Airbus Industries ist eine 80%-Tochter des Luft-, Raumfahrt- und Rüstungstechnologiekonzerns EADS, weitere 20% werden von BAE Systems gehalten. Rechtlicher Sitz von Airbus ist in Toulouse, wohingegen EADS in Amsterdam beheimatet ist.
Die Firma ist heute der nach Bestellungen und Auslieferungen (etwa 300 jährlich) größte zivile Flugzeugbauer der Welt, dicht gefolgt vom einzigen Konkurrenten Boeing Commercial Aircraft Group.
Produziert werden drei Basisfamilien, die den kompletten Bereich von 100 bis 440 Plätzen abdecken. Durch die derzeit in Vorserienproduktion befindliche A380 wird diese Familie um eine weitere Basisplattform erweitert, und deckt dann das Spektrum 440-1000 Sitze ab.
Unterschieden wird zwischen
• der A300/310 Familie mit etwa 240-360 Plätzen (Baureihen A300B2, A300B4, A300-600(R), A300-600RF, A310-200, A310-300 sowie -200/300F),
• der A320 Familie (A318, A319, A320, A321) mit 100-220 Plätzen (A318-100, A319-100 und A319CJ, A320-100/200, A321-100/200)
• der A330/340 Familie (A330/340) mit etwa 250 bis 440 Plätzen (A330-200/300, A340-200/300/500/600)
• der A380 Familie mit etwa 440 bis 1000 Plätzen (A380-800/900 und -800F)
Ursprungsmodell ist die A300, die ab etwa 1970 angeboten wurde, die A310 ist eine verkürzte Version, enthält aber im Großen und Ganzen die gleiche Technik wie die A300. Auf dem gleichen Rumpfquerschnitt (Fuselage Width) baut die A330/340 auf, welche seit Ende der 1980 angeboten wird und seit Mitte der 1990er im Einsatz ist. Jedoch wurde hier komplett neue Technik eingesetzt. Die Versionen -500 und -600 stellen einen Block Change dar, die Ursprungsversionen A340-200/300 wurden soweit verändert, dass Fachkreise auch von einem komplett neuen Flugzeugtyp sprechen.
Inhaltsverzeichnis
Airbus – eine Vorstellung
Anforderungen an die Logistik
Airbus Logistik: Der Lufttransport
Airbus Logistik: Der Seetransport
Airbus Logistik: Der Straßenverkehr
Airbus Logistik: Der Mitarbeiterwerksverkehr
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die komplexen logistischen Herausforderungen von Airbus als europäischem Konsortium und beleuchtet, wie die Vernetzung weit verstreuter Produktionsstandorte durch spezialisierte Transportlösungen für Luft, See und Straße realisiert wird.
- Historische Entstehung und industrielle Struktur von Airbus
- Strategische Bedeutung der Werkslogistik für den Produktionsverbund
- Spezielle Logistiklösungen für großvolumige Flugzeugkomponenten
- Kombination von Luft-, See- und Straßentransporten
- Prozessmanagement durch PULL-Logistik und Just-In-Time-Konzepte
Auszug aus dem Buch
Airbus Logistik: Der Lufttransport
Auf Grund der Distanzen zwischen den einzelnen Airbuswerken in Europa und die gewollte Vernetzung, wurde von Beginn an ein System für den Lufttransport von Teilen eingerichtet. Dreh- und Angelpunkt war und ist hierfür Toulouse, zunehmend auch Hamburg.
Im Airbus-Luftverkehr werden vor allem beschädigungsanfällige Teile transportiert, die zudem noch zeitkritisch sind und auch nur in sehr begrenztem Maße auf der Straße transportiert werden können. Dies sind vor allem Rumpfsegmente (aus Nordenham, Varel und Bremen), das Cockpit (aus Meaulte, St. Nazaire und Nantes), Flügel bzw. Flügelkästen (die Flügelkästen entstehen in Bremen, in Broughton werden sie ausgerüstet), das Seitenleitwerk (Stade) und das Höhenleitwerk (Getafe, Illescas).
Damit beide Endmontagelinien bedient werden können, hat Airbus die Tochter „Airbus Transport International“ gegründet. Diese betreibt für Airbus die im Werksverkehr eingesetzten Flugzeuge, bis Mitte der 1990er den „Super Guppy“ (da noch unter dem Namen „Airbus Skylink“), heute eine Flotte von fünf A300-600ST, besser bekannt unter dem Namen Beluga. Diese Maschinen sind auf Basis der A300-600 so modifiziert worden, dass sie die benötigten Segmente, speziell die Rumpfsegmente, aller Typen mit Ausnahme der A380 befördern können.
Zusammenfassung der Kapitel
Airbus – eine Vorstellung: Gibt einen Überblick über die Unternehmensstruktur von Airbus, die verschiedenen Flugzeugfamilien und die weltweite Produktion an 16 Standorten.
Anforderungen an die Logistik: Erläutert die historischen Gründe für die Gründung von Airbus und die Notwendigkeit, eine komplexe Logistikstruktur zur Vernetzung der nationalen Standorte zu schaffen.
Airbus Logistik: Der Lufttransport: Beschreibt den Einsatz der Beluga-Flotte zum Transport zeitkritischer und beschädigungsanfälliger Rumpf- und Flügelkomponenten zwischen den Werken.
Airbus Logistik: Der Seetransport: Analysiert den Einsatz von Spezialschiffen wie der „Ville de Bordeaux“ für den Transport übergroßer A380-Bauteile, die nicht mehr per Luft oder Straße transportierbar sind.
Airbus Logistik: Der Straßenverkehr: Thematisiert den Straßentransport als ergänzende Säule, inklusive der infrastrukturellen Anpassungen für den Schwertransport von A380-Segmenten.
Airbus Logistik: Der Mitarbeiterwerksverkehr: Beschreibt das Shuttle-Netzwerk für Personal zwischen den Hauptstandorten zur Sicherstellung einer effizienten firmeninternen Zusammenarbeit.
Schlüsselwörter
Airbus, Logistik, Lufttransport, Seetransport, Straßentransport, Produktionsverbund, Beluga, A380, Just-In-Time, KANBAN, Werksverkehr, Supply Chain, Flugzeugbau, Fertigung, EADS.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der spezifischen Logistikstruktur von Airbus, die notwendig ist, um die Produktion von Flugzeugen über verschiedene europäische Standorte hinweg zu koordinieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Vernetzung der Produktionswerke, die Wahl der Transportmittel (Luft, See, Straße) für unterschiedliche Bauteilgrößen und das Airbus Manufacturing System.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Airbus durch eine hochspezialisierte Logistik aus einem dezentralen europäischen Konsortium einen effizient produzierenden Global Player geformt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive Analyse auf Basis von Fachpublikationen, Unternehmenskennzahlen und Hintergrundinformationen zur logistischen Prozessgestaltung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die einzelnen logistischen Säulen: den Lufttransport per Beluga, die Schiffstransporte für A380-Komponenten, die Straßentransporte für Schwertransporte sowie den Personalschuttel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Typische Schlüsselbegriffe sind Airbus, Logistik, A380, Beluga, Just-In-Time, KANBAN und Produktionsverbund.
Warum wurde für die A380 ein Schiffstransport notwendig?
Die Dimensionen der A380-Komponenten überstiegen die Kapazitäten der bestehenden Lufttransportmittel (Beluga) und machten Straßentransporte aufgrund infrastruktureller Grenzen unmöglich.
Welche Rolle spielt die „Ville de Bordeaux“ in der Logistikkette?
Sie ist eine spezialisierte RoRo-Fähre, die in einem festen Rundlauf zwischen den Airbus-Standorten verkehrt, um die riesigen Rumpf- und Flügelkomponenten der A380 zu transportieren.
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- Dipl.-Wirtschaftsingenieur Björn Wittek (Author), 2004, Airbus - European Logistics for a Global Player, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64844