Nach dem Untergang Troias von Agamemnon als Beute nach Mykene verschleppt und sich ihres bevorstehenden Todes bewusst, reflektiert die Ich-Erzählerin Kassandra in Christa Wolfs 1983 erschienener gleichnamiger Erzählung über ihr Leben in Troia. In Form eines inneren Monologes berichtet sie rückblickend in mehr oder weniger chronologischer Abfolge vom herannahenden Krieg und schließlich dem Untergang Troias, indirekt aber auch von der zeitgleich stattfindenden Verdrängung und Ablösung des Matriarchats durch das Patriarchat. Besonders interessant ist dabei die fast ausschließlich negative Darstellung der Männerfiguren.
Auf Grund der Tatsache, dass Christa Wolfs weibliche Sichtweise auf den Kassandra-Mythos eine Besonderheit darstellt, stehen in vielen Arbeiten zu Kassandra die Frauenfiguren im Vordergrund. Im Gegensatz dazu möchte ich in der vorliegenden Arbeit die Männerfiguren in den Mittelpunkt rücken und der Frage nachgehen, warum Christa Wolf diese stark von mythologischen Vorlagen abweichende Darstellung wählt. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt dabei auf folgenden vier Männerfiguren: Achill und Priamos, welche exemplarisch für die negativ gezeichneten Männer in Kassandra untersucht werden, sowie Aineias und Anchises, die zu den erstgenannten im Gegensatz stehen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Darstellung von Männlichkeit in Kassandra
- 2.1 Priamos
- 2.2. Achill
- 2.3 Anchises
- 2.3 Aineias
- 3. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Darstellung von Männlichkeit in Christa Wolfs Erzählung "Kassandra". Sie untersucht die verschiedenen Männerfiguren in der Erzählung und analysiert, wie Christa Wolf diese Figuren zeichnet, um bestimmte Aspekte der Geschlechterrollen und des Übergangs vom Matriarchat zum Patriarchat zu beleuchten.
- Die negative Darstellung der Männerfiguren in "Kassandra"
- Die Rolle der Männer im Untergang Troias
- Die Darstellung des Übergangs vom Matriarchat zum Patriarchat
- Der Einfluss der mythischen Vorlagen auf die Darstellung der Männerfiguren
- Die Frage, ob es eine "weibliche" Perspektive auf die Geschichte gibt
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Einleitung: Diese Einleitung stellt die Thematik der Arbeit vor und bietet einen Überblick über die zentralen Fragen und die Herangehensweise.
- Kapitel 2: Darstellung von Männlichkeit in Kassandra: In diesem Kapitel werden verschiedene Männerfiguren aus dem Text vorgestellt und ihre Darstellung analysiert.
- 2.1 Priamos: Dieser Abschnitt beleuchtet die Figur des Priamos, den König von Troia, und die Darstellung seines Übergangs von einer matriarchalen zu einer patriarchalen Gesellschaft.
- 2.2. Achill: Dieser Abschnitt analysiert die Figur des Achill und seine Rolle im Trojakrieg.
- 2.3 Anchises: Dieser Abschnitt untersucht die Figur des Anchises, dem Vater des Aeneas, und seinen Einfluss auf die Geschichte.
- 2.3 Aineias: Dieser Abschnitt befasst sich mit der Figur des Aineias, dem Sohn des Anchises, und seiner Rolle im Trojakrieg und der Gründung Roms.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Themen Männlichkeit, Geschlechterrollen, Matriarchat, Patriarchat, Trojakrieg, Christa Wolf, "Kassandra", mythische Figuren, Gender-Perspektive und Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Wie werden Männer in Christa Wolfs „Kassandra“ dargestellt?
Die Männerfiguren werden überwiegend negativ gezeichnet, was den Übergang von einer friedlicheren matriarchalen zu einer gewalttätigen patriarchalen Gesellschaft verdeutlicht.
Wer sind die zentralen männlichen Gegenpole in der Erzählung?
Achill (das „Vieh“) und Priamos stehen exemplarisch für die negative Entwicklung, während Aineias und Anchises als positivere Identifikationsfiguren fungieren.
Welche Rolle spielt Priamos beim Untergang Troias?
Priamos wird als König dargestellt, der den Wandel zum Patriarchat und die damit einhergehende Versteifung auf Macht und Krieg mitvollzieht, was Troia letztlich schadet.
Warum wählt Christa Wolf diese Darstellung von Männlichkeit?
Sie nutzt die weibliche Sichtweise auf den Mythos, um Machtstrukturen zu kritisieren und die Verdrängung des Weiblichen durch kriegerische Männlichkeit zu thematisieren.
Was symbolisiert Achill in der Erzählung?
Achill symbolisiert die rohe, entmenschlichte Gewalt des Krieges und die völlige Abkehr von Empathie und Kultur.
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- Peggy Meier (Author), 2005, Die Darstellung von Männlichkeit in Christa Wolfs Kassandra, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65521