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Kontroversen um den EU-Beitritt der Türkei - Eine Diskursanalyse aus kulturwissenschaftlicher Sicht

Title: Kontroversen um den EU-Beitritt der Türkei - Eine Diskursanalyse aus kulturwissenschaftlicher Sicht

Thesis (M.A.) , 2006 , 146 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Katrin Jullien (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Summary Excerpt Details

Diese Magisterarbeit bietet eine kulturwissenschaftlich geprägte Diskursanalyse über die Diskussion um den EU-Beitritt der Türkei in der rechtskonservativen Jungen Freiheit (JF), der konservativ-liberalen Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) und der linksliberalen Tageszeitung (taz) im Zeitraum zwischen 2002 und 2004. Im Vordergrund der Analyse stehen die Fragen, welcher Logik die medialen Diskurse folgen, wie Grenzen zwischen dem Eigenen und dem Fremden konstruiert und Identitätsfragen verhandelt werden. Es geht dabei weniger um eine Bewertung der medialen Diskurse als um die Darstellung des diskursiven Rahmens, innerhalb dessen über einen EU-Beitritt der Türkei diskutiert wird. In der Arbeit werden signifikante mediale Bilder und Argumentationsstränge für die drei Zeitungen herausgearbeitet, anhand derer im Detail aufgezeigt wird, wie über Bedrohungsszenarien und Ethnisierungsstrategien symbolische Grenzziehungen zwischen EU und Türkei vollzogen werden. Diese Arbeit möchte nicht nur die als natürlich repräsentierte Grenze zwischen dem Islam und Europa in den kulturalistisch argumentierenden Diskursen hinterfragen, sondern auch die Folgen von Diskursverschränkungen in eher „progressiven“ Diskursen aufzeigen und damit den Blick für hinter diesen diskursiven Verknüpfungen liegende Interessen freilegen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

1.1 EU und Türkei – eine kurze Einführung in die Problematik

1.2 Forschungsperspektiven

1.3 Auswahl des empirischen Materials

II. Theoretischer Teil

1. Diskursanalyse

1.1 Zum Diskursbegriff

1.2 Diskurs und Wirklichkeit

1.3 Diskurs und Macht

1.4 Diskursanalytisches Arbeiten

2. Der EU-Beitritt der Türkei als Medienereignis

2.1 Mediale Realitätsvermittlung

2.2 Medienauswahl

III. Empirischer Teil

1. Die Diskussion um den EU-Beitritt der Türkei in der Jungen Freiheit

1.1 Die Überlastung der EU

1.2 Der „Untergang des Abendlandes“

1.3 Die Türkei – ein fremdes Land

1.4 Migrationsflut aus der Türkei – diskursive Verknüpfung von Beitritts- und Migrationsdiskurs

1.5 Kulturelle Segregationsforderungen

2. Die Diskussion um den EU-Beitritt der Türkei in der Tageszeitung

2.1 EU und Türkei – „Das push-and-pull- Prinzip“

2.2 „Koloss auf tönernen Füßen“

2.3 Signal der Anerkennung – diskursive Verknüpfung von Beitritts- und Migrationsdiskurs

2.4 Muslimische Emanzipation – diskursive Verknüpfung von Migrations- und Kopftuchdiskurs

3. Die Spezifik des rechten und des linken Beitrittsdiskurses im Vergleich mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

3.1 Ein christliches Europa für ein patriotisches Deutschland (Junge Freiheit)

3.2 Anerkennung der türkischen Migranten (Tageszeitung)

3.3 Europa als abendländische Schicksalsgemeinschaft versus Europa als Konstrukt (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

IV. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Magisterarbeit analysiert aus kulturwissenschaftlicher Perspektive die medialen Kontroversen um den EU-Beitritt der Türkei. Ziel ist es zu untersuchen, wie über den Beitritt diskutiert wird, welcher Logik die Argumentationsmuster folgen und wie durch diskursive Verknüpfungen (insbesondere zwischen Beitritts- und Migrationsdiskursen) Bedeutungssysteme über "Europa" und das "Fremde" konstruiert werden.

  • Diskursanalytische Untersuchung von Medienbeiträgen (Junge Freiheit, Tageszeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung).
  • Konstruktion von "Europa" und Identitätsbildung im medialen Diskurs.
  • Verknüpfung des Beitrittsdiskurses mit Fragen der Migration und Integration.
  • Rolle des "Islam" als diskursives Ausschluss- oder Integrationsargument.
  • Vergleich unterschiedlicher politischer Ausrichtungen der untersuchten Zeitungen.

Auszug aus dem Buch

Die Argumentationen

Claus Leggewie unterscheidet in der Diskussion zwei Argumentationsstränge. Der eine Strang dokumentiert die europäische Selbstfindung, die sich – in Analogie zum Orientalismus – an der Türkei ihrer Identität vergewissert. Der andere Argumentationsstrang fokussiert den Grad der Erfüllung der Kopenhagener Kriterien. Fünf Identitätskonzepte und damit einhergehende Argumentationskomplexe lassen sich im ersten Argumentationsstrang unterscheiden:

1. Europa als geographischer Raum

2. Europa als historische Erinnerungs- und Schicksalsgemeinschaft

3. Europa als Erbe des christlichen Abendlandes

4. Europa als kapitalistische Marktgemeinschaft mit sozialstaatlichen Elementen

5. Europa als Hort von Demokratie und Menschenrechten

Diese zwei Argumentationsstränge lassen sich nicht strikt voneinander trennen, sie markieren lediglich Ausgangspunkte einer Argumentation. Oft werden sie auch miteinander verwoben, um Aussagen und Forderungen zu bekräftigen. Wird beispielsweise der Annäherungsprozess an die Kopenhagener Kriterien und an die EU positiv dokumentiert, so wird meist auch mit einem Verständnis von Europa als Hort von Demokratie und Menschenrechten argumentiert, was die EU in ihrem Modernisierungsprozess unterstützen sollte.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Einführung in die Thematik der EU-Beitrittsdebatte der Türkei unter Einbezug aktueller medialer Positionen und Forschungsperspektiven.

II. Theoretischer Teil: Vermittlung der diskursanalytischen Grundlagen nach Foucault und Ausführung zur Medientheorie und Realitätsvermittlung.

III. Empirischer Teil: Detaillierte Analyse der Beitrittsdiskurse in der Jungen Freiheit, der Tageszeitung und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im direkten Vergleich.

IV. Fazit: Zusammenführende Betrachtung der Ergebnisse und Reflexion über die Rolle der Diskursanalyse bei der Dekonstruktion politischer Narrative.

Schlüsselwörter

Diskursanalyse, EU-Beitritt, Türkei, Medien, Europäische Ethnologie, Integration, Migration, Identität, Orientalismus, Kulturalismus, Neue Rechte, Politische Kommunikation, Europa, Konstruktivismus, Integrationsdebatte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie verschiedene deutsche Medien den EU-Beitritt der Türkei diskursiv verhandeln und welche Identitätskonstruktionen dabei im Zentrum stehen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind der türkische EU-Beitritt, Migrations- und Integrationsdiskurse, die Konstruktion von europäischer Identität sowie die Rolle des Islam im medialen Diskurs.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die De- und Rekonstruktion der Argumentationsstrukturen in ausgewählten Medien, um aufzuzeigen, wie politische Räume und Grenzen diskursiv erzeugt werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird die Methode der kritischen Diskursanalyse aus kulturwissenschaftlicher Sicht angewandt, basierend unter anderem auf den Ansätzen von Michel Foucault und Siegfried Jäger.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Diskursanalyse und Medientheorie sowie einen umfangreichen empirischen Teil, der die Zeitungen "Junge Freiheit", "Tageszeitung" und "Frankfurter Allgemeine Zeitung" analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Diskursanalyse, Identitätsbildung, Migrationsdiskurs, Orientalismus, Kulturalismus und Europäische Ethnologie sind prägend für die Untersuchung.

Welche Rolle spielt der Islam im Beitrittsdiskurs der Jungen Freiheit?

In der "Jungen Freiheit" wird der Islam primär als "fremdes" und "inkompatibles" System konstruiert, das zur Begründung der Ablehnung eines Beitritts herangezogen wird.

Wie unterscheidet sich die Berichterstattung der Tageszeitung von der Jungen Freiheit?

Die "Tageszeitung" sieht den EU-Beitritt eher positiv und als Motor für demokratische Reformen in der Türkei, während sie den Islam nicht als pauschales Ausschlusskriterium verwendet, sondern Integration als gesellschaftliche Aufgabe betrachtet.

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Details

Title
Kontroversen um den EU-Beitritt der Türkei - Eine Diskursanalyse aus kulturwissenschaftlicher Sicht
College
University of Marburg  (Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft)
Grade
1,3
Author
Katrin Jullien (Author)
Publication Year
2006
Pages
146
Catalog Number
V64839
ISBN (eBook)
9783638575478
ISBN (Book)
9783638730044
Language
German
Tags
Kontroversen EU-Beitritt Türkei Eine Diskursanalyse Sicht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katrin Jullien (Author), 2006, Kontroversen um den EU-Beitritt der Türkei - Eine Diskursanalyse aus kulturwissenschaftlicher Sicht , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64839
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