Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Sociology - Law and Delinquency

Stigmatisierung und die Folgen für psychisch Kranke

Title: Stigmatisierung und die Folgen für psychisch Kranke

Seminar Paper , 2006 , 16 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Mirjam Rothenbacher (Author)

Sociology - Law and Delinquency
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Stigma und Stigmatisierung ist ein weit gefasstes Phänomen in unserer Gesellschaft. Sie begegnet einem fast täglich und in fast jeder erdenklichen Ausprägung, wobei mit dem Begriff begegnet eine wohl etwas zu euphemistische Umschreibung geliefert wird, da er Passivität impliziert, die jedoch nicht gegeben ist. Meistens ist man äußerst aktiv in den Prozess der Stigmatisierung involviert: Manchmal ist man Stigmatisierer, manchmal Stigmatisierter, meistens ist man beides gleichzeitig. Üblicherweise trifft ein Individuum im Laufe seines Lebens in einer Gesellschaft unzählige Male auf ein bzw. mehrere andere Individuen. Die Gesellschaft, der das Individuum angehört, hat im Laufe der Zeit bewusst und auch unbewusst Normen geschaffen, geschriebene und ungeschriebene, die von der Allgemeinheit angewendet werden; diese angewendeten Normen ermöglichen es, Menschen als „normal“ oder als „unnormal“ einzustufen, sie in „wir“ und „die“ zu unterscheiden und sie somit voneinander abzugrenzen: Die einen sind die „Normerfüller“, die anderen die „Normabweichler“.2Es liegt auf der Hand, dass die Grenzen bzw. das, was als Norm Anwendung findet, mehr als fließend sind und von Gesellschaft zu Gesellschaft, von Gruppe zu Gruppe, von Individuum zu Individuum, von Kontext zu Kontext unterschiedlich gehandhabt werden. Außerdem sind die Kategorisierungen äußerst anfällig für Willkür und Subjektivität. Trotzdem ist es möglich, dass ein Großteil von Individuen einer Gesellschaft oder einer Gruppe dazu tendiert, normkonformes und normabweichendes Verhalten gleich oder ähnlich zu definieren und Abweichler in „ein und dieselbe Schublade zu stecken“ - die der Stereotypen. Wir neigen dazu, jedes Individuum, dem wir begegnen, so einem bestimmten Stereotyp zuzuordnen. Stellt sich nachträglich heraus, dass der „Eingeordnete“ seiner zugedachten Rolle nicht voll entspricht und ihm ein Makel (Stigma) anhaftet, wird er stigmatisiert, d. h. spontan mit einer vorerst gedanklichen Ablehnung versehen. Erving Goffman unterscheidet zwischen der „virtuale[n] soziale[n] Identität“ und der „aktuale[n] soziale[n] Identität“.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Von der „virtualen“ zur „aktualen sozialen Identität“

2 Was ist ein Stigma bzw. Stigmatisierung?

3 Die Stigmatisierung psychisch Kranker

4 Kampf dem Stigma „psychisch krank“

5 Resümee

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den wissenschaftlichen Stand zur Stigmatisierung psychisch Kranker, wobei der Fokus darauf liegt, wie die Identität und soziale Teilhabe der Betroffenen durch gesellschaftliche Vorurteile und institutionelle Prozesse beeinträchtigt werden. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, die Mechanismen der Stigmatisierung zu verstehen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Aufklärung und entstigmatisierende Maßnahmen zu einer Verbesserung der Lebenssituation beitragen können.

  • Grundlagen der Stigmatisierungstheorie nach Erving Goffman
  • Soziale Identitätsdegradierung in psychiatrischen Institutionen
  • Die Rolle der öffentlichen Wahrnehmung und Medienberichterstattung
  • Folgen der Stigmatisierung (Diskriminierung, soziale Distanz, Armutsrisiko)
  • Internationale und nationale Entstigma-Kampagnen

Auszug aus dem Buch

Die Stigmatisierung psychisch Kranker

Ein von Stigmatisierung stark betroffener Personenkreis ist der der psychisch Kranken. Noch im Jahr 1975 vertrat unter anderem Monika Gebauer die interaktionistische These, d. h. die psychische Erkrankung existiere nur aufgrund „gesellschaftlicher Zuschreibungsprozesse“. Ein psychisch Kranker ist demnach ein „Unnormaler“, also ein von nicht näher spezifizierbaren, gesellschaftlichen Normen Abweichender, dessen Devianz allerdings lediglich situationsgebunden ist. Gebauer spricht im Folgenden von einer „doppelte[n] negative[n] Identitätstransformation“ und meint damit eine ursprüngliche und vorausgehende Degradierung der sozialen Identität einer Person durch die Gesellschaft. Diese bewirkt eine Änderung der Selbsteinschätzung des Betroffenen, man spricht heute auch von Adaption der zugedachten Rolle. Es genügt schon, einmal in einer psychiatrischen Anstalt gewesen zu sein, um in der öffentlichen Meinung die Etikettierung „psychisch Kranker“ zu erhalten.

Das Hauptaugenmerk bei der Stigmatisierung richtet Gebauer auf die psychiatrischen Anstalten selbst, die für sie größtenteils Mitverursacher der sozialen Identitätsdegradierung sind. So tragen ihrer Meinung nach die Selektionskriterien für psychisch Behinderte, die Degradierungsprozesse in der Anstalt und die damit einhergehende Diskriminierung und die damals noch attestierte Reformfeindlichkeit der Anstalten zu einer Statusdegradierung bei.

Zu den kritikwürdigen Selektionsmechanismen, denen ein vermeintlich psychisch Kranker ausgesetzt ist, zählen an erster Stelle die Erstdefinierung durch Laien. Es konnten demnach Familienangehörige, Nachbarn, Arbeitskollegen und Freunde ein erstes Augenmerk auf den Abweichler lenken. Ist der Betroffene erst einmal durch dieses Raster durchgefallen, wartet schon die zweite, ebenfalls ziemlich willkürliche Entscheidungsinstanz auf ihn.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Von der „virtualen“ zur „aktualen sozialen Identität“: Dieses Kapitel führt in die grundlegende Soziologie der Stigmatisierung ein und differenziert zwischen der virtuellen und aktualen sozialen Identität nach Erving Goffman.

2 Was ist ein Stigma bzw. Stigmatisierung?: Hier werden die historische Herkunft und die wissenschaftliche Definition von Stigma erläutert, wobei insbesondere die negative Konnotation und der soziale Zuschreibungsprozess im Mittelpunkt stehen.

3 Die Stigmatisierung psychisch Kranker: Dieses Kapitel analysiert die spezifische Situation psychisch Kranker, die durch institutionelle Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Vorurteile in ihrer Identität diskreditiert werden.

4 Kampf dem Stigma „psychisch krank“: Die Autorin untersucht hier verschiedene Ansätze und Initiativen zur Entstigmatisierung, wie etwa internationale Anti-Stigma-Kampagnen und Aufklärungsarbeit.

5 Resümee: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, den Teufelskreis der Selbststigmatisierung durch kontinuierliche Aufklärungsarbeit und gesellschaftliches Umdenken zu durchbrechen.

Schlüsselwörter

Stigmatisierung, psychische Erkrankung, soziale Identität, Diskriminierung, Etikettierung, psychiatrische Institutionen, soziale Distanz, Deinstitutionalisierung, Self-Fulfilling-Prophecy, Stereotyp, Aufklärung, psychisch Kranke, Vorurteile, soziale Ausgrenzung, Identitätsdegradierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem soziologischen Phänomen der Stigmatisierung und untersucht, wie dieses insbesondere Menschen mit psychischen Erkrankungen in ihrem sozialen Leben benachteiligt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind die Entstehung von Stigmata, die Rolle psychiatrischer Anstalten bei der Identitätsdegradierung sowie die Auswirkungen von gesellschaftlichen Vorurteilen auf die Betroffenen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den wissenschaftlichen Stand zur Stigmatisierung psychisch Kranker darzulegen und die Bedeutung von Aufklärungskampagnen zur Verbesserung der Lebenssituation der Erkrankten aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse soziologischer Konzepte und der Auswertung empirischer Studien zum gesellschaftlichen Umgang mit psychisch Kranken.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen der Stigmatisierung, die Rolle psychiatrischer Einrichtungen sowie die Auswirkungen der Diskriminierung auf das soziale Umfeld und den Selbstwert der Betroffenen analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Stigmatisierung, soziale Identität, Diskriminierung, psychiatrische Institutionen, soziale Distanz und Entstigmatisierung.

Wie unterscheidet sich die "virtuale" von der "aktuale" sozialen Identität nach Goffman?

Die "virtuale" Identität ist die Erwartungshaltung gegenüber einer Person, während die "aktuale" Identität den tatsächlichen, beobachtbaren Ist-Zustand beschreibt; die Diskrepanz zwischen beiden führt zur Stigmatisierung.

Welche Rolle spielt die "Psychiatrie-Enquete 1975" in der Argumentation der Autorin?

Sie markiert einen Wendepunkt in der Versorgung, da sie die Notwendigkeit der Dezentralisierung und die Abkehr von menschenunwürdigen Bedingungen in Großkliniken unterstrich.

Warum wird im Text von einer "zweiten Krankheit" gesprochen?

Der Begriff beschreibt die sozialen Folgen und Diskriminierungserfahrungen, die als sekundäre Belastung für psychisch Kranke entstehen und ihren Statusverlust sowie ihren sozialen Abstieg massiv verschärfen.

Excerpt out of 16 pages  - scroll top

Details

Title
Stigmatisierung und die Folgen für psychisch Kranke
College
University of Regensburg  (Philosophische Fakultät III - Lehrstuhl für Soziologie)
Grade
2,0
Author
Mirjam Rothenbacher (Author)
Publication Year
2006
Pages
16
Catalog Number
V65567
ISBN (eBook)
9783638580960
ISBN (Book)
9783656772101
Language
German
Tags
Stigmatisierung Folgen Kranke
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mirjam Rothenbacher (Author), 2006, Stigmatisierung und die Folgen für psychisch Kranke, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65567
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  16  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint