1. Einleitung
Der Begriff der Armut ist zwar im Alltagsbewusstsein der Gesellschaft verankert, aber dennoch denken die meisten Menschen in diesem Zusammenhang eher an die so genannten Dritten Welt Länder und nicht an die Situation in der Bundesrepublik Deutschland. Dies wird vor allem auch durch die in den Medien dominierenden Armutsbilder der Entwicklungsländer bestimmt.
Durch zahlreiche Hilfsorganisationen werden die Menschen immer wieder dazu aufgerufen, Spendengelder an die bedürftigen Länder zu versenden. Der Problematik der Kinderarmut in Deutschland wird wenig Beachtung geschenkt und viele Menschen gehen davon aus, dass diese in der Bundesrepublik Deutschland nicht, oder nur in geringem Maße, existiert.
Zwar wird mittlerweile dem Problem der Kinderarmut in Deutschland in den Armutsforschungen nachgegangen, doch dies dringt nicht in dem Maße an die Öffentlichkeit, dass das tatsächliche Ausmaß bekannt wird.
Armut bedeutet nicht nur, wenig Geld zu haben oder Obdachlos zu sein. „Sie beraubt Menschen ihrer materiellen Unabhängigkeit und damit der Freiheit, selbst über ihr Schicksal zu entscheiden.“
Oft wird den Menschen, die in Armut leben, Faulheit unterstellt oder sie werden als „Sozialschmarotzer“ beschimpft und werden demnach für ihre Situation selbst verantwortlich gemacht.
Doch, wie diese Arbeit zeigen soll, sind auch sehr viele Kinder in Deutschland von der Armut betroffen und wen zieht man dann zur Verantwortung? Auch die Kinder selbst?
Kinder sind nicht in der Lage, aus dieser Situation zu entfliehen und sich selbst Abhilfe zu schaffen. Sie sind vielmehr auf uns Erwachsene und zugleich auf soziale Hilfen angewiesen.
Vor allem aber darf man die Kinder keinesfalls für ihre Situation selbst verantwortlich machen. Ihre Armut ist oftmals die unmittelbare Folge der elterlichen Armut, wobei die Medien schon seit Jahren darüber berichten, dass in Deutschland Kinder selbst ein Armutsrisiko darstellen. Sie stellen bereits die am häufigsten betroffene Gruppe der Armut dar. Es wird daher von Sozialwissenschaftlern von einer „Infantilisierung der Armut“ gesprochen.
Im Hinblick auf die aktuellen Arbeitslosenzahlen (siehe Anhang) und die fehlenden Ausbildungsstellen muss man sagen, dass die Armut nicht eine Problematik darstellt, die sich in der nächsten Zeit von alleine regeneriert. Es ist vielmehr nun die Aufgabe der Gesellschaft und auch der Sozialpolitik, diesem entgegenzuwirken.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Formen der Armut und deren Definition
2.1 Die absolute Armut
2.2 Die relative Armut
3. Ursachen für Kinderarmut
3.1 Arbeitslosigkeit
3.2 Alleinerziehende
3.3 Kinderreiche Familien
3.4 Ausländische Familien
4. Auswirkungen der Kinderarmut
4.1 Morbidität, Gesundheit und Ernährung
4.2 Kognitive Entwicklung und Ausbildung
4.3 Wohnsituation
5. Situationsanalyse und aktuelle Zahlen
6. Strategien der Armutsbekämpfung
6.1 Agenda 2010
6.2 Weitere Sozialpolitische und Sozialpädagogische Maßnahmen
7. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der Kinderarmut in Deutschland, beleuchtet deren Ursachen und Folgen und reflektiert gleichzeitig aktuelle sozialpolitische Lösungsansätze sowie sozialpädagogische Gegenstrategien.
- Definition und Differenzierung von absoluter und relativer Armut
- Identifikation von Risikogruppen wie Alleinerziehende und Familien mit vielen Kindern
- Analyse gesundheitlicher, bildungsbezogener und räumlicher Auswirkungen auf Kinder
- Bewertung staatlicher Maßnahmen, insbesondere der Agenda 2010
- Diskussion über die Rolle der Sozialpädagogik bei der Hilfe zur Selbsthilfe
Auszug aus dem Buch
3.1 Arbeitslosigkeit
Im Zuge der Massenarbeitslosigkeit hat sich auch die Risikogruppe der Arbeitlosen in den 80er Jahren enorm ausgedehnt. Immer häufiger reicht den betroffenen Familien die Arbeitslosenunterstützung nicht aus, um das nötige Existenzminimum sicher zu stellen.
Durch die entstehenden finanziellen Schwierigkeiten der Eltern sind schließlich auch die Kinder betroffen. Den Eltern ist es beispielsweise nicht mehr möglich, ihren Kindern die teuersten Markenartikel zu kaufen, oder ihnen die Teilnahme in einem Sportverein zu ermöglichen, was eine soziale Ausgrenzung zur Folge haben kann.
Mit der Arbeitslosigkeit beginnt in meinen Augen ein Teufelskreis in Bezug zu der Armut. Hat eine Person keine Arbeit und daher auch kein geregeltes Einkommen, kann sich dies auf viele Bereiche negativ auswirken. Eine Wohnung beispielsweise bekommen nur diejenigen, die ein geregeltes Einkommen haben, und nur diejenigen, die eine Wohnung haben, bekommen eine Arbeitsstelle. Jedoch möchte ich dringend noch erwähnen, dass eine Erwerbstätigkeit das Risiko von Armut zwar mindern kann, aber nicht, dass sie generell davor schützt.
„Mit Bezug auf die Altersgruppe der 25 bis 55- jährigen gibt es etwa 1,3 Millionen erwerbstätige Arme in der Bundesrepublik. Von dieser Gruppe ist die Mehrheit sogar vollzeiterwerbstätig.“8
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das gesellschaftlich oft verdrängte Problem der Kinderarmut in Deutschland ein und betont die Notwendigkeit, Kinder als eigenständige Betroffene anzuerkennen.
2. Formen der Armut und deren Definition: Dieses Kapitel differenziert zwischen absoluter und relativer Armut und erläutert verschiedene Ansätze zur Messung von Armut in einem Industriestaat.
3. Ursachen für Kinderarmut: Hier werden zentrale Risikofaktoren wie Arbeitslosigkeit, Alleinerziehendenschaft, Kinderreichtum und die Situation ausländischer Familien analysiert.
4. Auswirkungen der Kinderarmut: Dieses Kapitel beleuchtet die negativen Folgen für die gesundheitliche Verfassung, die Bildungschancen und die Lebenssituation von Kindern in Armut.
5. Situationsanalyse und aktuelle Zahlen: Hier wird der Versuch unternommen, das Ausmaß der Kinderarmut anhand von Studien und Statistiken, wie etwa der AWO, zu quantifizieren.
6. Strategien der Armutsbekämpfung: Das Kapitel diskutiert politische Maßnahmen wie die Agenda 2010 und plädiert für sozialpädagogische Interventionen zur Stärkung der Betroffenen.
7. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Lage und fordert eine Enttabuisierung sowie weitere gezielte Unterstützung für Kinder in Armut.
Schlüsselwörter
Kinderarmut, Sozialpolitik, relative Armut, Arbeitslosigkeit, Alleinerziehende, Armutsrisiko, soziale Ausgrenzung, Agenda 2010, Sozialhilfe, Kinderzuschlag, Bildungsbenachteiligung, Sozialpädagogik, Lebenslagenkonzept, Armutsbericht, Hilfe zur Selbsthilfe
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Ausmaß, den Ursachen und den Auswirkungen von Kinderarmut innerhalb der Bundesrepublik Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Definition von Armut, die Identifikation von Risikogruppen, die gesundheitlichen und schulischen Folgen für Kinder sowie politische Gegenmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Problemlage von Kindern in Armut aufzuzeigen, den Begriff der Kinderarmut zu schärfen und Strategien zur Bekämpfung sowie Unterstützung zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literatur- und Studienanalyse, um bestehende Forschungsdaten und politische Berichte zusammenzuführen und zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen der Armut definiert, Ursachen wie Arbeitslosigkeit oder Familienstruktur analysiert und Auswirkungen auf die Entwicklung der Kinder sowie aktuelle Gegenstrategien diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kinderarmut, soziale Ausgrenzung, Armutsrisiko, Sozialpolitik und Hilfe zur Selbsthilfe charakterisiert.
Warum spielt die Wohnsituation für arme Kinder eine wichtige Rolle?
Die Wohnsituation ist laut Arbeit ein Faktor für soziale Ausgrenzung und kann durch Platzmangel die schulische Entwicklung und Bildungschancen der Kinder negativ beeinflussen.
Wie bewertet die Autorin die Agenda 2010 im Hinblick auf Kinderarmut?
Die Autorin sieht in der Agenda 2010 widersprüchliche Ansätze: Einerseits werden notwendige Förderungen wie der Kinderzuschlag begrüßt, andererseits werden Kürzungen beim Arbeitslosengeld kritisch hinterfragt.
Warum ist laut der Arbeit eine Sensibilisierung des Fachpersonals notwendig?
Eine Sensibilisierung ist notwendig, um Kinder, die ihre Armut verschleiern oder aus Scham nicht als Bedürftige in Erscheinung treten, frühzeitig durch soziale Hilfesysteme zu unterstützen.
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- Dipl.-Soz.päd. (BA) Sabrina Radtke (Author), 2005, Kinderarmut in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65068