Orte öffentlicher Meinungsbildung in der Frühen Neuzeit


Hausarbeit, 2005

16 Seiten, Note: 2,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Textbeispiel

3. Einleitend: Öffentliche Orte
3. 1 Der Bereich der Kunst, Kultur und Lehre
3. 2 Der Brunnen
3. 3 Der Marktplatz und die Straßen

4. Hauptorte öffentlicher Meinungsbildung
4. 1 Das Rathaus
4. 2 Die Kirche
4. 3 Das Gasthaus

5. Die Konkurrenz zwischen Gasthaus und Kirche

6. Das Gerücht

7. Schluss

8. Anhang

1. Einleitung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[1]

Die Kirche war in der Frühen Neuzeit einer der Hauptorte, an denen Öffentlichkeit stattfand. Allerdings entwickelte sich seit dem späten Mittelalter eine Konkurrenz zur Kirche[2], das Gasthaus in all seinen Erscheinungsformen.

Eine mögliche Deutungsform des o. g. Bildes ist, den erhobenen Zeigefinger des Predigers als Mahnung an die Gemeinde zu verstehen. Sie sollte ihren christlichen Verpflichtungen nachkommen und nicht den weltlichen, profanen Dingen frönen. Außerdem ist auf dem Bild die zeitgenössische soziale Ordnung zu erkennen. Die besser situierten Personen sind an ihren wertvollen Kleidungsstücken und den erhöhten Sitzpositionen zu erkennen. Im Gegensatz dazu sitzen die Mitglieder der unteren Stände (in diesem Fall eine Gruppe einfach gekleideter Frauen) auf niedrigen Hockern[3].

Das von mir behandelte Thema umfasst den Zeitraum der Frühen Neuzeit (15.- 18. Jahrhundert). Allerdings ist die Entstehung der öffentlichen Orte und der Öffentlichkeit selber nicht genau auf das Jahr 1400 zu datieren sondern reicht bis ins Spätmittelalter zurück. Durch diese Arbeit soll eine Auswahl der prägnantesten Orte, an denen Meinungsbildung bzw. Informationsaustausch in der Frühen Neuzeit stattfand, vorgestellt werden. Die untersuchten Orte sind nicht nur wegen ihrer hohen Frequentierung durch eine breite Masse interessant, sondern auch aufgrund ihres jeweiligen Nutzens. Im Hinblick darauf ist es interessant zu sehen wie öffentliche Orte zur Meinungsbildung beitrugen und wie diese Orte die Öffentlichkeit selber prägten.

Im Hauptteil wird zuerst anhand eines Beispiels gezeigt, wie verschiedene öffentliche Orte miteinander verknüpft sein konnten und wie deren jeweilige Nutzung aussehen konnte.

Daraufhin werden öffentliche Orte aufgezeigt, die jedoch aufgrund ihrer Spezifität bzw. der bislang geringen Forschungskenntnisse auf diesem Gebiet eher undetailliert vorgestellt werden[4].

Danach werden Orte und Räume untersucht, die man als Hauptorte öffentlicher Meinungsbildung in der Frühen Neuzeit bezeichnen kann. Dazu gehört z. B. das Gasthaus, da durch das dort anwesende Klientel sehr unterschiedliche Meinungsbildung entstand.

Des Weiteren soll gezeigt werden, inwiefern der dort stattgefundene Informationsaustausch formell bzw. informell war.

Im Anschluss daran wird die für die Frühe Neuzeit typische Konkurrenz zwischen Gasthaus und Kirche dargestellt.

Zu letzt wird das Phänomen des Gerüchts beschrieben, da dieses unter best. Umständen an den öffentlichen Orten zur Meinungsbildung beitragen konnte.

Zu den von mir vorgestellten Orten und Räumen muss gesagt werden, dass diese schon ausgiebig wissenschaftlich untersucht wurden (z. B. von Beat Kümin oder B. Ann Tlusty), aber bzgl. meiner Aufgabenstellung noch Bedarf an wissenschaftlich fundierten Kenntnissen besteht. Aufgrund dessen habe ich größtenteils das Werk von Susanne Rau und Gerd Schwerhoff[5] herangezogen, da dieses Werk bzgl. öffentlicher Räume und Orte in der Frühen Neuzeit auch den Aspekt der Meinungsbildung behandelt.

2. Textbeispiel

1587 ereignete sich in einem Kölner Kaufhaus ein Vorfall, der letztendlich an verschiedenen öffentlichen Orten Gegenstand der Meinungsbildung werden sollte[6]. In diesem Beispiel sind die wichtigsten Orte das Kaufhaus, der Marktplatz und die Kirche.

Es wird gezeigt wie diese Orte als „Bühne des öffentlichen Lebens“ dienten, und wie man diese zur Inszenierung der eigenen Person nutzte (s. Z. 17- 20).

Des Weiteren ist bei diesem Beispiel zu erkennen, dass die öffentlichen Orte häufig als Anfang und als Ende von Ereignissen jeder Art dienten (s. Z. 1- 2, bzw. Z. 30- 32). In diesem Fall begann der Konflikt im Kaufhaus. Durch Bekannt werden des Vorfalls im Gasthaus begann die diesbezügliche Meinungsbildung und dauerte fünf Jahre an (s. Z. 5- 10). Nach einem vorläufigen Gerichtsurteil endete der Vorfall in der Kirche, wo die Meinung der Kirchgänger durch die Hilfe des Predigers geformt werden sollte (s. Z. 30- 35).

Dieses Beispiel veranschaulicht, inwiefern die öffentlichen Orte zur Bildung der Meinung der Menschen in der Frühen Neuzeit beitragen konnten.

Durch das Auftreten an exponierten Stellen hoffte der Kornmesser, möglichst viele Menschen zu erreichen, die er für sich gewinnen wollte.

Ein weiterer für die Frühe Neuzeit typischer Aspekt dieser Geschichte war der Kampf um die Ehre[7]. Der Ehrverlust des Kornmessers Kramer und der Verlust seines Amtes waren ausschlaggebend für die Entwicklung der Geschehnisse. Der Akt der Selbsterniedrigung auf dem Marktplatz (s. Z. 17- 20) zeigt welchen Stellenwert die Ehre eines Menschen, bzw. die Ehre einer Familie zur Frühen Neuzeit hatte.

3. Einleitend: Öffentliche Orte

3.1 Der Bereich der Kunst, Kultur und Lehre

Zu diesen Orten zählen die Akademien, Konzertsäle, Theater und Opernhäuser. Diese „öffentlichen“ Orte entstanden während der Renaissance, in der der Humanismus als Bildungsideal galt.

Im Verlauf dieser Epoche veränderte sich auch der personalisierte Staat zu einem Staat, dessen Ämter aufgrund von Qualifikationen (welche auf der humanistischen Bildung basieren mussten) vergeben wurden. Allerdings war diese Bildungsform

aufgrund ihrer Ansprüche an die Lernenden nahezu nur der Elite vorbehalten.

Somit wurden auch die o. g. humanistisch geprägten Orte fast ausschließlich von der Elite besucht.

Dadurch waren diese Orte im Hinblick auf die dort anwesenden Personen sehr speziell.

3. 2 Der Brunnen

Dieser Ort diente vor allem den frühneuzeitlichen Frauen als Begegnungsstätte und als Möglichkeit, soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Neben dem Kirchgang war der Brunnen für zeitgenössische Frauen eine der wenigen Möglichkeiten, zumindest teilweise am öffentlichen Prozess der Meinungsbildung teilzunehmen. Frauen war zu dieser Zeit generell die Teilnahme am öffentlichen Leben verwehrt, so beispielsweise auch der Besuch des Gasthauses[8].

Der Grund für den Gang zum Brunnen war dessen Nutzen. Die Frauen holten von dort Wasser oder wuschen dort ihre Wäsche. In diese Zeit lässt sich auch die Entstehung des Begriffs „Klatschweib“ zurückführen. Die Frauen trafen sich am Brunnen, wuschen (altdeutsch: klatschten) ihre Wäsche und unterhielten sich miteinander, betrieben somit auch Meinungsbildung[9].

Allerdings wurde der Brunnen bisher nur aus kunst- und architektur-geschichtlicher Perspektive untersucht[10].

3. 3 Der Marktplatz und die Straßen

Der Marktplatz und die Straßen waren prinzipiell für alle Menschen zugänglich. Allerdings wurden diese Orte nicht von allen Menschen gleichermaßen aufgesucht. Beispielsweise mieden Mitglieder des Adels und des Klerus Gegenden, in denen vorwiegend Menschen der unteren Stände lebten. Umgekehrt sah man nur selten Außenseiter der Gesellschaft in den Wohngebieten der höher ständischen, abgesehen davon, dass solche Menschen in diesen Gegenden nur ausnahmsweise geduldet wurden.

Besonders der Marktplatz fungierte oft als Ort für repräsentative politische und religiöse Ereignisse, jedoch wurden dort auch persönliche Angelegenheiten öffentlichkeitswirksam inszeniert[11].

Allerdings wurden diese Orte als „Schnittstelle städtischer Kommunikation“[12] bisher noch nicht ausreichend untersucht.

4. Hauptorte öffentlicher Meinungsbildung

4.1 Das Rathaus

Das Rathaus war primär durch seine politische Funktion determiniert und sollte rein öffentlichen Aufgaben dienen.

Des Weiteren stellte das Rathaus ein sehr multifunktionales Gebäude dar, in dem zum einen der Gerichtssaal, die Arrestzellen und Lagerräume untergebracht sein konnten. Zum anderen diente es aber auch als Handelsumschlagsplatz und für repräsentative Aufgaben (beispielsweise bei Empfängen oder bei Anlässen wie Amtswechseln und Feiertagen)[13]. Aber auch für private Veranstaltungen wie Hochzeitsfeiern oder Musik- und Tanzveranstaltungen konnte das Rathaus zur Verfügung stehen[14].

[...]


[1] Rau, Susanne/ Schwerhoff, Gerd (Hg.): Zwischen Gotteshaus und Taverne (Norm und Struktur 21), Köln 2004, S. 2.

[2] vgl.: Rau, Susanne/ Schwerhoff, Gerd: Öffentliche Räume in der Frühen Neuzeit. Überlegungen zu Leitbegriffen und Themen eines Forschungsfeldes, in: dies. (Hg.): Zwischen Gotteshaus und Taverne, Köln 2004 (Norm und Struktur 21), S. 34.

[3] vgl.: Rau/ Schwerhoff (Hg.): Zwischen Gotteshaus und Taverne (wie Anm. 2), S. 36.

[4] vgl.: Rau/ Schwerhoff (Hg.): Zwischen Gotteshaus und Taverne (wie Anm. 2), S. 45- 46.

[5] Rau, Susanne/ Schwerhoff, Gerd (Hg.): Zwischen Gotteshaus und Taverne (Norm und Struktur 21), Köln 2004.

[6] s. Anhang 1.

[7] vgl.: Rogge, Jörg: Ehrverletzungen und Entehrungen in politischen Konflikten in spätmittelalterlichen Städten, in: Schreiner, Klaus/ Schwerhoff, Gerd (Hg.): Verletzte Ehre (Norm und Struktur 5), Köln 1995, S. 110- 143.

[8] vgl.: Hufton, Olwen: Frauenleben. Eine europäische Geschichte 1500- 1800, Frankfurt a. M. 1998, S. 147- 192.

[9] vgl.: Küpper, Heinz: Illustriertes Lexikon der Deutschen Umgangssprache (Bd. 4), S. 1501.

[10] vgl.: Rau/ Schwerhoff (Hg.): Zwischen Gotteshaus und Taverne (wie Anm. 2), S. 45- 48.

[11] s.: Anm. 6

[12] Rau/ Schwerhoff (Hg.): Zwischen Gotteshaus und Taverne (wie Anm. 2), S. 45, Z. 13.

[13] vgl.: Rau/ Schwerhoff (Hg.): Zwischen Gotteshaus und Taverne (wie Anm. 2), S. 40- 44.

[14] vgl.: Paul, Jürgen: Rathaus und Markt, in: Meckseper, Cord (Hg.): Stadt im Wandel. Kunst und Kultur des Bürgertums in Norddeutschland 1150- 1650 Bd. 4, Stuttgart/ Bad Canstatt 1985, S. 89- 118.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Orte öffentlicher Meinungsbildung in der Frühen Neuzeit
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Fak.IV, Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Geschichte der Frühen Neuzeit
Note
2,5
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V65633
ISBN (eBook)
9783638581516
ISBN (Buch)
9783656620860
Dateigröße
567 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Orte, Meinungsbildung, Frühen, Neuzeit, Geschichte, Frühen, Neuzeit
Arbeit zitieren
Philipp Schubert (Autor:in), 2005, Orte öffentlicher Meinungsbildung in der Frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65633

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Orte öffentlicher Meinungsbildung in der Frühen Neuzeit



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden