„Wer liest, will Lust“ [...]
Warum lesen wir bestimmte Bücher gerne und begierig und legen andere nach einigen Seiten unwillig weg? Was entscheidet darüber, ob wir ein Buch mögen oder nicht?
Diese Arbeit wird sich mit dem Zusammenhang von Literatur und Lustempfinden beschäftigen. Dem Zusammenhang von Literatur, Lust und Psychanalyse sowie die Thesen Sigmund Freuds wird hier besonders beachtet. Im ersten Teil wird zunächst einen Überblick über die verschiedenen Arten der Lust beim Lesen gegeben, Lust beim Leser, Lust beim Autor, sowie die psychoanalytische Lust und die Lustarten in Thomas Anz Buch: „Literatur und Lust“, welches Grundlage für diese Arbeit ist.
Im zweiten Teil geht es um die schreckliche Lust, die Faszination am Schrecklichen. Grundlage ist hier Juli Zehs Roman: „Adler und Engel“, mit dem ich mich intensiv beschäftigt habe. Reaktionen auf den Roman sowie Kritik an ihm schließen die Arbeit ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Arten der Lust
2.1 Lust beim Rezipienten
2.2 Lust beim Autor
2.3 Lust psychoanalytisch nach Sigmund Freud
2.4 Arten der Lust bei Thomas Anz
3. Juli Zeh: „Adler und Engel“
4. Die Faszination am Schrecklichen
4.1 Böse Lust
4.2 Moralische Lust und er Triumph der Aufklärung
4.3 Aggressionslust
5. Reaktionen auf Adler und Engel
5.1 Rezensionen
5.2 Kritikpunkte
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den komplexen Zusammenhang zwischen Literatur und Lustempfinden unter besonderer Berücksichtigung psychoanalytischer Ansätze. Ziel ist es, zu ergründen, warum Menschen bei der Lektüre von als schrecklich empfundenen Inhalten Lust verspüren können, wobei Juli Zehs Roman „Adler und Engel“ als zentrales Fallbeispiel dient.
- Der Zusammenhang von Literatur, Lust und Psychoanalyse nach Sigmund Freud.
- Die theoretische Einordnung verschiedener Lustarten in der Literatur nach Thomas Anz.
- Die Faszination des Schrecklichen als literarisches und psychologisches Phänomen.
- Die Analyse von Gewalt, Wahnsinn und Identitätsverlust im Roman „Adler und Engel“.
- Die Auseinandersetzung mit Leserreaktionen und literaturkritischen Perspektiven.
Auszug aus dem Buch
4.1 Böse Lust
Neben dem Schönen und Guten als eine Quelle der Lusterfüllung muss es auch einen Gegenpart geben, der uns genau so fasziniert.22Schiller sagte:
„[...] Es ist eine allgemeine Erscheinung in unserer Natur, daß und das Traurige, das Schreckliche, das Schauderhafte selbst, mit unwiderstehlichem Zauber an sich lockt, daß wir uns vor Auftritten des Jammers, des Entsetzens mit gleichen Kräften wegestoßen und wieder angezogen fühlen.[...]“.23
Dabei steigert sich Schiller vom Traurigen über das Schreckliche bis zum Schauderhaften. Die Faszination am Schrecklichen ist sowohl in der Literatur als auch in der Kunst schon immer vorhanden. So ist die Bibel z. B voll von schrecklichen Dingen und Grausamkeiten, aber ohne sie undenkbar und wahrscheinlich auch nur halb so faszinierend.24Im 18. Jahrhundert gab es viele öffentliche Hinrichtungen, die sich bei den Zuschauern großer Popularität erfreuten.25
Und wenn heute ein Kinofilm angekündigt wird, von dem es heißt, man brauche starke Nerven, weil er so schrecklich sei, geht ein Großteil des Publikums gerade deswegen hin, um sich daran zu erfreuen, wie schrecklich und Böse der Film war. Aber als Zuschauer des Filmes kann ich mir das Ganze auch ansehen, ohne es in der Realität erleben zu müssen. Ich habe die sichere Distanz, mir geht es ja gut. Hat deshalb ein Mensch, der solche Filme gerne sieht und auch grausame Bücher gerne liest, viele sadistische Anteile?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, welche den Zusammenhang zwischen Literatur und Lustempfinden sowie die psychoanalytische Bedeutung der Lust beim Lesen und Schreiben beleuchtet.
2. Arten der Lust: Dieses Kapitel klassifiziert verschiedene Formen des Lustempfindens beim Lesen und Schreiben und setzt diese in Bezug zu Sigmund Freuds psychoanalytischen Theorien sowie den Modellen von Thomas Anz.
3. Juli Zeh: „Adler und Engel“: Das Kapitel bietet eine inhaltliche Vorstellung des Romans „Adler und Engel“ und diskutiert dessen erzählerische Struktur sowie die Einordnung in den Kontext der zeitgenössischen Literatur.
4. Die Faszination am Schrecklichen: Hier wird der theoretische Rahmen der Faszination am Bösen, Moralischen und Aggressiven anhand von Fallbeispielen aus Juli Zehs Roman detailliert analysiert.
5. Reaktionen auf Adler und Engel: Dieser Abschnitt dokumentiert die mediale Resonanz auf das Debütwerk von Juli Zeh und diskutiert verschiedene Kritikpunkte an dessen Form und Inhalt.
6. Schluss: Das Schlusskapitel reflektiert die gewonnenen Erkenntnisse über die Vielschichtigkeit der Lust an der Literatur und das Selbstverständnis des Schreibens.
Schlüsselwörter
Literatur, Lust, Psychoanalyse, Sigmund Freud, Thomas Anz, Juli Zeh, Adler und Engel, Faszination, Schreckliches, Böse Lust, Moralische Lust, Aggressionslust, Leseverhalten, Identifikation, Voyeurismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die psychologischen und literarischen Hintergründe, warum Menschen Bücher lesen und dabei verschiedene Arten von Lust empfinden, insbesondere in Bezug auf schreckliche oder grausame Inhalte.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Literaturwissenschaft, die Psychoanalyse (nach Freud), das Lustprinzip sowie die kritische Analyse eines modernen Romans.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach den Beweggründen für das Lustempfinden beim Lesen und wie Literatur, insbesondere Juli Zehs „Adler und Engel“, die Faszination am Schrecklichen beim Rezipienten evoziert.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?
Es werden psychoanalytische Modelle (Freud) und literaturtheoretische Konzepte (Anz) auf einen zeitgenössischen Roman angewendet, ergänzt durch eine qualitative Inhaltsanalyse von Textstellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der Lustarten und eine detaillierte Fallanalyse des Romans „Adler und Engel“ hinsichtlich seiner schrecklichen und aggressiven Motive.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Literatur, Lust, Psychoanalyse, Faszination am Schrecklichen und Identifikationsangebote charakterisiert.
Warum spielt das Werk von Thomas Anz eine so bedeutende Rolle für diese Untersuchung?
Das Buch „Literatur und Lust“ von Thomas Anz dient als theoretische Grundlage, um die vielfältigen Arten der Lust in der Literatur systematisch zu kategorisieren und den Bogen zur Psychoanalyse zu schlagen.
Inwiefern beeinflussen die „Tiger“ in „Adler und Engel“ die Wahrnehmung des Lesers?
Die Tiger fungieren als Metapher für den Wahn der Protagonistin Jessie und steigern durch ihre albtraumhafte Präsenz die Spannung und das Schreckliche im Roman, was die Faszination des Lesers intensiviert.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Scheiterns bei Juli Zeh?
Das Scheitern wird als notwendiger Motor des Schreibprozesses begriffen, der dem Autor hilft, Abstand zu wahren und eigene psychische Erfahrungen im Werk zu verarbeiten.
- Quote paper
- Birte Just (Author), 2005, Literatur und Lust, die Lust am Schrecklichen am Beispiel von Juli Zeh: "Adler und Engel", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65246