Perikles, der im 5. Jahrhundert v.Chr. als langjähriger Stratege maßgeblich die Politik der attischen Demokratie mitbestimmt hatte, soll die Demokratie als Volksherrschaft beschrieben haben, wo der „Staat nicht auf wenige Bürger, sondern auf eine größere Zahl gestellt ist.“ Damit benannte er die sowohl in antiker als auch moderner Zeit wohl grundsätzlichsten Wesensmerkmale der Demokratie: die Volksherrschaft und das Prinzip der Mehrheitsherrschaft. Doch so unbestritten diese allgemeinen Prinzipien dem Begriff der Demokratie innewohnen, so unterschiedlich sind und waren bis in die heutige Zeit hinein die Auffassungen darüber, wie diese Volks- und Mehrheitsherrschaft denn auszuüben ist. Und natürlich gibt und gab es auch immer wieder Menschen, die das Wesen und Prinzip der Demokratie nicht nur kritisier(t)en, sondern auch infragestell(t)en. Ein scharfer Kritiker der attischen Demokratie war der griechische Philosoph Platon. In seinem Werk Politikos bezeichnete er die Demokratie als Regierung der Menge, die „mit Gewalt oder mit ihrem guten Willen [...] über die, welche das Vermögen in Händen haben“, regiert [Politikos 291d-292a]. In dieser geschichtsphilosophischen Arbeit wird hinterfragt, was genau Platon unter dem Demokratiebegriff verstand und was ihn zum Kritiker der Demokratie werden ließ.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 HAUPTTEIL
2.1 KURZE SKIZZIERUNG DER ANTIKEN PERSÖNLICHKEIT PLATON
2.2 SIEBTER BRIEF – FÄLSCHUNG ODER AUTHENTISCHES DOKUMENT?
2.3 POLITEIA – AUF DER SUCHE NACH DER RICHTIGEN STAATSVERFASSUNG
2.4 DEMOKRATIEBEGRIFF UND DEMOKRATIE-KRITIK BEI PLATON
2.5 DIE MÖGLICHEN URSACHEN FÜR PLATONS DEMOKRATIEKRITIK
3 SCHLUSSBEMERKUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe und Argumentationslinien von Platons Kritik an der attischen Demokratie. Dabei wird insbesondere hinterfragt, welche persönlichen Erfahrungen und philosophischen Überzeugungen den Philosophen dazu bewogen, das demokratische System Athens abzulehnen und stattdessen ein autoritäres Modell des Philosophenstaates zu entwerfen.
- Analyse der Rolle der antiken Demokratie im Denken Platons
- Untersuchung biographischer Quellen wie des Siebten Briefes
- Erörterung der Konzeption des Idealstaates in der Politeia
- Kritische Auseinandersetzung mit den Begriffen Freiheit und Gleichheit
- Verständnis der historischen Ursachen für Platons Demokratiekritik
Auszug aus dem Buch
2.4 Demokratiebegriff und Demokratie-Kritik bei Platon
Perikles, der im 5. Jahrhundert v.Chr. als langjähriger Stratege maßgeblich die Politik der attischen Demokratie mitbestimmt hatte, soll die Demokratie (griechisch: δηµοκρατία = demokratia -> Volksherrschaft; von „δήµος = demos -> Volk“ und „κρατία = kratia -> Herrschaft, Macht“) als Volksherrschaft beschrieben haben, wo der „Staat nicht auf wenige Bürger, sondern auf eine größere Zahl gestellt ist.“ Damit benannte Perikles die sowohl in antiker als auch moderner Zeit wohl grundsätzlichsten Wesensmerkmale der Demokratie: die Volksherrschaft und das Prinzip der Mehrheitsherrschaft. Doch so unbestritten diese allgemeinen Prinzipien dem Begriff der Demokratie innewohnen, so unterschiedlich sind und waren bis in die heutige Zeit hinein die Auffassungen darüber, wie diese Volks- und Mehrheitsherrschaft denn auszuüben ist.
Beispielsweise, ob dies in direkter Form, wie zur Antike in der attischen Demokratie, oder indirekter Form, wie in heutiger Zeit beispielsweise in der BRD, geschehen solle. Die Untersuchung der verschiedenen Verfassungsmodelle und der Ansätze, wie Demokratie realisiert werden könnte und wie sie bis in unsere heutige Zeit realisiert wurde, mag interessant sein, im Zusammenhang mit der Thematik dieser Arbeit ist diese Fragestellung jedoch irrelevant und eine andere von Bedeutung. Sie lautet: Was verstand Platon überhaupt unter Demokratie?
Zunächst einmal ist festzustellen, dass Platon bei seinen Überlegungen natürlich nur einen Bezug zu dem nehmen konnte, was es bis zu seinen Lebzeiten an Demokratie-Vorstellungen gab. Dazu gehören insbesondere auch seine persönlichen Erfahrungen mit der attischen Demokratie. Platon definierte die Demokratie in seinem Werk Politikos zusammenfassend als Regierung der Menge, die „mit Gewalt oder mit ihrem guten Willen [...] über die, welche das Vermögen in Händen haben“, regiert. Zunächst einmal unterteilte er die Staatsverfassungen in „drei positive, wahre, legitime, richtige Formen [...]: Philosophenkönigtum, Monarchie und Aristokratie; und in vier negative, falsche, illegitime, verwerfliche Formen: Tyrannis, Oligarchie und Demokratie (wobei er die Demokratie in eine anarchisch-despotische Erscheinungsform und in eine gesetzlich-gemäßigte gliedert, ohne verschiedene Bezeichnungen für sie zu verwenden).“ Das Entstehen der Demokratie, die für Platon aus der Oligarchie hervorging, sah er darin begründet, dass „die Armen siegen und ihre Gegner töten oder verbannen, alle übrigen aber nach gleichem Recht an Verfassung und Ämtern teilnehmen lassen und die Ämter möglichst nach dem Lose vergeben.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, warum Platon zum Kritiker der attischen Demokratie wurde und welche Quellen zur Analyse herangezogen werden.
2 HAUPTTEIL: Der Hauptteil beleuchtet Platons biographischen Hintergrund, seine zentralen Werke wie den Siebten Brief und die Politeia sowie seine spezifische Kritik an den demokratischen Prinzipien von Freiheit und Gleichheit.
2.1 KURZE SKIZZIERUNG DER ANTIKEN PERSÖNLICHKEIT PLATON: Dieses Kapitel gibt einen biografischen Überblick über Platons Herkunft, seine Beziehung zu Sokrates und seinen prägenden Einfluss auf die Philosophiegeschichte.
2.2 SIEBTER BRIEF – FÄLSCHUNG ODER AUTHENTISCHES DOKUMENT?: Hier wird die Echtheit des Siebten Briefes diskutiert und seine Relevanz als biographische Quelle für Platons politisches Handeln und Denken begründet.
2.3 POLITEIA – AUF DER SUCHE NACH DER RICHTIGEN STAATSVERFASSUNG: Dieses Kapitel befasst sich mit Platons Idealstaat und dem Konzept des Philosophenkönigs als Antwort auf die Frage nach der Gerechtigkeit.
2.4 DEMOKRATIEBEGRIFF UND DEMOKRATIE-KRITIK BEI PLATON: Hier wird Platons Definition von Demokratie als Regierung der Menge analysiert und seine Ablehnung gegenüber dieser Staatsform anhand seiner philosophischen Einordnung begründet.
2.5 DIE MÖGLICHEN URSACHEN FÜR PLATONS DEMOKRATIEKRITIK: Dieses Kapitel untersucht, wie persönliche Erfahrungen, insbesondere die Herrschaft der Dreißig und der Tod des Sokrates, Platons negative Haltung zur attischen Demokratie beeinflussten.
3 SCHLUSSBEMERKUNG: Die Schlussbemerkung fasst die Ergebnisse zusammen und resümiert, dass Platons Kritik tief in seinen Erlebnissen und seinem aristokratischen Weltbild verwurzelt ist.
Schlüsselwörter
Platon, Demokratiekritik, attische Demokratie, Politeia, Siebter Brief, Sokrates, Philosophenkönig, Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Demagogen, Drohnen, Oligarchie, Tyrannis, antike Philosophie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen und politischen Kritik Platons an der attischen Demokratie und versucht die Ursachen für seine ablehnende Haltung zu ergründen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Themenfelder umfassen den antiken Demokratiebegriff, die politische Philosophie Platons, die Bedeutung biographischer Erlebnisse für das philosophische Denken sowie die Auseinandersetzung mit Staatsverfassungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, warum Platon die Demokratie ablehnte, wie er den Begriff definierte und welche Faktoren aus seiner Zeit seine Kritik maßgeblich geformt haben.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine quellenkritische Analyse der Schriften Platons (insbesondere Siebter Brief und Politeia) unter Einbeziehung althistorischer Forschungsergebnisse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biographische Skizze, die Prüfung historischer Quellen, die Darstellung der idealstaatlichen Konzeption sowie die detaillierte Analyse der Demokratiekritik und ihrer Ursachen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Platon, Demokratiekritik, Philosophenkönig, Freiheit, Gerechtigkeit und antike Philosophie beschreiben.
Warum war der Prozess gegen Sokrates für Platon so bedeutend?
Für Platon war der Prozess das erschütternde Ereignis, das die Schwächen des demokratischen Rechtssystems und die Unzuverlässigkeit der Volksherrschaft offenlegte und ihn zur Abkehr von der Politik bewegte.
Was verstand Platon unter den sogenannten „Drohnen“ in der Demokratie?
Mit diesem metaphorischen Begriff bezeichnete Platon machtgierige Demagogen und unproduktive Profiteure, die das Volk verführen und die Stabilität des Staates gefährden.
Warum lehnte Platon das Prinzip der demokratischen Gleichheit ab?
Platon hielt Menschen aufgrund unterschiedlicher Naturanlagen und Bildungsstände für faktisch ungleich und sah in der abstrakten Gleichheit eine Gefahr, die zu Unordnung und letztlich zur Tyrannis führen könne.
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- Charlie Rutz (Author), 2006, Platons Kritik an der Demokratie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65746