Konzepte der Belohnung und Bestrafung bei Basedow und Salzmann


Hausarbeit, 2006

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Philanthropen, Philanthropismus & Philanthropine

3. Johann Bernhard Basedow
3.1 Belohnung und Bestrafung
3.2 Die Meritentafeln

4. Christian Gotthilf Salzmann
4.1 Belohnung und Bestrafung
4.2 Formen der Belohnung und Bestrafung

5. Fazit: Gemeinsamkeiten & Unterschiede

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit soll es darum gehen, zwei der bedeutendsten Philanthropen in der Geschichte Deutschlands vorzustellen und bezüglich ihrer Konzepte über das Prinzip der Belohnung und Bestrafung miteinander zu vergleichen: Johann Bernhard Basedow und Christian Gotthilf Salzmann. Zunächst sollen jedoch die Begrifflichkeiten des Philanthropen, des Philanthropismus und des Philanthropins erläutert und einige Beispiele gegeben, außerdem die zwei Philanthropine in Dessau bzw. Schnepfenthal der beiden Personen vorgestellt werden. Anschließend wird zunächst das Leben Johann Bernhard Basedows dargestellt, sowie dessen Ansichten zum Konzept der Belohnung und Bestrafung. Als Besonderheit dieses Konzepts werden danach kurz die Meritentafeln erläutert. Nachfolgend wird das Leben Christian Gotthilf Salzmanns kurz skizziert und ebenfalls seine Auffassung von Belohnungen und Bestrafungen erläutert. Im Besonderen wird danach auf bestimmte Formen dieser Erziehungsmaßnahmen eingegangen. Zum Schluß werden dann in Form eines resümierenden Fazits auf Grundlage der zuvor erarbeiteten Ansichten Basedows und Salzmanns die Gemeinsamkeiten und Unterschiede bezüglich der Auffassungen des Prinzips zur Belohnung und Bestrafung herausgearbeitet und miteinander verglichen.

2. Philanthropen, Philanthropismus & Philanthropine

Philanthropen (griechisch: philos = freundlich, anthropos = Mensch), auch Philanthropisten genannt, waren Pädagogen, welche unter dem Einfluß von Jean−Jacques Rousseau die Entwicklung des Schulwesens und der Pädagogik im Zeitraum von 1750 bis 1800 entscheidend prägten. Ziel war es, den Menschen zu einem religiös aufgeklärten, sittlichen und rationalen Bürger zu erziehen. Dabei versteht man unter Philanthropen jede Art von Menschenfreunden, unter Philanthropinisten die Schüler des Philanthropins, unter Philanthropinen die Schulen selber und unter Philanthropisten die Anhänger Basedows, welcher im folgenden Kapitel dieser Arbeit näher vorgestellt wird.. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden Menschen, welche anderen Personen Gutes tun oder sogar ihr Leben helfend anderen Menschen widmen, als Philanthropen bezeichnet. Sie handeln altruistisch, also selbstlos. Oft wird der Begriff des Philanthropen im Zusammenhang mit dem Begriff des Humanismus gebraucht, allerdings sind diese beiden Begrifflichkeiten in der Pädagogik streng voneinander getrennt.[i]

Der Philanthropismus war in Deutschland eine Wirkung der Aufklärung, die einmal als Rationalismus, dann aber auch als dessen Gegengestalt, als Irrationalismus, auftrat. Der Philanthropismus hat so rationale und auch gefühlsbetonte Elemente; er will wesentlich der Erziehung des reinen und natürlichen Menschen dienen. Die Prinzipien des Philanthropismus sind, die Natur als das Elementare, das Humanitäre und die Vernunft als den Zweck und die Bestimmung anzusehen. „Die Philanthropine waren gedacht als Alternative zu der im Schematismus erstarrten lateinischen Schulgelehrsamkeit.“[ii] Neben den Industrie– und Bauernschulen für die untere Schicht, Real– und Fachschulen für die Mittelschicht im Bürgertum und den Ritterakademien als Berufsschulen des Adels, beabsichtigte man jetzt eine Umstrukturierung der Vorbereitung auf Universitätsstudien im aufklärerischen Sinne. Die Philanthropen wandten sich gegen die lateinisch dominierte Schulbildung.

Die kirchliche Schulaufsicht sollte abgeschafft werden, die modernen Sprachen, Naturwissenschaften und Sport zu Unterrichtsfächern werden. Landwirtschaft und produktive Arbeit sollten in den Unterricht integriert werden.[iii]

Das Dessauer Philanthropin wurde dank vieler Spenden am 27.12.1774 als erstes Philanthropin durch Johann Bernhard Basedow ins Leben gerufen und sollte unter dem Eindruck der Lehre Rousseaus von einer natur- und vernunftgemäßen Erziehung als Musterschulanstalt, als „Schule der Menschenfreundschaft“ dienen. Das Philanthropin war eine Modellschule, an der Basedow mit Unterstützung und Förderung des Fürsten von Anhalt-Dessau versuchte, seine Unterrichtsmethoden zu verwirklichen. So sollte hier die Verbindung von Schule und Erziehung, Unterricht und Natur, von Geist und natürlicher Körperpflege, die auch dem Seelischen dient, praktiziert werden. Außerdem sollten zukünftige Hauslehrer und Schulmänner ausgebildet, arme Kinder unterrichtet und geschult werden. Des weiteren stand die Internatserziehung reicher oder adeliger Kinder im Vordergrund. Das Philanthropin war gut besucht und erfreute sich schnell großer Beliebtheit. Bedeutende Mitarbeiter waren unter anderem Joachim Heinrich Campe, Ernst Christian Trapp und Christian Gotthilf Salzmann (welcher ebenfalls später in dieser Arbeit vorgestellt wird), die zu den dominierenden pädagogischen Reformern zählten. Die Gesellschaft wurde durch eine institutseigene Zeitschrift und durch die seit 1777 von Basedow und Campe edierten Pädagogischen Unterhandlungen regelmäßig über die Ziele des Philanthropins und dessen Erfolge in Kenntnis gesetzt. Im Gegensatz zur negativ diskutierten Lern– und Paukschule stand im Grundschulunterricht die spielerische Komponente im Vordergrund. Ferner wurde Wert auf die lebenden Fremdsprachen gelegt, jedoch ebenso auf die Erhaltung der Muttersprache und das Lernen durch eigenständiges Arbeiten und Anschauungsunterricht. Die räumliche Nähe zwischen Lehrer und Schüler im Internat diente maßgeblich zur Charakterbildung dieser. Der philanthropische Erziehungsstil sollte von Freundschaftlichkeit und Vergnüglichkeit geprägt sein und das Interesse und Gefallen am Lernen durch Anerkennung und Unterstützung gewährleisten. Dies äußerte sich im gemeinsamen Unterricht, stillen Lernen, in Leibesertüchtigungen, Festen, Ausflügen und im praktischen Arbeiten.

Das Elementarwerk Basedows ist für die Popularität seines Autors von entscheidender Bedeutung und ist eine weitere ausschlaggebende Basis seines Konzeptes. In diesem aus neun Büchern bestehenden Werk geht es um die optimale Ausbildung von Kindern bis hin zu jugendlichen Erwachsenen, außerdem dient es als lehrender Leitfaden für Lehrer, Eltern und Hofmeister.[iv]

Fächer, die unter anderem damals im Philanthropin gelehrt wurden, würden heutzutage als Französisch, Latein, Deutsch, Griechisch, Englisch, Religion, Philosophie, Geschichte, Politik, Handarbeit, Musik, Kunst, Mathematik, Erdkunde, Biologie, Chemie, Physik und Sport bezeichnet werden. Jedoch gab es auch Fächer, die gegenwärtig nicht mehr existieren, damals aber von essentieller Bedeutung waren. Hierzu zählen z. B. die Bildung des Geschmacks und des deutschen Stils sowie die Bildung des Verstandes. Früher dienten diese Fächer dazu, eine feudale Gesellschaft in eine bürgerliche umzuwandeln.[v]

[...]


[i] Microsoft Encarta 99 Enzyklopädie.

[ii] Blankertz, H.: Die Geschichte der Pädagogik. Von der Aufklärung bis zur Gegenwart. Wetzlar 1982, S. 80.

[iii] Herrmann, U., a. a. O., S. 135.

Basedow, J. B.: Ausgewählte pädagogische Schriften. Hrsg.: A. Reble. Paderborn 1965, S. 24.

[iv] Herrmann, U., a. a. O., S. 144 ff.

[v] Basedow, J. B., a. a. O., S. 213–223.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Konzepte der Belohnung und Bestrafung bei Basedow und Salzmann
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Die Menschenfreunde. Grundzüge der deutschen Aufklärungspädagogik
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V65842
ISBN (eBook)
9783638583176
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konzepte, Belohnung, Bestrafung, Basedow, Salzmann, Menschenfreunde, Grundzüge, Aufklärungspädagogik
Arbeit zitieren
Maria Palmer-Wilson (Autor), 2006, Konzepte der Belohnung und Bestrafung bei Basedow und Salzmann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65842

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