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Das Spiegelmotiv und seine Funktion für die Konzeption der Person in Hermann Hesses Steppenwolf

Title: Das Spiegelmotiv und seine Funktion für die Konzeption der Person in Hermann Hesses Steppenwolf

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 21 Pages , Grade: 1,9

Autor:in: Magdalena Drywa (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Der Steppenwolf ist ein Werk, welches immer wieder seine Leser fasziniert und eine sehr breite Rezeption erfahren hat. Wie Joseph Mileck beschreibt, lag ein Reiz wohl „nicht im Stoff, sondern im Stil […], in der Mehrfachmethodik seines Portraitierens und in der sich daraus ergebenden vierteiligen Struktur der Erzählung“. Das Portraitieren erfolgt im Steppenwolf aus mehreren unterschiedlichen Perspektiven, die dem Leser erst im Rückblick eine Einheit liefern. Die unterschiedlichen Blicke, die die Figuren auf das Kernthema, den Steppenwolf und seine Lebenskrise werfen, setzen sich später zu einem Bild zusammen, dem Selbstportrait. Im Text werden die Figuren jedoch als Einzelwesen vorgestellt, die erst nach und nach durch das enge Motivnetz als Spiegelungen wahrgenommen werden. So ergeben vier Portraits, die von drei Personen skizziert werden, das Portrait eines Menschen:
Das […] Vorwort […] zeichnet den äußeren Menschen. Dieser einleitende Überblick wird durch eine eingeschobene Studie erweitert, ein erregendes, witziges und scharfsichtiges Portrait des inneren Menschen Haller […]. Hallers eigene Berichte, die eigentliche Erzählung, sind eine unmittelbare Untersuchung des ganzen Menschen in Aktion […]. Hallers nochmalige Selbstbetrachtung und sein Rückblick auf sein Leben in Pablos Magischem Theater, eine abschließende Darstellung des Ichs, ergänzen alle vorhergehenden Portraits.
Jedoch wurde diese Methodik in der früheren Rezeption, v. a. in den USA, zum Teil auch verkannt, da die inhaltliche Ausdeutung der Geschehnisse im Magischen Theater als Einladung zum Drogenrausch gelesen wurde, nicht als der Weg zu einer geschlossenen Persönlichkeit. Durch diese Verwirrung wird die Schwierigkeit, dieses Konzept aufzuschlüsseln, deutlich.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Thematik der Person und ihrer Spiegelung. Wie genau entstehen die Eindrücke, dass es sich um Spiegel und nicht um Personen handelt? Was ist hier mit Person gemeint? Wie entsteht das Bild einer Person? Dieser Art Fragen soll im Folgenden nachgegangen werden.

Excerpt


Gliederung

1. Einleitung

2. Beschreibung des Spiegelmotivs im Steppenwolf

a. Spiegelmotive im Aufbau und formaler Gestaltung

b. Inhaltliche Spiegelmotive

i. Das Tractat vom Steppenwolf

ii. Vorwort des Herausgebers

3. Personenkonzepte

a. Harry Haller – Der Steppenwolf

b. Hermine – arme kleine Seele

c. Pablo – Der Saxophonspieler

d. Maria – Schöne Blume

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktion des Spiegelmotivs in Hermann Hesses „Steppenwolf“ und analysiert, wie dieses Motiv zur Konzeption der gespaltenen Persönlichkeit der Romanfiguren beiträgt.

  • Die formale und inhaltliche Bedeutung der Spiegelungen im Roman.
  • Die narrative Struktur und die Rolle der Erzählebenen.
  • Analyse der zentralen Figuren (Harry Haller, Hermine, Pablo, Maria) als Spiegelungen des Ichs.
  • Die psychologische Dimension der Selbstfindung und Persönlichkeitsintegration.
  • Die Aufhebung der Realitätsgrenzen durch das Motiv der Magie.

Auszug aus dem Buch

i. Das Tractat vom Steppenwolf

Wie oben beschrieben, hebt sich das Tractat auch äußerlich vom Werk ab. Sowohl das Druckbild als auch die veränderte Sprache stellen sicher, dass der Wechsel der Erzählebene bemerkt wird. Im Tractat wird eine weitere Analyse (nach der im Vorwort und der Selbstanalyse in den Aufzeichnungen) der steppenwölfischen Natur vorgenommen, die sich auch gleichzeitig ausdrücklich von der vereinfachten dualen Sichtweise distanziert. „Die Zweiteilung in Wolf und Mensch, in Trieb und Geist, […] ist eine sehr grobe Vereinfachung., eine Vergewaltigung des Wirklichen zugunsten einer plausiblen, aber irrigen Erklärung der Widersprüche, welche dieser Mensch in sich vorfindet […].“ (SW, 75). Die belehrende Stimme eines nicht näher zu definierenden Mediums fährt fort, abwechselnd zwischen einem „wir“ und einem „ich“ zu pendeln, um am Schluss direkt den Steppenwolf anzusprechen: „Auch mit dem Selbstmord wird dir, armer Steppenwolf, nicht ernstlich gedient sein“, (SW, 84). Zum Ende wird die Wendung, „Wir nehmen Abschied von Harry Haller, wir lassen ihn seinen Weg allein weitergehen.“, (SW, 86), als Abrundung der Anrede verwendet. Diese expliziten Nennungen der Pronomina der Erzählinstanz (ich, wir) vermitteln den Eindruck eines akademischen Plurals, der damit einen höheren Authentizitätsanspruch erweckt und den Wahrheitsgehalt des Tractats untermauert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die komplexe Struktur und die multiperspektivische Erzählweise des Romans, die den Leser zur intensiven Deutung einlädt.

2. Beschreibung des Spiegelmotivs im Steppenwolf: Dieses Kapitel führt den Begriff der Metalepse ein und untersucht, wie formale und inhaltliche Spiegelungen als Kern der Erzählung fungieren.

2.a. Spiegelmotive im Aufbau und formaler Gestaltung: Hier wird analysiert, wie die Aufteilung des Werkes in verschiedene Textelemente ein Verschachtelungs-Prinzip erzeugt, das die Erzählinstanz und ihre Autorität in Frage stellt.

2.b. Inhaltliche Spiegelmotive: Dieses Kapitel widmet sich der Funktion des Spiegels als magisches Werkzeug, das Harry Hallers unbewusste Seelenteile sichtbar macht.

2.b.i. Das Tractat vom Steppenwolf: Die Analyse zeigt, wie das Tractat durch einen Wechsel von Sprache und Druckbild eine wissenschaftlich anmutende, jedoch selbstreflexive Abhandlung über den Steppenwolf darstellt.

2.b.ii. Vorwort des Herausgebers: Die Untersuchung belegt, wie die Herausgeberfiktion durch verschiedene Authentisierungsstrategien und eine bildhafte, wertende Sprache unterlaufen wird.

3. Personenkonzepte: Dieses Kapitel stellt die These auf, dass die Figuren des Romans keine eigenständigen Charaktere, sondern Spiegelungen eines einzigen Ichs sind, die die Einheit der Persönlichkeit anstreben.

3.a. Harry Haller – Der Steppenwolf: Der Abschnitt beschreibt Haller als eine "seelenkranke" Person, deren Reise ins Ich durch das Magische Theater initiiert wird.

3.b. Hermine – arme kleine Seele: Hermine wird als Projektion der Anima interpretiert, die Harry Haller als sein komplementäres Gegenstück zurück ins Leben führt.

3.c. Pablo – Der Saxophonspieler: Pablo verkörpert Harry Hallers verdrängte "Schatten"-Eigenschaften und fungiert als Führer durch das Magische Theater.

3.d. Maria – Schöne Blume: Maria repräsentiert die Sinnlichkeit und Unschuld, durch die Harry Haller eine neue, positive Perspektive auf das Leben erfährt.

4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Person im "Steppenwolf" als vielseitiges Spiegelkabinett definiert ist, dessen Wandlung durch die Akzeptanz und Integration aller Seelenanteile erfolgt.

Schlüsselwörter

Hermann Hesse, Der Steppenwolf, Spiegelmotiv, Persönlichkeitskonzept, Erzähltheorie, Harry Haller, Metalepse, Magisches Theater, Anima, Schatten, Identität, Selbstanalyse, Psychologie, C.G. Jung, Literaturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Funktion des Spiegelmotivs in Hesses „Steppenwolf“ und analysiert dessen zentrale Bedeutung für das Verständnis der Identität und Persönlichkeitskonzeption des Protagonisten Harry Haller.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Feldern gehören die narrative Struktur des Romans, die Funktion des Magischen Theaters, die psychologische Deutung der Figuren und das Motiv der Spiegelung als Mittel zur Darstellung innerer Zerrissenheit.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Spiegelmotiv dazu beiträgt, den Prozess der Persönlichkeitswerdung darzustellen und warum Harry Hallers "Seelen" durch andere Figuren im Roman gespiegelt werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt erzähltheoretische Ansätze (u.a. nach Genette), um die Metalepsen und Erzählebenen zu analysieren, sowie tiefenpsychologische Aspekte (nach C.G. Jung) zur Deutung der Figuren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die formale Beschreibung der Spiegelmotive im Textaufbau und eine detaillierte Analyse der Figuren Haller, Hermine, Pablo und Maria als Projektionen oder Spiegelungen des Ichs.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Spiegelmotiv, Persönlichkeitskonzept, Identität, Psychologie, Erzähltheorie und Integration des Ichs charakterisiert.

Warum wird Hermine als "Anima" bezeichnet?

In der psychologischen Deutung nach C.G. Jung repräsentiert Hermine alle weiblichen Eigenschaften der Seele, die Haller selbst nicht ausgebildet hat, und fungiert daher als notwendiges Gegenstück zur Vervollständigung seiner Persönlichkeit.

Welche Rolle spielt das "Magische Theater" für die Spiegelungen?

Das Magische Theater ist der Ort, an dem die Realitätsgrenzen aufgehoben werden. Hier können die verschiedenen Aspekte des Selbst – die im Rest des Romans als getrennte Personen auftreten – in einer magischen Wirklichkeit vereinigt und integriert werden.

Gibt es ein "Ursprungsbild" der Person Harry Haller?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass es kein Ursprungsbild gibt, da sich alles ineinander spiegelt. Harry Hallers Identität ist eine komplexe Ansammlung von Teilaspekten, die sich erst durch das Erkennen der Vielseeligkeit überhaupt als Problem identifizieren lässt.

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Details

Title
Das Spiegelmotiv und seine Funktion für die Konzeption der Person in Hermann Hesses Steppenwolf
College
Christian-Albrechts-University of Kiel  (Institut für Neuere Deutsche Liteatur und Medien)
Course
HS Realismus WS 05/06
Grade
1,9
Author
Magdalena Drywa (Author)
Publication Year
2006
Pages
21
Catalog Number
V65423
ISBN (eBook)
9783638579919
ISBN (Book)
9783656773177
Language
German
Tags
Spiegelmotiv Funktion Konzeption Person Hermann Hesses Steppenwolf Realismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magdalena Drywa (Author), 2006, Das Spiegelmotiv und seine Funktion für die Konzeption der Person in Hermann Hesses Steppenwolf, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65423
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