„The 1990s saw the greatest U.S. merger wave ever“.
Vor dem Hintergrund dieser großen Fusionswelle entstand eine Vielzahl von Publikationen, die dieses „Phänomen“ untersuchen. Die vorliegende Seminararbeit behandelt die Veröffentlichung „Eat or Be Eaten: A Theory of Mergers and Merger Waves“ von Gorton, Kahl und Rosen (2005). Ihrer Meinung nach können Fusionswellen zunächst dann auftreten, wenn die Manager der Firmen Anreize haben, die Unabhängigkeit ihrer Firma zu sichern. Indem sie eine andere Firma übernehmen, können sie die Wahrscheinlichkeit, selbst Ziel einer Übernahme zu werden, reduzieren. Hierbei können defensive Übernahmen auftreten, die dadurch gekennzeichnet sind, daß sie unrentabel sind. Des weiteren argumentieren die Autoren, daß eine technologische oder politische Änderung Übernahmen in der Zukunft rentabel machen und so zu einer präventiven Welle defensiver Übernahmen führen kann. Die Autoren beschreiben auch das Timing und die Rentabilität der Übernahmen sowie die Identität von Erwerbern und Zielfirmen. Diese hängen von der Höhe der privaten Einkommen und des Kapitaleigentums der Manager ab sowie von der Wahrscheinlichkeit einer politischen Änderung und der Industriestruktur.2 Des weiteren kann ihre Arbeit im Hinblick auf Fusionswellen drei stilisierte Fakten erklären: Daß die Käufer im Durchschnitt Geld verlieren, daß Übernahmen sich in jenen Industrien konzentrieren, in welchen sich eine politische Änderung abzeichnet und daß Übernahmen in Wellen auftreten.
Zu Beginn ihrer Arbeit entwickeln die Autoren zunächst ein einfaches Grundmodell mit drei Firmen, auf das ich im zweiten Kapitel eingehen werde. In Kapitel 3 folgt eine Erweiterung dieses Modells auf fünf Firmen, mit deren Hilfe sich Fusionswellen erklären lassen. Anhand dieser beiden Kapitel wird deutlich, daß sich zwei vollkommen unterschiedliche Arten der Fusionsdynamik entwickeln können. Während im Grundmodell ausschließlich rentable Übernahmen auftreten, entstehen bei der Erweiterung auch defensive, unrentable Übernahmen. In Kapitel 4 wird anhand zweier weiterer Modelle die Rolle untersucht, die der Industriestruktur bei der Betrachtung der Fusionsdynamik zukommt. Die wesentlichen Resultate der Autoren werden in Kapitel 5 zusammengefaßt. In Kapitel 6 werde ich auf weitere Veröffentlichungen zum Thema Fusionswellen eingehen. Zum Abschluß folgen eine kritische Beurteilung der Arbeit von Gorton et al. und eine Schlußbetrachtung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Grundmodell
2.1 Modellannahmen
2.2 Gleichgewichtige Fusionsaktivität
3 Fusionswellen
3.1 Modellannahmen
3.2 Analyse
4 Modellerweiterungen
4.1 Das Modell mit einem dominanten Unternehmen
4.2 Ein Modell, in dem einige, aber nicht alle Firmen gleich groß sind
5 Zusammenfassung
6 Verwandte Literatur
6.1 Ähnliche Literatur
6.2 Weiterführende Literatur
7 Kritische Beurteilung und Schlußbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die theoretischen Grundlagen von Fusionen und Fusionswellen, insbesondere auf Basis des Modells von Gorton, Kahl und Rosen (2005). Das primäre Ziel ist es, die ökonomischen Anreize von Managern, wie die Sicherung ihrer Unabhängigkeit durch defensive Übernahmen, sowie den Einfluss der Industriestruktur auf das Entstehen von Fusionswellen zu analysieren.
- Theoretische Modellierung defensiver und rentabler Fusionen
- Einfluss von Managermotivation und privaten Einkommen auf Fusionsentscheidungen
- Analyse der Rolle der Industriestruktur für die Fusionsdynamik
- Erklärung stilisierter Fakten über Fusionsaktivitäten
- Vergleich verschiedener wissenschaftlicher Erklärungsansätze für Fusionswellen
Auszug aus dem Buch
2.1 Modellannahmen
Um die Motivation der Geschäftsführer bezüglich ihrer Fusionsaktivität zu modellieren, verwenden Gorton et al. zwei Zeitpunkte, 0 und 1, und drei Firmen. Die Firmen sind ihrer Größe nach geordnet: Firma 1 ist die größte, Firma 3 die kleinste ( C1 > C2 > C3 ).
Die Autoren treffen die Annahme, daß ein Unternehmen ein anderes nur dann übernehmen kann, wenn dieses kleiner ist. Des weiteren wird angenommen, daß C2 + C3 > C1 . Dies impliziert, daß Firma 2 durch eine Übernahme von Firma 3 größer wird als Firma 1 und damit nicht mehr von ihr übernommen werden kann. Dadurch hat Firma 2 den Anreiz, Firma 3 zu übernehmen.
Zu jedem Zeitpunkt bekommt der Manager einer Firma eine Auszahlung von w , sofern seine Firma nicht übernommen wurde. Wurde seine Firma übernommen, erhält er eine Auszahlung von 0. Zusätzlich besitzt jeder Geschäftsführer auch einen Anteil a seiner Firma. Aufgrund von Transaktionskosten, die nicht weiter berücksichtigt werden, entscheiden sich die Firmen bei Indifferenz dafür, keine Übernahme durchzuführen. Außerdem können keine Verträge geschlossen werden, die dazu führen, daß die Manager ausschließlich im Sinne ihrer Firmen agieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung von Fusionswellen dar und führt in das Kernmodell von Gorton, Kahl und Rosen ein, das durch Managermotivationen und politische Änderungen erklärt wird.
2 Das Grundmodell: In diesem Kapitel wird ein 3-Firmen-Modell entwickelt, um zu zeigen, wie der Anreiz zur Sicherung der Managerposition defensive, ökonomisch ineffiziente Übernahmen auslösen kann.
3 Fusionswellen: Das Modell wird auf fünf Firmen erweitert, um zu demonstrieren, wie defensive Übernahmen zu konzertierten Fusionswellen innerhalb einer Industrie führen können.
4 Modellerweiterungen: Dieses Kapitel untersucht durch zwei Varianten des Modells, wie unterschiedliche Industriestrukturen (dominante Firmen oder ungleiche Firmengrößen) die Dynamik und Art der Übernahmen verändern.
5 Zusammenfassung: Die Kernaussagen der Arbeit werden hier gebündelt, wobei insbesondere die Korrelation zwischen Manageranreizen, Firmengröße und dem Entstehen von Fusionen hervorgehoben wird.
6 Verwandte Literatur: Es erfolgt eine Einordnung der diskutierten Theorie in den breiteren wissenschaftlichen Diskurs durch den Vergleich mit Ansätzen anderer Autoren wie Wulf, Kleinert/Klodt und Harford.
7 Kritische Beurteilung und Schlußbetrachtung: Das Kapitel reflektiert die Modellannahmen kritisch hinsichtlich ihrer Realitätsnähe und diskutiert die Grenzen der Erklärbarkeit von Fusionswellen.
Schlüsselwörter
Fusionswellen, Defensive Übernahmen, Industriestruktur, Manageranreize, Principal-Agent-Problem, Positioning Acquisition, Firmenübernahme, Wirtschaftstheorie, Wettbewerbsbeschränkungen, Synergieeffekte, Politische Änderungen, Unternehmensgröße, Kapitalwert, Marktdynamik, Fusionen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert theoretische Erklärungsansätze für das Phänomen von Fusionswellen unter Berücksichtigung von Managerinteressen und der Industriestruktur.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Motivation von Managern, der Einfluss von Unternehmenseigenschaften auf Übernahmewahrscheinlichkeiten und die Auswirkungen von politischen oder technologischen Änderungen auf den Markt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die theoretische Herleitung, warum und unter welchen Bedingungen Firmen in Wellen fusionieren, auch wenn dies ökonomisch nicht für alle Beteiligten vorteilhaft ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die Methode der spieltheoretischen Modellierung, insbesondere durch den Ansatz der "backwards induction", um die Entscheidungsabläufe in den verschiedenen Szenarien zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sukzessive Modelle (Grundmodell mit drei Firmen, Erweiterung auf fünf Firmen, Modelle mit dominanten Firmen) vorgestellt und deren gleichgewichtige Fusionsaktivitäten untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Fusionswellen, defensive Übernahmen, Manageranreize und Industriestruktur charakterisiert.
Warum führen Manager laut der Theorie oft unrentable Übernahmen durch?
Manager führen diese aus, um ihre eigene Unabhängigkeit zu sichern und das Risiko zu minimieren, dass ihr Unternehmen selbst Ziel einer Übernahme wird, was mit dem Verlust ihrer Position einhergehen könnte.
Was bedeutet der Begriff "positioning acquisition"?
Hierbei handelt es sich um Übernahmen, bei denen Unternehmen bewusst fusionieren, um ihre relative Größe innerhalb der Industrie zu verändern und beispielsweise die zweitgrößte Firma zu werden, um so attraktiver für eine spätere Übernahme zu sein.
Wie unterscheidet sich die Arbeit von anderen Literaturbeiträgen?
Im Gegensatz zu Ansätzen, die "Schocks" als exogene, unvorhersehbare Ereignisse sehen, betont die hier analysierte Theorie die Vorhersehbarkeit politischer Änderungen und die rationalen, aber eigennützigen Reaktionen der Manager.
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- Saskia Schierstädt (Author), 2006, Eat or Be Eaten: A Theory Of Mergers And Merger Waves, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65516