Es ist unübersehbar, dass der Bibliothek der Benediktinerabtei im nördlichen Apennin in diesem Roman, der eine Mischung aus Krimi und historischem Roman darstellt und im Jahre 1327 spielt, eine ganz zentrale Rolle zukommt:
William von Baskerville und sein Novize Adson von Melk werden darum gebeten einen seltsamen Todesfall aufzuklären. Die beiden beginnen mit ihren Recherchen, können jedoch auch weitere mysteriöse Todesfälle in der Abtei nicht verhindern. Bei ihren Ermittlungen stoßen sie immer wieder auf die reich ausgestattete aber verbotene und labyrinthische Klosterbibliothek, die offensichtlich etwas beherbergt, das im Verborgenen bleiben soll und für das jemand Morde begeht.
Wie und warum Umberto Eco diese Bibliothek so geheimnisumwoben, verwirrend, verboten und geradezu so negativ darstellt, soll im Folgenden näher dargelegt werden.
Zu diesem Zweck wird der Schwerpunkt im ersten Teil dieser Arbeit, der den Titel „Die Bibliothek im Namen der Rose“ trägt, vor allem deskriptiv auf die besondere Architektonik („Die Bibliothek als Labyrinth“), das geheimnisvolle Inventar sowie den Bibliothekar als Machthaber der Bibliothek gelegt.
Für den zweiten Teil der Hausarbeit wird auch Ecos autobiographisch gefärbter Essay Die Bibliothek herangezogen, um die Beweggründe des Autors – eine so benutzerunfreundliche Bibliothek zu erschaffen – ansatzweise interpretieren zu können. Ebenso wird untersucht, inwieweit sich Eco für seinen Roman von Jorge Luis Borges und dessen Erzählung Die Bibliothek von Babel inspirieren ließ. Demnach ist dieser Teil der vorliegenden Hausarbeit mit „Die Motive des Autors“ überschrieben
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Bibliothek im Namen der Rose
2.1 Die Bibliothek als Labyrinth
2.1.1 Gefährliche Literatur
2.1.2 Verschleierung des Wissens
2.1.3 Der eigentliche Bibliothekar und Machthaber über das Wissen
3. Die Motive des Autors
3.1 Ecos Negativmodell der Bibliothek
3.2 Vergleiche zu Jorge Luis Borges sowie zu seiner Erzählung Die Bibliothek von Babel
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Rolle und die spezifische Ausgestaltung der Bibliothek im Roman "Der Name der Rose" von Umberto Eco. Ziel ist es, die Funktion der Bibliothek als labyrinthisches, exklusives und machtpolitisches Instrument der Wissenskontrolle sowie die literarischen Einflüsse von Jorge Luis Borges und Ecos eigene theoretische Ansätze zur Bibliothek zu analysieren.
- Architektonik und Symbolik der Bibliothek als Labyrinth
- Die Rolle des Bibliothekars als Wächter und Zensor
- Wissensmonopol und Machtstrukturen innerhalb der Klosterabtei
- Literarische Analogien zu Jorge Luis Borges’ "Die Bibliothek von Babel"
- Ecos Essay "Die Bibliothek" und das Modell der "schlechten Bibliothek"
Auszug aus dem Buch
2.1.3 Der eigentliche Bibliothekar und Machthaber über das Wissen
Der blinde Ex-Bibliothekar Jorge von Burgos ist der tatsächliche Herrscher des Labyrinthes – der Bibliothekar Malachias von Hildesheim ist lediglich sein willenloser Handlanger. Jorge bewahrt, beschützt und verteidigt die Schätze der Bibliothek indem er als einzige Person die Geheimnisse der Bibliothek sowie alle in ihr enthaltenen Bücher kennt; („Kurzum, Jorge war das personifizierte Gedächtnis der Bibliothek und die Seele des Skriptoriums“21).
Da er der Ansicht ist, dass „´[d]ie Bibliothek […] Zeugnis der Wahrheit wie des Irrtums`“22 sei, sorgt er dafür, dass Schriften von Ungläubigen und heidnische Bücher (Bücher der Lüge) durch den Bibliothekar verschlossen bleiben.
Explizit geht es hier um ein bestimmtes, verloren geglaubtes Buch: es ist das zweite Buch der Poetik des Aristoteles und „[i]n gewisser Hinsicht kann es als das Hauptthema des Romans betrachtet werden, denn es bestimmt die Taten des Mörders, der wissbegierigen Forscher und des Detektivs.“23
Dieses gesuchte Buch handelt von der Komödie und vom Lachen. Jorge von Burgos - als Verfechter der kirchlichen Dogmen - allerdings verabscheut das Lachen zutiefst:
„´Die Komödien wurden von Heiden geschrieben, um die Leute zum Lachen zu bringen, und das war schlecht. Unser Herr Jesus hat weder Komödien noch Fabeln erzählt, ausschließlich klare Gleichnisse, die uns allegorisch lehren, wie wir ins Paradies gelangen, und so soll es bleiben! ´“24
Auf Grund dessen, dass der Mensch durch das Lachen seine Ängste vor dem Teufel besiegen kann und dadurch nicht mehr gottesfürchtig ist und sich von der Kirche abwendet, wird das zweite Buch der Poetik von Jorge von Burgos als gefährliche Literatur eingestuft und im Finis Africae, einem Geheimraum im Labyrinth, verwart.
Jorge von Burgos geht sogar so weit, dass er die Seiten dieses einmaligen und gesuchten Buches mit Gift versehrt, damit der unerlaubte und zu neugierige Leser daran umkommt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, die Bibliothek in Umberto Ecos Roman als geheimnisumwobenen und negativen Ort zu untersuchen.
2. Die Bibliothek im Namen der Rose: Dieses Kapitel beschreibt die physische Architektonik der Bibliothek, den Zugang zum Wissen durch den Bibliothekar und die Verschleierung von Informationen.
3. Die Motive des Autors: Das Kapitel analysiert Ecos theoretisches Modell der "schlechten Bibliothek" und vergleicht das Werk mit Borges' "Die Bibliothek von Babel".
4. Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass die Bibliothek als Labyrinth und Machtinstrument dient und Eco hier eine bewusste Gegenentwurf zu einer idealen, frei zugänglichen Bibliothek schafft.
Schlüsselwörter
Umberto Eco, Der Name der Rose, Bibliothek, Labyrinth, Jorge von Burgos, Jorge Luis Borges, Die Bibliothek von Babel, Wissenskontrolle, Aristoteles, Poetik, Zensur, Macht, Literaturwissenschaft, Klosterbibliothek, Medienkultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die symbolische und funktionale Bedeutung der Klosterbibliothek in Umberto Ecos Roman "Der Name der Rose".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Macht über Wissen, die Architektur als Labyrinth, die Rolle der Zensur und der Vergleich mit literarischen Vorbildern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, warum Eco die Bibliothek als so negativ, geheimnisvoll und verwirrend darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive Analyse des Romans in Verbindung mit einer theoretischen Auswertung von Ecos eigenem Essay zur Bibliothek vorgenommen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Architektonik, den Bibliothekar als Machthaber, Ecos Negativmodell der Bibliothek und die Inspiration durch Jorge Luis Borges.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Labyrinth, Wissenskontrolle, Zensur, Jorge von Burgos, Aristoteles und Macht.
Welche Rolle spielt Jorge von Burgos in der Bibliothek?
Er ist der blinde Ex-Bibliothekar und tatsächliche, machthabende Hüter, der entscheidet, welches Wissen für andere zugänglich ist oder vernichtet werden muss.
Warum wurde die "Poetik" des Aristoteles als gefährlich eingestuft?
Da das Werk das Lachen thematisiert, welches nach Jorges Ansicht die Angst vor dem Teufel mindert und somit die kirchliche Autorität untergräbt.
- Citar trabajo
- Vanessa Lichtsinn (Autor), 2006, Die labyrinthische Bibliothek in Umberto Ecos "Der Name der Rose", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64970