Brauchen Kinder Architektur?


Hausarbeit, 2002

21 Seiten, Note: B


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2. Abstract

3. Einleitung

4. Pädagogische Grundbegriffe bei Maria Montessori
4.1. Selbstaufbau und Selbstbestimmung durch Tätigkeit
4.2. Polarisation der Aufmerksamkeit
4.3. Soziale Erziehung
4.4. Sensible Perioden
4.5. Ordnung
4.6. Bewegung

5. Schulstrukturelles Konzept
5.1. Prinzip der Mischung der Lebensalter und der Kooperation
5.2. Prinzip der „offenen Tür“ und der „freien Zirkulation“

6. Unterrichtsformen
6.1. Freiarbeit
6.2. Stille
6.3. Kosmische Erziehung
6.4. Vorbereitete Umgebung
6.4.1. Raumgröße
6.4.2. Klarheit und einfache Struktur
6.4.3. Ästhetik
6.4.4. Angepasste Einrichtungsgegenstände
6.5. Montessori – material

7. Umgesetzte Beispiele pädagogisch orientierter Architektur nach Franz SCHUSTER
7.1. Lebenslauf Franz Schuster
7.2. Montessori – Kindergarten, Wien Rudolfsplatz 1926
7.2.1. Pädagogik – spezielle Anforderungen bzw. Grundhaltungen
7.2.2. Eingangssituation
7.2.3. Verhältnis Gruppengemeinschaft zu Hausgemeinschaft
7.2.4. Gruppen-/ Spielraum – Betätigungsformen
7.2.5. Einrichtung – Unterstützung der Pädagogik, kindgerechte Gestaltung
7.2.6. Außenraum – Bedeutung für Pädagogik und Konzeptionz
7.3. Kindergarten der Gemeinde Wien „Schweizer Spende“ 1948
7.3.1. Pädagogik – spezielle Anforderungen bzw. Grundhaltungen
7.3.2. Eingangssituation
7.3.3. Verhältnis Gruppengemeinschaft zu Hausgemeinschaft
7.3.4. Gruppen-/ Spielraum – Betätigungsformen
7.3.5. Einrichtung – Unterstützung der Pädagogik, kindgerechte Gestaltung
7.3.6. Außenraum – Bedeutung für Pädagogik und Konzeptionz

8. Zusammenfassung

9. Literaturverzeichnis

10. Verzeichnis der Abbildungen

11. Anhang Pläne
11.1. Montessori – Kinderhaus; Rudolfsplatz , 1010 - Erdgeschossgrundriss
11.2. Kindergarten „Schweizer Spende“; Auer Welsbachpark , 1140 - Erdgeschossgrundriss

2. Abstract

Deutsch:

Meine Untersuchung befasst sich mit Möglichkeiten der Raumplanung nach Maria Montessoris pädagogischen Leitvorstellungen und deren sichtbarer Umsetzung.

Anhand des Montessori – Kindergartens Wien Rudolfsplatz (1926) und des Kindergartens der Gemeinde Wien „Schweizer Spende“ (1948) - beide geplant von Architekt Franz Schuster (1892 – 1972) – versuche ich Alternativen zum mir bekannten traditionellen Schul- „Raum“ zu untersuchen.

Unterscheiden sich beide von mir gewählten Beispiele Montessori - pädagogisch orientierter Architektur im äußeren Gesamtbild auch deutlich, so weisen beide jeweils ein großzügiges Raumangebot, Unterteilung in Gruppen, größenangepasste Einrichtungsgegenstände und nutzbaren Außenraum auf.

Vorgegebene Raumstrukturen an reformpädagogische Lern- und Erfahrungswelten anzupassen erscheint in der Praxis schwierig und es stellt sich mir die Frage nach einer kindgerechten und Lernanregungen bietenden Schularchitektur.

Kann Architektur die Umsetzung – speziell Montessori-orientierter – pädagogischer Leitvorstellungen begünstigen?

English:

My investigation deals with the possibilities of spatial planning, according to the educational principles of Maria Montessori, and their practical application.

I examined the Montessori schools Kindergartens Wien Rudolfsplatz and the Vienna local kindergarten Schweizer Spende, both designed by architect Franz Schuster (1892-1992) in 1926 and 1948 respectively. Using these as a basis, seek to explore alternatives to the traditional ‘school space’ that I am familiar with.

The two examples of Montessori education oriented architecture I’ve chosen differ significantly in their outer overall appearance. However both places are spacious, have generous subdivisions of groups, are well equipped with age appropriate furniture and utensils and provide outdoor space.

In practice, it seems difficult to fit existing room structures to reformed pedagogical principles of learning and experiencing. This suggests to me that there is a need for school architecture that serves children’s needs and stimulates learning.

Can architecture assist in the application of educational principles, Montessori oriented in particular?

3. Einleitung

„Die Welt, die in Form von Lehrplan und Sache portioniert in die Schule kommt, braucht einen Raum.

Es ist ein Ort, wo sich der Umgang mit Welt, vorgeordnet, notwendigerweise reduziert, in der Zeit gestaffelt und sinnvoll geplant ereignen kann.“[1]

Professor Ralf Girg fordert in seinem Vortrag zu „Skizzen einer Schule der Zukunft“ einen offenen und dynamischen Lebensraum, der Kindern prozessorientiert Möglichkeiten der Wissenserweiterung anbietet.

Dennoch gestaltet sich traditioneller Schul- „Raum“ in dem gelebt, gelernt und erfahren werden soll meist als sehr beengter, mit Tischen und Stühlen voll gestopfter, auf den Lehrertisch und die Tafel fokussierter Bereich.

Kann Architektur die Umsetzung – speziell Montessori-orientierter – pädagogischer Leitvorstellungen begünstigen?

Kann man von einer speziellen Montessori – Schularchitektur spchen?

4. Pädagogische Grundbegriffe bei Maria Montessori

Montessoris pädagogisches Sehen und Denken kreist um die Frage: In welcher Weise kann und muss der Erwachsene dem Kind bei seiner Entwicklung beistehen, damit sich „das Leben“ in ihm entfalten kann?[2]

4.1. Selbstaufbau und Selbstbestimmung durch Tätigkeit

Maria Montessori geht von der Grundannahme aus, dass das Kind sich mit seiner aktiven Auseinandersetzung mit seiner Umwelt selbst verwirklicht. Kinder fassen alles an, ertasten und be-greifen die Dinge. Diese gespürte und erlebte Erfahrung erlaubt es dem Kind mit seiner Umwelt vertraut zu werden; die aktive Aneignungstätigkeit legt einen wesentlichen Grundstein für seine Entwicklung.[3]

4.2. Polarisation der Aufmerksamkeit

Maria Montessori bezeichnet das bei vielen Kindern beobachtete Phänomen der

Polarisation der Aufmerksamkeit als Schlüssel ihrer ganzen Pädagogik. Sie entdeckte, dass Kinder fähig sind, ihre ganze Aufmerksamkeit einer Sache zuzuwenden, so dass sie nicht merken was um sie herum geschieht.[4]

4.3. Soziale Erziehung

Maria Montessori schafft durch lernorganisatorische Rahmenbedingungen ein Klima in dem sich ein Leben in sozialen Bezügen entfalten kann. Besonders durch die Freiarbeit als zentrale Unterrichts- und Lernform kann ein Netz von Partnerschaften und Gruppen entstehen. Kooperation, Helfen und Sich – helfen – lassen gehören zu unverzichtbaren Grundlagen des Zusammenlebens. Als wesentlich für die Entwicklung dieses sozialen Lebens innerhalb der Klassengemeinschaft stellt für Maria Montessori die Mischung der Lebensalter dar.[5]

4.4. Sensible Perioden

Die innere Empfänglichkeit jedes Menschen bestimmt, was aus der Vielfalt der Umwelt jeweils aufgenommen wird, und welche Situationen für das augenblickliche Entwicklungsstadium die vorteilhaftesten sind. Sie bewirkt, dass das Kind auf gewisse Dinge achtet und auf andere nicht.[6]

4.5. Ordnung

Ordnung bedeutet, die Lage der Gegenstände im Raum zu kennen, sich an die Stelle zu erinnern, wo jedes Ding sich befindet. Das wiederum bedeutet, sich in seiner Umgebung zurecht zu finden. Die Sensibilität für Ordnung tritt im Kind unter zwei Gesichtspunkten in Erscheinung: Als Sinn für äußere Ordnung (betrifft die Beziehungen zwischen den Bestandteilen der Umwelt) und als innere Ordnung (innerer Orientierungssinn).[7]

4.6. Bewegung

Der Bewegung kommt ein wesentlicher Anteil an der Entwicklung der Seele zu; sie ist nicht nur Ausdruck des Ichs sondern das einzig greifbare Mittel zur Herstellung klar bestimmter Beziehungen zwischen Ich und äußerer Realität.[8]

Beim jüngeren Kind fordert Maria Montessori eine Umgebung, die besonders der Entfaltung geordneter Bewegungs- und Handlungsabläufe dient.

Unstrukturierte Flächen, künstliches, schattenloses Licht und unbehagliche Materialien regen den Organismus nicht an, sondern wirken (geistig und körperlich) lähmend.[9]

5. Schulstrukturelles Konzept

Um einen einheitlichen Bildungsweg und somit die Kontinuität kindlicher Arbeit zu gewährleisten, fordert Maria Montessori das Auflösen der institutionellen Grenzen; ihr Grundriss für einen institutionell organisierten Bildungsweg orientiert sich am Kind und seiner Entwicklung.[10]

5.1. Prinzip der Mischung der Lebensalter und der Kooperation

In einer Klasse mit mehreren Jahrgangsstufen ist einerseits eigeninitiiertes Lernen auf dem jeweils individuellen Nivea möglich und andererseits wird das soziale Leben durch Helfen und Sich – helfen – lassen kultiviert.“[11]

Kinder unterschiedlichen Alters regen sich gegenseitig an und helfen einander; die Kooperation der Kinder hat positive Wirkung auf das Zusammenleben.

5.2. Prinzip der „offenen Tür“ und der „freien Zirkulation“

Zwischen allen Gruppen in einer Montessori – Einrichtung soll die Möglichkeit zur Kommunikation bestehen, die offene Tür zu den anderen Räumen erlaubt eine Freiheit des Verkehrs zwischen verschiedenen Stufen.

Kinder brauchen einerseits diese Bewegungs- und Kommunikationsfreiheit, zeigen aber auch die Tendenz zu einem Platz, den sie ihr Eigen nennen können.

In Montessori – Einrichtungen ist es dennoch nicht üblich, dass Kinder ihren eigenen Tisch und Sessel haben – es gibt Schränke, in denen die Kinder ihre persönlichen Dinge in eigenen Laden verwahren und jederzeit wieder finden können.[12]

[...]


[1] Girg, www.klinkhardt.de/girgvor.htm

[2] Vgl. Hammerer 1997, S. 13

[3] Vgl. Hammerer 1997, S. 14

[4] vgl. Oswald/ Schulz-Benesch, 1967, S. 17f.

[5] vgl. Oswald/ Schulz-Benesch, 1967, S. 92f.

[6] vgl. Montessori, 1987, S. 46

[7] vgl. Montessori, 1987, S. 59f.

[8] vgl. Montessori, 1987, S. 102f.

[9] vgl. Hammerer 1997, S. 29

[10] vgl. Montessori, 1987, S. 210

[11] Hammerer 1997, S. 19

[12] vgl. Hammerer 1997, S.20

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Brauchen Kinder Architektur?
Hochschule
University of Derby  (Education)
Veranstaltung
Master of Education
Note
B
Autor
Jahr
2002
Seiten
21
Katalognummer
V6544
ISBN (eBook)
9783638140874
Dateigröße
1067 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Architektur Montessori Schuster
Arbeit zitieren
Sylvia Nösterer (Autor), 2002, Brauchen Kinder Architektur?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6544

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