Die Grenzen der Chancengleichheit nach Bourdieu


Hausarbeit, 2003

9 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Gang der Untersuchung

2 Sozialisation als Habitualisierung nach Pierre Bourdieu
2.1 Prinzipien und Formen des Kapitals
2.1.1 Ökonomisches Kapital
2.1.2 Kulturelles Kapital
2.1.3 Soziales Kapital

3 Transformationen des Kapitals

4 Interaktive Persönlichkeitsentwicklung nach Hurrelmann
4.1 Äußere Realität
4.2 Innere Realität

5 Die Macht des Bildungswesens

Literaturverzeichnis

1 Einleitung und Gang der Untersuchung

Die Idee der Chancengleichheit gilt bis heute als eine wesentliche Zieldimension pädagogischer Institutionen. Während dieser Anspruch an das Bildungswesen in der Operationswirklichkeit von Recht und Gesetz bereits realisiert wurde, ist die Verwirklichung dieses Zieles in der Realität (noch) fragwürdig. Die soziale Disposition des Einzelnen, die Möglichkeiten und Chancen, die von der Stellung im sozialen Gefüge, von der Zugehörigkeit zu einer Schicht abhängen, haben anscheinend bestimmenden Einfluss auf den Werdegang einer Person innerhalb des Bildungssystems.

Dieser Zusammenhang des persönlichen Milieus, das den Lebensraum eines jeden darstellt und seine Sozialisation bestimmt, und dem resultierenden Lebenslauf soll hier nachgegangen werden. Zunächst wird diese Untersuchung die Sozialisationstheorien von Pierre Bourdieu herausarbeiten und bestimmende Begriffe definieren. Anschließend folgt eine konkrete Schilderung der Implikationen, die aus diesem Konzept hervorgehen. Eine kurze Einführung in das Sozialisationskonzept von Klaus Hurrelmann liefert dann im Folgenden die Argumente für eine kritische Realitätsprüfung der Theorien Bourdieus, die im Schlussteil versucht werden soll.

2 Sozialisation als Habitualisierung nach Pierre Bourdieu

Pierre Bourdieu, einer der bedeutendsten Sozialwissenschaftler unserer Zeit, und Mitglied des „Collège de France“, vertritt die Auffassung, dass zwischen der Position, die der Einzelne innerhalb der Gesellschaft einnimmt, und seinem Lebensstil ein Zusammenhang besteht.[1] Was aus der Perspektive der Handelnden das Ergebnis freier individueller Entscheidungen, Vorlieben und Anstrengungen zu sein scheint, ist in Wirklichkeit das Ergebnis einer schichtenspezifischen Sozialisation.[2] Nach seiner Auffassung übernehmen wir von früh an die Lebensform der sozialen Gruppe, in der wir leben, erwerben hier klassenspezifische Zwänge und Freiheiten, und erhalten und entwickeln diese über unsere gesamte Existenz hinweg weiter.[3] Welche Vorlieben und welchen Geschmack wir haben, wie wir unsere Wohnung einrichten und welchen Kleidungsstil wir mögen, selbst unsere Art der Körperhaltung und –bewegung sind Ausdruck unserer Position im sozialen Raum, und vielmehr das Ergebnis sozialer „Konditionierungen“, als Ausdruck reflektierter und individueller Entscheidungen.[4]

Die Vorstellung Bourdieus, dass Alles was Individualität ausmacht eng mit dem sozialen Milieu zusammenhängt, indem jemand aufgewachsen ist, wie einer spricht, tanzt, lacht, liest, was er liest, was er mag, welche Bekannte und Freunde er hat usw., hat immer wieder zum Vorwurf geführt, sein „Habituskonzept“ sei deterministisch und ließe keinen Raum für die Vorstellung eines „individuellen Wesens“.[5]

Hier sei erwähnt, dass es zwar stimmt, dass der Habitus einer Person ein System von Grenzen darstellt, doch wird innerhalb dieser Grenzen durchaus erfinderisch gehandelt, sind die Reaktionen keineswegs immer schon im voraus bekannt. Bourdieu beschreibt dies mit den folgenden Worten: „Wer den Habitus einer Person kennt, der spürt oder weiß intuitiv, welches Verhalten dieser Person verwehrt ist“.[6]

Die einzige Möglichkeit diesen verborgenen Mechanismen der „Macht“ (Vgl. Foucault:„Mikrophysik der Macht“) zu entkommen, besteht in der Fähigkeit, sie aufzudecken und ihrer im eigenen Innern gewahr zu werden.

2.1 Prinzipien und Formen des Kapitals

Um die Komplexität der gesellschaftlichen Unterschiede, die Klassenzugehörigkeit und die entsprechenden Lebensstile untersuchen zu können, führt Bourdieu den Begriff des „Kapitalvolumens“ ein, und mit ihm das Konzept der Akkumulation, d.h. der Kapitalanhäufung.[7] Hierbei unterscheidet er drei Formen des Kapitals. Ob man zur oberen, mittleren oder unteren Gesellschaftsschicht gehört, ist nach dieser Theorie fundamental vom ökonomischen, kulturellen und sozialen Kapital abhängig.[8] Dabei kann jegliches Kapital ebenso Profite produzieren wie sich selbst reproduzieren und wachsen.[9]

[...]


[1] Vgl. Baumgart (1983), S.206.

[2] Vgl. Baumgart (2000), S.199.

[3] Vgl. Baumgart (2000), S.202.

[4] Vgl. Baumgart (2000), S.199.

[5] Vgl. Baumgart (2000), S.203.

[6] Baumgart (2000), S.207.

[7] Vgl. Baumgart (2001), S.217.

[8] Vgl. Baumgart (2000), S.200.

[9] Vgl. Baumgart (2001), S.217.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Die Grenzen der Chancengleichheit nach Bourdieu
Hochschule
Universität Hamburg  (Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Grundbegriffe, Theorien und Methoden der Erziehungswissenschaft
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
9
Katalognummer
V65002
ISBN (eBook)
9783638576673
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dem Zusammenhang des persönlichen Milieus, das den Lebensraum eines jeden darstellt und seine Sozialisation bestimmt, und dem resultierenden Lebenslauf soll hier nachgegangen werden. Zunächst wird diese Untersuchung die Sozialisationstheorien von Pierre Bourdieu herausarbeiten und bestimmende Begriffe definieren. Anschließend folgt eine konkrete Schilderung der Implikationen, die aus diesem Konzept hervorgehen.
Schlagworte
Grenzen, Chancengleichheit, Bourdieu, Grundbegriffe, Theorien, Methoden, Erziehungswissenschaft
Arbeit zitieren
Nils Prinz (Autor), 2003, Die Grenzen der Chancengleichheit nach Bourdieu, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65002

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