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Possessivität. Untersuchung eines linguistischen Phänomens

Title: Possessivität. Untersuchung eines linguistischen Phänomens

Seminar Paper , 2006 , 45 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Constanze Zürn (Author)

German Studies - Linguistics
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Für den Begriff der Possessivität scheint sich zunächst das Konzept des Besitzes, des Eigentums oder der Zugehörigkeit anzubieten. Die allgemeine Gleichsetzung von Besitz und Possessivität wird auch daran deutlich, dass deutsche Schulgrammatiken häufig Possessivpronomen als „besitzanzeigende Fürwörter“ bezeichnen. Als linguistisches Phänomen ist Possessivität allerdings nicht auf den Begriff des Besitzes beschränkbar. Schon Lyons (1977) stellt fest, dass lediglich eine Minderheit der possessiven Konstruktionen etwas mit Besitz oder Eigentum im wörtlichen Sinne zu tun haben. Denn bei possessiven Äußerungen wie beispielsweise "seine Demütigung" oder "sein Erröten" kann nämlich selbst bei einer großzügigen Interpretation nicht mehr von "Besitz" die Rede sein.

Die Ausdrucksweisen der Possessivität können dabei von Sprache zu Sprache stark variieren. Einige Sprachen realisieren Possessiva als Affix, andere stellen sie prä- oder postnominal. Bei fast allen Sprachen findet dabei aber Artikel-Possessivum-Komplementarität statt, die in den meisten Fällen eine Kombination aus Artikel und Possessivdeterminativ nicht zulässt. Daneben gibt es zwar Sprachen, wie das Italienische oder Neugriechische, die von dieser Regel abweichen, dennoch ist eine Argumentation, die dieses Phänomen durch Ökonomische Motivation erklärt, nicht nur plausibel, sondern sinnvoll. Das Prinzip der Ökonomie ist nämlich, im Vergleich zu anderen Analysen, auf die große Mehrheit der Sprachen erfolgreich anzuwenden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Termini der Possessivität

3 Kategorisierung der Possessivität

3.1 Attributive vs. prädikative Possessivität

3.2 Alienable vs. inalienable Possessivität

3.3 Grammatikalisierte vs. lexikalisierte Possessivität

4 Ausdrucksweisen der Possessivität

4.1 Possessive Nominalstrukturen

4.2 Prädikative Ausdrucksweisen der Possessivität

5 Artikel-Possessivum-Komplementarität

5.1 Komplementarität

5.2 Ökonomische Motivation

5.2.1 Artikel-Possessivum-Komplementarität aus strukturellen Gründen?

5.2.2 Keine Komplementarität zwischen indefiniten Artikel und Possessiva

5.2.3 Manche Sprachen zeigen keine Artikel-Possessivum-Komplementarität

6 Schluss

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht das linguistische Phänomen der Artikel-Possessivum-Komplementarität, bei dem in vielen Sprachen ein definites Possessivdeterminativ und ein definiter Artikel nicht gleichzeitig in einer Nominalphrase auftreten können, um zu klären, ob dies auf ökonomische Prinzipien oder strukturelle Faktoren zurückzuführen ist.

  • Grundlagen und Terminologie der Possessivität
  • Kategorisierung possessiver Konstruktionen (attributiv, prädikativ, alienabel, inalienabel)
  • Analyse der Artikel-Possessivum-Komplementarität anhand verschiedener Sprachen
  • Prüfung der ökonomischen Motivation nach Haspelmath und Zipf
  • Empirische Auswertung durch Textkorpora

Auszug aus dem Buch

3.1 Attributive vs. prädikative Possessivität

Hierbei handelt es sich um eine Einordnung auf syntaktischer Ebene, für die es in den meisten Sprachen der Welt Repräsentanten gibt (ELKADY 2001:31).

An den Beispielen wird deutlich, dass es in sehr vielen Sprachen die Möglichkeit der attributiven, sowie der prädikativen Verknüpfung gibt. Für die attributive Verknüpfung verfügen die einzelnen Sprachen über verschieden Techniken, wobei das häufigste Verknüpfungsmittel der Kasus ist, wie beispielsweise im Deutschen der Genitiv. In der Regel wird durch die attributive Vorgehensweise eine Nominalphrase gebildet, wie beispielsweise [NP das Haus [NP Peters]] im Deutschen (ELKADY 2001:33). Innerhalb der Nominalphrase haben die einzelnen Konstituenten oft eine bestimmte Reihenfolge einzuhalten, wie beispielsweise im Somali (siehe (9)).

Durch Prädikation treten der Possessor und das Possessum als verschiedene Satzglieder auf und bilden somit einen Satz, wie in folgendem Beispiel deutlich wird: [[NP das Haus] gehört [NP Peter]]. Hierbei handelt es sich um eine Unterscheidung der grammatischen Funktionen Subjekt-Objekt. Dabei gilt es auch festzuhalten, dass als Prädikator nicht nur Verben, die zwischen Kopula und Vollverben variieren können, in Frage kommen, sondern auch andere sprachlichen Elemente die Möglichkeit haben, Possessor und Possessum als zwei verschiedene Satzglieder zu einer syntaktischen Einheit zusammenzuschließen (ELKADY 2001:34).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Definiert den Begriff der Possessivität jenseits des reinen Besitzkonzepts und führt in die Thematik ein.

2 Termini der Possessivität: Legt die für die Arbeit notwendigen Begriffe fest, insbesondere im Hinblick auf Possessivdeterminative, Possessivpronomina und die Differenzierung zwischen Possessor und Possessum.

3 Kategorisierung der Possessivität: Stellt verschiedene Begriffspaare zur Klassifizierung possessiver Strukturen vor, wie attributiv/prädikativ, alienabel/inalienabel sowie grammatikalisiert/lexikalisiert.

4 Ausdrucksweisen der Possessivität: Analysiert possessive Nominalkonstruktionen sowie verschiedene prädikative Ausdrucksmöglichkeiten in unterschiedlichen Sprachen.

5 Artikel-Possessivum-Komplementarität: Untersucht das Phänomen, dass Artikel und Possessiva meist nicht gemeinsam auftreten, unter Berücksichtigung ökonomischer Motivation, struktureller Gründe und Ausnahmen.

6 Schluss: Fasst zusammen, dass das Prinzip der Ökonomie Haspelmaths auf eine große Mehrheit der Sprachen erfolgreich anzuwenden ist, auch wenn es Sprachen mit abweichendem Verhalten gibt.

Schlüsselwörter

Possessivität, Artikel-Possessivum-Komplementarität, Possessivdeterminativ, Ökonomische Motivation, Attributive Possessivität, Prädikative Possessivität, Definiter Artikel, Zipf’sches Gesetz, Nominalphrase, Alienabilität, Inalienabilität, Sprachtypologie, Possessor, Possessum, Grammatikalisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem linguistischen Phänomen, dass in vielen Sprachen ein Possessivum und ein definiter Artikel nicht gemeinsam in einer Nominalphrase auftreten können.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Themen umfassen die Definition und Kategorisierung von Possessivität sowie die Analyse ihrer verschiedenen Ausdrucksweisen und die Untersuchung von syntaktischen Mustern in europäischen und anderen Sprachen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu erklären, warum die Artikel-Possessivum-Komplementarität in vielen Sprachen auftritt, und zu prüfen, ob dies durch ökonomische Prinzipien (wie das Zipf’sche Gesetz) oder durch strukturelle Determiniererpositionen begründet ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es werden linguistische Fachliteratur sowie theoretische Konzepte (z.B. Definitheits- und Belebtheitshierarchien) analysiert und durch eine empirische Auswertung von Textkorpora untermauert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Termini, die Kategorisierung von Possessivität, die Darstellung verschiedener Ausdrucksweisen sowie eine tiefgehende Analyse der Komplementarität unter Einbeziehung von Ökonomie und strukturellen Erklärungsansätzen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Possessivität, Artikel-Possessivum-Komplementarität, Ökonomische Motivation, Possessivdeterminativ und Sprachtypologie.

Warum spielt das Zipf’sche Gesetz eine Rolle bei der Erklärung der Komplementarität?

Das Zipf’sche Gesetz dient zur Erklärung der ökonomischen Motivation: Häufige Ausdrücke wie der definite Artikel können entfallen, da ihre Funktion zur Markierung von Definitheit bereits durch das Possessivum übernommen wird.

Wie gehen Sprachen mit dem Phänomen um, die keine Artikel-Possessivum-Komplementarität zeigen?

Sprachen wie das Italienische oder Neugriechische, die eine Kombination von Artikel und Possessivum erlauben, werden als Ausdruck von "Explizitheit" oder "Competing-Motivation" interpretiert, wobei Eindeutigkeit gegenüber der ökonomischen Energieersparnis priorisiert wird.

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Details

Title
Possessivität. Untersuchung eines linguistischen Phänomens
College
University of Stuttgart  (Institut für germanistische Linguistik)
Course
Hauptseminar "Typologie II"
Grade
1,0
Author
Constanze Zürn (Author)
Publication Year
2006
Pages
45
Catalog Number
V65363
ISBN (eBook)
9783638579551
ISBN (Book)
9783656801672
Language
German
Tags
Possessivität Hauptseminar Typologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Constanze Zürn (Author), 2006, Possessivität. Untersuchung eines linguistischen Phänomens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65363
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