Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Modern German Literature

Die Darstellung von Männlichkeit in Christa Wolfs Kassandra

Title: Die Darstellung von Männlichkeit in Christa Wolfs Kassandra

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 15 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Peggy Meier (Author)

German Studies - Modern German Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Nach dem Untergang Troias von Agamemnon als Beute nach Mykene verschleppt und sich ihres bevorstehenden Todes bewusst, reflektiert die Ich-Erzählerin Kassandra in Christa Wolfs 1983 erschienener gleichnamiger Erzählung über ihr Leben in Troia. In Form eines inneren Monologes berichtet sie rückblickend in mehr oder weniger chronologischer Abfolge vom herannahenden Krieg und schließlich dem Untergang Troias, indirekt aber auch von der zeitgleich stattfindenden Verdrängung und Ablösung des Matriarchats durch das Patriarchat. Besonders interessant ist dabei die fast ausschließlich negative Darstellung der Männerfiguren.

Auf Grund der Tatsache, dass Christa Wolfs weibliche Sichtweise auf den Kassandra-Mythos eine Besonderheit darstellt, stehen in vielen Arbeiten zu Kassandra die Frauenfiguren im Vordergrund. Im Gegensatz dazu möchte ich in der vorliegenden Arbeit die Männerfiguren in den Mittelpunkt rücken und der Frage nachgehen, warum Christa Wolf diese stark von mythologischen Vorlagen abweichende Darstellung wählt. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt dabei auf folgenden vier Männerfiguren: Achill und Priamos, welche exemplarisch für die negativ gezeichneten Männer in Kassandra untersucht werden, sowie Aineias und Anchises, die zu den erstgenannten im Gegensatz stehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Darstellung von Männlichkeit in Kassandra

2.1 Priamos

2.2. Achill

2.3 Anchises

2.3 Aineias

3. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Darstellung männlicher Figuren in Christa Wolfs Erzählung Kassandra, um zu ergründen, warum die Autorin eine bewusste Abkehr von traditionellen, patriarchalen Mythos-Darstellungen wählt. Im Fokus steht dabei die Analyse der psychologischen Charakterisierung ausgewählter Männerfiguren und deren Rolle im Kontext des gesellschaftlichen Umbruchs vom Matriarchat zum Patriarchat.

  • Analyse der Geschlechterrollen in Christa Wolfs Kassandra
  • Gegenüberstellung von negativen Männerbildern (Achill, Priamos) und positiven Gegenentwürfen (Anchises, Aineias)
  • Untersuchung des Übergangs vom Matriarchat zum Patriarchat als zentrales Motiv
  • Weibliche Perspektive als Instrument der Mythos-Dekonstruktion
  • Humanisierung des Mythos durch Fokus auf psychologische statt schicksalhafte Determination

Auszug aus dem Buch

2.2. Achill

Die Figur des Achill ist in Christa Wolfs Darstellung „die Verkörperung alles Negativen, das in Männern vorhanden sein kann“ (Rengen 1992: 69). Als Vorlage für ihre Charaktere benutzt Christa Wolf unter anderem Ranke-Graves’ Griechische Mythologie. Quellen und Deutung und übernimmt daraus insbesondere Geschehnisse, die sie in Kassandra aus der Sicht der Ich-Erzählerin beschreibt. Veränderungen nimmt sie besonders bei den Charaktereigenschaften verschiedener Personen vor. Auffällig ist dies bei Achill, der bei Ranke-Graves sehr positiv beschrieben wird : „[Groß Aias] wurde nur von Achilleus an Mut, Stärke und Schönheit übertroffen“ (Ranke-Graves 1961: 272). Auch in anderen Werken zur griechischen Mythologie erscheint er primär als ruhmreicher Held. So schreibt Houtzager beispielsweise: „Achilles [...] zählt zu den größten Helden der griechischen Mythologie. Unter allen Teilnehmern am Kampf um Troja war er der tapferste“ (2003: 24) und weiter „Der ungemein starke, grausame, arrogante und blendend aussehende Achilles“ (ebd.). Ganz im Gegensatz dazu steht Christa Wolfs Achill. Er wird „als grausame, geile, jeder Norm bare, frevelhafte Bestie dargestellt“ (Rengen 1992: 69). Er verletzt Normen und Regeln des Kampfes und religiöser Stätten als er Troilos tötet (vgl. K: 77f.). Des Weiteren sieht er in Frauen lediglich Objekte, die er sich zunutze macht: Einerseits versucht er seine homoerotischen Neigungen – er „streichelte“ und „befingerte“ (K: 79) Troilos; „Achill [...] mit einem andern Jüngling auf dem Bett“ (K: 87) – zu vertuschen, indem er sich der Frauen bedient: „Achill stellte nämlich allen nach: Jünglingen, nach denen ihn wirklich verlangte, und Mädchen, als Beweis, daß er wie alle war“ (K: 88). Achill, wie andere Männer, benutzt Frauen also „als Opfer zur persönlichen Selbstbehauptung“ (Rengen 1992: 70).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in Christa Wolfs Werk Kassandra ein und erläutert den Fokus auf die weibliche Perspektive sowie die kritische Auseinandersetzung mit patriarchalen Mythenüberlieferungen.

2. Darstellung von Männlichkeit in Kassandra: Dieses Hauptkapitel analysiert das grundsätzliche, oft negative Männerbild in der Erzählung, das von Machtstreben, Gewalt und Ichbezogenheit geprägt ist.

2.1 Priamos: Der König von Troia dient als Beispiel für den historischen Übergang vom Matriarchat zum Patriarchat und zeigt den Zerfall einer einst starken Figur.

2.2. Achill: Die Figur des Achill wird als Inbegriff des negativen, gewaltvollen und entidealisierten Helden kontrastiert zur traditionellen Mythologie dargestellt.

2.3 Anchises: Anchises bildet als heitere, vorurteilsfreie Person den Gegenpol zu den patriarchalen Machtstrukturen und dient der Protagonistin als wichtige Vaterfigur.

2.3 Aineias: Aineias wird als erwachsener, emotional fähiger Charakter gezeichnet, der eine Alternative zum gewaltsamen Heldenideal darstellt, wenngleich er sich den Zwängen seiner Zeit nicht vollständig entziehen kann.

3. Zusammenfassung: Das Fazit resümiert, dass Christa Wolf durch den Perspektivwechsel den Mythos humanisiert und den Heroenkult zugunsten individueller Verantwortung entwertet.

Schlüsselwörter

Kassandra, Christa Wolf, Patriarchat, Matriarchat, Männlichkeitsdarstellung, griechische Mythologie, Heldenkritik, weibliche Perspektive, Geschlechterkonflikt, Achill, Priamos, Anchises, Aineias, Heroenkult, Troia.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die Darstellung männlicher Figuren in Christa Wolfs Erzählung Kassandra unter Berücksichtigung feministischer Literaturperspektiven.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Mittelpunkt stehen der Übergang vom Matriarchat zum Patriarchat, die Dekonstruktion männlicher Heldenmythen und die Auswirkungen einer weiblichen Erzählperspektive auf die Charakterzeichnung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Gründe für die stark von mythologischen Vorlagen abweichende, eher negative Zeichnung der Männerfiguren bei Christa Wolf aufzuzeigen und zu untersuchen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung von Fachliteratur zum Matriarchat/Patriarchat sowie Vergleichen mit den antiken mythologischen Quellen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der vier spezifischen Männerfiguren Priamos, Achill, Anchises und Aineias, wobei deren jeweilige Rolle und Entwicklung im Text detailliert untersucht wird.

Welche Schlüsselbegriffe sind zentral für das Verständnis?

Wichtige Schlagworte sind Entidealisierung, Heldendämmerung, Geschlechterkonflikt, psychologische Charakterisierung und literarische Neubewertung antiker Mythen.

Warum wird Achill in der Arbeit als "Bestie" charakterisiert?

Aus der Sicht der Ich-Erzählerin Kassandra verkörpert Achill die negativen, gewaltsamen Seiten des Krieges; er wird nicht als ruhmreicher Held, sondern als rücksichtsloses, triebgesteuertes Individuum dargestellt.

Wie unterscheidet sich die Darstellung von Aineias von der des Achill?

Während Achill als Inbegriff der brutalen patriarchalen Gewalt dient, wird Aineias als emotional reflektierter und zärtlicher Mensch gezeichnet, der sich zwar den gesellschaftlichen Zwängen nicht voll entziehen kann, aber moralische Gegenwerte repräsentiert.

Welche Funktion hat die Figur des Anchises?

Anchises fungiert als zentrale Vaterfigur und Repräsentant einer alternativen, gleichberechtigten Lebensweise, die dem aggressiven Umfeld der troianischen Zitadelle entgegensteht.

Excerpt out of 15 pages  - scroll top

Details

Title
Die Darstellung von Männlichkeit in Christa Wolfs Kassandra
College
University of Leipzig  (Germanistik)
Course
Nachdenken über Christa W.
Grade
2,0
Author
Peggy Meier (Author)
Publication Year
2005
Pages
15
Catalog Number
V65521
ISBN (eBook)
9783638580663
ISBN (Book)
9783656811978
Language
German
Tags
Darstellung Männlichkeit Christa Wolfs Kassandra Nachdenken Christa
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Peggy Meier (Author), 2005, Die Darstellung von Männlichkeit in Christa Wolfs Kassandra, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65521
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  15  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint