Direktinvestitionen deutscher Unternehmen in Russland und Perspektiven wirtschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland und Russland


Diplomarbeit, 2006
89 Seiten, Note: 2,9

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen der Direktinvestitionen
2.1 Begriffe und Klassifizierung
2.2 Grundlegende Theorien der Direktinvestitionen
2.2.1 Die erweiterte Außenhandelstheorien
2.2.2 Standorttheorien
2.2.3 Industrieökonomische Theorien
2.2.4 Internalisierungstheorien
2.2.5 Sonstige Theorien
2.2.6 Der eklektische Ansatz von Dunning
2.3 Motive für Direktinvestitionen
2.4 Formen des Markteintritts

3 Deutschland als Investorland
3.1 Exportland Deutschland
3.2 Motive der deutschen Direktinvestitionen
3.3 Zielregionen und Branchen der Auslandsinvestitionen
3.4 Staatliche Investitionsgarantien

4 Russland als Investitionsland
4.1 Volkswirtschaftliches Kurzporträt
4.2 Russland als Außenhandelspartner
4.3 Russland als Investitionsstandort
4.3.1 Notwendige Voraussetzungen für die Direktinvestitionen
4.3.2 Investitionsklima in Russland
4.3.3 Motive für Direktinvestitionen in Russland
4.3.4 Verteilung der Investitionsvolumina

5 Investitionen der deutschen Unternehmen in die Russische Föderation
5.1 Die Rolle deutscher Unternehmen unter den ausländischen Investoren in Russland
5.2 Eintrittsformen der deutschen Unternehmen auf dem russischen Markt
5.3 Interessenverteilung deutscher Unternehmen nach Gebieten und Regionen
5.4 Branchenstruktur der deutschen Investitionen in Russland
5.4.1 Handel
5.4.2 Grundstoffindustrie
5.4.3 Maschinenbau und Elektrotechnik
5.4.4 Kfz-Industrie
5.4.5 Chemische Industrie
5.4.6 Bauwirtschaft und Baustoffindustrie
5.4.7 Zwischenfazit

6 Perspektiven wirtschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland und Russland

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Exporte und Importe Deutschlands 1950-2004

Abbildung 2: Kapitalverkehr Deutschlands mit dem Ausland: Direktinvestitionen

Abbildung 3: Verteilung der deutschen Investitionen nach Regionen

Abbildung 4: Deutsche Direktinvestitionen in Russland, in Milliarden Euro

Abbildung 5: Föderale Verwaltungsbezirke

Abbildung 6: Russische Regionen im Focus deutscher Unternehmen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Einfluss von Vorteilsarten auf die Form der Auslandsmarktbearbeitung in Model von Dunning

Tabelle 2: Entwicklung des russischen Außenhandels im Jahren 1998 – 2005

Tabelle 3: Wichtige Kenngrößen der deutschen Unternehmen in Russischer Föderation

Tabelle 4: Die wichtigsten Aktivitäten der Firma KNAUF in Russland

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Bundesrepublik Deutschland ist eine der führenden Exportnationen. Eine starke außenwirtschaftliche Verflechtung bedeutet aber auch hohe Abhängigkeit deutscher Unternehmen vom Export. Um die Marktanteile auf fremden Märkten zu sichern oder sogar die eigene Position auszubauen, engagieren sich die deutschen Unternehmen mittels Auslandsinvestitionen direkt vor Ort. 2004 investierten deutsche Unternehmen 41,26 Mrd. Euro im Ausland[1]. Ein kleiner Teil davon floss in die Russische Föderation. Der russische Markt lockt mit ca. 143,5 Millionen Konsumenten. Russland verfügt über reiche Rohstoffvorkommen, ein großes Potential an Forschungseinrichtungen und über hoch qualifizierte und relativ billige Arbeitskräfte sowie preiswerte Energieversorgung. Schrittweise wurde die russische Gesetzgebung dem westlichen Standard angenähert, damit der Gründung von hundertprozentigen Tochtergesellschaften ausländischer Investoren nichts mehr im Wege steht.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, das Ausmaß der Investitionstätigkeit der deutschen Unternehmen in der Russischen Föderation sowie die Gründe für die Direktinvestitionen zu untersuchen.

Am Anfang (Kapitel 2) wird der Begriff der Direktinvestitionen analysiert, indem zunächst eine Begriffsdefinition sowie eine Klassifikation von Direktinvestitionen vorgenommen werden. Nach einem Überblick über die Vielfalt von theoretischen Erklärungsansätzen für das Zustandekommen von Direktinvestitionen wird dieses Kapitel mit der Betrachtung der Motive der Direktinvestitionen und Formen des Markteintritts abgeschlossen.

Bevor im Einzelnen auf die Direktinvestitionen der deutschen Unternehmen in Russland eingegangen wird, soll die heutige Wirtschaftslage in beiden Ländern beschrieben werden. Im Folgenden werden Deutschland als Investorland (Kapitel 3) sowie Russland als Investitionsstandort (Kapitel 4) dargestellt.

Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf Kapitel 5, in welchem einführend die Rolle deutscher Unternehmen unter den ausländischen Investoren in Russland erörtert wird. Danach werden Eintrittsformen deutscher Unternehmen und deren Verteilung nach Gebiete und Regionen analysiert. Anschließend werden die Verteilung der Investitionsvolumina nach Wirtschaftssektoren sowie ausgewählte Beispiele von in Russland investierenden deutschen Unternehmen dargestellt.

Abschließend wird in Kapitel 6 ein Überblick über Perspektiven der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland vorgenommen. Die Zusammenfassung bildet den Abschluss.

2 Theoretische Grundlagen der Direktinvestitionen

Die Direktinvestitionen (im Folgenden DI) rückten in den letzten Jahren immer mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Die starke Zunahme der grenzüberschreitenden Direktinvestitionsströme und das Wachstum multinationaler Konzerne spielen insbesondere in der Diskussion über die Globalisierung der Weltwirtschaft und deren Folgen eine große Rolle.

Der Begriff Auslandsinvestitionen (im Folgenden AI) wird in der Volkswirtschaft anders als in der juristischen Auslegung verstanden. Während die Ökonomen vor allem die Transferströme und den Bestand von AI schätzen werden in den internationalen Investitionsverträgen schützenswerte Vermögens- und Eigentumswerte definiert. Im Folgenden wird die ökonomische Definition von DI dargestellt. Obwohl Daten über die Direktinvestitionen häufig für wissenschaftliche Untersuchungen und wirtschaftspolitische Debatten verwendet werden, scheint doch nicht immer klar zu sein, was sich hinter ihnen verbirgt und welche Aussagekraft die Zahlen besitzen[2].

Als erstes soll der Begriff der ausländischen DI zur Verständnisförderung näher erklärt werden. DI werden als ein Indikator für das Ausmaß der Tätigkeit ausländischer Unternehmen in einem Land verwendet. Dieses Merkmal erlaubt auch verschiedene Länder im Hinblick auf Investitionsentscheidungen zu vergleichen[3]. Im Weiteren wird dargelegt aus welchen Motiven sich die Unternehmen zu dieser Form des Auslandsengagements entscheiden.

2.1 Begriffe und Klassifizierung

Eine international verbindliche Definition von ausländischen Direktinvestitionen (im Folgenden ADI) gibt es bisher nicht. Der Begriff der Direktinvestition wurde maßgeblich vom Internationalen Währungsfonds (IMF = International Monetary Fund) und der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD = Organisation for Economic Cooperation and Development) geprägt. IMF und OECD bezeichnen als DI eine grenzüberschreitende Investition, bei der ein Investor das Ziel verfolgt, eine dauerhafte Beteiligung (lasting interest) an einem Unternehmen im Ausland aufzubauen. Eine dauerhafte Beteiligung, insbesondere durch die Bereitstellung von Kapital, Technologie, Marketingkonzepten und Managementwissen[4], beinhaltet eine langfristige Beziehung zwischen dem Investor (direct investor) und dem Investitionsobjekt (direct investment enterprise) sowie einen nicht unerheblichen Einfluss des Investors auf die Leitung des Beteiligungsunternehmens[5]. Eine weitgehend identische Definition der Direktinvestitionen findet sich in der Rechtsgrundlage für die Erstellung der Zahlungsbilanz und des Auslandsvermögensstatus der Bundesrepublik Deutschland. Im Außenwirtschaftsgesetz[6] und der Außenwirtschaftsverordnung[7] gelten als Direktinvestitionen Anlagen von Vermögen in fremden Wirtschaftsgebieten zur Schaffung dauerhafter Wirtschaftsverbindungen.

Die Definition von ADI umfasst im Wesentlichen internationale Begriffe: another economy, lasting interest und influence sowie control. Ein entscheidendes Merkmall dabei ist eine Beteiligung am Eigenkapital. Eine Beteiligung wird dann als DI bezeichnet, wenn der Anteil an beteiligten Unternehmen eine bestimmte festgelegte Höhe überschreitet, so dass der Investor über die Kontrolle des Unternehmens verfügt. Ab einem Anteil von mindestens 10% gilt in der Regel eine Beteiligung eines ausländischen Unternehmens als DI[8]. Im Jahre 1999 wurde auch in Deutschland diese Grenze eingeführt. Allerdings bei den bestimmten Eigentümerkonstellationen ist eine effektive Kontrolle auch bei Beteilungen unter 10% möglich.

Ein weiteres entscheidendes Merkmall der DI ist die Absicht des Investors dauerhaft Einfluss auf die unternehmerische Tätigkeit auszuüben[9]. Sonst wird von ausländischen Portfolioinvestitionen (im Folgenden API) gesprochen, bei denen die kurzfristigen Renditeabsichten im Vordergrund stehen[10]. Zu API zählen typischerweise Aktien, Anleihen, Schuldscheine und Derivate, sofern die zehnprozentige Schwellengrenze nicht überschritten wird. API können auch einen langfristigen Charakter haben. Bank- und Handelskredite sowie von Ausländern gehaltene Geldeinlagen und Bargeld werden nach der Empfehlung von IMF als „sonstige Investitionen“ ausgewiesen[11].

Dieckheuer definiert Ziele der DI folgendermaßen: „Mit Direktinvestitionen verfolgt ein Investor das Ziel, durch eine Beteiligung maßgeblichen Einfluss auf die Geschäftspolitik einer ausländischen Unternehmung zu gewinnen und auszuüben oder durch Gründung und Ausbau einer eigenen Unternehmung im Ausland selbst unternehmerisch tätig zu werden“[12].

Je nach der Sichtweise aus der Investor- oder Empfängerperspektive werden die DI klassifiziert. Auf der Investorseite ist zwischen der horizontalen, der vertikalen und diagonalen DI zu unterscheiden[13]. Unter horizontalen DI versteht man Investitionen auf der gleichen Produktionsebene und dem gleichen relevanten Markt (z.B. die Investition eines deutschen Baustoffunternehmens in eine russische Gipsplattenfabrik). Unter vertikalen DI sind Investitionen in die vor- oder nachgelagerten Produktionsstufen gemeint (z.B. die Übernahme einer russischen Gipsgrube durch einen deutschen Baustoffproduzenten). Diagonale DI sind Investitionen in für ein Unternehmen neue Marktsektoren[14] (z.B. die Übernahme eines Trinkwasserversorgers durch einen Energiekonzern).

Auf der Empfängerseite ist zwischen den importersetzenden, Exporterhöhenden und regierungsinitiierten DI zu unterscheiden. Die importersetzenden DI werden in die Produktionsstätte im Empfängerland getätigt. Durch die damit erzeugten Produkte werden bisherige Importe substituiert. Zusätzlich werden mögliche Handelshemmnisse (z. B. Schutzzölle) überwunden und die Transportkosten wesentlich gesenkt. Durch die exporterhöhenden DI werden Produktionsmengen eines Exportprodukts sowie seine Wettbewerbsfähigkeit erhöht, so dass das gesamte Exportvolumen des Empfängerlandes gesteigert werden kann. Die regierungsinitiierten DI dienen zum Abbau bestehender Zahlungsbilanzdefizite des Empfängerlandes durch die dem Investor gewährten Steuersubventionen oder der Überlassung von Bauland oder Bodenschätzen[15].

Außerdem ist zwischen den Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen im Inland (passive DI) und Direktinvestitionen inländischer Unternehmer im Ausland (aktive DI) zu unterscheiden. In dieser Arbeit wird die letztgenannte Form der Investitionsaktivitäten untersucht.

2.2 Grundlegende Theorien der Direktinvestitionen

Im Folgenden soll ein Überblick über die theoretischen Grundlagen der DI gegeben werden. Die Direktinvestitionstheorien werden in der wissenschaftlichen Literatur in erweiterte Außenhandelstheorien, Standorttheorien, industrieökonomische und Internalisierungstheorien gegliedert. Der gängige eklektische Ansatz von Dunning vervollständigt diese Darstellung.[16]

Die Theorie der Direktinvestitionen ist an die Beantwortung zweier Fragen gerichtet, und zwar, warum ein ausländisches Unternehmen, welches sein Produkt auf den lokalen Markt einbringt, gegenüber einem inländischen Unternehmen einen komparativen Vorteil besitzt und ob es in diesem Land sein Tochterunternehmen errichten soll? Eine einheitliche Direktinvestitionstheorie wurde bis jetzt noch nicht entwickelt[17]. Es gibt eine fast unübersichtliche Vielzahl von Direktinvestitionstheorien. Oft bildeten sie sich aus anderen Theorien heraus. In den Theorien werden überwiegend folgende Aspekte der DI behandelt: die wechselseitige Beziehung zwischen DI und internationalem Handel, die Erklärung der Bestimmungsgründe von DI und die Auswahl unter gängigen Internationalisierungsformen. Erst Dunning ist es gelungen in seiner eklektischen Paradigma mehr als eine Partialanalyse zuliefern.

2.2.1 Die erweiterte Außenhandelstheorien

Klassische und neoklassische Außenhandelstheorien basieren auf der Annahme der internationalen Immobilität der Faktoren. Dadurch werden DI implizit ausgeblendet. In der Weiterentwicklung des Heckscher-Ohlin-Theorems[18] wie die Kapital- oder Zinssatztheorie wurden wenigstens Erklärungsansätze für API in Betrachtung gezogen. Erst Hirsch und Corden ist es in ihren theoretischen Ansätzen gelungen, die DI explizit in die außenhandelstheoretischen Modellbetrachtungen einzubeziehen[19].

Zinssatz- und Kapitaltheorie

In den 30er-Jahren wurde innerhalb der Außenhandelstheorie eine prinzipielle Modifikation des Heckscher-Ohlin-Theorems vorgenommen. Die Annahme der internationalen Immobilität des Kapitals wurde verworfen. DI sollen durch den Kapitaltransfer in die Länder mit einer hohen Kapitalverzinsung entstehen[20]. Die inländischen Renditen sind gleich den Opportunitätskosten der DI. Die erweiterte Zinssatztheorie betrachtet außer Renditedifferenzen und Transaktionskosten noch Wechselkurse und andere relevante Auslandsrisikofaktoren[21].

Die Zinssatz- und Kapitaltheorie besitzt niedrige Aussagekraft, da sie die unternehmerischen Motive nur auf Gewinnmaximierung durch Ausnutzung von Renditedifferenzen reduzieren, was höchstens internationale Portfolioinvestitionen erklärt. In Beschreibung der ausländischen DI müssen nicht nur Bewegungen von Kapital sondern auch von anderen Faktoren wie Technologie, Marketing und Management einbezogen werden[22].

Der Ansatz von Corden

Cordens Ansatz basiert auf folgenden Annahmen: Die Nachfragebedingungen nach den Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Wissen seien in allen Ländern gleich, wobei der Faktor Arbeit in Gegensatz zu zwei anderen Faktoren, völlig immobil wäre. Die Produktionsfunktionen seien in allen Ländern identisch. Die Produktionsfunktionen besitzen die konstanten Skalenerträge und unterlägen zusammen mit den Faktorausstattungen keinen zeitlichen Veränderungen. Zölle, Steuern und Transportkosten seien für die Standortentscheidungen ohne Bedeutung[23]. So fügte Cordens Ansatz die DI dem neoklassischen Außenhandelsmodell bei.

Die konsequente Aufhebung der aufgezählten Prämissen sorgt für eine Annäherung an das reale internationale Wirtschaftsleben. Der Ansatz von Corden analysiert nur die länderspezifischen Standortfaktoren ohne Berücksichtigung von unternehmensspezifischen oder oligopolistischen Faktoren, und erklärt nicht wann und warum ein Unternehmen statt den Export eine DI tätigt[24].

Der Ansatz von Hirsch

Auf der Suche nach den Entscheidungskriterien für die Internationalisierungsstrategien, Export oder DI, fügt Hirsch dem Heckscher-Ohlin-Samuelson-Modell weitere Annahmen zu. Zusätzlich zu Cordens Annahme der internationalen Kapitalmobilität betrachtet Hirsch firmenspezifische Wettbewerbsvorteile sowie Informations-, Kommunikations- und Transaktionskosten. Als firmenspezifische Vorteile ergeben sich aus den Aufwendungen des Unternehmens für Forschung, Entwicklung und Marketing die entsprechenden überlegenen Technologien und Marketing. Zusätzlich betrachtet Hirsch die Vertriebskosten in unterschiedlichen Fällen des Exportes oder der DI. Falls Kosten der DI (Produktionskosten im Ausland und Kontrollkostendifferenz) geringer als die Exportkosten (inländische Produktionskosten und Vertriebskostendifferenz) sind, wird sich ein Unternehmen statt für den Export für eine DI entscheiden.

Der Verdienst von Hirsch besteht in weiterem darin, dass seine Theorie durch eine Erweiterung auf Mehr-Produkt-Unternehmen die Komplementärbeziehungen zwischen Außenhandel und DI erklärt. So können DI die weiteren Exporte von Vorprodukten in das Gastland initiieren[25].

Die Annahme von der Notwendigkeit firmenspezifischer Vorteile auf dem ausländischen Markt zeigt die größte Schwäche in Hirschs Ansatz. Damit wird nur die reine Kostenabwägung in Betrachtung gezogen und das Motiv des Unternehmens, DI zu tätigen, um auch den Markt des Herkunftslandes des Investors zu bedienen, außer Acht gelassen[26].

2.2.2 Standorttheorien

Die Standorttheorien umfassen einen unfangreichen Katalog von Standortfaktoren, deren Bedeutung je nach Investitionstyp und Motiv des Investors unterschiedlich bewertet wird. So richten sich die kostenorientierten DI an Faktorkosten, während die absatzorientierten DI sich mehr nach dem Marktpotenzial des Investitionslandes richten. Die bedeutendste Theorie in dieser Gruppe ist die standortbedingte Wettbewerbsvorteilstheorie von Tesch.

Zitiert nach Tesch, sind Direktinvestitionen „… in der Regel vielmehr Ausdruck der Bestrebungen, standortbedingte Wettbewerbsnachteile, die durch Handelshemmnisse, durch häufig weitere Transportwege, durch Wechselkurseinflüsse, durch unterschiedliche Produktionsbedingungen usw. entstehen, zu vermeiden und die Wettbewerbsvorteile anderer Standorte zu erlangen“[27].

Tesch berücksichtigt auch eine Lizenzvergabe, falls andere Internationalisierungsformen aufgrund von Standortnachteilen nicht mehr vorteilhaft oder nicht möglich sind[28]. Im Weiteren beschäftigt sich Tesch ausführlich mit der Entwicklungsfähigkeit der Standortbedingungen und entwickelt dafür den Begriff der Produktivkraftentwicklung. Damit ordnet Tesch die Aufgaben der Bildung, Wissenschaft- und Infrastrukturentwicklung dem Staat zu[29].

Als einen weiteren Innovativansatz bringt Tesch die Untersuchung der Standortspaltungen, die in der Aufteilung eines Unternehmens auf mehrere räumlich getrennte Betriebseinheiten bestehen, in die Direktinvestitionstheorie ein. Standortspaltungen setzen sich aus drei verschiedenen Produktionstypen zusammen. Parallele Produktion des gleichen Produkts wird aus Absatzgründen (Marktnähe) an verschiedenen Standorten vorgenommen. Substituierende Produktion eines Produkts wird aus Kostengründen im Ausland zum Zwecke des Reimports organisiert. Komplementäre Produktion ist schließlich eine Verteilung einzelner Teilprozesse an verschiedenen Standorten[30].

Als Nachteil Teschs Theorie ist seine einseitige Betrachtungsweise der Beziehungen zwischen der Wahl der Internationalisierungsformen. Tesch konzentriert sich auf Substitutionseffekte und übersieht dabei in der heutigen Zeit wichtige Komplementärbeziehungen zwischen dem Export, der Lizenzvergabe und der DI[31].

Aliber beschäftigt sich in seiner Währungsraumtheorie mit einem weiteren standortbedingtem Wertbewerbsvorteil, der auf der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Währungsraum basiert. Demzufolge seien die Unternehmen in Hartwährungsländern gegenüber Unternehmen aus Weichwährungsländern im Vorteil. Auch diese Theorie ist monokausal und fügt nur einen weiteren kleinen Teil der allgemeinen Theorie der DI hinzu[32].

2.2.3 Industrieökonomische Theorien

Im Unterschied zu den oben beschriebenen Theorien gehen industrieökonomische Theorien auf firmenspezifische Determinanten für DI ein. Industrieökonomie als ein Teilgebiet von Wettbewerbstheorie untersucht die Marktstruktur und das Marktverhalten. Als wichtigste Theorien dieser Gruppe werden die Theorie der internationalen Operationen (Theorie des monopolischen Vorteils) und die Theorie des oligopolistischen Reaktionsverhaltens beschrieben.

Theorie des monopolischen Vorteils von Hymer

Die Theorie der internationalen Operationen erklärt, warum sich multinationale Unternehmen auf internationalen Märkten durchsetzen können. Diese Theorie ist eng mit den Namen von Stephen H. Hymer (1960, 1976)[33] und Charles P. Kindleberger (1969) verbunden.

Hymer untersuchte, aus welchen Motiven Firmen international tätig sind, dabei standen DI im Zentrum seiner Analyse[34]. Hymer ging von der Annahme aus, dass hinsichtlich der Informationen über die Gesetzgebung, die Sprache, Politik und die Wettbewerbsstrukturen, ausländische Unternehmen auf fremden Märkten gegenüber inländischen Unternehmen zunächst benachteiligt sind. Zusätzlich tragen die ausländischen Unternehmen bei der Gewinnrückführung das Wechselkursrisiko und rechnen zudem mit dem Risiko diskriminierender politischer Entscheidungen[35]. Durch die Ausnutzung bestimmter firmenspezifischer Wettbewerbsvorteile, wie überlegene Technologie, bessere Produktionsfunktionen und Vertriebssysteme, würde das Unternehmen die oben genannten Nachteile gegenüber inländischen Unternehmen kompensieren, sowie den Wettbewerb reduzieren[36].

Als erster brach Hymer mit neoklassischer Annahme der vollkommenen Konkurrenz. Zu dem trennte Hymer der DI von API definitorisch klar ab und entwickelte dabei für die DI das Merkmal der Kontrolle der Unternehmenstätigkeit. Seine Bedeutung erlangte Theorie von Hymer hauptsächlich durch Einbeziehung der Wettbewerbsaspekte in die DI-Theorie[37].

Kindleberger ging noch ein Stück weiter und bewies, dass unternehmensspezifische Vorteile in Verbindung mit Marktunvollkommenheiten den zur Internationalisierung notwendigen monopolistischen Vorteil schaffen, wenn sie grenzüberschreitend übertragbar sind[38].

Theorie des oligopolistischen Reaktionsverhaltens

Im Rahmen der oligopolistischen Reaktionsverhaltenstheorie untersucht Knickerbocker, wie die Unternehmen auf DI ihrer Konkurrenten reagieren. Er geht von der Annahme aus, dass bei einer Störung des oligopolistischen Gleichgewichts die Marktteilnehmer auf ein aggressives Verhalten verzichten, um eine ebenfalls aggressive Reaktionen der anderen Oligopolisten zu vermeiden. Es werden zwei Verhaltensweisen bezeichnet[39]. Erstens, um einen Wettbewerbsvorsprung des Konkurrenten zu minimieren, tätigt ein Unternehmen in dessen Zielland ebenfalls eine DI („follow-the-leader-investment“). Zweitens, tätigt ein Konkurrent in dem Heimatmarkt des Unternehmens eine DI, so wird im Heimatmarkt des Konkurrenten ebenfalls eine DI getätigt („cross-investment“)[40]. Ein Hauptmotiv solches Verhaltens ist die Angst vor dem Verlust an Marktanteilen, weil die Konkurrenz ein substituierbares Gut günstiger vor Ort herstellen kann[41]. Die größte Schwäche der Theorie von Knickerbocker besteht darin, dass sie nur reagierende DI untersucht und auf die Analyse von Erstinvestitionen verzichtet.

2.2.4 Internalisierungstheorien

Die Internalisierungstheorie zeigt, welche Institutionen ein Unternehmen zur Realisierung seiner spezifischen Vorteile im Ausland nutzt (z.B. Coase (1937), Williamson (1975), Buckley und Casson (1976)).

In seinem Aufsatz „The Nature of the Firm“ begründet Coase einen Transaktionskostensatz. Demzufolge liegt der Grund für die Firmenexistenz in der Möglichkeit, Transaktionskosten wie Preisermittlung und Aushandlung von Verträgen durch unternehmensinterne Abwicklung zu reduzieren. Natürlich gilt das unter der Voraussetzung, dass die Internalisierungskosten (z.B. Organisations- und Kontrollkosten) geringer als die entsprechenden Marktkosten sind. Coase wies darauf hin, dass das Unternehmen gegenüber dem Markt dadurch an Vorteilhaftigkeit gewinnt, dass Markttransaktionen durch staatliche regulative Eingriffe wie z.B. Umsatzsteuern, Preiskontrollen oder die Zuteilung von Quoten belastet wird[42].

Williamson erweiterte den Ansatz von Coase. Erst Buckley und Casson brachten in die Theorie die grenzüberschreitenden Internalisierungsstrategien hinein. Damit wurde das Entstehen von multinationalen Unternehmungen mittels DI begründet. Eine solche Internalisierung wird unter der Bedingung der Marktunvollkommenheit vorgenommen, falls sie beim Austausch von Zwischenprodukten mit niedrigeren Transaktionskosten als dem Marktaustausch verbunden ist. Der Erklärungsansatz von Buckley und Casson geht von Märkten für Zwischenprodukte als Koordinationsinstrumente bei Produktions- und Absatzprozessen aus. Diese Zwischenprodukte sind nicht nur Rohstoffe, sondern auch Technologien, Know-how, Erfahrungen, Managementfähigkeiten in Form von Patenten und Humankapital. In der Theorie werden zwei Internalisierungsarten beschrieben: zum einen Rückwertsintegration von Märkten für materielle Güter bei mehrstufigen Produktionsprozessen und zum anderen Internalisierung von Wissensmärkten durch Integration von Produktion, Marketing sowie Forschung und Entwicklung[43].

Die Internalisierungstheorie behandelt nicht die Frage „warum“ die Internationalisierung vorgenommen wird, sondern „wie“ – in welcher Form. Bei der Beantwortung der „Warum – Frage“ solidarisieren sich Buckley und Casson mit der Standorttheorie. Die Internalisierungstheorie ist eigentlich eine Partialanalyse der DI in Bezug auf die Wahl der Internationalisierungsform.

2.2.5 Sonstige Theorien

Darunter sind noch die Verhaltenstheorie der Unternehmung und die Produktzyklustheorie zu nennen, da sie relativ hohe Erklärungswerte für DI besitzen, aber schwer einer bestimmten Theoriegruppe zuzuordnen sind.

Aharoni (1966) basiert seine Verhaltenstheorie auf der Aussage, dass DI von individuellen Verhaltensmustern und Zielen der Entscheidungsträger geprägt sind. Entscheidung über eine DI wird in einem mehrstufigen Prozess innerhalb des Unternehmens getroffen, wobei dem Unternehmen eine generelle Risikoscheu vor DI unterstellt wird[44].

Die Produktlebenszyklustheorie von Vernon (1966) untersucht, unter der Annahme vorhersehbarer Veränderungen, sowohl in den Produktionsprozessen als auch in den Absatzbedingungen die drei Lebensphasen des Produktes. Als erste wird die Einführungsphase genannt, in der die Entwicklung und Produktion eines Produktes im Heimatland getätigt und die Auslandsnachfrage durch Exporte bedient wird. Danach folgt die Reifephase mit einem gewissen Standardisierungsgrad in der Produktion. Die Kostenaspekte werden verstärkt berücksichtig, wobei die Auslandsinvestitionen vorerst in die Industrieländer fließen. In der Standardisierungsphase übernehmen die Kostengesichtspunkte eine entscheidende Rolle. In dieser Phase erfolgt eine Verlagerung der Produktion in die Länder mit niedrigerem Lohnniveau und näher zum Endverbraucher[45].

Angesichts des stark veränderten weltwirtschaftlichen Umfeldes erscheint der Ansatz von Vernon relativ veraltet. Moderne Produkte werden immer häufiger gleichzeitig auf mehreren Auslandsmärkten eingeführt.

2.2.6 Der eklektische Ansatz von Dunning

Die oben dargestellten Theorien sind alle als partialanalytisch zu charakterisieren, das heißt, sie behandeln immer nur einzelne Aspekte der Multinationalisierung von Unternehmen.

Erst Dunning (1977)[46] versucht in seiner eklektischen Theorie unterschiedliche Ansätze in ein umfassendes Konzept zu integrieren[47]. Die Zentralaussage der Theorie ist das OLI-Schema. Dieses Schema bestimmt eine Reihe von Bedingungen, die einem Unternehmen den Anstoß zu den Auslandsdirektinvestitionen geben.

Ownership Specific Advantages …[48] (Eigentumsvorteil). Das Unternehmen muss einen firmenspezifischen Wettbewerbsvorteil auf dem Auslandsmarkt gegenüber dort ansässigen Unternehmen besitzen.

Internalization Incentive Advantages …[49] (Internalisierungsvorteil). Es muss für das Unternehmen lohnend sein, diesen Vorteil selbst zu nutzen, anstatt ihn an ausländische Unternehmen zu verkaufen oder zu verpachten.

Location Specific Variables …[50] (Standortvorteil). Es muss mindestens ein Standortfaktor im Gastland gegenüber dem heimischen Markt vorteilhaft sein. Sonst werden ausländische Märkte durch Exporte bedient.

In der eklektischen Theorie von Dunning werden alle wesentlichen Ansätze zur Erklärung von Direktinvestitionen verbunden. Die Theorie ist aussagekräftig für alle Typen der Direktinvestitionen und verbindet die drei wichtigsten Formen des internationalen Engagements (Export, Direktinvestitionen und Lizenzvergabe).

Die Kombination bzw. die Existenz der drei Vorteilsarten bestimmt die Art und Weise, wie ein Unternehmen Märkte im Ausland bedient. Dies ist in Tabelle 1 übersichtlich dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Einfluss von Vorteilsarten auf die Form der Auslandsmarktbearbeitung in Model von Dunning[51] .

Für das Auslandsengagement des Unternehmens sind bei jeder der drei Arten des Markteintritts Eigentumsvorteile vorausgesetzt. Eine weitere Annahme von Dunning besteht darin, dass die einzelnen Vorteilsarten unterschiedlich auf Länder, Branchen und Unternehmen verteilt[52] sind und zudem zeitlichen Veränderungen unterliegen. Außerdem berücksichtigt die Theorie eine ganze Reihe von unterschiedlichen Direktinvestitionsmotiven. Da die Theorie mehrere wesentliche Aspekte von DI umfasst, bezeichnet Dunning seine Theorie als eklektisch.

2.3 Motive für Direktinvestitionen

In den oben vorgestellten Theorien werden unterschiedliche Motive aufgelistet, aus welchen sich die Unternehmen für eine Investition im Ausland entscheiden. In der ökonomischen Literatur werden sie den bestimmten Gruppen zugeordnet. In der vorliegenden Arbeit wird die Klassifikation nach Beyfuß und Plum bevorzugt[53]. Das sind absatz- oder marktorientierte, kostenorientierte, beschaffungsorientierte und umweltpolitische Motive.

Zu den wichtigsten absatz- und marktorientierten Motiven zählen eine Erschließung neuer und eine Sicherung bestehender Märkte. Insbesondere für die durch Handelshemmnisse geschützten oder abgeschotteten Märkte bietet sich ein Aufbau der substitutiven Produktion vor Ort an. Eine wesentliche Einflussgröße dabei ist die Größe und das Wachstum des Marktes bzw. das Marktpotential. Dazu kommt eine Ausrichtung auf den möglichen Export aus dem Empfängerland in das Geberland oder auf die Drittlandsmärkte. Für die Belieferung eines Integrationsraumes oder einer Ländergruppe genügt es, eine DI nur in einem Land der Gruppe zu tätigen und von dort aus den gesamten Raum zu beliefern[54].

Kostenüberlegungen bei der DI spielen eine überragende Rolle, da es sich dabei um unternehmerische Entscheidungen handelt, die letztlich auf Gewinnerzielung ausgerichtet sind. Die Lohnkostenvorteile stellen in dieser Kategorie das wichtigste Motiv dar. Bei exportorientierten DI werden Kostenaspekte ebenso in Betracht gezogen, z.B. Transportkostenreduzierung bei der Belieferung der Nachbahrländer des Empfängerlandes. Auch bei beschaffungsorientierten DI werden häufig Kostenvorteile ausgenutzt, z.B. durch Ausschaltung der Zwischenhändler. Kostenersparnisse, welche z.B. dank niedrigeren Umweltschutzauflagen, geringeren Energie- und Kapitalkosten, niedrigeren Steuerbelastungen und Lohnnebenkosten sowie Zollvergünstigungen entstehen, sind ebenfalls relevant[55].

Beschaffungsorientierte DI werden in der Fachliteratur häufig als faktororientierte genannt. Dieser Typ von DI sichert nicht nur die Beschaffung von Rohstoffen und Vorprodukten für das rohstoffarme Investorland, sondern auch den Zugang zu den Technologien, die nur im Empfängerland vorhanden sind. Die Versorgung mit Rohstoffen durch eigene Produktion gewährleistet eine höhere Liefersicherheit als die Beschaffung über den Markt. Die Kostenersparnisse spielen dabei wieder eine wesentliche Rolle[56].

Die umweltpolitischen Aspekte können nicht als alleiniges Motiv für DI betrachtet werden, sondern mehr als notwendige Rahmenbedingungen. Dabei sind folgende Aspekte hinzu zu zählen: die politische Stabilität des Empfängerlandes, die Stabilität der Rechtsordnung, die stabile wirtschaftliche Lage, die attraktive Gestaltung und Stabilität des Steuern- und Abgabensystems sowie eine adäquate Infrastruktur. Zusätzlich können DI durch Subventionen gefördert werden[57].

Die DI werden getätigt, falls die standortspezifischen Determinanten den Motiven der Investoren entsprechen. So bauen die kostenorientierten Investoren in Ländern mit reichlich vorhandenen und kostengünstigen Produktionsfaktoren, insbesondere in Niedriglohnländern, die beschaffungsorientierten Auslandsinvestoren - in ressourcenreichen Ländern und die absatzorientierten Investoren - in den Ländern mit hoher Kaufkraft und nicht gesättigten Absatzmärkten.

2.4 Formen des Markteintritts

Die internationalen Unternehmen durchlaufen oft einen mehrstufigen Prozess der Internationalisierung. Am meisten fangen die Unternehmen mit Exporten an. Die Exporttätigkeit wird durch eine repräsentative Vertretung des Unternehmens im Zielland unterstützt. Als nächstes folgt ein Aufbau eines Vertriebs- und Servicenetzes. Ein geeignetes Instrument dafür ist die Lizenzvergabe an die lokalen Anbieter. Nach reichlich gesammelten Informationen und Erfahrungen auf dem jeweiligen Markt wird eine Produktionsstätte, oft ein Montagewerk, errichtet. Im Laufe der Zeit werden die einheimischen Zulieferer in die Produktion eingebunden, so dass eine vollwertige Produktionsstätte entsteht, die später zu einem selbständigen ausländischen Tochterunternehmen ausgebaut wird.

Der Aufbau eines ausländischen Unternehmens kann sowohl in Form einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft als auch eines Joint Ventures erfolgen. Bei dem Joint Ventures handelt es sich „… um Kooperationsformen, an denen zwei oder mehrere Unternehmen (i.d.R. aus verschiedenen Ländern) beteiligt sind. Geschäftsführung, Risiko und Ertrag sollen geteilt werden. Diese Beteiligungen entstehen, weil die einzelnen Unternehmen die Geschäftstätigkeit nicht alleine ausüben können, wollen oder dürfen“[58]. Die Gründungsmitglieder bringen in Joint Venture nicht nur Kapital ein, sondern im Wesentlichen Betriebsanlagen, Technologien, patentgeschützte Rechte und Marketing-Know-how. Eine Tochtergesellschaft - ein rechtlich eigenständiges Unternehmen - wird in wirtschaftlicher Hinsicht von der Muttergesellschaft kontrolliert, die in der Regel Mehrheit an dem Kapital besitzt. Wirtschaftliche Probleme der Tochter belasten aber nicht im vollen Umfang das Mutterunternehmen. Außerdem behält das Mutterunternehmen das Recht, die Tochtergesellschaft zu veräußern, um drohende wirtschaftliche Risiken abzuwehren. Eine Zwischenform des Markteintritts im Ausland ist Brownfield Investment. Darunter ist der Erwerb eines bereits bestehenden Auslandsunternehmens gemeint. Ziel des Investments ist es, die existierenden Vorteile, wie z.B. den Marktanteil des lokalen Unternehmens, zu übernehmen. Das erworbene Unternehmen kann sowohl ausgebaut, als auch restrukturiert werden.

Im Allgemeinen wird dem Investor unterstellt, die Tochtergesellschaften als bevorzugte Form der Internationalisierungsstrategie zu betrachten. Bei dem Markteintritt werden jedoch je nach Branche relativ hohe Investitionen benötigt, die von hohem Kommunikationsaufwand begleitet sind. Die Auswahl von Joint Venture als Markteintrittsform ermöglicht die Vorteile der Tochtergesellschaft zu nutzen und die Nachteile zu minimieren. Obwohl der Investor weniger Einfluss auf das unternehmerische Geschehen hat und ein höheres Konfliktpotenzial in Kauf nimmt, reduziert er gleichzeitig eigene Risiken in dem ihm noch weitgehend unbekannten Land.

3 Deutschland als Investorland

Bevor über wirtschaftliche Beziehungen zwischen Deutschland und Russland gesprochen wird, soll die aktuelle wirtschaftliche Situation in beiden Ländern beschrieben werden. Dieses Kapitel umfasst unterschiedliche Aspekte der Auslandsaktivitäten der Bundesrepublik Deutschland. Da die Direktinvestitionen sehr eng mit dem Außenhandel verbunden sind, ist es notwendig, zuerst Tendenzen der deutschen Exporte zu erörtern.

[...]


[1] Vgl. Deutsche Bundesbank (2005a), S. 5.

[2] Vgl. Jost (1999), S. 129.

[3] Vgl. Krüger (2004), S. 12.

[4] Vgl. Jahrmann (1995), S. 61.

[5] Vgl. IMF (1993), S. 86, UNCTAD (2000), S. 267.

[6] Vgl. AWG, § 26, S. 12.

[7] Vgl. AWV, § 56a., S. 38.

[8] Vgl. IMF (1993), S. 86, UNCTAD (2000), S. 267.

[9] Vgl. Krüger (2004), S. 14 f., Wagner / Kaiser (1995), S. 206, Plum (1995), S. 5 und Raizner (1993), S. 13.

[10] Vgl. Arai (2002), S. 1.

[11] Vgl. IMF (1993), S. 95 ff.

[12] Dieckheuer (2001), S. 362 ff.

[13] Vgl. Pfaffermayr (1996), S. 32-60.

[14] Vgl. Braun (1988), S. 19.

[15] Vgl. Mossa (2002), S. 5.

[16] Bei der Darstellung der Theorien wurde eine Auswahl getroffen, die für den weiteren Argumentationsgang von Bedeutung sind. Das bedeutet nicht, dass die weiteren Theorien nicht relevant sind.

[17] Vgl. Schulte-Mattler (1988), S. 9.

[18] Vgl. ECOCHRON (o. D.), o. S.

[19] Vgl. Schulte-Mattler (1988), S. 29 ff.

[20] Vgl. Stein (1991), S. 52 f., Stehn (1992), S. 18 f., Heiduk / Kerlen-Prinz (1999), S. 25 f.

[21] Vgl. Heiduk / Kerlen-Prinz (1999), S. 25, Stein (1991), S. 53.

[22] Vgl. Stein (1991), S. 53 f., Stehn (1992), S. 20 ff., Heiduk / Kerlen-Prinz (1999), S. 26.

[23] Vgl. Stein (1991), S. 80 ff, Stehn, J. (1992), S. 49 f.

[24] Vgl. Stein (1991), S. 82, Stehn (1992), S. 50 f., Efler (2005), S. 44.

[25] Vgl. Stein (1991), S. 77 ff., Stehn (1992), S. 51 f., Heiduk / Kerlen-Prinz (1999), S. 33 f.

[26] Vgl. Stein (1991), S. 80, Stehn (1992), S. 52 f., Efler (2005), S. 44 f.

[27] Tesch (1980), S. 334.

[28] Vgl. Tesch (1980), S. 328 ff., Stein (1991), S. 122 ff., Efler (2005), S. 45.

[29] Vgl. Tesch (1980), S. 469 ff.

[30] Vgl. Tesch (1980), S. 535 ff.

[31] Vgl. Stein (1991), S. 127, Heiduk / Kerlen-Prinz (1999), S. 32 f..

[32] Vgl. Stein (1991), S. 62 ff., Stehn (1992), S. 33 ff., Heiduk / Kerlen-Prinz (1999), S. 26 f.

[33] Es handelt sich um eine Dissertation aus dem Jahr 1960, die erst im Jahr 1976 veröffentlicht wurde.

[34] Vgl. Hymer (1976), S. 22.

[35] Vgl. Hymer (1976), S. 24, 34.

[36] Vgl. Hymer (1976), S. 46.

[37] Vgl. Elfer (2005), S. 48.

[38] Vgl. Kummer / Schramm (2001), S. 12.

[39] Vgl. Stein (1991), S. 64, Heiduk / Kerlen-Prinz (1999), S. 38 f.

[40] Vgl. Jahrreiß (1984), S. 208, Stein (1991), S. 64.

[41] Vgl. Stein (1991), S. 64, Heiduk / Kerlen-Prinz (1999), S. 38 f.

[42] Vgl. Stein (1991), S. 83.

[43] Vgl. Ebenda, S. 95 ff., Stehn (1992), S. 59 ff., Heiduk / Kerlen-Prinz (1999), S. 40 ff.

[44] Vgl. Stein (1991), S. 112 ff., Stehn (1992), S. 39 ff., Heiduk / Kerlen-Prinz (1999), S. 51.

[45] Vgl. Stein (1991), S. 70 ff., Stehn (1992), S. 30 f., Heiduk / Kerlen-Prinz (1999), S. 34 f.

[46] Dunning hat seinen eigenen Ansatz mehrfach erweitert und modifiziert (1977, 1979, 1980, 1981, 1993, 1999) ohne aber an seinen Grundaussagen zu rütteln.

[47] Vgl. Dunning (1977), S. 395 ff., Dunning (1981), S. 30 ff.

[48] Vgl. Dunning, J.H. (1979), S. 276, Stein (1991), S. 142.

[49] Dunning (1979), S. 276.

[50] Dunning (1979), S. 276.

[51] Vgl. Dunning (1981), S. 32.

[52] Vgl. Heiduk / Kerlen-Prinz (1999), S. 49.

[53] Vgl. Beyfuß (1992), S. 32, Plum (1995), S. 14.

[54] Vgl. Plum (1995), S. 15 ff.

[55] Vgl. Plum (1995), S. 25 ff.

[56] Vgl. Plum (1995), S. 14 f.

[57] Vgl. Ebenda, S. 23 ff. sowie Krüger (2004), S. 29 f.

[58] Stein (1991), S. 50.

Ende der Leseprobe aus 89 Seiten

Details

Titel
Direktinvestitionen deutscher Unternehmen in Russland und Perspektiven wirtschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland und Russland
Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln
Note
2,9
Autor
Jahr
2006
Seiten
89
Katalognummer
V64829
ISBN (eBook)
9783638575447
ISBN (Buch)
9783656449188
Dateigröße
1398 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Direktinvestitionen, Unternehmen, Russland, Perspektiven, Beziehungen, Deutschland
Arbeit zitieren
Dipl.-Ing., Dipl.-Wirt.-Ing. Alexander Gromov (Autor), 2006, Direktinvestitionen deutscher Unternehmen in Russland und Perspektiven wirtschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland und Russland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64829

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