Der Erlösungsbegriff bei Schopenhauer oder: Die Verneinung des Willens


Hausarbeit, 2006

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Wille- Eine kurze Erläuterung

3. Die Bejahung und Verneinung des Willens zum Leben
3.1. Die Bejahung des Willens zum Leben
3.2. Alles Leben ist Leiden
3.3. Der Weg zur Erlösung- Die Verneinung des Willens zum Leben

4. Schopenhauers Erlösungsbegriff und die Analogie zum Christentum

5. Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Arthur Schopenhauer (*22. Februar 1788 in Danzig, † 21. September 1860 in Frankfurt am Main) ist einer der bedeutsamsten deutschen Philosophen. Durch die These, dass „(...) wesentlich alles Leben Leiden ist“[1], welche er in seinem Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ formulierte und auf der seine philosophische Auffassung zum Leben basiert, gilt er aber auch als einer der größten Pessimisten.

Wie soll man nun überhaupt Leben, wenn doch alles Leben Leiden ist? Was hat das Leben in Anbetracht dessen noch für einen Sinn? Schopenhauer stellt nicht nur die These auf, dass das Leben eine einzige Qual ist, sondern er beschreibt auch exemplarisch zwei Möglichkeiten, wie der Mensch mit dieser Erkenntnis leben kann- der Lebensweg der Bejahung und jener der Verneinung des Willens zum Leben, wobei jedoch nur zweiter zu einer wahren Erlösung vom Leben und somit von allen Leiden verhilft.

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Begriff der Erlösung in Arthur Schopenhauers Ethik mit besonderem Bezug auf das 4. Buch des Werkes „Die Welt als Wille und Vorstellung“. Dort beschreibt Schopenhauer die Möglichkeit, den Willen im Leben zu verneinen und so mit dem Tod von allem Leid der Welt erlöst zu werden.

Zunächst soll kurz erläutert werden, welche Rolle der Wille im Leben spielt, um für das Folgende ein Grundverständnis zu schaffen. Die Bejahung des Willens zum Leben repräsentiert eine verlockende und übliche Lebensart. Deswegen soll auf dessen Erörterung folgend die These Schopenhauers, dass alles Leben Leiden ist, erklärt werden, wodurch gerechtfertigt wird, warum es besser wäre, einen willensverneinenden Lebensstil zu pflegen. Daraufhin soll die Willensverneinung als der bessere, zur Erlösung führende Lebensweg erklärt und abschließend die Analogie zwischen der Auffassung von der Erlösung Schopenhauers und der des Christentums hervorgehoben werden.

2. Der Wille - Eine kurze Erläuterung

Im §57, dem ersten Paragraphen von „Der Welt als Wille zweite Betrachtung: Bei erreichter Selbsterkenntnis, Bejahung und Verneinung des Willens zum Leben“, des vierten Buches seines Hauptwerkes „Die Welt als Wille und Vorstellung“, kündigt Schopenhauer an, dass er sich nun mit dem praktischen Teil seiner Philosophie befassen will- die menschliche Handlung. Da dieser der Wille zugrunde liegt, soll dessen Bedeutung zusammenfassend dargestellt werden, der sich Schopenhauer im zweiten Buch ausführlich gewidmet hat.

Ähnlich wie Platon sieht auch Schopenhauer ein Objekt, was hinter allen Erscheinungen liegt. Platon nennt es die Idee, Schopenhauer bezeichnet es als Wille, aber bei beiden bedeutet es gleichsam das Ding- an- sich, wie Kant es nannte. Es ist das ursprüngliche Sein der zwei Wesenszüge aller sinnlich wahrnehmbaren Welt, also ihrer Phänomenalität, für die es ein nicht- Erscheinendes als An- sich aller Erscheinungen geben muss, und ihrer Relativität.[2]

„(…) aus ihm ist nicht nur sein Handeln, sondern auch seine Welt; und wie er ist, so erscheint sein Handeln, so erscheint seine Welt: (…) außer ihm ist nichts, und sie sind er selbst(…)“.[3] Der Wille ist zu den Bedingtheiten des Gegebenen ein Unbedingtes, zu der Flüchtigkeit der Erscheinungen das stete Wesen und ihr Ding- an- sich.[4]

Alle Erscheinungen der sichtbaren Welt sind der Spiegel des Willens. Jedes Naturding, jedes Lebewesen, jede Bewegung stellt die Objektivation des Willens dar- in ihnen steckt der Wille zum Leben und durch sie tritt er in Erscheinung. Während sie dem Satz vom Grunde, also den Kausalitätsverhältnissen von Raum und Zeit, unterliegen, ist der Wille frei und unabhängig von diesen Umständen.

Die Erscheinungen als Objektivation des Willens könnten genauso als „Sklaven“ des Willens bezeichnet werden. Der menschliche Körper beispielsweise ist genau so beschaffen, dass er die Bestrebungen des Willens zum Leben erfüllen kann, was zum Beispiel am Mund zu sehen ist, der zum Essen und Atmen, also zur Lebenserhaltung, geschaffen ist. Jeder Akt des Körpers ist ein Akt beziehungsweise eine Erscheinungsform des Willens und ist durch ihn bestimmt.

Der Wille determiniert alle Erscheinungen, denn er ist ihr Ding an sich, ihre Idee, während er selbst wie bereits erwähnt frei ist, denn es gibt keinen Anfang und kein Ende des Willens und nichts determiniert ihn. Demzufolge hat er kein höchstes Ziel und sein Wesen besteht aus einem endlosen Streben. Doch darauf soll im Folgenden noch näher eingegangen werden.

3. Die Bejahung und die Verneinung des Willens zum Leben

Die Entscheidung, den Willen entweder zu bejahen oder ihn zu verneinen, geht von einer wichtigen Erkenntnis des Menschen aus, die Schopenhauer die „philosophische Erkenntnis“ nennt. Es ist das Erkennen des principium individuationis, also der Wahrheit, dass die Vielheit der Individuen lediglich reine Erscheinung des einen Willen sind. Sie sind alle einerseits Grund und andererseits Folge, sind also notwendig bestimmt durch den Willen, der keine letzte Ursache mehr hat.

3.1. Die Bejahung des Willens zum Leben

„(…) wenn Wille daist, wird auch Leben, Welt dasein. Dem Willen zum Leben ist also das Leben gewiß, und solange wir von Lebenswillen erfüllt sind, dürfen wir für unser Dasein nicht besorgt sein, auch nicht in Anblick des Todes.“[5] Schopenhauer geht davon aus, dass der Wille als Ding- an- sich nie vergeht. In Anlehnung an die indische Philosophie sieht er die Natur als einen Kreislauf, in dem aus allem Vergehenden immer wieder neues Leben entsteht. So entsteht zum Beispiel aus dem Keim einer später eingehenden Pflanze wieder eine neue und aus der Samenzelle eines jungen Menschen, der mit dem Alter oder durch Krankheit stirbt, geht wieder ein neuer Mensch hervor. Dadurch wird der fortbestehende Wille immer weiter getragen. Schopenhauer benutzt des Öfteren die Analogie der untergehenden Sonne zur Erklärung dieser Wiedergeburt: „(…) wie die wirkliche Sonne ohne Unterlaß brennt, während sie nur scheinbar in den Schoß der Nacht sinkt (…).“[6] Das einzige, was beim Tod eines Menschen also stirbt, ist das Individuum, die Erscheinung, die äußere Hülle des Willens. Er selbst und somit auch das Subjekt des Erkennens, welches untrennbar mit ihm verbunden ist,[7] bleibt bestehen und lebt in einem neugeborenen, anderen Individuum weiter. Der Wille ist zwar Voraussetzung für unsere und für andere Erscheinungen, die Erscheinung ist jedoch nicht notwendig, damit der Wille besteht.[8] Derjenige, der diese Erkenntnis von dem Willen hat, muss keine Angst vorm Tod haben. Voraussetzung hierfür ist allerdings die Bejahung des Willens zum Leben, denn damit macht er sich selbst unsterblich, da er selbst ein Teil des Willens ist und dies erkannt hat.

Die Befriedigung der Bedürfnisse sieht Schopenhauer als praktisch umgesetzte Form der Bejahung zum Leben, wovon er als höchste Form die Fortpflanzung beziehungsweise den Geschlechtstrieb als erhabenstes Ziel alles Lebens anführt. Aber allein schon die Akte des Körpers, die in Zeit und Raum geschehen und so dem Satz vom Grund unterliegen, sind eine geäußerte Willensbejahung.

Nun stellt sich die Frage, warum man das Leben nicht bejahen sollte, wenn einem doch das Leben in Form von Wiedergeburt immer gewiss ist, wenn man den Tod nicht fürchten muss und über ihn hinaus besteht. Die Antwort ist aus Schopenhauers Sicht ganz plausibel: Weil alles Leben leiden ist. Diese Auffassung soll im Weiteren näher beleuchtet werden.

[...]


[1] Schopenhauer (1996): S.426

[2] Simmel (1984): S.268

[3] Schopenhauer (1996): S.377

[4] Simmel (1984): S.271

[5] Schopenhauer (1996): S.380

[6] ebd. S.387

[7] vgl. Fleischer (2001): S.122

[8] Simmel (1984): S.274

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Erlösungsbegriff bei Schopenhauer oder: Die Verneinung des Willens
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V65351
ISBN (eBook)
9783638579452
ISBN (Buch)
9783638836234
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erlösungsbegriff, Schopenhauer, Verneinung, Willens
Arbeit zitieren
Juliane Kittelmann (Autor:in), 2006, Der Erlösungsbegriff bei Schopenhauer oder: Die Verneinung des Willens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65351

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