gründet demokratische Herrschaft heute auf dem Prinzip der Volkssouveränität und der politischen Gleichheit - unabhängig von Geschlecht, Rasse und Konfession. So wenig wie es die Demokratie gibt, so wenig gibt es auch die Demokratietheorie. Vielmehr entpuppt sich die Demokratie als eine Herrschaft der Mehrheit über eine Minderheit, in der die Frage des Abstimmungsmodus entscheidend ist. Entscheidungsprozesse orientieren sich am Ideal der Kompromissfindung; ob dieser Kompromiss nun eine absolute, einfache, qualifizierte Mehrheit oder Einstimmigkeit verlangt, ist eine Frage der Sichtweise. Demokratischen Systemen wird häufig eine Tendenz zum Verharren im Status Quo nachgesagt. Als Alternative kann eine direkte Demokratie gesehen werden, was jedoch in großen Flächenstaaten und angesichts der großen Komplexität der Entscheidungen unmöglich zu verwirklichen ist. So gelangt man zwangsläufig zum Modell der repräsentativen Demokratie; wobei auch diese Staatsform neuralgische Punkte aufweist. Zum einen die Schnittstelle zwischen Repräsentierten und Repräsentanten; sowie innerhalb des Regierungssystems die Beziehung zwischen den politisch Herrschenden. In der vorliegenden Arbeit sollen nun die Demokratietheorien von Alexis de Tocqueville und John Stuart Mill näher betrachtet werden, die beide als Vordenker der Repräsentativdemokratie im 19. Jahrhundert gelten. Während bei Tocqueville kein einheitlich liberales Gedankengebäude zu erkennen ist, kann Mill eindeutig als liberal eingestuft werden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE DEMOKRATIETHEORIEN VON TOCQUEVILLE UND MILL
1. Zielkonflikt zwischen Freiheit und Gleichheit: Alexis de Tocqueville als Theoretiker der Massendemokratie
1.1. Siegeszug der Demokratie
1.2. Tocquevilles Freiheitsbegriff
1.3. Spannungsfeld von Freiheit und Gleichheit
1.4. Zentralisation der Verwaltung
1.5. Der „Liberale einer neuen Art“
2. John Stuart Mills liberale Theorie der Repräsentativdemokratie
2.1. Demokratietheoretische Wurzeln
2.2. Gefahren der „alten Demokratie“
2.3. Bedingungen des Wahlrechts
2.4. Mills Freiheitsprinzip
2.5. Partizipation und Repräsentation in Mills Idealstaat
2.6. Sozialisations- und Kompetenzsteigerungseffekte durch politische Partizipation
3. ELITÄRE STRUKTUREN BEI TOCQUEVILLE UND MILL
1. Zum Begriff der Eliten
1.1. Klassische Elitetheorien
1.2. Die liberale Elitentheorie
1.3. Zwischenfazit
2. Tocquevilles Auffassung von der Elite als intermediäre Instanz
3. Mill zwischen Sozialliberalismus und Elitenherrschaft
4. FAZIT: UNTERSCHIEDE TOCQUEVILLE – MILL
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Demokratietheorien von Alexis de Tocqueville und John Stuart Mill mit dem Ziel, elitäre Tendenzen in deren Modellen der Repräsentativdemokratie zu identifizieren und kritisch zu hinterfragen.
- Vergleich des Freiheits- und Gleichheitsverständnisses bei Tocqueville und Mill
- Analyse der Rolle von politischen Eliten in einer Massendemokratie
- Untersuchung der Bedeutung von politischer Partizipation und Bildung
- Diskussion der Spannungsverhältnisse zwischen liberalen Idealen und elitären Strukturen
Auszug aus dem Buch
1.1. Siegeszug der Demokratie
Tocqueville sieht den nahen, unaufhaltsamen, allgemeinen Aufstieg der Demokratie am Beispiel der Vereinigten Staaten sozusagen als eine im göttlichen Weltenplan verankerte Notwendigkeit, die „über alle Hindernisse hinweg voranschreitet“. Indem er Tendenzen einer gesellschaftlichen Entwicklung aufzeigt und daraus Orientierungshilfen für politisches Handeln ableitet, begibt er sich in den Bereich der erfahrungswissenschaftlichen Beobachtung, die Waschkuhn als „konstruktive Orientierungswissenschaft“ bezeichnet.
In seinen Schriften betont Tocqueville den Unterschied von Demokratie und ständischer Gesellschaft sowie den Unterschied zwischen demokratischer Freiheit und demokratischer Tyrannei. Er untersucht die politische, bürgerliche und religiöse Gesellschaft und deren Wechselbeziehungen anhand von Strukturen, Funktionen und Interessen, und entwickelt einen kulturalistischen Ansatz; er spürt dabei dem nach, was wir heute als „politische Kultur“ bezeichnen. Auch wenn sich der Franzose in seinem Buch ausdrücklich auf Amerika bezieht, so befasst er sich in den beiden Bänden gewissermaßen mit einer „idealtypischen Gesellschaft“, die jedoch erst im Entstehen begriffen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Problematik der Demokratietheorie und Vorstellung des Forschungsgegenstands sowie der methodischen Vorgehensweise.
2. DIE DEMOKRATIETHEORIEN VON TOCQUEVILLE UND MILL: Detaillierte Darstellung der Theorien von Tocqueville als Theoretiker der Massendemokratie und Mill als Vertreter der liberalen Repräsentativdemokratie.
3. ELITÄRE STRUKTUREN BEI TOCQUEVILLE UND MILL: Analyse der theoretischen Grundlagen von Eliten und deren spezifischer Ausprägung und Funktion in den Modellen von Tocqueville und Mill.
4. FAZIT: UNTERSCHIEDE TOCQUEVILLE – MILL: Kritische Würdigung und Gegenüberstellung der Ergebnisse hinsichtlich elitärer Tendenzen in den betrachteten Demokratiemodellen.
Schlüsselwörter
Demokratietheorie, Alexis de Tocqueville, John Stuart Mill, Repräsentativdemokratie, Elitentheorie, Politische Partizipation, Freiheit, Gleichheit, Mehrheitsherrschaft, Liberalismus, Sozialliberalismus, Kompetenz, Bildung, Elitenherrschaft, Minderheitenschutz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Alexis de Tocqueville und John Stuart Mill die Demokratie konzipierten und welche Rolle elitäre Tendenzen in ihren jeweiligen Modellen der repräsentativen Demokratie spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Gleichheit, die Gefahr der Tyrannei der Mehrheit, die Bedeutung politischer Teilhabe sowie das Verhältnis von Kompetenz und Bildung zur politischen Führung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, inwiefern sich elitäre Tendenzen in den Demokratiemodellen von Tocqueville und Mill verorten lassen und wie diese durch die Theoretiker gerechtfertigt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer politiktheoretischen Analyse und dem Vergleich von Primärquellen sowie relevanter Sekundärliteratur zu den Werken beider Denker.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert erstens die spezifischen Demokratietheorien der beiden Autoren und zweitens die Rolle von Eliten als intermediäre Instanzen oder als notwendige Führungsschichten zur Sicherung politischer Stabilität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Demokratietheorie, Freiheit, Gleichheit, Eliten, Repräsentativdemokratie, Partizipation und Sozialliberalismus sind die prägenden Begriffe.
Wie bewertet Tocqueville die Gefahr des Mehrheitswillens?
Tocqueville sieht im unbeschränkten Mehrheitsprinzip eine Gefahr für die Freiheit des Einzelnen, die er durch den Schutz von Minderheiten und institutionelle Mechanismen wie Dezentralisierung abfedern möchte.
Wie rechtfertigt Mill das Pluralstimmrecht?
Mill schlägt ein Pluralstimmrecht vor, um den Einfluss gebildeter und kompetenter Bürger gegenüber der numerischen Mehrheit zu stärken, ohne jedoch den Anspruch auf eine allgemeine Partizipation aufzugeben.
- Arbeit zitieren
- Kathrin Stärk (Autor:in), 2006, Elitäre Tendenzen in den in den Demokratietheorien von Alexis de Tocqueville und John Stuart Mill, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64819