Die Popularisierung als solche ist in vielen Bereichen vertreten. Alles, was einem breiten Publikum nahe gebracht werden soll, geht den Weg der Popularisierung.
Diese Ausarbeitung geht der Fragestellung nach, auf welche Art und Weise wissenschaftliche Erkenntnisse, die während der Weltraumforschungsprogramme der UdSSR und USA erzielt wurden, dem Volk vermittelt wurden. Dazu werden zunächst die zentralen Begriffe wie Wissen, Wissenschaft und Popularisierung definiert.
Betrachtet man die beiden Weltmächte und Kontrahenten des Kalten Krieges, so sticht hervor, daß beide unterschiedliche Gesellschaftsformen verfolgen. Heute wissen wir, daß sich –zunächst– das Amerikanische, kapitalistische System weltweit durchgesetzt hat. Dennoch wird hier zunächst die Auswirkung der differenten Ansätze auf die Popularisierung beleuchtet.
Da die Wissenschaft eine eigene Fach-Sprache entwickelt hat, ist deren Vermittlung auf breiter Ebene nicht ohne Anpassung an das Niveau der Rezipienten möglich. Daher wird unter der Transformation von Wissenschaft die Adaption der für ein Fachpublikum verfaßten Inhalte auf allgemein verständliche Formen erläutert. Allgemein wird diese von nicht fachspezifisch gebildeten Personen vorgenommen und beispielsweise von Politikern verwendet, wobei der Verdacht naheliegt, daß sich wahre Inhalte und Visionen bereits mit der Verbreitung von Nachrichten vermischen und so tendenziell das Antlitz der Propaganda bekommen.
Schließlich wird der Wettlauf zum Mond auf Seiten der UdSSR und den USA und deren populistische Verarbeitung beschrieben. Ein Schwerpunkt liegt hier in der wissenschaftlichen Fantastik der UdSSR, die mit einem Regierungsprogramm die Raumfahrt und den Wettstreit instrumentalisierten, um eine wissenschaftlich-technische Revolution im Land voranzutreiben. Führte der strenge Kampf im All, der als Substitut für einen Dritten Weltkrieg angesehen werden könnte, die UdSSR aus dem Arbeiter- und Bauernstaat heraus und manifestierte die Position der USA an der Weltspitze?
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DEFINITIONEN
2.1 Wissen
2.2 Wissenschaft
2.3 Popularisierung
3 POPULARISIERUNG UND GESELLSCHAFTSFORMEN
3.1 Kapitalismus
3.2 Sozialismus
4 TRANSFORMATION V. WISSENSCHAFTSSPRACHE
5 DER WETTTLAUF ZUM MOND
5.1 Rahmenbedingungen
5.2 Chronologie der Meilensteine
5.3 Sachlichkeit der USA
5.3.1 Kritik an der Überbewertung des Weltraumprogramms
5.3.2 Utopische Planungen der USA
5.4 Wissenschaftliche Fantastik in der UdSSR
5.4.1 Wissenschaftler als Autoren
5.4.2 Politisierung der Popularisierung
5.4.3 Wissenschaft contra Religion
6 FAZIT UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Popularisierung wissenschaftlicher Erkenntnisse im Kontext der weltraumbezogenen Rüstungsprogramme der USA und der UdSSR während des Kalten Krieges, um aufzuzeigen, wie diese Informationen zur Legitimierung politischer Ziele instrumentalisiert wurden.
- Definition der zentralen Begriffe Wissen, Wissenschaft und Popularisierung
- Vergleichende Analyse der Popularisierungsstrategien in kapitalistischen und sozialistischen Systemen
- Darstellung des Wettlaufs zum Mond als ideologisches und technologisches Instrument
- Untersuchung der "Wissenschaftlichen Fantastik" in der UdSSR
- Analyse der Rolle von Wissenschaftlern als Akteure und Propagandisten
Auszug aus dem Buch
5.4 Wissenschaftliche Fantastik in der UdSSR
In der UdSSR wurden zentral in Moskau populärwissenschaftliche Zeitungen verlegt. Diese werden bereits seit 1890 als „Wissenschaftliche Fantastik“ oder auch NF-Literatur bezeichnet. Analog dazu ist die Science Fiction zu sehen, welche im angloamerikanischen Raum terminiert wurde (Schwartz, 2003, S.11ff.).
Es gab bereits gegen Ende der 50er Jahre die sogenannte „wissenschaftlich-technische Umwälzung“ in der Sowjetunion, welche mit einem Bildungsprogramm zu vergleichen ist. Durch die Bestrebung, höhere Bildungsabschlüsse in der Bevölkerung zu realisieren, stieg auch die Auflagenzahl der populärwissenschaftlichen Literatur (Schwartz, 2003, S.33ff.). Weiterhin beschreibt Schwarz eine enge Verknüpfung der Wissenschaftlichen Fantastik mit den populärwissenschaftlichen Medien. Seiner Meinung nach ist die Entwicklung des Genres derart an die populärwissenschaft gebunden, daß „erst die Wissenschaft die Fantastik ermöglichte“ (Schwartz, 2003, S.36).
Im Umkehrschluß kann aber ebenso gesagt werden, daß durch die Bildungsprogramme und die Publikation von wissenschaftlichen Erkenntnissen auf einem populärwissenschaftlichen Niveau die Begeisterung für wissenschaftlich technische Inhalte seitens der Bevölkerung geweckt wurde. Die angestrebte Entwicklung in Richtung technologischer Interessen hat sich also bewahrheitet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in das Thema der Popularisierung von Wissen und die Fragestellung nach deren Rolle in den Raumfahrtprogrammen der Supermächte.
2 DEFINITIONEN: Theoretische Abgrenzung der zentralen Begriffe Wissen, Wissenschaft und Popularisierung zur Vorbereitung der weiteren Untersuchung.
3 POPULARISIERUNG UND GESELLSCHAFTSFORMEN: Erörterung der unterschiedlichen Funktionen und Ansätze der Wissenschaftsvermittlung in kapitalistischen und sozialistischen Systemen.
4 TRANSFORMATION V. WISSENSCHAFTSSPRACHE: Untersuchung der notwendigen sprachlichen Anpassung wissenschaftlicher Inhalte an die Alltagssprache durch rhetorische Vermittlung.
5 DER WETTLAUF ZUM MOND: Analyse der konkreten Raumfahrtprogramme, ihrer Rahmenbedingungen, Meilensteine und der populärwissenschaftlichen Verarbeitung in den beiden Ländern.
6 FAZIT UND AUSBLICK: Zusammenfassende Bewertung der populärwissenschaftlichen Instrumentalisierung und deren Einfluss auf den politischen Wettbewerb.
Schlüsselwörter
Kalter Krieg, Popularisierung, Wissenschaftsvermittlung, Raumfahrt, Mondlandung, UdSSR, USA, Wissenschaftliche Fantastik, Propaganda, Technologie, Bildung, Ideologie, Rhetorik, Wissenschaft, Wissenstransfer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie wissenschaftliche Erkenntnisse während des Kalten Krieges popularisiert wurden, um die weltraumbezogenen Rüstungsprogramme der USA und der UdSSR zu stützen.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentral sind der Wettlauf zum Mond, der Vergleich zwischen kapitalistischen und sozialistischen Wissenschaftssystemen sowie die Rolle der populärwissenschaftlichen Publizistik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Wissen transformiert und genutzt wurde, um politische Machtansprüche und gesellschaftliche Ziele zu legitimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und vergleichende Analyse von Fachliteratur sowie die Untersuchung von zeitgenössischen Diskursen zur Wissenschaftskommunikation.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Transformation der Wissenschaftssprache, dem zeitlichen Ablauf des Mondwettlaufs und spezifischen Ausprägungen wie der "Wissenschaftlichen Fantastik" in der Sowjetunion.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Schlagworte sind Popularisierung, Propaganda, Weltraumforschung, Ideologie und die Instrumentalisierung von Wissen.
Warum wurde die "Wissenschaftliche Fantastik" in der UdSSR gefördert?
Sie diente dazu, das Interesse der Bevölkerung an Technik zu wecken und die Überlegenheit des sozialistischen Systems durch technologischen Fortschritt zu untermauern.
Welche Rolle spielten die Wissenschaftler in der UdSSR dabei?
Wissenschaftler wurden als Autoren populärwissenschaftlicher Texte eingesetzt, um ihre Autorität zur Legitimation des technologischen Fortschritts und zur ästhetischen Erziehung der Massen zu nutzen.
- Citation du texte
- Jessica Scheffold (Auteur), 2006, Popularisierung der Wissenschaften im Kontext von Mond- oder Rüstungsforschungsprogrammen der UdSSR und den USA im Kalten Krieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65838