Jugendliche Lebenswelten und schichtbedingte Chancenungleichheit


Hausarbeit, 2006

16 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Shell Jugendstudie
i. Entstehung der Shell Jugendstudie
ii. Die 14. Shell Jugendstudie

III. Die Lebenswelten der Jugendlichen
i. Schule
ii. Familie
iii. Freizeit

IV. Resümee

V. Anhang

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beginnt zunächst mit einer kurz gehaltenen allgemeinen Übersicht der Shell Jugendstudie, d.h. es soll ihre Entwicklung, Bedeutung und Forschungsweise aufgezeigt werden.

Primär behandelt diese Arbeit die drei wichtigsten Lebensbereiche der Jugendlichen –Familie, Schule und Freizeit (Kapitel 2 der 14. Shell Jugendstudie), die Aufschluss darüber geben sollen, welche Werte, Wertehaltungen und Interessen Jugendliche heutzutage haben.

Hierzu werden ausgewählte Statistiken der 14. Shell Jugendstudie aufgezeigt und ausgewertet, die hinsichtlich möglicher Ursachen und Gründe der Lebenslage und Lebenseinstellung der Jugendlichen interpretiert werden. Der Blick richtet sich vor allem auf schichtspezifische sowie teilweise auf geschlechterspezifische Befunde.

II. Die Shell Jugendstudie

„Die Shell-Jugendstudie ist eine Untersuchung der Einstellungen, der Werte, der Gewohnheiten und des Verhaltens von Jugendlichen in Deutschland, die vom Mineralölkonzern Shell seit 50 Jahren herausgegeben wird. Die Studie ist wissenschaftlich fundiert, […].“[1]

Wie aus dem oben genannten Zitat deutlich wird, setzt sich die Grundgesamtheit, die in der Shell Jugendstudie erfasst wird, aus Jugendlichen in Deutschland zusammen.

Die darauf basierende Untersuchungsform, heißt Survey. Es handelt sich hierbei um eine große Überblicksstudie, die charakteristisch eine große Menge von Variablen an einer ebenfalls großen Zufallsstichprobe erhebt, um in deskriptiver Form über soziale Prozesse Berichterstattung geben zu können. Zu unterscheiden ist bei einem Survey Querschnittsuntersuchung und Längsschnittuntersuchung. Während sich die Querschnittsuntersuchung nur auf einen Zeitpunkt bezieht, werden bei der Längsschnittuntersuchung die gleichen Variablen wiederholt erhoben.[2] Die Shell Jugendstudie ist eine Mischform der beiden Untersuchungsdesigns; man kann sie als „wiederholte Querschnittsstudie“ betiteln.

Die Shell Jugendstudien sind in Deutschland sowohl in der Pädagogik als auch in der Politik, bei den Medien und in der Fachwelt von großer Bedeutung: „Sie gehören mittlerweile zu den gefragtesten Publikationen auf ihrem Gebiet“[3] und ihre erhobenen Daten dienen als Grundlage für die Jugendforschung.

i. Entstehung der Shell Jugendstudie

Mit der 14. Ausgabe der Shell Jugendstudie feiert sie ihr 50. Bestehungsjahr – erstmals wurde sie also 1952 erhoben und publiziert. Die Idee dafür entkeimte Pädagogen aus der sozialen Unsicherheit der Nachkriegszeit heraus; man forderte zuverlässige, wissenschaftlich gesicherte Daten über persönliche Einstellungen und Verhaltensweisen der Jugendlichen in Deutschland um auf dieser Grundlage neue pädagogische Konzepte formulieren zu können. Bei der Methode für diese Datengewinnung entschied man sich für die Befragung.

„Die Befragung ist ein planmäßiges Verfahren mit wissenschaftlicher Zielsetzung, bei dem die Versuchsperson durch eine Reihe gezielter Fragen oder mitgeteilter Stimuli zu verbalen Informationen veranlasst werden soll.“[4]

Für die Jugendstudie der Shell sollte es explizit die Form der schriftlichen Befragung mit standardisiertem Fragebogen sein, da somit jeder einzelne Befragte sein Statement über objektive Gegebenheiten (wie die besuchte Schulform), subjektive Faktoren (wie Normen) und Verhaltensweisen abgeben konnte.

Eine dergleichen umfangreiche Studie setzt natürlich entsprechende finanzielle Mittel voraus, denn nicht nur die Fragebögen als solche sind Kostenpunkte, vielmehr sind die Entwicklungen entsprechender Methoden und die Auswertungen dieser Fragebögen mit erheblichen Kosten verbunden. Mit der Shell AG als Finanzierer, bekam die Deutsche Shell Jugendstudie ihren Namen.

Seit ihrer „Geburt“ 1952 wurden für jede der bisher erschienenen Shell Jugendstudien führende Forschungsinstitutionen mit der Erstellung von aktuellen Studien der Einstellungen, Werte, Gewohnheiten etc. Jugendlicher beauftragt. Die jeweiligen Ergebnisse können im Zentralarchiv für empirische Sozialforschung der Universität Köln eingesehen werden.

ii. Die 14. Shell Jugendstudie

Wie bereits bei den zuvor veröffentlichten Shell Jugendstudien ist der Herausgeber der 14. Ausgabe die Deutsche Shell und sie ist im Fischer Taschenbuchverlag erschienen. Die Verantwortlichen für ihre konzeptionelle Grundlegung und inhaltliche Ausrichtung waren Klaus Hurrelmann und Mathias Albert.

Die zwei Themenschwerpunkte, die in der 14. Shell Jugendstudie dominieren, sind zum einen das besondere Politikverständnis (und politische Engagement) von Jugendlichen, wobei hier „eine besondere Aufmerksamkeit […] auf geschlechterspezifische Ausprägungen politischer Einstellungen und Verhaltensweisen“[5] berücksichtigt wurde; und zum anderen die Werteorientierungen der Jugendlichen in Deutschland.

Für die Erhebung der 14. Shell Jugendstudie wurden 2500 Jugendliche (= Umfang der Stichprobe / n) im Alter von 12 bis 25 Jahren in der Zeitspanne von März bis April 2002 durch Interviewer(innen) mittels eines standardisierten Fragebogens befragt. Vervollständigend weist die Studie – wie bei den bisherigen Shell Jugendstudien – noch 20 Kurzportraits von Jugendlichen auf, sodass „[a]uf diese Weise […] quantitative und qualitative Erhebungsverfahren miteinander kombiniert werden, […]“[6] können. Diese 20 Jugendlichen wurden gezielt aufgrund ihrer politischen Aktivitäten über das Internet ausgewählt.

III. Die Lebenswelten der Jugendlichen

Um Einblicke zu bekommen, wie Jugendliche ihre Lebenswelt wahrnehmen, werden die jungen Menschen im 2. Kapitel der 14. Shell Jugendstudie zu den Themen Familie, Schule und Freizeit befragt, denn diese Lebenswelten „[…] stellen die wichtigsten Entwicklungsbereiche der Jugendphase dar und prägen auch das Politik- und Werteverständnis junger Menschen.“[7]

i. Schule

Schule ist zu einem wichtigen Thema der Öffentlichkeit geworden. Das liegt unter anderem daran, dass Bildung z. B. durch die Politik immer bedeutender wird, und dadurch Forschungen wie die „Pisa Studie“, die international Schulleistungen vergleicht, immer populärer. Jugendliche stehen damit unter einen immer höheren Qualifikationsanspruch. Dazu kommt, dass sich nach der (in der Mitte der 60ger Jahren durch die politischen Vorgaben und infolge demokratischer Entwicklungen in Deutschland eingeleiteten) „Bildungsexpansion“ die Schulzeit erheblich verlängert hat und immer mehr Schüler einen Großteil ihrer Jugendphase in der Schule verbringen. Dies hat zur Folge, dass der Bildungseinrichtung Schule große Aufmerksamkeit dargebracht wird, da sie „[…] als gesellschaftliche Institution mit der Sozialisation Jugendlicher beauftragt […]“ ist[8].

Schule nimmt somit ferner erheblichen Einfluss auf die weitere Laufbahn sowie die Zukunftsoptionen der jungen Menschen.

Festzuhalten ist jedoch, dass es trotz dieser langen Ausbildungszeiten und höheren Qualifikationsanforderungen eine höhere Bildungsaspiration der Jugendlichen gibt.

Die 14. Shell Jungendstudie stellte nun fest, dass noch 48% der befragten Jugendlichen zur Schule gehen und dass es hierbei bis zum 16. Lebensjahr bei Jungen und Mädchen anteilig gleichermaßen der Fall ist.

Auffällig ist allerdings die geschlechtsspezifische Differenzierung der besuchten Schulform und damit auch die der Bildungschancen. „Schlüsseln wir diese Trends nach sozialen und demografischen Kriterien auf, so zeigt sich über die letzten drei Jahrzehnte eine deutliche Steigerung der Bildungsbeteiligung und des Bildungserfolgs von weiblichen Jugendlichen.“[9] Hurrelmanns Aussage lässt sich anhand der Abbildung 2.9 Besuchte Schulform[10], entnommen der 14. Shell Jugendstudie (siehe Anhang), nachvollziehen.

Die erste Spalte dieser Abbildung zeigt den Umfang der Stichprobe geschlechterdifferenziert in Prozent – verteilt auf die verschiedenen Schulformen, die weiteren drei Spalten unterteilen nochmals in Altersgruppen. In der ersten Spalte wird deutlich, dass Mädchen häufiger als Jungen die höheren Schulformen besuchen. So besuchen 43% der Mädchen aber nur 39% der Jungen ein Gymnasium. 24% der Jungen sind auf Hauptschulen vertreten aber nur 19% der Mädchen.

[...]


[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Shell-Jugendstudie (21.02.2006).

[2] Vgl. Pfeiffer, Dietmar K., Püttmann, Carsten, Pauli, Oliver (2005): Grundlagen empirisch-statistischer Methoden. 2005, 3. Auflage. Münster: Institut für sozialwissenschaftliche Forschung e.V. S. 60f..

[3] Deutsche Shell (Hrsg.): Jugend 2002. 14. Shell Jugendstudie. 2003, 4. Auflage. Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag. S. 11.

[4] Scheuch, Erwin K.: Das Interview in der empirischen Sozialforschung. In: König, René (Hrsg.), Handbuch der empirischen Sozialforschung, Bd. 2. 1973. Stuttgart: Enke. S. 70.

[5] Deutsche Shell (Hrsg.): Jugend 2002. 14. Shell Jugendstudie. 2003, 4. Auflage. Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag. S. 13.

[6] Ebd. S.13.

[7] Linssen, Ruth, Leven, Ingo, Hurrelmann, Klaus: Wachsende Ungleichheit der Zukunftschancen? Familie, Schule und Freizeit als jugendliche Lebenswelten. In: Deutsche Shell (Hrsg.): Jugend 2002. 14. Shell Jugendstudie. 2003, 4. Auflage. Frankfurt: Fischer Taschenbuch Verlag. S. 53. Im Folgenden zitiert als: Linssen, Leven, Hurrelmann. 2002.

[8] Linssen, Leven, Hurrelmann. 2002. S. 53.

[9] Hurrelmann, Klaus: Lebensphase Jugend. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Jugendforschung. 2005, 8. Auflage. Weinheim und München: Juventa Verlag. S. 83.

[10] Linssen, Leven, Hurrelmann. 2002. S. 63.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Jugendliche Lebenswelten und schichtbedingte Chancenungleichheit
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Veranstaltung
Empirisch-statistische Forschungsmethoden
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V64974
ISBN (eBook)
9783638576499
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendliche, Lebenswelten, Chancenungleichheit, Empirisch-statistische, Forschungsmethoden
Arbeit zitieren
Vanessa Lichtsinn (Autor), 2006, Jugendliche Lebenswelten und schichtbedingte Chancenungleichheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/64974

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