In dieser Hausarbeit soll es darum gehen, zwei der bedeutendsten Philanthropen in der Geschichte Deutschlands vorzustellen und bezüglich ihrer Konzepte über das Prinzip der Belohnung und Bestrafung miteinander zu vergleichen: Johann Bernhard Basedow und Christian Gotthilf Salzmann. Zunächst sollen jedoch die Begrifflichkeiten des Philanthropen, des Philanthropismus und des Philanthropins erläutert und einige Beispiele gegeben, außerdem die zwei Philanthropine in Dessau bzw. Schnepfenthal der beiden Personen vorgestellt werden. Anschließend wird zunächst das Leben Johann Bernhard Basedows dargestellt, sowie dessen Ansichten zum Konzept der Belohnung und Bestrafung. Als Besonderheit dieses Konzepts werden danach kurz die Meritentafeln erläutert. Nachfolgend wird das Leben Christian Gotthilf Salzmanns kurz skizziert und ebenfalls seine Auffassung von Belohnungen und Bestrafungen erläutert. Im Besonderen wird danach auf bestimmte Formen dieser Erziehungsmaßnahmen eingegangen. Zum Schluß werden dann in Form eines resümierenden Fazits auf Grundlage der zuvor erarbeiteten Ansichten Basedows und Salzmanns die Gemeinsamkeiten und Unterschiede bezüglich der Auffassungen des Prinzips zur Belohnung und Bestrafung herausgearbeitet und miteinander verglichen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Philanthropen, Philanthropismus & Philanthropine
3. Johann Bernhard Basedow
3.1 Belohnung und Bestrafung
3.2 Die Meritentafeln
4. Christian Gotthilf Salzmann
4.1 Belohnung und Bestrafung
4.2 Formen der Belohnung und Bestrafung
5. Fazit: Gemeinsamkeiten & Unterschiede
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die erziehungswissenschaftlichen Konzepte der Belohnung und Bestrafung bei den bedeutenden Philanthropen Johann Bernhard Basedow und Christian Gotthilf Salzmann. Dabei wird insbesondere analysiert, wie sich ihre Ansichten zu diesen Erziehungsmitteln im historischen Kontext des Philanthropismus entwickelten und voneinander abgrenzen.
- Historische Grundlagen des Philanthropismus und der Philanthropine.
- Darstellung der Biografie und erzieherischen Ansichten von Johann Bernhard Basedow.
- Analyse des Belohnungs- und Bestrafungskonzepts sowie der Meritentafeln bei Basedow.
- Untersuchung der pädagogischen Ansätze von Christian Gotthilf Salzmann.
- Vergleichende Analyse der Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der erzieherischen Praxis beider Reformatoren.
Auszug aus dem Buch
3.1 Belohnung und Bestrafung
Belohnungen sind nach Basedow „[...] angenehme, mit dem Gesetz verbundene Folgen [...]“9, Bestrafungen werden bezeichnet als „[...] unangenehme Folgen, die der Gesetzgeber droht und ausübt, wofern ein Gesetz übertreten wird [...]“10, wobei sowohl Belohnungen als auch Bestrafungen stets willkürlichen und niemals natürlichen Ursprungs sind.11 Hierbei ist allerdings zu beachten, daß Basedow das Wort „willkürlich“ nicht gleichsetzt mit der Bedeutung „unbegründet“. „Willkürlich“ bedeutet für ihn lediglich „auf der Macht des Erziehers beruhend“.12 Außerdem ist es nach Basedow wichtig, daß Belohnungen nur ab und zu und niemals auf vorherige Ankündigung erfolgen dürfen.13
Basedows Konzept der Belohnung und Bestrafung basiert auf Grundlage einer Zweck-Mittel-Korrelation, er selber nennt dies „Zwecke der Erziehungsmittel“. Durch diese Verbindung von Mittel und Zweck in der Erziehung und die damit verbundene freie Wahl der Erziehungsmittel wird dem Erzieher eine beherrschende Funktion im gesamten Erziehungsprozeß zugeschrieben. Es könnte also von einer diktatorischen Erziehung gesprochen werden, Basedow spricht sogar von einer Oberherrschaft der Erzieher über die Kinder.14 Zweck der Belohnung und auch der Bestrafung soll zum einen sein, das Kind zum Gehorsam zu erziehen bzw. es vom Ungehorsam abzuhalten (hier wird von einem sogenannten eingeschränkten Zweck gesprochen), zum anderen soll ein Exempel statuiert werden, das auch andere daran erinnern soll, daß bestimmte Verhaltensweisen einzuhalten sind, da entweder positive oder negative Konsequenzen daraus folgen werden (diese Absicht wird als allgemeiner Zweck bezeichnet). Basedow vertritt sogar die Ansicht, ein Erzieher dürfe durchaus auch einen Unschuldigen bestrafen, um andere Kinder mit seiner Macht zu beeindrucken.15 Wichtig ist es jedoch nach Basedow, daß eine Strafe niemals aus Wut erfolgen darf, sondern daß sich der Bestrafende von seinem Ärger zunächst beruhigen soll, bevor die Strafe ausgeübt wird: „Unbedachtsamkeit ist bei einer so wichtigen Sache ein unverzeihlicher Fehler.“16 Basedow merkt allerdings an, daß bei einer guten Erziehung eine Bestrafung nicht oder nur sehr selten nötig ist.17
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt die beiden Philanthropen Basedow und Salzmann vor und erläutert das Ziel der Arbeit, deren Konzepte zur Belohnung und Bestrafung zu vergleichen.
2. Philanthropen, Philanthropismus & Philanthropine: Hier werden die historischen Begriffe definiert und die Bedeutung der Philanthropine als Reformschulen im aufklärerischen Kontext dargelegt.
3. Johann Bernhard Basedow: Dieses Kapitel skizziert das Leben und den beruflichen Werdegang von Basedow als einen der führenden Vertreter des Philanthropismus.
3.1 Belohnung und Bestrafung: Es wird erläutert, wie Basedow Belohnung und Bestrafung als zweckgerichtete Erziehungsmittel einsetzt, die auf der Autorität des Erziehers beruhen.
3.2 Die Meritentafeln: Dieses Kapitel beschreibt das spezifische System der öffentlichen Dokumentation von Verhalten durch Meritentafeln in Basedows Philanthropin.
4. Christian Gotthilf Salzmann: Die Biografie von Salzmann wird dargelegt, insbesondere sein Weg vom Pfarrer zum Reformpädagogen und Gründer des Philanthropins in Schnepfenthal.
4.1 Belohnung und Bestrafung: Dieses Kapitel analysiert Salzmanns Verständnis von Erziehungsmitteln im Rahmen einer sittlichen Individualerziehung, die das Kind zum freien Willen hinführen soll.
4.2 Formen der Belohnung und Bestrafung: Hier werden die konkreten Erziehungsmethoden Salzmanns, wie die Gruppeneinteilung der Schüler und die (später revidierte) körperliche Züchtigung, thematisiert.
5. Fazit: Gemeinsamkeiten & Unterschiede: Abschließend werden die erziehungstheoretischen Positionen beider Pädagogen resümiert, wobei Basedow als Vorreiter und Salzmann als dessen praxisorientierter Weiterentwickler gegenübergestellt werden.
6. Literaturverzeichnis: Dieses Kapitel listet die verwendeten Quellen und Publikationen auf.
Schlüsselwörter
Philanthropismus, Aufklärungspädagogik, Johann Bernhard Basedow, Christian Gotthilf Salzmann, Belohnung, Bestrafung, Meritentafeln, Philanthropin, Erziehungsmittel, Tugendhaftigkeit, Menschenfreunde, Pädagogik, Individualerziehung, Dessau, Schnepfenthal.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Theorie und Praxis zweier bedeutender Vertreter der deutschen Aufklärungspädagogik: Johann Bernhard Basedow und Christian Gotthilf Salzmann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Konzepte zur Belohnung und Bestrafung innerhalb der Erziehung, eingebettet in die Ideengeschichte des Philanthropismus.
Welches primäre Ziel verfolgt die Verfasserin mit dieser Arbeit?
Das Hauptziel besteht in einem systematischen Vergleich der Erziehungskonzepte von Basedow und Salzmann, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrem pädagogischen Denken herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, basierend auf der Auswertung von Fachliteratur und Schriften der jeweiligen Pädagogen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der beiden Pädagogen und die spezifische Analyse ihrer Belohnungs- und Bestrafungssysteme inklusive der von ihnen genutzten Methoden, wie etwa der Meritentafeln.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Philanthropismus, Aufklärung, Erziehungsmittel, pädagogische Reform, Menschenfreundschaft und moralische Erziehung.
Worin unterschied sich das Belohnungssystem von Salzmann von dem seines Vorgängers Basedow?
Während Basedow beide Seiten der Meritentafeln für Lob und Tadel nutzte, verzichtete Salzmann auf die schwarze (negative) Seite der Tafel und nutzte lediglich das Abziehen von Belohnungspunkten.
Wie änderte sich die Einstellung von Salzmann zur körperlichen Bestrafung im Laufe seiner Karriere?
Salzmann revidierte seine ursprüngliche Ansicht, die Rute sei ein notwendiges Erziehungsmittel, und lehnte physische Züchtigungen in seinem Philanthropin schließlich konsequent ab.
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- Maria Palmer-Wilson (Author), 2006, Konzepte der Belohnung und Bestrafung bei Basedow und Salzmann, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/65842