Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Modern German Literature

Der Macbeth Heiner Müllers - Bleibt alles anders?

Title: Der Macbeth Heiner Müllers - Bleibt alles anders?

Term Paper (Advanced seminar) , 2000 , 20 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Daniela Esser (Author)

German Studies - Modern German Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

In Shakespeares Macbeth wird direkt in der ersten Szene das Thema von der Umkehr aller Werte formuliert; die Welt des Grauenhaften, Dämonischen tritt dem Zuschauer/Leser entgegen durch das Treffen der drei Hexen. Diese Hexen standen in der elisabethanischen Weltordnung für das Böse. Ebenso ist der Aufruhr in der Natur eine Metapher für das Böse, die im Drama immer wieder auftaucht.
Heiner Müller dagegen beginnt seinen Macbeth mit der ursprünglichen zweiten Szene und setzt damit die Hexen sowie den Aufruhr in der Natur aus gutem Grund nicht als Ausgangspunkt des Übels. Es geht ihm darum, ein Machtspiel als Zyklus darzustellen und er integriert dabei das auf grausame Weise unterdrückte Volk. Müllers Stück beschreibt im Gegensatz zum linearen Tragödienmodell Shakespeares eine "dramaturgische Kreisform, die am Ende alles wieder auf Anfang stellt." Da Müller die "Monstrosität der geschilderten Verhältnisse als unaufgehobene Signatur eines Weltganzen [zeigt]" , wurde ihm Geschichtspessimismus vorgeworfen; seine Bearbeitung des Macbeth wurde sogar als Verirrung bezeichnet.
Lehmann argumentiert, das Drama beschreibe "Geschichte im Stillstand" und untersuche, unter welchen Bedingungen Geschichte stockt. Die Beschreibung des Dramas als Geschichte im Stillstand zeigt eine deutliche Parallele zu Kotts Interpretation der Shakespeareschen Königsdramen, nämlich daß die Feudalgeschichte als "Großer Mechanismus" dargestellt sei. Die Feudalgeschichte bei Shakespeare "ist eine große Treppe, über die ununterbrochen der Zug der Könige schreitet. Jede Stufe, jeder Schritt nach oben ist von Mord, Treubruch oder Verrat gezeichnet." Allerdings, räumt Kott ein, sei der Große Mechanismus nicht auf Shakespeares Macbeth anwendbar. Zu der von Müller gezeigten Geschichte im Stillstand in seiner Macbeth-Bearbeitung hingegen paßt die Interpretation der Geschichte als Großer Mechanismus sehrwohl.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 „Die Welt hat keinen Ausgang als zum Schinder“ – Die Gewalt, das Irreale und Geschichte als Zyklus

2.1 Die Gewalt als grauenhafte Realität

2.2 Das Irreale

2.3 Macbeth im „Räderwerk des blutigen Geschichtslaufs“: Geschichte im Stillstand

3 Schlußbemerkung

4 Bibliographie

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Heiner Müllers Macbeth-Bearbeitung und analysiert, wie der Autor das klassische Shakespeare-Drama in eine zyklische Geschichtsphilosophie überführt, in der Machtkämpfe als auswegloser Stillstand dargestellt werden.

  • Die Darstellung von Gewalt und Macht als wiederkehrender, zirkulärer Prozess.
  • Die Funktion des Irrealen und der Hexen im Kontext von Müllers Geschichtsverständnis.
  • Die Rolle des unterdrückten Volkes und das Fehlen moralischer Kategorien in Müllers Fassung.
  • Der Vergleich zwischen Shakespeares linearem Tragödienmodell und Müllers „dramaturgischer Kreisform“.
  • Die Einordnung des Stücks in den historischen Kontext (Stalinismus-Debatte) und das Konzept des "Endspiels der Geschichte".

Auszug aus dem Buch

Die Gewalt als grauenhafte Realität

Seine Version der Tragödie Macbeth schrieb Heiner Müller 1971. Die Uraufführung fand im Theater Brandenburg im März 1972 statt, erstmals gedruckt wurde das Stück in „Theater heute“ 6/1972. Müller hielt sich relativ eng an die Vorlage Shakespeares und nennt sein Stück somit auch im Untertitel „nach Shakespeare“.

Müllers Macbeth ist eine Reduktion der Shakespeareschen Vorlage. Er erzählt die Tragödie des Königsmörders Macbeth „in einer zirkulär verlaufenden Geschichte“, deren plot und Charaktere zwar erhalten bleiben, die aber durch Kürzungen knapper ausfällt. Dadurch und durch die metaphernreiche Sprache kommt die Brutalität in diesem Machtspiel noch gedrängter und eindringlicher zur Wirkung. Die klassische Einteilung in fünf Akte zerfällt bei Müller in dreiundzwanzig Einzelszenen, die weitgehend die Handlungsabfolge von Shakespeares letzter großer Tragödie einhalten bzw. auch hinzugefügte Szenen des geschundenen Volkes beinhalten.

Anders als bei Shakespeare bezieht sich das Grauen bei Müller nicht auf die persönliche Schuld Macbeths; Macbeth ist keine Ausnahme im Zyklus der Macht, und das tragische Ende verweist auch nicht auf eine Änderung des Systems. Macbeth ist sogar Produkt und Repräsentant dieser Sozialordnung. Es geht also um das ewig gleiche Prinzip von Machtergreifung und –erhalt, in dem Macbeth gefangen ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die thematische Umkehr der Werte bei Heiner Müller ein und stellt die zentrale These der „dramaturgischen Kreisform“ sowie der „Geschichte im Stillstand“ vor.

2 „Die Welt hat keinen Ausgang als zum Schinder“ – Die Gewalt, das Irreale und Geschichte als Zyklus: Dieses Hauptkapitel analysiert die drastische Darstellung von Macht und Gewalt bei Müller sowie die Entwertung der Hexen als bloße psychologische Kräfte innerhalb einer zirkulären Historie.

2.1 Die Gewalt als grauenhafte Realität: Hier wird Müllers Reduktion des Shakespeare-Dramas auf eine zirkulär verlaufende Geschichte und die Rolle von Macbeth als Repräsentant eines unveränderlichen Systems beleuchtet.

2.2 Das Irreale: Dieser Abschnitt untersucht die veränderte Funktion der Hexen, die bei Müller nicht mehr Schicksalsmächte, sondern willkürliche Akteure in einem bedeutungsleeren Machtspiel sind.

2.3 Macbeth im „Räderwerk des blutigen Geschichtslaufs“: Geschichte im Stillstand: Dieses Kapitel vergleicht Kotts Konzept des „Großen Mechanismus“ mit Müllers Vision der Geschichte als ausweglosem Stillstand und „Alptraum“.

3 Schlußbemerkung: Die Schlußbemerkung fasst zusammen, dass in Müllers Macbeth-Bearbeitung keine Subjektwerdung möglich ist und die Macht selbst zur leeren, bedeutungsleeren Hülle verkommt.

4 Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Arbeit.

Schlüsselwörter

Heiner Müller, Macbeth, Shakespeare, Geschichtspessimismus, Gewalt, Machtkampf, Zyklus, Stillstand, Feudalgeschichte, Dramaturgie, Inszenierung, Subjekt, Nihilismus, Politische Macht, Sozialordnung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit Heiner Müllers Adaption von Shakespeares Macbeth und untersucht die spezifischen inhaltlichen sowie formalen Veränderungen des Dramatikers.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die Darstellung von Gewalt, die Zirkularität der Geschichte, die Entwertung moralischer Kategorien und die Kritik an einer Machtstruktur, die keine Auswege bietet.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit analysiert, wie Müller durch Auslassungen und Einschübe eine „Geschichte im Stillstand“ kreiert, in der Macbeths Handeln nicht als tragische Ausnahme, sondern als systemimmanente Notwendigkeit erscheint.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit folgt einem literaturwissenschaftlichen Ansatz, der Textvergleiche zwischen Shakespeare und Müller sowie die Einbeziehung theaterwissenschaftlicher und geschichtsphilosophischer Diskurse nutzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Gewalt als Realität, die Rolle der Hexen als irreale Kräfte sowie den Vergleich mit Jan Kotts Konzept des Großen Mechanismus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen Müllers Macbeth-Bearbeitung, Geschichtspessimismus, der Kreislauf der Gewalt, historische Zyklen und die Abwesenheit von persönlicher Schuld.

Warum ist Macbeth bei Müller kein klassischer tragischer Held?

Weil Müller alle moralischen Unterschiede zwischen den Figuren einebnet und Macbeth als austauschbare Hülle im Räderwerk eines festgefahrenen Machtsystems darstellt.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Hexen in Müllers Stück?

Sie fungieren bei Müller nicht mehr als übernatürliche Schicksalsbringer, sondern als Spiegel der Grausamkeit und als psychologische Kräfte in einem bedeutungsleeren Spiel.

Excerpt out of 20 pages  - scroll top

Details

Title
Der Macbeth Heiner Müllers - Bleibt alles anders?
College
University of Paderborn  (Germanistik)
Course
Königsphantasien im europäischen Drama des 20. Jahrhunderts
Grade
sehr gut
Author
Daniela Esser (Author)
Publication Year
2000
Pages
20
Catalog Number
V6572
ISBN (eBook)
9783638141123
Language
German
Tags
Heiner Müller Macbeth Drama des 20. Jahrhunderts
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniela Esser (Author), 2000, Der Macbeth Heiner Müllers - Bleibt alles anders?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/6572
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  20  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint