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'Allah führt irre, wen Er will, und wen Er will, den bringt Er auf den geraden Weg' - Determinismus, Freiheit und Eschatologie im Islam

Title: 'Allah führt irre, wen Er will, und wen Er will, den bringt Er auf den geraden Weg' - Determinismus, Freiheit und Eschatologie im Islam

Intermediate Examination Paper , 2006 , 26 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Christian Albrecht (Author)

Theology - Comparative Religion Studies
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1. Freiheit und Determination: Einführung

Dies ist die Geschichte eines schwierigen Problems, ein Problem, dass viele Menschengeschlechter vor und wohl auch weitere Generationen nach uns beschäftigen wird. Es geht um die Frage, ob der Mensch in seinem Handeln und Denken frei ist; oder ob die ganze Welt und damit auch der Mensch durch äußere (kausale?) Ursachen determiniert werden, wie nicht erst seit dem Erfolg der Gravitationstheorie von Isaac Newton von einigen Gelehrten behauptet wurde. Neben dem physikalischen Determinismus nennt Richard Taylor auch einen ethischen, logischen, psychologischen und theologischen Determinismus , den ich um einen neurobiologischen erweitern würde. Ebenso gibt es Verfechter für die Freiheit. Die Auseinandersetzung zwischen Deterministen und Freiheitstheoretikern existiert schon seit der antiken Philosophie und ficht sich seitdem durch die gesamte Geistes- und Naturgeschichte. Der - islamischetheologische Determinismus soll uns an dieser Stelle interessieren. Wie geht der Islam mit der Frage nach Freiheit und Vorherbestimmung um? Viele nehmen ja meist an, der Islam sei von einem Fatalismus geprägt.

Während der Ausarbeitung meines Referates zur islamischen Eschatologie bin ich auf einen eklatanten Widerspruch gestoßen: Wie kann ein im wahrsten Sinne des Wortes allmächtiger Gott, der das Weltgeschehen lenkt und waltet wie es ihm in den Sinn kommt, gerecht sein? Denn der Koran lässt Allah als den absolut Mächtigen und Transzendenten auftreten, der Himmel und Erde erschaffen hat, und vor dem alle Wesen nur Staub sind. Wie das Verhältnis von Mensch und Gott aussieht und was der Mensch aus islamischer Sicht ist, werde ich im Abschnitt 2.1 zeigen. Um dem Leser die Schwierigkeit der Gerechtigkeit Gottes zu verdeutlichen, ist im Abschnitt 2.2 eine kleine Einleitung in die islamische Eschatologie enthalten. Wir werden dort sehen, dass Allah die Menschen am Jüngsten Tag nach ihrem Glauben und ihren Taten richtet. Und darin liegt auch das Problem: Wenn Allāh die Menschen nach ihren guten oder schlechten Werken beurteilt und sie damit für alle Ewigkeit in das Paradies oder in die Hölle eingehen lässt, er aber gleichzeitig seit undenklichen Zeiten die Taten der Menschen vorausbestimmt hat (determiniert hat), ist der Mensch dann im Endeffekt für seine Taten überhaupt verantwortlich? [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Freiheit und Determination: Einführung

2. Der Mensch, der Tod und das Ende der Welt

2.1. Islamische Anthropologie

2.2. Eschatologie im Islam

3. Freiheit und Vorherbestimmung im Islam

3.1. Die Grundlagen: Der Koran und die Tradition

3.1.1. Der Koran

3.1.2. Die Tradition

3.2. Theologische Lehren

3.2.1. „Es gibt keine Freiheit!“ – Lehren zur Determination

3.2.2. „Der Mensch ist verantwortlich!“ – Freiheit im Islam

3.2.3. Ein Mittelweg? Die Ash`ariten

4. Exkurs: Allwissenheit und Freiheit

5. Schlussbemerkung

6. Literatur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen göttlicher Vorherbestimmung und menschlicher Willensfreiheit im Islam. Die zentrale Forschungsfrage ist dabei, wie die islamische Theologie die Allmacht Gottes mit der menschlichen Verantwortung und der Gerechtigkeit Gottes im Jüngsten Gericht in Einklang bringt.

  • Islamische Anthropologie und das Menschenbild
  • Eschatologische Vorstellungen im Koran und der Tradition
  • Theologische Debatten um Determinismus und Freiheit
  • Die Positionen verschiedener Denkschulen (Gabriten, Mu'taziliten, Ash'ariten)
  • Die philosophische Problematik göttlicher Allwissenheit

Auszug aus dem Buch

3.2.2. „Der Mensch ist verantwortlich!“ – Freiheit im Islam

Im Islam gibt es den Begriff qadar, das „das souveräne Verfügen Gottes über seine Schöpfung, gegen das Menschen nichts ausrichten können“, meint. Die Richtung der Qadariten unterstellt dem Menschen ein eigenes, von Gott souveränes Qadar, das mit weitgehender Selbstbestimmung einhergeht. Es herrschte natürlich ein starker Dissens zwischen Gabriten und Qadariten. Al-Hasan al-Basrī (gest. 728) ist ein berühmter Verfechter dieser Ideologie. Er interpretiert scheinbar deterministische Verse im Koran nach seiner Ansicht um, so z. B. Sure 7,179: Alle Menschen könnten das Böse abwehren. „Seine Ausführungen gipfeln in der Feststellung, das Prophetentum wäre sinnlos, gäbe man die Lehre von der individuellen Heilsverantwortlichkeit auf.“ Seiner Meinung nach wurde die Lehre der Freiheit schon in der Urgemeinde vertreten und alle deterministischen Lehrmeinungen würden unberechtigte Neuerungen darstellen. Sich selbst sieht er als Wahrer der Lehre der Altvorderen.

Die Rationalisten des Islam, die konsequent für die menschliche Freiheit eintraten und den Verstand über die Offenbarung stellten, waren die Mu’taziliten („die sich Abtrennenden“). Sie waren stark von der in den arabischen Raum eindringenden griechischen Philosophie und Logik, vor allem von Aristoteles, beeinflusst und brachten eine Wende im Islam, da sie „sowohl den Koran von einem strengen Dogmatismus befreiten, als auch die Lehre der Determination in Frage stellten“. Es sei aber übertrieben und unrichtig, sie die Freidenker des Islam zu nennen, denn „ihr Anliegen ist echt religiös und sehr ernst.“ Fragen der Ethik und Humanität erlangten bei ihnen eine zentrale Bedeutung.

Zusammenfassung der Kapitel

Freiheit und Determination: Einführung: Die Einleitung umreißt die philosophische Problematik von Freiheit und Determinismus und führt in die spezifische islamische Thematik der göttlichen Vorherbestimmung ein.

Der Mensch, der Tod und das Ende der Welt: Dieses Kapitel erläutert das islamische Menschenbild als "Mensch vor Gott" und führt in die Eschatologie ein, die den Glauben an ein Endgericht als zentrales Element enthält.

Freiheit und Vorherbestimmung im Islam: Hier werden die koranischen Grundlagen und die Tradition analysiert, die widersprüchliche Aussagen zu Freiheit und Determination enthalten.

Exkurs: Allwissenheit und Freiheit: Der Exkurs untersucht die logische Problematik, inwieweit göttliche Allwissenheit mit menschlicher Willensfreiheit vereinbar ist.

Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass die Vereinbarkeit von Allmacht und Gerechtigkeit Gottes eine zentrale Herausforderung für das islamische Denken bleibt.

Schlüsselwörter

Islam, Theologie, Determinismus, Willensfreiheit, Vorherbestimmung, Eschatologie, Koran, Tradition, Gerechtigkeit, Allmacht, Mu'taziliten, Ash'ariten, Menschenbild, Verantwortung, Philosophische Religionswissenschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die philosophische und theologische Frage, wie der Islam das Spannungsfeld zwischen göttlicher Vorherbestimmung und menschlicher Handlungsfreiheit definiert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die islamische Anthropologie, die Lehren über das Jüngste Gericht (Eschatologie) sowie die verschiedenen theologischen Schulen, die sich mit dem menschlichen Willen auseinandersetzen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu klären, ob der Mensch aus islamischer Sicht frei in seinem Handeln ist oder ob seine Taten durch Gott determiniert sind, und wie dabei die göttliche Gerechtigkeit gewahrt bleibt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine systematische religionswissenschaftliche Analyse unter Heranziehung von Koranexegesen, Traditionen (Hadithe) und theologisch-philosophischen Strömungen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die unterschiedlichen Positionen von Schulen wie den Gabriten, Qadariten, Mu'taziliten und Ash'ariten sowie die logischen Schwierigkeiten der göttlichen Allwissenheit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Determinismus, Freiheit, Islam, Vorherbestimmung, Eschatologie und Theologie beschreiben.

Wer waren die Mu'taziliten und warum sind sie bedeutend?

Die Mu'taziliten waren islamische Rationalisten, die versuchten, den Koran mit der Vernunft zu versöhnen und die menschliche Freiheit als Voraussetzung für göttliche Gerechtigkeit betonten.

Was besagt das Konzept der "Aneignung" (kasb) bei den Ash'ariten?

Das Konzept der Aneignung versucht einen Mittelweg: Gott erschafft das Werk, aber der Mensch besitzt die Kraft, sich in der Tat dazu zu entscheiden, was ihm die moralische Verantwortung zuschreibt.

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Details

Title
'Allah führt irre, wen Er will, und wen Er will, den bringt Er auf den geraden Weg' - Determinismus, Freiheit und Eschatologie im Islam
College
University of Leipzig  (Religionswissenschaft)
Course
Religiöse Endzeiterwartungen
Grade
1,7
Author
Christian Albrecht (Author)
Publication Year
2006
Pages
26
Catalog Number
V65231
ISBN (eBook)
9783638578509
ISBN (Book)
9783656800477
Language
German
Tags
Allah Determinismus Freiheit Eschatologie Islam Religiöse Endzeiterwartungen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Albrecht (Author), 2006, 'Allah führt irre, wen Er will, und wen Er will, den bringt Er auf den geraden Weg' - Determinismus, Freiheit und Eschatologie im Islam, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65231
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