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Tanzpädagogik: Tanz als Erfahrungs-, Lern- und Gestaltungsraum

Title: Tanzpädagogik: Tanz als Erfahrungs-, Lern- und Gestaltungsraum

Examination Thesis , 2006 , 132 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Christiane Helbig (Author)

Sport - Theory and Practice
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Summary Excerpt Details

Tanzen macht Freude. Gemeint ist aber nicht der oberflächliche Spaß, sondern das ganzheitliche nachhaltige Vergnügen; die von innen, aus dem Herzen kommende Freude als Ergebnis des persönlichen Einsatzes, der tänzerischen Leistung, die motivierend wirkt. Ein solches Vergnügen beruht auf sozialer Sensibilität und ist aus der Stille geboren, aus dem inneren Lauschen und Erleben.
Die Ursache des Tanzes sind Empfindungen. Das Handwerkszeug sind die Bewegungen und das Material für den Tanz ist der Körper selbst. Wo immer sich ein Körper bewegt oder steht, ist er von Raum umgeben. Der Raum ist der eigentlich Wirkungsbereich des Tanzenden, denn er vermag die Grenzen der Körperlichkeit aufzuheben.
Das Erlernen von Tanz in unserer heutigen Zeit spielt sich nicht mehr in der Alltagswelt der Tanzenden ab, sondern in für den Tanz bereitgestellten „Räumen“, wie dem Erfahrungs-, Gestaltungs- und Lernraum.

Tanz als sinnlicher Erfahrungsraum
Gemeint ist das Wahrnehmen und Erleben mit allen Sinnen. Wir brauchen eine neue Vermittlungskultur und –pädagogik der Sinnlichkeit. Hierfür mag das Tanzen als uralte Muttersprache zwischen den Menschen als Modell dienen. Es geht um eine Erneuerung des elementaren, spontanen, sinnlichen Tanzens, um eine Alltagskultur des Tanzens, die von der künstlerisch-ästhetischen Ebene zur menschlichen Erfahrungs- und Erlebnisebene führt. Kinder können sich über das Tanzen ganz natürlich mitteilen mit all ihren Erfahrungen, Gefühlen und Wahrnehmungen und lernen dabei die Welt zu verstehen.

Tanz als kognitiver Lernraum
Gemeint sind: Tanzkurse jeder Art mit lebendiger Atmosphäre. Lektionen ohne Blick auf die Uhr. Lernorte als Werkstätten. Methoden, die Kreativität und Kommunikation fördern. Musik, die alle Sinnesorgane anspricht und koordinative Fähigkeiten, die geschult werden - Kinder lernen auf vielfältige Weise mit einer Didaktik, die das aktive Mitmachen ermöglicht.

Tanz als kreativer Gestaltungsraum
Immer wenn man Kindern zusieht, die sich völlig im Einklang mit sich selbst bewegen, die voller Freude loshüpfen oder vor Glück springen, erscheint dieser kindliche Bewegungsdrang in einem neuen Licht. Sollten wir mehr aus uns heraus spontan, unwiderstehlich und überaus lustvoll nicht auch ab und an einfach mal lostanzen? Warum nicht? Tanzen macht Spaß, denn es ermöglicht immer wieder, selbstbestimmt und eigenständig neue Bewegungsformen zu erforschen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geschichte des Tanzes

2.1 Naturvölker

2.2 Kulturvölker des Mittelmeerraums

2.3 Frühchristliche Zeit

2.4 Mittelalter

2.5 Renaissance

2.6 Ballett

2.7 Moderne Tanz

2.8 Jazzdance

3 Das Wesen der Tanzpädagogik

3.1 Körperlichkeit und Emotionalität in Erziehung und Bildung

3.2 Ziele und Bildungsinhalte der Tanzpädagogik

3.2.1 Sachorientierter Bereich

3.2.2 Subjektiv-emotionaler Bereich

3.2.3 Sozialer Bereich

3.2.4 Kognitiver Bereich

3.3 Methodik und Vermittlungsformen der Tanzpädagogik

4 Das Wesen der Erlebnispädagogik

4.1 Theoriegeschichtliche Rekonstruktion

4.1.1 Historische Entstehungsgrundlagen

4.1.2 Kurt Hahn´s Schulbewegung

4.2 Erlebnisarmut in einer Erlebnisgesellschaft

4.3 Erziehung und Erleben

4.4 Ziele, Vermittlung und Grenzen der Erlebnispädagogik

5 Heutige Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen

5.1 Familiäre Bedingungen

5.2 Gesellschaftliche Bedingungen

5.3 Freizeitverhalten

5.4 Rolle der Medien

6 Ganzheitliche Betrachtungen des Tanzens in der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

7 Tanz als sinnlicher Erfahrungsraum

7.1 Wahrnehmung

7.2 Das Bewegungsselbstkonzept

7.2.1 Kinästhesie – Grundlage des Bewegungsgefühls

7.2.2 Die Bewegungselemente im Tanz

7.3 Sinnliche Bewegungserfahrungen – praxisorientierte Erlebnisse

8 Tanz als kognitiver Lernraum

8.1 Orientierung im Raum

8.2 Rhythmus und Perkussion

8.3 Ausdruck im Tanzen

8.4 Durch Bewegung lernen – praxisorientierte Erlebnisse

9 Tanz als kreativer Gestaltungsraum

9.1 Improvisation

9.1.1 Themenkreis „Körper“ und „äußere Welt“

9.1.2 Themenkreis „Innere Welt“

9.2 Kontaktimprovisation

9.3 Bewegungen gestalten – praxisorientierte Erlebnisse

10 Weltgestaltung und –aneignung im tänzerisch gestaltenden Handeln von Heranwachsenden - ein Überblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den Tanz als Lehr- und Lerngehalt in seinen Möglichkeiten und Grenzen für Erziehung und Bildung zu untersuchen und dabei grundlegende erlebnispädagogische Potenziale aufzuzeigen. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, wie Tanzlehrer und Tanzpädagogen Funktionen des Tanzes bei Heranwachsenden individuell aktualisieren können, um fachgerecht und erzieherisch wirksam zu handeln.

  • Historische Entwicklung des Tanzes und dessen Bedeutung als Bildungsinhalt
  • Tanzpädagogik als Medium für ganzheitliches Lernen und Identitätsentwicklung
  • Integration erlebnispädagogischer Prinzipien in tanzpädagogische Vermittlungsprozesse
  • Analyse der heutigen Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen als Kontext für Tanzvermittlung
  • Praxisorientierte Gestaltung von tänzerischen Erfahrungs- und Gestaltungsräumen

Auszug aus dem Buch

8.2 Rhythmus und Perkussion

Wenn wir Musik hören, reagieren wir mit unserem Körper darauf. Die Frequenz unseres Herzschlags ändert sich, die Frequenz der Atmung; nicht selten fallen wir auch unwillkürlich in ein anderes Gangmaß, einen anderen Takt. Erinnern wir uns an Lisa (5), die wie selbstversunken am Anfang der Tanzstunde im Raum steht und sich bewegt. Kinder reagieren in starkem Maß spontan auf Musik. Lisa erforscht nicht nur den Raum durch ihre Bewegungen sondern wird durch die Musik animiert, kleinste rhythmische Bewegungen, die vielleicht auch unwillkürlich geschehen, zu tanzen. Bewegungslos Musik hören fällt Kindern schwer. Musik, d.h. Rhythmus, Dynamik und Klang, ist für sie oft direkter Auslöser für den Ausdruck ihres inneren Bewegtsein und in ihrem Tanzen kommt die „Übereinstimmung von innen und außen, von Mensch und äußerer Wirklichkeit“ zustande (BANNMÜLLER 1988:270).

Wenn junge Menschen verschiedene Rhythmen hören und verschiedene Schritte dazu erlernen, dann erfahren sie gleichzeitig Zeitabstände zu unterscheiden. Sie begreifen diese Strukturen am besten über den Körper, indem sie lernen, zur Musik zu klatschen, zu schnipsen, zu stampfen, zu klopfen, zu sprechen, zu gehen, zu laufen (Körperperkussion). Weiterhin können Kinder durch die visuelle Vorgabe von Bewegungssequenzen (Vorzeigen der Bewegung durch den Trainer, Lehrer oder Tanzleiter) mit den in der Musik erkennbaren Akzentuierungen Rhythmusgefühl erlernen. Ebenso besteht die Möglichkeit, dass der Pädagoge durch vorsichtiges Klopfen des Rhythmus auf den Rücken der Kinder diesen die rhythmische Struktur taktil vermittelt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet Tanz als eine der ursprünglichsten künstlerischen Lebensäußerungen und führt in die Bedeutung des „Flow“-Erlebens sowie der individuellen und soziokulturellen Sinngebung ein.

2 Geschichte des Tanzes: Dieses Kapitel rekonstruiert die geschichtliche Entwicklung des Tanzes von den Naturvölkern über das Mittelalter und die Renaissance bis hin zum modernen Tanz und Jazzdance.

3 Das Wesen der Tanzpädagogik: Es werden die Ziele, Bildungsinhalte (sachorientiert, subjektiv-emotional, sozial, kognitiv) sowie methodische Vermittlungsformen der Tanzpädagogik dargelegt.

4 Das Wesen der Erlebnispädagogik: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Erlebnispädagogik sowie der Zusammenhang zwischen Erlebnisarmut und pädagogischen Interventionsmöglichkeiten diskutiert.

5 Heutige Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen: Das Kapitel analysiert die veränderten familiären und gesellschaftlichen Bedingungen sowie den Einfluss von Medien auf die kindliche Entwicklung und Bewegung.

6 Ganzheitliche Betrachtungen des Tanzens in der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen: Es wird die Bedeutung des Tanzes als Möglichkeit für echte, sinnliche Erlebnisse in einer zunehmend virtuellen Welt hervorgehoben.

7 Tanz als sinnlicher Erfahrungsraum: Dieses Kapitel konzentriert sich auf die Wahrnehmung, das Bewegungsselbstkonzept sowie praxisorientierte sinnliche Bewegungserfahrungen.

8 Tanz als kognitiver Lernraum: Hier wird der Fokus auf die kognitiven Aspekte wie Orientierung im Raum, Rhythmusgefühl und Ausdrucksvermögen gelegt.

9 Tanz als kreativer Gestaltungsraum: Dieses Kapitel behandelt Improvisation, Kontaktimprovisation und praxisorientierte Gestaltungsübungen.

10 Weltgestaltung und –aneignung im tänzerisch gestaltenden Handeln von Heranwachsenden - ein Überblick: Ein zusammenfassender Überblick, der die Identitätsförderung durch tänzerische Gestaltungsprozesse abschließend einordnet.

Schlüsselwörter

Tanzpädagogik, Erlebnispädagogik, Körperwahrnehmung, Bewegungserziehung, Rhythmus, Improvisation, Identitätsbildung, ganzheitliches Lernen, kreativer Ausdruck, Kontaktimprovisation, kindliche Lebenswelt, Bewegungsselbstkonzept, tänzerische Gestaltung, Ausdruckstanz, Bewegungskompetenz

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Tanz als Erfahrungs-, Lern- und Gestaltungsraum und erörtert, wie Tanzpädagogik unter Einbeziehung erlebnispädagogischer Ansätze die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen fördern kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind die historische Entwicklung des Tanzes, das Wesen der Tanz- und Erlebnispädagogik, die heutige Lebenswelt von Heranwachsenden sowie die praktische Anwendung von tanzpädagogischen Methoden zur Förderung von Körperwahrnehmung, Kreativität und sozialer Kompetenz.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Tanz als Lehr- und Lerngehalt zu definieren, erlebnispädagogische Potenziale im Tanz zu identifizieren und konkrete Handlungsmöglichkeiten für Pädagogen aufzuzeigen, um die Funktionen des Tanzes individuell bei Schülern zu aktualisieren.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Arbeit nutzt eine geschichtlich-phänomenologische Betrachtung sowie eine Rekonstruktion theoretischer Ansätze, kombiniert mit einer handlungstheoretischen Analyse für die tanzpädagogische Praxis.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Tanz- und Erlebnispädagogik, eine Analyse der aktuellen Lebensumstände von Kindern und Jugendlichen und eine detaillierte Darstellung methodischer Ansätze, wie etwa Kontaktimprovisation oder Rhythmus- und Ausdrucksschulung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?

Wichtige Schlagworte sind Tanzpädagogik, Erlebnispädagogik, Bewegungskompetenz, Körperbewusstsein, Identitätsbildung und kreatives Gestalten.

Welche Rolle spielt die Improvisation in der Tanzpädagogik?

Improvisation dient als zentrales methodisches Instrument, um den Schülern eigenständiges, kreatives Handeln zu ermöglichen, das über reines Nachahmen hinausgeht und die individuelle Ausdrucksfähigkeit sowie die Selbstwahrnehmung stärkt.

Wie kann Kontaktimprovisation bei Kindern angewendet werden?

Kontaktimprovisation wird als Mittel genutzt, um das Vertrauen zum Partner zu fördern, das Körpergewicht bewusst zu teilen, Hemmungen abzubauen und das Gewaltpotenzial in Gruppen durch die Erfahrung körperlicher Nähe und Kooperation zu senken.

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Details

Title
Tanzpädagogik: Tanz als Erfahrungs-, Lern- und Gestaltungsraum
College
http://www.uni-jena.de/  (Institut für Sportwissenschaften)
Grade
1,0
Author
Christiane Helbig (Author)
Publication Year
2006
Pages
132
Catalog Number
V65747
ISBN (eBook)
9783638582490
ISBN (Book)
9783638709996
Language
German
Tags
Tanz Erfahrungs- Lern- Gestaltungsraum Möglichkeiten Berücksichtigung Bildungsinhalte Tanzpädagogik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christiane Helbig (Author), 2006, Tanzpädagogik: Tanz als Erfahrungs-, Lern- und Gestaltungsraum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65747
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