Musiktherapie auf Intensivstationen


Hausarbeit, 2003

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Definitionen
2.1.1 Musik
2.1.2 Musiktherapie
2.1.3 Intensivstation
2.2 Geschichtliche Entwicklung der Musiktherapie
2.3 Entwicklung des Gehörs
2.4 Dialogaufbau
2.5 Bedeutung von Musik für den Menschen

3 Musik als Heilmittel

4 Die Schöpferische Musiktherapie

5 Patienten auf der Intensivstation
5.1 Wahrnehmungen während der Bewusstlosigkeit
5.2 Komatöse Patienten aus musiktherapeutischer Sicht
5.3 Möglichkeiten des Dialogs

6 Behandlungskonzept
Fallbeispiel

7 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Rahmen des Blockseminars lernte ich das Orff-Schulwerk und die Kodály-Methode kennen. Ich hörte in den zwei Tagen neben diesen Methoden auch viel über Musiktherapie bei Behinderten. Da ich fast 15 Jahre als Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivmedizin auf Intensivstationen mit bis zu 16 Betten gearbeitet habe und auf keiner der Intensivstationen die Musiktherapie kennen lernte, fragte ich mich:

Inwieweit findet die Musiktherapie Anwendung in der Intensivpflege?

Inwieweit sind Erfolge nachgewiesen?

Welche Möglichkeiten bieten sich für das Intensivpersonal an, mitzuwirken?

Nach eingehender Literaturrecherche fand ich Hinweise auf verschiedene Krankenhäuser, die die Musiktherapie zunächst zum wissenschaftlichen Zweck in die Intensivtherapie aufgenommen haben und zu erstaunlichen Erkenntnissen gekommen sind.

Beginnen werde ich in meiner Hausarbeit mit der Klärung verschiedener Begriffe und werde anschließend mit einem geschichtlichen Überblick fortfahren. Sodann beschreibe ich die Entwicklung des Gehörs und gehe kurz auf den Dialogaufbau des Menschen mit seiner Umwelt ein. Des Weiteren ist mir auch die Bedeutung der Musik für den Menschen wichtig; eine Erläuterung dieser Bedeutung erfolgt vor der Beschreibung von Musik als Heilmittel. Die schöpferische Musiktherapie ist auf Intensivstationen die am häufigsten gewählte Therapieform. Aus diesem Grund werde ich diese thematisieren und anschließend ein Fallbeispiel von Fr. Dr. Gustorff vorstellen.

Im folgenden möchte ich kurz darauf hinweisen, dass im Text bei der Geschlechterbeschreibung nur die männliche Variante aufgrund von Wiederholungs- und Vereinfachungsgründen gewählt wurde. Es ist jedoch jeweils sowohl die weibliche als auch die männliche Form angesprochen.

2 Grundlagen

2.1 Definitionen

2.1.1 Musik

Die folgende Definition ist besonders deutlich auf den Menschen bezogen und findet deswegen in meiner Hausarbeit vor allen anderen Definitionen Vorrang.

„Musik ist eine universale Erfahrung in dem Sinne, dass alle an ihr teilhaben können; ihre fundamentalen Elemente Melodie, Harmonie und Rhythmus sprechen jeden von uns an. Musik ist auch darin universal, dass ihre Botschaft, der Inhalt ihres Ausdrucks, alle Höhen und Tiefen menschlicher Erfahrung umfassen kann, alle Schattierungen des Fühlens. Sie kann die Seele durch alle Stadien ihrer Erfahrung führen oder begleiten, ganz gleich ob diese nur oberflächlich und verhältnismäßig allgemein sind oder tief und sehr persönlich“ (Nordoff & Robbins in Aldridge 1999: Seite 27).

2.1.2 Musiktherapie

Das Wort Therapie stammt aus dem Griechischen (therapeia) und bedeutet soviel wie heilen, helfen, lindern und begleiten (vgl. Wahrig-Burfeind 2000: Seite 938).

Musiktherapie ist der gezielte Einsatz von Musik im Rahmen der therapeutischen Beziehung zur Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung seelischer, körperlicher und geistiger Gesundheit (vgl. Decker-Voigt 1994: Seite 187).

2.1.3 Intensivstation

Hierunter versteht man eine spezielle Betteneinheit in einem Krankenhaus für die intensive Diagnostik und Therapie lebensbedrohlich oder kritisch erkrankter Patienten, wie

z. B. Patienten mit einem Schädelhirntrauma oder bedrohlichen Atemstörungen. Die Hauptaufgabe der Intensivmedizin liegt in der Wiederherstellung und/oder Erhaltung der bedrohten Vitalfunktionen und der exakten Überwachung des Patienten. (vgl. Striebel 1994: Seite 269)

2.2 Geschichtliche Entwicklung der Musiktherapie

Die Verwendung musikalischer Elemente in der Schulmedizin ist keine neue medizinische Erkenntnis, sondern nichts anderes als die Rückbesinnung auf alte Bräuche der Naturvölker. So kennt man schon aus der Antike einige Beispiele über die Wirkung von Musik; z. B. sollen die im 19. Kapitel der Odyssee von Homer gesungenen Beschwörungsformeln eine starke Blutung gestillt haben. Das Alte Testament beschreibt die „Behandlung“ des depressiven Sauls durch den Harfe spielenden David. In der klassischen Antike war man der Ansicht, dass Musik eine erzieherische Macht besitzt und formend in das Innere der Seele eindringt. Deshalb wurde sie bei den Pythagoräern als äußert wichtiges Mittel zur Persönlichkeitserziehung angesehen. Demokrit (um 430 – 360 v. Chr.) spricht erstmals von den fünf Sinnen des Menschen. Von ihm soll die Aussage stammen, dass nichts im Intellekt ist, was nicht vorher in den Sinnen war (vgl. Neander 1999: Seite 12). Für Aristoteles reinigt Musik die Seele. Bis zur Spätantike entstanden unzählige Schriften über die Bedeutung der Musik bei der Heilung von Krankheiten. Aristides Quintilianus (2. Jh. n. Chr.) ging sogar soweit zu behaupteten, dass es für jede krankhafte Veränderung der Affekte mittels Musik ein passendes Heilverfahren gibt (vgl. Plahl 2000: Seite 13 ff.). Später machte man sich Gedanken, wie sich im Puls des Menschen harmonische Verhältnisse aufzeigen lassen. Außerdem versuchte man bereits in der Antike, wie auch im Mittelalter, den Pulsschlag therapeutisch durch Musik zu beeinflussen. „Ein früher Beleg dafür ist die Beschreibung der Therapie eines Schlaganfallpatienten, der durch das Spielen von vier Lautenisten gesundheitlich stabilisiert und gestärkt wurde“ (Kümmel 1977: Seite 161). Ebenso wurde die Musik zur Förderung der Durchblutung, zur Kräftigung des Herzens und zur Anregung des Pulsschlages eingesetzt. In der frühen Neuzeit kam es zu zwei wesentlichen Einschnitten in der Entwicklung der Medizin und der Musiktherapie: Zum einen wurde der Blutkreislauf entdeckt (William Harvey 1578 - 1657), zum anderen beschrieb die Philosophie die Trennung von Leib und Seele (René Descartes 1596 - 1659). Das Funktionieren des Körpers wurde nun mit chemischen und physikalischen Vorgängen erklärt; Krankheiten waren Störungen eines physiologischen Gleichgewichts, das durch den Einsatz von Medikamenten wiederhergestellt werden muss. Die Folge war, dass man die Wirkung von Musik bei Krankheiten, wie auch die Wirkung von Medikamenten aus physiologischen Mechanismen zu erklären versuchte. (vgl. Aldridge 1999: Seite 10) Zu Beginn des letzten Jahrhunderts kamen neue Impulse für die Beziehung zwischen Musik und Therapie aus der sich entfaltenden Sonderpädagogik. Nach dem zweiten Weltkrieg setzte eine rasante Entwicklung auf dem Gebiet der Musiktherapie ein. In den USA und in Europa wurden Berufsverbände gegründet, seit 1944 gab es bereits eine Ausbildung zum Musiktherapeuten.

In Deutschland war die Musiktherapie im internationalen Vergleich lange eine Nachzüglerin – eine Spätfolge der Ächtung und Vertreibung der Tiefenpsychologie durch die Nationalsozialisten. Der Rückstand wurde inzwischen aufgeholt. Fünf deutsche Hochschulen und Fachhochschulen bieten derzeit die Ausbildung zum Musiktherapeuten an. (vgl. Neander 1999: Seite 4)

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Musiktherapie auf Intensivstationen
Hochschule
Katholische Stiftungsfachhochschule München
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
15
Katalognummer
V65050
ISBN (eBook)
9783638577106
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Musiktherapie, Intensivstationen
Arbeit zitieren
Dipl. Sozial. Päd. (FH) Viktoria Lehrer (Autor:in), 2003, Musiktherapie auf Intensivstationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65050

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