Frauen und Rechsextremismus - Die Rolle der Frau in rechtsextremistischen Kreisen


Essay, 2004

7 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland wurde die traditionelle Rolle der Frau ideologisch aufgewertet. Bereits im Jahr der Machtergreifung Hitlers eröffnete Reichspropagandaminister Joseph Goebbels in Berlin die Ausstellung „Die Frau, Frauenleben und wirken in der Familie, Haus und Beruf“. Damit versuchte die NSDAP, Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, das nationalsozialistische Frauenbild in der Öffentlichkeit zu verbreiten. Die NS-Propaganda stellte ein Mutterbild als Leitbild für die Frau auf. Es setzte sich aus einem traditionellen, konservativen Frauenbild zusammen. Rechtlich betrachtet hatte die Ehefrau gegenüber dem Mann die schwächere Position. Dem Mann stand die Entscheidung in allen das gemeinschaftliche Leben betreffenden Angelegenheiten zu. Er konnte seiner Frau die Erwerbstätigkeit verbieten und hatte das Recht, im Konfliktfall zu entscheiden. Die Rolle der Frau im Nationalsozialismus war fast ausschließlich auf die Erfüllung der Mutterrolle festgelegt. Der arischen Rasse sollten viele Nachkommen geschenkt werden. Von Kind an wurden Mädchen auf ihre spätere Rolle als Mutter und Ehefrau vorbereitet. Ihre Aufgabe war neben der Mutterrolle die Stütze des Mannes im Haushalt. Eine berufliche Karriere dagegen sollten sie nicht anstreben. Wenn Frauen öffentlich in Erscheinung traten, dann als schmückendes Beiwerk ihrer Männer. Die Reglementierung schloss auch das äußere Erscheinungsbild mit ein. In der Öffentlichkeit verkündeten Plakate: „Die deutsche Frau raucht nicht, die deutsche Frau trinkt nicht, die deutsche Frau schminkt sich nicht...“

Dennoch gab es laut Renate Bitzan (Grumke/Wagner: 2002: 99) unter den Nationalsozialisten eine Minderheit, die ein auf Gleichheit zielendes Geschlechterverhältnis anstrebte und zugleich die völkisch und rassistische NS-Politik vertrat. Allerdings erhielt diese Strömung 1937 Publikationsverbot.

Im weiteren Verlauf des Essays soll der Frage nachgegangen werden, welche Rolle der Frau heute in rechtsextremistischen Kreisen gebührt. Dabei soll ein weiterer Untersuchungsgegenstand sein, ob Parallelen zu dem traditionellen Frauenbild im Nationalsozialismus, das eher einem Mutterbild gleicht, existieren und welche Aufgaben und Funktionen die Frau in der rechtsextremistischen Szene hat. Treten rechts orientierte Frauen ebenfalls nur repräsentativ auf oder ist ein egalitäres Geschlechterverständnis vorhanden? Diesen Fragen soll im weiteren Verlauf auf den Grund gegangen werden.

In den Studien gibt es verschiedene Auffassungen darüber, welche Rolle die Frau in rechtsextremistisch orientierten Kreisen spielt. Auf der einen Seite existiert das Bild der Frau, welches im Nationalsozialismus propagiert wurde, wonach die Frauen die untergeordnete Stellung neben dem Mann einnehmen und eher im Hintergrund fungieren. Auf der anderen Seite wird gerade in den letzten Jahren neben dem Zuwachs an Frauen auch eine Zunahme ihres Einflusses festgestellt.

Nach Ansicht von Renate Nestvogel (1994: 231) übernehmen besonders junge Frauen als sogenannte „Fascho-Braut“ oder „Rinnie“ den Part der Akzeptanz und Unterstützung der Männer. Die Mädchen identifizieren sich stark mit der Rolle der Trösterin und Helferin bei Ausschreitungen. Im Ernstfall ist es ihre Aufgabe als Schlichterin einzutreten, darüber hinaus haben sie jedoch nicht viel Einfluss. Hierbei wird besonders die Abhängigkeit der Frauen von den Männern sichtbar: 1.) Junge Frauen identifizieren sich an den Leitvorstellungen wie sie zu sein haben, ohne diese zu hinterfragen. Sie stehen für die psychische und physische Reproduktion der Männer als Trösterin zur Verfügung. 2.) Sie identifizieren sich mit den Taten der Männer und bewundern deren Mut und Stärke. Sie unterwerfen sich männlicher Dominanz und lassen sich von ihnen dirigieren. Eigene nicht gelebte Macht und Aggressionsbedürfnisse werden auf das „starke Geschlecht“ übertragen. Sie kämpfen nicht sondern lassen kämpfen, siegen und durchgreifen. Renate Nestvogel kommt zu dem Schluss, dass Frauen in rechtsextremistischen Kreisen im Sinne traditioneller Rollenerwartung agieren. Sie entwerten sich als Frau, unterstützen und werten jedoch den Mann und seine Taten auf. Den Grund für dieses Verhalten sieht R. Nestvogel (1994: 234) in ihrem „Lohn“. Die Frauen können somit an der Macht der Männer teilhaben und empfinden sich als dazugehörend. (Vgl. Nestvogel: 1994: 232ff)

Diese Auffassung teilt auch Birgit Meyer (Otto/Merten: 1993: 215). Sie unterstützt sowohl die These nach der Frauen nicht gelebte Gewaltfantasien auf das starke Geschlecht projizieren als auch die Begründung, dass Frauen sich dominieren lassen um so an dem männlichen Schutz und an deren symbolischer Macht teilzuhaben. Einen weiteren Grund für das Unterordnungsverhalten von Frauen sieht sie in der weiblichen Sozialisation. Frauen , welche sich den Männern unterordnen, erfahren nicht nur Liebe und Annerkennung, sondern auch die „natürlichen“ Eigenschaften der Frau werden dadurch aufgewertet. Sie führt diesen Gedanken noch weiter aus, indem sie sagt, dass das in rechtsextremistischen Kreisen wiederbelebte traditionelle Frauenbild von aufopfernder Weiblichkeit und Mütterlichkeit ein Anreiz für Frauen sei sich der rechtsextremen Szene anzuschließen. Die Unterordnung von Frauen unter Männer, die Flucht in einen neuen Privatismus und Familismus sind besonders für junge Frauen ansprechend.

Des Weiteren stellt sie fest, dass besonders in rechten Kreise widersprüchliche Rollenmodelle existieren. Mehrheitlich wird das Bild der traditionellen Frauenrolle, nach dem die Frau Begleiterin und Unterstützerin männlicher Akteure und Taten ist, vertreten. Daneben existiert das Bild der fast ebenbürtigen Kampfgenossin, die an der Seite des Mannes kämpft. „Ich saufe wie ein Mann, also prügle ich mich wie ein Mann.“ (Otto/Merten: 1993: 215) Diese Tendenz der Herausbildung eines neuen Frauenbildes innerhalb rechter Orientierungen nahm auch Renate Nestvogel bei ihrer Untersuchung wahr. Sie beschreibt einige Frauen, die sich sowohl in ihrer äußeren Erscheinung als auch in ihrem Verhalten an den Männern orientieren. Um Annerkennung beim andern Geschlecht zu finden, machen diese besonders kräftig mit. Ziel ihres Vorhabens ist die Emanzipation der Frauenrolle. (Vgl. Nestvogel: 1994: 231)

Eine neuere Studie, welche im letzten Jahr von Renate Bitzan (Grumke /Wagner: 2002: 87ff) durchgeführt wurde, ergab, dass sich in rechtsextremistischen Parteien und Organisationen noch immer viele Mitläufer befinden, welche über ihre Väter, Ehegatten oder Freunde eingebunden wurden. Diese übernehmen Fleißaufgaben wie Telefondienste oder das Eintüten und Verschicken von Informationsmaterial. Auf der anderen Seite gibt es jedoch seit einigen Jahren etliche Funktionärinnen in rechtsextremistischen Kreisen, die als Vorstandsmitglieder oder Abgeordnete tätig sind. Diese Frauen haben das traditionalistische Frauenbild, welche den Mann in seinen Taten als Helferin und Begleiterin zur Seite steht, aber ansonsten keine Einfluss ausübt, abgelegt. Sie organisieren aktiv Treffen und Aufmärsche oder treten als Rednerinnen auf. Die Beispiele dafür sind zahlreich:

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Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Frauen und Rechsextremismus - Die Rolle der Frau in rechtsextremistischen Kreisen
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
7
Katalognummer
V64913
ISBN (eBook)
9783638576055
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauen, Rechsextremismus, Rolle, Frau, Kreisen
Arbeit zitieren
Melanie Lüdtke (Autor), 2004, Frauen und Rechsextremismus - Die Rolle der Frau in rechtsextremistischen Kreisen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64913

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